Ich dokumentiere hier mal eine komplette Facebook-Diskussion von älteren Herren aus meinem Bekanntenkreis, weil’s so hübsch bizarr ist. Ist anonymisiert, sicherheitshalber. Wir schreiben das Jahr 2011, nur zur Erinnerung.
Amigajünger 1: das einzig gute am ST war die tastatur, die sah ganz cool aus. der rest… *würg*
Atari-ST-Verteidiger: Moooment, der ST war ein Super Computer. Allein der 70 Hertz S/W-Monitor war Gold wert. Und das zu Zeiten, als Commodore nicht mehr als den +berteuerten Amiga 1000 zu bieten hatte. Wer spielen UND arbeiten wollte, kam um den ST nicht herum. Allein schon wegen Signum. Und dann die beiden Midi-Buchsen…
Amigajünger 1: toll wenn man 2 midi buchsen hat aber kein multitasking um auch beide anzusteuern ;)
Amigajünger 1: jedenfalls war midi maze das einzige spiel auf ST, das es nicht in besser auf Amiga gab.
Atari-ST-Verteidiger: äh, wie meinen? Das sind Midi In und Out. Und klar kann man beide gleichzeitig ansteuern. Hat Steinbergs “24″ ganz hervorragend hingekriegt. Multitasking am Amiga habe ich trotz vier Jahre in [ANONYMISIERT] nicht einmal gesehen…
Atari-ST-Verteidiger: nö, da gab es noch ne ganze Menge. Starglider, Gunship und so ziemlich alles von Microprose. Gerade bei Polygondarstellung war der ST nun mal schneller.
Amigajünger 2: Was nur daran lag das der ST paar Khz mehr CPU power hatte …
Atari-ST-Verteidiger: ist ja egal warum…
Amigajünger 1: dafür hatte Starglider auf dem Amiga eine geile gesampelte Titelmusik. das hat der ST mit seinem Yamaha soundchip nicht gekonnt. ätsch
Amigajünger 2: Mehr wars aber auch nicht am ST. CPU, RAM, MIDI. Deswegen war er nur in D so populär :p
Amigajünger 2: Ach und was Multitasking angeht, das ganze OS war Multitasking. Blind.
Atari-ST-Verteidiger: der Soundchip war tatsächlich die einzige echte Schwäche die der ST hatte. Und das fehlende Hardwarescrolling…
Amigajünger 1: und auf die disketten ging weniger drauf, weil TOS
Amigajünger 2: Und mit SW Monitor lief dann gar nix mehr außer … serious Anwendungen omg
Atari-ST-Verteidiger: @Amigajünger 2: wie meinst du das? Waren wir Deutschen zu dumm, um die Überlegenheit des Amigas zu erkennen? CPU und RAM sind doch die Kennziffern, die einen Rechner, vor allem damals, auszeichneten. Aber ich führe schon wieder dieselben ollen Diskussionen wie mit den gazen anderen Amigajüngern in der Redaktion. Später war für die dann der PC der Hauptfeind, bis Commodore endlich den Bach runter gegangen war…
Atari-ST-Verteidiger: eben, es gab auch Leute, die arbeiten wollten. Da warste am Amiga völlig aufgeschmissen
Amigajünger 2: Atari ging doch eher den Bach runter? Amiga war erfolgreicher, von dem redet heute noch jeder. Atari ST verwechseln die meisten mit nem VCS.
Amigajünger 2: Amiga war das bessere Arbeitsgerät … wer ein ST hatte war nur zu arm sich ein Mac zu kaufen
Atari-ST-Verteidiger: nee, den hatten nur so Schüler die Raubkopien tauschten. Geh man an ne Uni, da lobt man den ST heute noch. Atari hat leider viele Dummheiten gemacht und mit dem TT eine Katastrophe als Nachfolger geliefert.
Amigajünger 1: Also nen Atari ST emulator für iOS sehe ich jedenfalls keinen ;)
Amigajünger 1: (um mal zum topic zurückzukehren)
Atari-ST-Verteidiger: das bessere Arbeitsgerät? Wofür denn? Und nen Mac hatte seinerzeit absolut niemand. Da gabs auch nur ein Ubootspiel drauf… hat sich bis heute wenig dran geändert.
Amigajünger 2: Der Amiga war seiner Zeit weit vorraus. Kann man vom ST nicht sagen. Und Unis, richtig, Studenten ohne Geld. Die laufen heute mit Macs rum.
Amigajünger 2: Ich bin also ein niemand. Mein SE/30 wird beleidigt sein über solche Aussagen.
Atari-ST-Verteidiger: ich rede von wissenschaftlichen Abteilungen. Am Amiga gabs nicht mal ne naturwisenschaftliche Textverarbeitung. Und womit war er seiner Zeit voraus? Mit seinen sperrig programmierbaren Extrachips?
Atari-ST-Verteidiger: Kannst dich beglückwünschen, wahrscheinlich warst du tatsächlich der Einzige.
Amigajünger 2 Wurden nicht alle eure Magazine auf Mac layoutet weil der PC das nicht konnte? Und für Photoshop die dolle Speicher Grenze dem in Weg stand? Egal.
Atari-ST-Verteidiger: Wurden nicht alle Spiele auf dem PC gespielt, weil sie auf dem Amiga gar nicht mehr rauskamen?
Amigajünger 1: wobei ich Videobearbeitung durchaus als “seriöses Arbeiten” verbuchen würde…. Videotoaster… Scala… jaja
Amigajünger 2: ”gab es noch nicht mal …” kann man sich immer was feines suchen was es nicht gab am anderen Gerät gelle? Wissenschaftliche Textverarbeitung. GROßE Zielgruppe.
Amigajünger 1:ausserdem ist das gelogen, es gab sehr wohl TeX. das hatte ca 20 disketten
Amigajünger 2: TeX, genau, so hieß das. Zudem gabs DPaint, der Urvater vom Photoshop :p Und gute Compiler, Editoren & Basteleien. Golem Erweiterung z.b. :)
Und damit faserte es aus. Nochmal: Da geht es darum, welcher Computer besser gewesen ist, damals vor 20 Jahren, der Commodore Amiga* oder der Atari ST*. Absurd.
Andererseits: Ich bewundere die Herren durchaus für ihr Gedächtnis; ich hatte auch jahrelang einen Amiga und weiß nicht mal mehr, wie der Startbildschirm aussah, geschweige denn könnte ich einzelne Programme aufzählen.

1998, Anfang Mai, ich war gerade einen Monat bei der GameStar, stellte Jörg L. einen blonden Jüngling ein, ausgerechnet aus der Konkurrenzstadt Nürnberg, wo die mächtigen Computecs damals residierten. Der junge Mann, Christian Schmidt hieß er, übernahm von mir die Betreuung der Rubrik der Budget-Spiele, eine dankbare Aufgabe für Neu-Redakteure, weil man dort ohne Wertungsdruck seine Spielewissen verbreitern konnte. Aber der Herr Schmidt brachte ohnehin schon ein immenses Wissen mit, eine normale Jugend kann er nicht gehabt haben, so viele Spiele kannte er aus eigener Anschauung. Dieses brennende Interesse am Medium hat er sich dann über die Jahre erhalten, quasi als einziger der mir bekannten Redakteure — wir alle haben uns zwar noch fortgebildet, aber uns irgendwann privat auf ein Genre kapriziert. Manche hingen auf WoW, andere auf Battlefield, ich reihe noch immer Solo-Rollenspiel an Solo-Rollenspiel, nur der Chris, der brachte es fertig, letztes Jahr Montags in der Redaktion zu erscheinen, einen Kurztest zu einem der Redaktion unbekannten Nischending namens Armada 2526 abzugeben und zu verkünden, er habe den Titel privat am Wochenende gespielt und dann nebenbei rasch noch den Test geschrieben. Chris war unser Experte für alles, was nicht Mainstream war: Rundenstrategie, Adventures, Wimmelbildspielchen und anderes Kleinzeug aber auch Story-Shooter, Rollenspiele und Echtzeitstrategie. Er testete eine Reihe von Meilensteinen (Deus Ex, Bioshock, Warcraft 3, System Shock 2), war der Hauptkolumnenschreiber und verantwortlich für das Kronjuwel des Magazins, die Reports. Seine Karriere lief nicht ganz gerade, zwischendurch nahm er sich eine Auszeit, begann ein Studium, kehrte zurück, betreute Sonderhefte, wurde dann Leitender Redakteur und schließlich Stellvertretender Chefredakteur.


Unterstützend beim Bilden unserer eigenen Meinung waren einige Bücher, die ich schon lange mal empfehlen wollte, durch den Wust von Ratgeberliteratur zum Thema Erziehung blickt ja keiner mehr durch. Ich stehe allerdings der heutzutage üblichen Problematisierungspädagogik nicht allzu nahe und habe die für mich und meine Frau besten Ratschläge in eher altmodischeren Werken gefunden, zum Beispiel in denen von 
