Die Bosheit der Welt

Ein paar schlaue Menschen haben die Lokalisierungsdaten gefunden, die das iPhone sammelt und vermutlich an die CIA, den Mossad und den Klingonischen Rat übermittelt — und sie visualisiert. Obiges Bild zeigt einen Ausschnitt aus meinem Bewegungsprofil im süddeutschen Raum. Mehr dazu: iPhone Tracker.

Update: Es gibt auch Leute, die finden das alles halb so wild.

Und falls sich jemand wundert: dieses Blog ist nicht tot. Es atmet nur schwer.

Ich würde gerne auch was sagen zu der Wikileaks-Klamotte, aber eigentlich hat (neben dem Spiegelfechter, natürlich) Don Dahlmann meine grundsätzlichen Gedanken zufällig bereits ganz gut zusammengefasst, in dem er einen Teil der offenen Fragen anspricht:

1. Wer ist eigentlich die wirkliche Quelle (und was ist die Motivation der Quelle)?
2. Warum konzentriert sich Wikileaks so auf die USA?
3. Lassen sich die Medien instrumentalisieren? Wer profitiert hier von wem?

Für des Dons Antwortversuche: Klickst du hier.

Die logische nächste Frage fehlt mir allerdings:

4. Hätt’s das gebraucht? Muss man das Zeug wirklich veröffentlichen?

Dass die Herren von Wikileaks im Sinne der Öffentlichkeit handeln, wenn sie Dokumente veröffentlichen, die Ereignisse aus einem mit massig Desinformation geführten Krieg aus dem Dunkel holen, sehe ich ein. Aber Dossiers mit Einschätzungen von Botschaftern? Das ist meinetwegen interessant für Historiker und oft ziemlich lustig, aber grundsätzlich erst einmal Privatpost und geht niemanden was an, auch nicht den SPIEGEL und seine Leser. Wie geht das weiter? Kommen noch die Liebesbriefe von Bill Clinton, die Kantinenpläne des Außenministeriums und Mitschriften von den Gesprächen auf der Herrentoilette des Weißen Hauses? Hätte sich Wikileaks einen Zacken aus der Krone gebrochen, wenn sie bei “Cablegate” erst mal auf Dokumente aus den letzten 15 Jahren verzichtet hätten? Aber dann wär’s natürlich kein Mediencoup geworden und der SPIEGEL hätte kein Geld für die Exklusivrechte gezahlt. Tja.

Nachtrag I: Interessant übrigens in all der Aufregung: Spreng sagt, die Depeschen bewiesen nur, dass US-Diplomaten Zeitung lesen können.
Nachtrag II: Oh, der Traveller sieht’s ganz ähnlich wie ich.

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Kommando Kachelmann

13. September 2010 · 7 comments

Die Spammer werden immer bizarrer. Das hier kam eben rein:

Dabei war noch ein Link, der auf ein WordPress.com-Blog führte, das aber mittlerweile schon suspendiert wurde. Keine Ahnung, ob das einfach nur eine Dummenfalle war oder eine Gruppe echter Kachelmann-Fans.

Falls es die überhaupt gibt — spontanes Googeln nach “Free Kachelmann” spült erstmal eine Reihe von Weltverschwörungswebseiten und rechten Blogs nach oben, die den Fall als typisches Beispiel für die Auswirkungen der so genannten Rothschild-Tyrannei nehmen, denn, man höre und staune, Kachelmann ist ja Meterologe. Und als Meterologe weiß er natürlich SO EINIGES über das die Versuche der westlichen Regierungen, das Wetter zu beeinflussen und könnte da GEHEIMNISSE ausplaudern, beispielsweise zu dem schönen Wetter, das zufällig (ZUFÄLLIG?) genau zur WM 2006 aufgetreten ist.

Manche Leute haben offenbar einfach zu viel Zeit.

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Die Sau auf der Dorfstraße, Teil 2

2. September 2010 · 37 comments

Herr Kaliban dokumentiert eine Art Gespräch, das zu führen er sich wider besseres Wissen hat hinreißen lassen. Schauplatz war ein, nun, soziales Netzwerk. Ist ein bisschen gerafft.

Horst*: Auf die Gefahr hin das manch einer das nicht gerne liesst, muss ich grösstenteils sagen das Sarrazins Gedanken durchaus ausgesprochen werden dürfen und sollten. Ich denke nicht das man von rassistischen thesen reden darf, das übertreibt die presse teils ja schon zu gerne und welche macht die printmedien haben, ist sicher kein geheimnis. Alles in allem spricht Sarrazin nur aus was viele Deutsche denken, und insbesondere die mangelhafte Integrationspolitik wird passend kritisiert. Ich wandere auch nicht nach beispielsweise America aus und weige mich dortige Sprache und dergleichen zu erlernen, sofern noch nicht getan. Darüber hinaus ist es erschrecken wie drastisch die Meinungsfreiheit (welche wir ja angeblich haben) beschnitten wird. Wenn man Menschen verbietet zu sagen was Sie denken…

Herr Kaliban: Seufz. Sarrazins Buch ist ein sicherer Bestseller, Spiegel und BILD drucken vorab Ausschnitte, Tausende von Medien berichten darüber, aber wenn ein paar Leute das nicht super finden, wird gleich “die Meinungsfreiheit beschnitten”.

Horst: Und ja ich spreche von Beschneidung der Meinungsfreiheit, wenn ich höre was Sigmar Gabriel für einen Dummfug von sich gibt, in Bezug auf Sarrazin, kann ich nur noch den Kopf schütteln. Wo ist das denn Meinungsfreiheit wenn man Menschen schlecht macht, weil Sie es wagen auszusprechen was Sie denken. Wo bleibt denn da die Toleranz? In unserem demokratischen Land möchte ich gefälligst auch aussprechen können was ich denke ohne gleich dafür verurteilt zu werden.

Herr Kaliban: Sarrazin diffamiert ganze Bevölkerungsgruppen, wird von der NPD dafür bejubelt, aber wenn sein Parteichef was dagegen sagt, ist das “intolerant”? Ich habe früher als Sozialarbeiter mit Flüchtlingen gearbeitet und durchaus eigene Erfahrungen mit muslimischen Migranten. Bestreite gar nicht, dass die schwierig zu integrieren sind, auch weil die Traditionen einiger Herkunftsländer mit unserer Gesellschaft nur schwer vereinbar sind. Daraus zu schließen, die seien genetisch dümmer, ist allerdings Blödsinn. Den Unsinn mit dem “jüdischen Gen” hat Sarrazin ja auch mittlerweile schon wieder zurückgenommen.

Freund von Horst: Du unterstellst Horst Meinungen, die er mit keinem Satz geschrieben hat, mal ganz abgesehen davon, das Deine Argumentation Quatsch ist. Niemand kann sich aussuchen, von wem er bejubelt wird.

Horst: schon interessant wie boniert manche menschen denken, ihre meinung steht über allem anderen…sehr bedenkliche sichtweise ..  p.s. was hat eine fremde kultur denn damit zutun, ob man bereit ist die sprache des landes zu lernen, in dem man lebt ?

Herr Kaliban: Die letzte Frage zeigt ganz gut, wie die ganze Debatte funktioniert. Viele Menschen, auch ich, sehen mit Sorge, dass hierzulande Nebengesellschaften entstehen, dass unsere Kinder in manchen Schulen gegenüber den Migranten in der Minderheit sind, fürchten die Aggression, die von manchen Gruppen ausgeht. Et cetera. Das alles ist unbestritten. Und das darf man auch sagen, im toleranten Deutschland. Man darf auch von migranten größere Integrationsanstrengungen fordern. Alles Teil einer komplexen Debatte: einerseits gibt es unbestritten Familien, die sich der libertären Gesellschaft verweigern und hier gerne einfach so weiterleben würden, wie in, um ein Klischee zu nennen, Ostanatolien, nur mit mehr Konsum. Andererseits sind die Deutschkurse für Einwanderer überfüllt, die Nachfrage übersteigt das Angebot weit. Das ist leider nicht die Art von Thematik, die man mit zwei, drei prägnanten Halbsätzen darstellen kann. Und wirklich problematisch wird ja es erst, wenn man versucht, mit wissenschaftlich unhaltbaren biologistischen Argumenten eine Art Unausweichlichkeit herbeizuargumentieren. Aus dem Letzteren rührt der Widerstand gegen Sarrazin, kein Mensch greift ihn an wegen der Forderung nach besserer Integrationspolitik.

Aus dem Off: Plinnnngg!

Horst: Blablaallesganzanders

Herr Kaliban: Neeblubbachwasneenee

Das vollständige “Gespräch” ging noch ein bisschen länger, fürchte ich. Ohne dass irgendwer irgendwen in seiner Meinung ins Wanken gebracht hätte. Ich muss irgendwann lernen, mich aus sowas rauszuhalten. Ich bin wie ein Usenet-Zirkuspferd, das sofort losläuft, wenn die, äh, Flamewar-Musik einsetzt. Oder so.

* Name geändert

Update: Rasch noch ein brillanter Beitrag zum Thema: 8 Thesen zur Migrationsdebatte (zeit.de). Auszug:

Wo das Leben nicht konkret wird, da entsteht Platz für Ideologien. Deswegen zeigen sich in der aktuellen Debatte noch die Frontlinien des vergangenen Jahrhunderts. Da standen auf der einen Seite ausländerkritische, auch ausländerfeindliche rechte Politiker, die daran glaubten, die Fremden seien hier nur zu Gast, sie warnten vor Überfremdung. Auf der anderen Seite standen die Linken, die einen regelrechten Selbsthass auf die spießigen, nach wie vor faschistoiden Deutschen verspürten, denen man als Gegengift gar nicht genug Ausländer ins Land holen kann. Beide Gruppen, Ausländerfeinde wie Deutschenfeinde, hegten kaum ein wirkliches Interesse an den Ausländern, sie dienten ihnen als politische Waffe.

Viel besser kann man das nicht sagen.

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Die aktuelle Sau auf der Dorfstraße

1. September 2010 · 5 comments

Eigentlich wollte der Herr Kaliban auch was zur Sarrazin-Debatte sagen. Ach.

Aber man soll nicht mit Wut schreiben, da habe ich den halbfertigen Text weggeworfen. Außerdem ist die ganze alberne Debatte schon zu weit fortgeschritten, als dass man sie noch vernünftig einfangen könnte. Und ich habe keine rechte Lust, das Buch komplett zu lesen. Ich zitiere also nur mich selber:

Und verweise ansonsten auf den gewohnt souveränen Herrn Spreng und zudem auf einen Beitrag des von mir eher weniger geschätzten Frank Schirrmacher, der aber — bei aller Sympathie für Sarrazin — auch nicht umhin kann, das Verlogene am Buch zu kritisieren:

“Sarrazin blendet eine jahrhundertelange, zum Teil verheerende wissenschaftliche Rezeptionsgeschichte darwinistischer Theorien aus und schließt an sie an, als seien sie Erkenntnis von heute. Damit es nicht auffällt, verschleiert er die Terminologie.”

Deutlichere Worte findet — natürlich — Herr Sickendieck von F!xmbr.

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Die Bosheit von Google

30. August 2010 · 16 comments

Herr Kaliban hat auch eine Meinung zu Google Streetview.

Zum Thema Streetview ist schon vieles gesagt, die c’t fasst aber den aktuellen Stand der Diskussion nochmal launig in ihrem aktuellen Editorial zusammen. Auszug:

[... ]sprangen Politiker aller Bundestagsfraktionen mutig vor Googles allgegenwärtige Augen, die heimlich hilflose Hausfassaden abfotografiert hatten [...]. Niemals würde unsere Regierung zulassen, dass so private Informationen über die Landesgrenzen hinausdringen. Außer beim SWIFT-Abkommen, aber da geht es ja nicht um Fotos, sondern um Kontodaten – was ist das schon gegen das Risiko, dass ein Passant beim Brötchenholen oder ein Autokennzeichen versehentlich der automatischen Verpixelung entgehen könnte? Das wäre ja fast, als stünde man vor anderen splitternackt da, wie etwa bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen.

Vielleicht spielt da das Alter der betreffenden Politiker auch eine Rolle. Die clevere Frau Passig sagt ja ganz korrekt, dass es leicht ist, Technologien zu schätzen und zu nutzen, die einem mit 25 oder 30 Status- und Wissensvorsprünge verschaffen. Wenn es einige Jahre später die eigenen Pfründen sind, die gegen den Fortschritt verteidigt werden müssen, wird es schwieriger (Quelle).

Aber lohnenswerter als sich über die Doofheit von Politikern aufzuregen ist es vielleicht, sich mal die alte Ermittlerregel “Follow the Money” anzugucken — die in der modernen Variation so klingt: “Wenn jemand Moral oder Bürgerrechte im Munde führt, schau’ erstmal nach den wirtschaftlichen Zusammenhängen”.

Was Google da tut, ist nämlich nicht primär eine Frage der Preisgabe von Privatsphäre; unsere Daten liegen interessierten Parteien schon in besserer Form vor. Nein, Google zerstört da gerade live und mit einiger Konsequenz einen Markt. Ebenso wie Google Maps andere Kartendienste ins Abseits drängt und Handyanbieter zum Verschenken ihrer Navigationssoftware gezwungen hat, wird auf absehbare Zeit niemand mit der 3D-Kartografierung von Städten Geld verdienen. Google schaltet ja nicht einmal Werbung daneben. Das Vorgehen entzieht nicht nur kleinen Konkurrenten die Geschäftsgrundlage, das trifft auch die großen Datenschacherer und, ja, auch Behörden.

Diese Verbindung von Wirtschaftsinteressen mit einem leicht instrumentalisierbaren Bild in den Köpfen der BILD-Leser (“Die wollen meine Frau im Badeanzug fotografieren! Spanner!”) ist, davon kann man ausgehen, der eigentliche Grund für die allgegenwärtige Hysterie.

Update: Bonmot von, nunja, Hendryk M. Broder zum Thema: “Dieselben Leute, die unser Leben in eine „Truman-Show“ verwandelt haben, wollen uns und unsere Privatsphäre nun vor Google beschützen. Das ist, als würden Repräsentanten der Alkohol-Lobby das Verbot von Mon-Chéri-Pralinen fordern.” (Quelle) Kann Broder nicht leiden, aber das ist hübsch gesagt.

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PR und andere Katastrophen

11. August 2010 · 20 comments

Herr Kaliban regt sich mal wieder wegen Kleinigkeiten auf.

Berlin, 11. August 2010 – Das Öl-Leck im Golf von Mexiko ist vorerst dicht! Mit ‚Oil Spill – Fight the Pipe!‘, dem neusten Handyspiel aus der Berliner Spieleschmiede kunst-stoff, kann jeder iPhone-Besitzer ab sofort mithelfen, das Öl weiterhin unter Kontrolle zu halten – zumindest auf seinem Bildschirm.
Das einfache und ironische Spielprinzip verleiht ‚Oil Spill – Fight the Pipe!‘  das Potenzial, Kultstatus zu erlangen. Aus einem kaputten Rohr tief unten am Boden des Atlantischen Ozeans entweicht unaufhörlich das bedrohliche Öl. Um die Katastrophe zu beenden, verschließt der Spieler das kaputte Rohr mit seinem Daumen – je nach Lust und Ausdauer unendlich lange. Das Meer erhält seine blaue Farbe zurück und die Punktzahl wächst und wächst: „Bereits in der ersten Woche nach Erscheinen im App Store hat jemand das Rohr ganze zwölf Stunden geflickt“, stellt Patrick Rau, Gründer, Geschäftsführer und Kreativ-Direktor von kunst-stoff, erfreut fest.

Nicht nur, dass sich das wie ein wirklich schlechtes Spiel anhört (offenbar kann man echt nichts weiter tun als den Daumen auf die Grafik zu drücken)– ich finde es auch ausgesprochen zum Kotzen, aus einer Katastrophe ein Spielchen zu basteln. Nur um der Publicity willen, die das bringen oder auch nicht bringen mag. Und den Text hat auch offenbar der Praktikant in der Mittagspause verfasst. Seufz. Die Welt ist schlecht.

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PC Zone, quasi ein Nachruf

15. Juli 2010 · 14 comments

Herr Kaliban neigt derzeit ein bisschen zur Nostalgie und möchte eine Zeitschrift würdigen.

Nach 17 Jahren, 225 Ausgaben, wird Future Publishing im September die englische PC-Spielezeitschrift PC Zone einstellen*. Der Entschluss kommt am Ende eines langen Siechtums: die letzten Ausgaben fanden gerade noch um die 10.000 Käufer, inhaltlich ist sie schon seit Jahren nichts Besonderes mehr.

Die grundsätzliche Geschichte des Heftes von der Gründung 1993 bei Dennis Publishing über den Verkauf an Future 2004 bis heute kann man auf Wikipedia nachlesen, das ist so mittelinteressant. Interessant war der Stil: Ich habe die Zone Mitte der 90er gelesen, als sie — offenbar beherrscht von einer Horde total durchgeknallter Vollzeitirrer wie dem oder dem oder dem — eine Art Gaming-FHM war, eine Bastion der englischen “Lad Culture”*, aber eben mit einem sympathischen Nerd-Touch. Die Tests waren oft übertrieben hart oder übertrieben enthusiastisch, der Schreibstil manchmal krude, aber sie hatten immer großartige Witze und absurde Ideen.

Unvergessen ist mir der Satz “Well, you know, there are people who don’t want internet access. Presumably because they have a big porn collection already.”. Oder das beste Nerd-Anagramm ev0r:

Wing Commander IV = Cover dim Wingman

Sensationell. Dieses wunderbare Faktum nutzlosen Wissens hat die PC Zone in einem Vortext nebenbei ihren Lesern hingeworfen, Jahre, bevor es Anagrammgeneratoren im Internet gab, und sich schon damit meine ewigwährende Hochachtung erworben. Wild war auch der Joysticktest mit der Nonne, die Noten für, äh, “phallusicity” abgegeben hat oder die absurde Geschichte, wo ein Redakteur Leute im Spieleladen eingeschätzt hat, ob sie Nerds sind:

Editor: What are you buying?
Some guy: Diablo. It’s been recommended by my friends.
Editor (to himself) Tough case — buy RPGs ist nerdy, having friends is not.

Schön auch die Tatsache, dass sie Simon 3D eine Wertung von 3 % gegeben haben, “one point for each of its three miserable dimensions”.

Oder das Cruelty Zoo Debacle, als die PC Zone wegen einer Fake-Werbeanzeige, gestaltet von Charlie Brooker, vom Kiosk genommen wurde.

Ach, ein schönes Magazin war das. Ein bisschen so, wie die PC Action immer sein wollte, aber nie war.

P.S. Alle Sätze in Anführungszeichen sind aus dem Gedächtnis zitiert, das mag nicht immer wortgetreu sein.

Herr Kaliban zitiert aus der Verfassung des Freistaates Bayern.

Vielleicht von Interesse für Menschen, die versuchen, des Wesen und Wirken der Bayern zu verstehen — hier ist der Artikel 131 der bayrischen Verfassung, der sich mit den Zielen der Schulbildung beschäftigt:

(1) Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden.

(2) Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft, Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungsbewußtsein für Natur und Umwelt.

(3) Die Schüler sind im Geiste der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum deutschen Volk und im Sinne der Völkerversöhnung zu erziehen.

(4) Die Mädchen und Buben sind außerdem in der Säuglingspflege, Kindererziehung und Hauswirtschaft besonders zu unterweisen.

So. Wow. Die “Ehrfurcht vor Gott” ist ein “Bildungsziel”. Jetzt seht ihr da im Norden mal, womit wir’s hier zun tun haben. Wenn Irland nicht wäre, könnte sich Bayern um den Ehrentitel “Iran Europas” bewerben.

[via]

Nur ein paar ungeordnete Gedanken zu den Ergebnissen der gestrigen Landtagswahl.

CDU: Erstaunlich, wie krass offenbar die Grabenkämpfe in einer nach außen hin relativ geschlossenen Partei ausfallen können. Da ist es dem geheimnisvollen Verräter, der die Medien mit internen Details zu Rüttger’schen Verfehlungen gefüttert hat, wirklich gelungen, den Vorsitzenden in der entscheidenden Phase des Wahlkampfs wie einen Deppen aussehen zu lassen. Wow. Naja, das Bundesgemerkel hat der NRW-CDU auch nicht geholfen, nehme ich an. Vermutlich geht’s den Westfalen wie mir: Vor den letzten Wahlen dachte ich schon, ach, meinetwegen soll Schwarzgelb doch gewinnen, viel schlimmer kann’s nicht mehr kommen. Es kam dann aber doch viel schlimmer, was mich sehr angenehm in meiner linksliberalen Identität bestärkt hat. Und dann geht man doch wieder zur Wahl — und wenn es nur ist, um mehr Westerwelle zu verhindern.

SPD: Die SPD fällt erstmals seit 1958 klar unter drei Millionen Zweitstimmen und holt das schlechteste NRW-Ergebnis seit 50 Jahren. Totales Desaster, Chaos, Schuldzuweisungen, die Spitzenkandidatin bietet ihren Rücktritt an. Doch halt: Die feiern ja? Offenbar ist die SPD in der Eigenwahrnehmung heutzutage schon Wahlsieger, wenn sie nicht komplett zertreten wird, sondern die Tür zur großen Koalition offenhalten kann. Seufz. Und hey, dass mit dem Zu-früh-freuen, das hatten wir doch schon bei Stoiber und bei Ypsilanti, das sieht immer doof aus. Warum lernen die Leute denn nicht dazu und sind erstmal vorsichtig, solange die Prognosen noch schwanken?

FDP: Tja. Stagnation auf dem Kernwählerschaftsniveau (6.000 Apotheker, 30.000 Anwälte, 70.000 Ärzte plus Angehörige und Angestellte und Verwirrte: 522.437 Wähler). Ein paar Stimmen gewonnen. Immerhin. Aber ohne Leihstimmen von der CDU ist die FDP eben nun mal nur für den Sprung über die 5kommanull gut, mehr nicht. Wenigstens kann die FDP in NRW behaupten, es habe an ihr nicht gelegen.

DIE LINKE: Jetzt sind sie drin, obwohl selbst die eigene Partei den NRW-Landesverband für einen Haufen Wirrköpfe hält. Offenbar gehört die LINKE jetzt zum Establishment und kann auf eine Stammwählerschaft vertrauen, auch im Westen. Irgendwann wird man sie mal an einer Regierung beteiligen müssen, nur, um zu sehen wie sich das anfühlt.

DIE GRÜNEN: Zugewinne jaja, ewiges Rekordergebnis oho, aber am Ende ist es vermutlich wieder nur die Opposition. Weil nämlich die Linke auch noch da ist, können die Grünen die SPD nicht so blutleer saugen, wie das die FDP bei der CDU tut. Nichtsdestotrotz sind die Bündnisgrünen für sich genommen eine erfolgreiche Partei, die auch von der wild faselnden Claudia Roth nicht kaputtzukriegen ist, allerdings bleiben sie auf lange Sicht ohne bundesweite Machtoption mangels Koalitionspartner. Eigentlich können sie nur hoffen, dass sie irgendwann allein über 25 Prozent kommen — Juniorpartner bei Rot-Rot zu werden dürfte einer zumindest ansatzweise fortschrittlich und liberal orientierten Mannschaft keinen Spaß machen und von der großstädtischen Manufactumbiokäuferklientel nicht gern gesehen sein. Und die CDU als Partner… ach, wir haben doch in Hamburg gesehen, wie das läuft.

PIRATEN: So. Aha. Hier steht die Piratenpartei: bei 1.5 Prozent. Das ist nicht schlecht, aber auch nicht das, was man sich der Euphorie von 2009 so gedacht hätte. Wenn da jetzt nicht was Großes passiert, vielleicht automatische Übergabe der persönlichen Steuerdaten an Facebook durch die Finanzämter, wird das wohl auch so bleiben.