Altherrenweisheiten

Gurtpflicht, Tempolimit und all das

by Gunnar on 15. Mai 2013 · 49 comments

Ich kann nicht sagen, wie sehr mich die Debatte um das Tempolimit ermüdet, die letzte Woche mal wieder ausgebrochen ist. Beide Seiten führen massenhaft sinnlose Argumente ins Feld, im Wesentlichen, um zu rechtfertigen, dass es so, wie sie es bisher ohnehin tun, richtig ist.

Die Raser dissen die Schleicher (“Wir schreiben euch doch auch nicht vor, dass ihr schnell fahren müsst”), die Schleicher dissen die Raser (“Ich fühle mich gestresst, wenn da wieder ein Spinner mit 200 Km/h sein und mein Leben aufs Spiel setzt”).

Aber wenn man das ganze Getrommel und alle Scheinargumente (“Staus würden verschwinden”, “Das Abendland geht unter”) abzieht, bleibt eine einfache Tatsache: weniger Tempo bei sonst gleichbleibenden Bedingungen bedeutet weniger Emissionen und weniger Tote.

Und das sollte doch reichen — warum nicht einfach das Vernünftige tun?

Hat mit der Gurtpflicht doch auch geklappt und da war die Debatte nicht weniger hitzig. Ich weiß noch, dass mein Vater (der in der Tat mal einen Unfall überlebt hatte, weil er NICHT angeschnallt war) lange gewettert hatte, dass er den Quatsch nie mitmachen würde. Und heute? Alles Wasser unter der Brücke, wie man im Englischen sagt. So war das damals:

Gunnar privat

by Gunnar on 20. April 2013 · 8 comments

Der freundliche Toni Schwaiger, Ex-Kollege aus GameStar-Zeiten, hat in seiner Serie “Stars forever” (in welcher er ehemaligen Redakteuren nachstellt) ein hübsches Video über mich veröffentlicht.

Erstaunlich, wie zappelig ich bin, vor der Kamera und überhaupt.

EPIC

by Gunnar on 21. Februar 2013 · 2 comments

Wer erinnert sich noch? EPIC 2014/2015 war Mitte des letzte Jahrzehnts ein Pflichtvideo für Menschen in den Medien.

Was ist von den Vorhersagen geblieben?

Erstaunlich viel, finde ich. Gut, Friendster ist Facebook und ja, Google hat nicht mit Amazon zu “GoogleZon” fusioniert, aber grundsätzlich war das eine sehr durchdachte Vorhersage.

Silbertrinker

by Gunnar on 8. Februar 2013 · 6 comments

Schock! Die Kaffeemaschine auf der Arbeit sieht anders aus als sonst! Herr Kaliban, qua Alter und Starrköpfigkeit nicht gut auf Veränderungen vorbereitet, stoppt den im Körpergedächtnis gut verankerten Zapfvorgang, um die Maschine anzustarren.

Kollege M. kommt vorbei.

Herr Kaliban starrt.

Kollege M.: Ist was?

Herr Kaliban: Anders. Maschine. Uh.

Kollege M.: Ja, die alte wurde zur Wartung abgeholt. Diese hier ist ein Austauschmodell.

Herr Kaliban: Aber jetzt ist sie grau, nicht schwarz.

Kollege M.: Wir haben das Design passend auf deine Haarfarbe abgestimmt.

Ah! Die Frechheit der jungen Kollegen nimmt von Tag zu Tag zu. Ich muss sofort den Betriebsrat informieren, dass hier ältere Arbeitnehmer gemobbt werden!

WASD kaufen!

by Gunnar on 22. Dezember 2012 · 3 comments

Die neue WASD ist erschienen, falls es jemand noch nicht gehört hat. Möglicherweise das beste deutschsprachige Spielemagazin. Mit Texten von Christian Schmidt und mir. Und auch sonst noch vielen großartigen Autoren wie Sven Stillich (GEE, Hamburger Abendblatt), Balkantoni, Agitpop-Björn, Robert Glashüttner (FM4), Dennis Kogel (Superlevel, GameStar) und vielen anderen.

Ein Klick auf das Foto bringt euch zur Bestellseite.

Wer erstmal reinlesen mag: Christians Artikel gibt’s auch drüben, bei GameStar.

Der Hobbit

by Gunnar on 17. Dezember 2012 · 11 comments

Ständig höre ich Leute sagen, Dings (wobei Dings für eine Person, eine Band, einen Film, eine Stadt, eine Sexualpraktik, eine Schokoladensorte oder sonstwas stehen kann) könne man nur lieben oder hassen, dazwischen gäbe es nichts. Dings sei polarisierend, Dings spalte, Dings zwinge unbedingt zu einer Position.

Keine Ahnung, ob’s an einsetzender Altersmilde liegt oder der vage beunruhigenden Entwicklung, dass ich mich mit zunehmendem Alter hauptsächlich für mich interessiere und andere Menschen eher als temporäre Störung der Matrix wahrnehme, jedenfalls gelingt es mir jedes Mal problemlos, Dings mittelsuper, mittelscheiße oder schlicht uninteressant zu finden.

Das sage ich dann auch zuweilen. Dann sind die Leute immer mindestens mittelbeleidigt. Dabei ist es ja, betrachtet man es im gleißenden Licht der Wahrheit, nicht wirklich mein Fehler, wenn die alle Leute mit haltlosen Generalisierungen um sich werfen.

Daher hier eine weitere Kampfansage:

Liebe Leute, der “Hobbit” von Jackson ist weder “EPIC EPIC EPIC”, wie jemand in meiner Facebook-Timeline schrieb, noch der der “Triumph”, zu dem ihn SpOn hochgejazzt hat. Aber er ist auch nicht die Katastrophe im BBC-Historiendrama-Look, den die enttäuschten Film-Nerds aus ihm machen. Der Streifen hat ein paar handfeste erzählerische und technische Probleme, klar, aber er hat auch Wucht und Epik und Witz genug, um ihn zu sehr guter Abendunterhaltung zu machen.

Und das ist doch schon mal was.

So, und können wir dann jetzt alle mit dem Hyperventilieren aufhören? Wir brauchen eine würdevolle Haltung, wenn am 21. die Welt untergeht.

P.S. Und an den 48fps-Look gewöhnt man sich, wirklich.

*

Das Schreiben von Artikeln, seit langem nicht mehr mein Hauptberuf, ist ein Geschäft voller Unwägbarkeiten: Mal schreibt man einfach nur ein Wort hin, dann nimmt einen der magische Flow bei der Hand und schwimmt mit einem raus aufs Meer, die Zeit bleibt stehen, und man erwacht zwei Stunden später mit einem Pulitzer-Preis-verdächtigen Werk auf der Festplatte. Das ist, nun, der seltene Fall. Normalerweise schreibt man ein paar Absätze, findet ein paar Sätze gut, andere so mittel und beginnt den ersten von vielen Überarbeitungsgängen, an deren Ende dann etwas Brauchbares steht, vielleicht. Den Prozess nannten wir früher “aus Bronze Gold machen” oder, bei der Redigatur untalentierter freier Autoren, auch despektierlich “aus Scheiße Bronze machen”. Ahem.

Naja, ich jedenfalls schrub neulich einen Artikel für die lobenswerte WASD, das war eine reine Qual, wie sie mir kaum je passiert ist. Vier Anläufe, vier halbe Artikel mit unterschiedlichen Angriffen aufs Thema, aber kein Ansatz wollte funktionieren. Jedes Mal war nach der Mitte klar, dass man es so nicht schlüssig zuende bringen kann. Am Ende, weit nach dem versprochenen Abgabetermin, war es nur noch ein Rückzugsgefecht und der Versuch, aus Dreck wenn schon nicht Bronze, dann wenigstens, sagen wir, Blech zu machen.

Das Resultat ist irgendwann in der WASD nachlesbar (falls der Herausgeber es nicht noch heimlich unter den Tisch fallen lässt, um den Qualitätsdurchschnitt seines Magazins zu halten), ich aber sitze hier mit einem Haufen halber Artikel und einem leicht eingedellten journalistischen Selbstbewusstsein.

Eine ganz hübsche Passage, die es nicht in den Artikel geschafft hat, möchte ich wenigstens hier verwerten. Das zugrunde liegende Ereignis muss in den Achtzigern passiert sein, ich kam drauf, weil ich für den Artikel über die Macht von Metaphern beim Game-Design nachdachte. Also:

Ich habe vor vielen Jahren mal an einem Rollenspiel teilgenommen, 50 Menschen in einem Raum, keine Regeln außer einer knappen Vorgeschichte: „Der König ist gestorben. Ihr seid die Versammlung, die den Nachfolger aus ihrer Mitte wählt.“ Man konnte sich dann noch eine Rolle frei auswählen, sofern sie in das Fantasy-Setting passte, Herr der Diebesgilde, Sprecher der Hobbitgemeinden, so was in der Art. Der Spielleiter schenkte einem dann passend zur Rolle Spielgeld und Einflusspunkte, los konnte es gehen. Den Rest machten wir selber. Es folgten vier Stunden Gespräche zwischen Impro-Comedy und Schauspielschule, das ganze Chaos zusammengehalten dem Wissen, dass am Ende eine Abstimmung stehen würde. Wir logen, schworen, bestachen, bezircten, drohten. Ganz wie im richtigen Wahlkampf. Am Ende gab es einen schwachen König, fast handlungsunfähig durch all die Versprechen, die er abgeben musste, um sich Stimmen zu sichern, aber auf jeden Fall der Mann, der für die unterwegs entstandenen Bündnisse das kleinste Übel war.

Dann brach noch die Revolution aus, aber das war möglicherweise meine Schuld, weil ich die Hobbits aufgewiegelt hatte, das tut hier nichts zur Sache.

Sehr realistisches Resultat übrigens, fast wie bei einer richtigen Wahl.

Das beschriebene Rollenspiel fand auf dem STARD statt, einem längst vergessenen Rollenspiel-Con der frühen Pionierzeit. Ich meine mich zu erinnern, dass der Spielleiter Hadmar Wieser* war, aber ich würde da meinem Gedächtnis nicht vertrauen. Jedenfalls war es eine coole Erfahrung, zu sehen, aus wie wenig man ein interessantes Spiel machen kann: Neben der sehr starken Ausgangssituation (“Wählt den König”) gab es fast nichts, schon gar kein Regelwerk. Alles passierte nur in den Köpfen der Spieler.

So, nun ist wenigstens noch ein Blogbeitrag rausgesprungen bei dem Desaster.

Stars Forever

by Gunnar on 4. November 2012 · 16 comments

Toni Schwaiger, früherer Video-Mann von GameStar und Regisseur von Kultwerken (*hust*) wie “Raumschiff GameStar” hat eine Reihe von Videos begonnen, in denen er der Frage nachgeht, was die bekannten Spieleredakteure heute eigentlich machen.

Hier ist die erste Folge mit Chris Schmidt:

Und Nr. 2, mit Martin Deppe:

Sehr hübsch gefilmt, sehr nettes Format.

The Road Not Taken

by Gunnar on 7. August 2012 · 0 comments

Gefunden bei Zen Pencils, einer Seite für, nun, inspirierende Cartoons. Ich bin schon seit ewig ein großer Fan der kurzen Formen von Robert Frost. Hatte mich bei meinem Allzeitlieblingsgedicht “Dust of Snow” vor Jahren auch schon mal an einer, uh, grafischen Umsetzung versucht, kann aber leider nicht zeichnen oder photoshoppen.

Egal, wer sich mit Poesie als Kunstform anfreunden kann, kann/sollte/darf mal bei Frost reinschauen, das lohnt sich auf jeden Fall.

»I’m a little bored of movies.«

by Gunnar on 19. Juli 2012 · 5 comments

Gerade beim Stöbern in alten Fotoarchiven wiedergefunden: ein von mir leider exzeptionell schlecht fotografiertes historisches Dokument. Aber hey, es war acht Uhr morgens in Barcelona, am Tag nach der Party, ich war müde. Von links nach rechts sind zu sehen: Peter Molyneux (seinerzeit Lionhead), Greg Zeschuk (Gründer von Bioware) und Peter Jackson (Regisseur von Herr der Ringe). Die sind vor knapp sechs Jahren (im September 2006) auf einem Event von Microsoft aufgetreten, weil Jackson damals gerade sein Games-Studio Wingnut Interactive gegründet hatte, um, wie er sagte, neue Formen des Geschichtenerzählens zu explorieren.

»”From a movie-maker’s point of view, it is clear to me that the Xbox 360 platform is the stage where storytellers can work their craft in the same way they do today with movies and books but taking it further with interactivity.”« sagte er. Und: »I’m a little bored of movies.«

Hatte das schon fast wieder vergessen, aber jetzt, sechs Jahre später, weiß man, was passiert ist: nichts. Das angedachte Spieleprojekt im Halo-Universum ist gescheitert, die Firma gibt’s nicht mehr. Jackson macht, was er immer macht: Filme.

Schade, eigentlich. Oder Gottseidank?

[Für historisch Interessierte: IGN hat ein komplettes Transkript des Gesprächs; bei MSXboxWorld gibt’s auch ein Video.]

A wonder-filled carnival of delight and terror

Juni 12, 2012

In Memoriam Ray Bradbury , Science Fiction-Autor, 22.12.1920 – 5.6.2012. Einer der größten Autoren meiner Lieblingsliteraturgattung ist verstorben, im gesegneten Alter von 92 Jahren. Auf seinem Grabstein steht “Der Autor von Fahrenheit 451″. Der Kurzroman von 1953, brillant in seiner schnörkellosen Aufdenpunktigkeit, ist denn auch bei weitem sein bekanntestes Werk und der Grundstein seines Ruhm. […]

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Kaliban-Gespräche, Folge 3: Agitpop!

Mai 21, 2012

Herr Kaliban sprach mal vor Jahren mit dem Herrn Agitpop über Urheberrecht und Piraterie. Das war ein schönes Gespräch, die Herren nahmen sich denn auch vor, das bei Gelegenheit mal wieder zu tun. Nun, hey, kaum drei Jahre später ist es schon so weit. Das Thema diesmal: der FC Bayern. Das Sujet liegt seit Samstag […]

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