Die Doofheit der Medien

Dies ist ein Gastbeitrag von Christian Schmidt. Chris (34) ist seit 13 Jahren Fachjournalist für Computer- und Videospiele. Er war zuletzt stellvertretender Chefredakteur von GameStar und lange Jahre Kollege des Herrn Lott. Der folgende Text ist eine Langfassung des gestern auf SpOn erschienen Debattenbeitrags.

[Eine kurze Einlassung von Herrn Lott findet sich am Ende dieses Beitrags.]

Ich habe mein Handwerk – das Testen von Computerspielen – vor 13 Jahren auf sehr gründliche Weise gelernt. Mein erster Chefredakteur reichte mir meine Texte gewöhnlich mit einer Reihe von Fragen zurück, die mit rotem Stift an den Rand des Blattes gesetzt waren: Wie funktioniert das Erfahrungssystem? Welche Fahrzeuge besitzt die dritte Kriegspartei? Wie verhält sich der Computergegner auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad? Ich fand zielsicher jede Passage aufgespießt, in der ich mich mit einem kurzen Satz durchzumogeln versucht hatte. Wer fair über Spiele urteilen will, so lernte ich, der muss ihre Funktionsweise gewissenhaft ausleuchten. Ich war ein guter Schüler. Als ich später selbst junge Redakteure anleitete, habe ich diese Akribie an sie weitergegeben. Das ist etwas, das ich jetzt, im fortgeschrittenen Alter von 34 Jahren, bereue.

Wir haben das Falsche gelernt.

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IDDQD

5. September 2011 · 7 comments

Kurzer Gasteinwurf zum Wochenstart: Doom, Urahn der modernen “Selbstheilung nach zwei Sekunden Deckung in DX11-Optik”-Shootern, steht jetzt ja nicht mehr auf dem Index. Die Begründung zur Listenstreichung ist übrigens durchaus lesenswert.

Die Zockergemeinde darf sich nun auch öffentlich in salbungsvollen Worten über die Bedeutung dieses heiligen FPS-Relikts ergehen, denn Doom ist mindestens Kult. Tun wir das an dieser Stelle doch geschwind, bevor das Thema im Spielenews-Getöse wieder untergeht. Auf Platte hatte das Spiel wohl sowieso fast jeder und Retro ist gerade auch wieder in.

Ich erinnere mich an den Beginn des LAN-Zeitalters mit ausufernden Deathmatch-Sessions über wackelige Nullmodem-Verbindungen und an Neid gegenüber Besitzern anständiger Soundkarten, weil die Musik der Soundtrack damit einfach besser klang. Wir haben uns in Editoren an selbstgebauten Maps versucht und dubiose Zusatz-CDs gekauft um an neue (selbstgebaute) Episoden, Texturen und Editoren zu kommen. Auf Schulhöfen wurden Secrets der einzelnen Level getauscht und wer eine Episode mit 100% abgeschlossen hatte, war zumindest solange eine Respektsperson, bis die Cheatcodes die Runde machten. Die tippt wohl heute noch so mancher Konsument im Schlaf ein. Natürlich hätte auch niemand von uns Pimpfen zugegeben, während des Spielens ständig die Hosen gestrichen voll gehabt zu haben – unsichtbare pinky demons mag’ ich bis heute nicht. Und sonst? Hm, der Sound der Schrotflinte ist für mich noch heute Referenz und die Entdeckung der Kettensäge war für uns ein epochaleres Ereignis als die Eröffnung des Eurotunnels.

Verklärung abgeschlossen, wie war’s bei euch?

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Styg ist Informatiker und liefert während Gunnars Urlaub hier etwas Content ab. Aufgrund eines Umzugs und dem damit verbundenen Internet-Entzug gibt’s die Sonntagslinks wahrscheinlich gegen Mittwoch erst wieder nächsten Sonntag. Einsendungen willkommen!

You must construct additional pylons! [Der Gameforge-Stand im Aufbau]

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Frau Schmitz fährt Auto

4. August 2011 · 0 comments

Wenn ich endlich mal Geld dafür bekäme, dass ich auf unseren Straßen ständig für andere mitdenke, dann würde ich die Bazillionen in meine politische Karriere investieren, recht bald erfolgreich eine Diktatur anstreben und sofort bösartigste Führerscheinprüfungen installieren. Verkehrspolizisten würde ich zudem das Recht zu töten einräumen, anschließend abdanken und Verkehrspolizistin werden. Weil ich aber ein bescheidener Mensch bin, würde ich das Geld wohl nicht annehmen. Da haben die Flunzen aber noch mal Glück gehabt.

Frau S. bringt’s auf den Punkt.

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Spätabendlink

7. Juli 2011 · 1 comment

Mitternachtslink: Wheel of Concept, ein unverzichtbares Tool für, äh, Berater und so.

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dracula

22. Juni 2011 · 2 comments

Wie kriegt Dracula eigentlich immer den akkuraten Scheitel hin, wenn er kein Spiegelbild hat?

Eine Erkenntnis des (nahezu vollständig überstandenen) Umzugs:

Meine Frau hat offenbar jahrelang die Tandproduzierende Industrie Europas alleine am Leben erhalten. Und ich wäre vermutlich besser weggekommen, wenn ich das Kabelwerk in Taiwan direkt gekauft hätte, anstatt denen in unüberschaubaren Mengen Ware abzunehmen.

Und überhaupt, dies muss jetzt ungefähr der zwanzigste Umzug in meinem Leben gewesen sein. Und ständig mussten wir aktuelle Strompreise vergleichen und den Stromanbieter wechseln, um etwas an Kosten zu sparen. Reicht jetzt. Beim nächsten Mal kaufe ich eine Insel und lasse mich dauerhaft nieder.

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Woven Hand

20. Juni 2011 · 4 comments

Ah, die Nachfolgeband der großartigen 16 Horsepower:

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Dieses Internet, Folge 2

15. Januar 2011 · 16 comments

Schnelles Update aus dem Leben des Herrn Kaliban

Okay, KabelBW hat es geschafft, meine Wohnung in Karlsruhe mit der Außenwelt zu verbinden.

Minimal befremdlich, dass dazu ein Unternehmen aus dem Raum Würzburg beauftragt werden musste, das Termine im Badischen erstmal solange sammelt, bis sich die weite Anfahrt lohnt, aber hey, wer bin ich, die industrielle Weisheit der Kabelnetzbetreiber zu hinterfragen. Der Fahrer kam denn auch eine gute halbe Stunde zu spät und entschuldigte sich mit dem Stau auf der A5, aber ich darf mich darüber nicht beschweren, denn das Unternehmen hatte immerhin überhaupt erstmal einem festen Termin zugestimmt — ich erinnere mich da noch ganz gut an Telekom-Techniker vor ein paar Jahren, die zu einer genaueren Ansage als “zwischen 10 und 16 Uhr” nicht zu überreden waren. Besser jedenfalls als die Klempnerbude, die schneidig “wir kommen in zwei Stunden” versprochen und sich dann nie wieder gemeldet hat.

Und ein bisschen schade ist’s schon, dass man mir den bestellten WLAN-Router erst zwei, drei Tage nach der Installation zuschickt (Begründung des Technikers: “Der kommt immer erst danach, könnte ja sein, dass der Anschluss nicht klappt”), aber hey, wer bin ich, die industrielle Weisheit der Kabelnetzbetreiber zu hinterfragen. Ich sitz’ dann eben hier mit meinem Macbook auf den Knien auf dem Fußboden, mit einem 80cm-Kabel an die Anschlussstelle gefesselt und betrachte aus der Ferne mein neu gekauftes Verwandlungssofa.

Immerhin bin ich im Netz.

P.S. Weil’s vage passt, sei am Rande “Ohne Netz” empfohlen, ein Buch des SZ-Redakteurs Alex Rühle über sein Experiment, ein halbes Jahr komplett offline zu leben und zu arbeiten. Der Erkenntnisgewinn hält sich im solala, aber der Schreibstil ist eine reine Freude.

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Gedanken zu Computerspielen I

26. Dezember 2010 · 7 comments

Dies ist ein Gastbeitrag von Fabian Krapp aka Styg.

Die Weihnachtszeit ist eine Zeit des Müßiggangs, zumindest in meinem Fall. Für Gunnar kann ich nicht sprechen, er dürfte gerade seinen Hausrat grimmigen und entschlossenen Blickes mit bloßen Händen durch kataklystische Niederschlagsmengen und unerbittlichen Eisregen in Karlsruhe tragen. Zeigen wir uns also solidarisch und wünschen ihm an dieser Stelle viel Erfolg, ganz ernst gemeint.

Zurück in’s warme Wohnzimmer, zurück zum Müßiggang, den Kataklysmus behalten wir bei: An einem grauen Dezembersonntag gebe ich meine jahrelang kultivierte Totalverweigerung auf, sitze vor meinem Rechner und aktiviere eine Trial-Version des bislang erfolgreichsten Hamsterrads aller Zeiten. Mal ausprobieren, rein der Meinungsbildung zuliebe. Auf die Nachfragen von Bekannten kann ich schließlich nicht ständig lapidar antworten, ich könne mit dem Grafikstil von “World of Warcraft” nichts anfangen …

Einen Tag und wenige Stunden Schlaf später habe ich die WoW-Probepackung ausgequetscht: Mein Elben-Jäger ist Level 20, die Levelgrenze der Trial-Version erreicht. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Blizzard. Denn dieser vielleicht etwas zu geizige Umgang mit effektiv spaßigem Content könnte mir eine Menge Geld und Zeit gespart haben. Wäre die Sache bis, sagen wir, Level 30 offen gewesen, hätte ich wohl für einen ganzen Monat reingeschaut. Oder gleich für zwei Jahre, hat man heute ja so. Dank diesem spielerischen Coitus interruptus werde ich nun vielleicht doch noch Vater, heiraten und Jahrzehnte später ergraut im Schaukelstuhl sitzen, umgeben von einer grandiosen Zahl an Enkelkindern. Und diese “Rockstar werden”-Sache ist ja auch noch angedacht.

MMORPGs sind in Unterhaltungsmedien verpackte Ausprägungen des Traveling-Salesman-Problems: “Wie bekomme ich meine(n) <Charakterklasse> in minimaler Zeit auf <Levelcap> um dann <diverse Überitems> benutzen zu können?” Geboten werden simple und stark repetative Abläufe, Story und Lore sind selten mehr als das Schmiermittel für das Prinzip des konstanten positiven Feedbackflows und der Konkurrenzsituation der Mitspieler untereinander. Ich unterstelle Blizzard ein bischen mehr Polishing im Vergleich zu (den meisten) Konkurrenten. Soweit keine neuen Erkenntnisse, sicher. Beim Anspielen war mir auch schnell wieder bewusst, dass ich mehr der Mechanik und weniger dem eigentlichen Spieleinhalt fröne. Zumindest könnte ich auswendig weder NPC- noch Ortsnamen aufsagen. Spaß gemacht hat es irgendwie trotzdem. Dem in sanften Wellen wiederkehrenden Kaufreflex (damn you, PayPal!) der Vollversion konnte ich trotzdem erfolgreich widerstehen (Stand: 26.12.2010). Bin zuversichtlich, dass ich dieses “vernünftig werden” bis 30 noch in den Griff bekomme.

Tage später widme ich mich dann doch einer Ersatzhandlung, ich suche aus selbstverständlich rein wissenschaftlichen Gründen nach Abonnenten-Zahlen gängiger MMORPGs – und werde fündig. Die Zahlen dürften nicht sonderlich belastbar oder exakt sein, was der Betreiber der Seite auch so kommuniziert. Größenordnungen und Tendenzen sind jedoch ablesbar. WoW dominiert erwartungsgemäß,  hübsch zu sehen ist auch der Effekt des “Antestens” neuer Titel, nur um nach kurzer Zeit doch wieder zu WoW zu gravitieren. Erstaunlich finde ich auch, wie viele Zocker insgesamt sich auf dieses Spielprinzip einlassen – Tendenz eindeutig steigend.

Warum setzen immer mehr Spieler heutzutage auf Produkte, deren Content hinter der Spielmechanik klar zurücksteht? Denn, seien wir ehrlich, wer liest in MMORPGs tatsächlich noch Questtexte durch, entwickelt eine tiefergehende Verbindung zu Charakteren und Orten der Spielwelt oder denkt sich Biografien für seine Charaktere aus? Die eventuell mitlesende Minderheit wird an dieser Stelle höflichst darum gebeten, mir meine rhetorisch-selbstgerechte Frage nicht durch “ICH!ICH!ICH!”-Proteste zu versauen. Hatten wir früher einfach nichts anderes oder ist die zunehmende Reduzierung auf Spielmechaniken (betrifft natürlich nicht nur MMORPGs) an sich vielleicht eine Art “Mode”? Liegt es an uns Spielern selbst, wollen wir das sogar, ist es eine Alterssache?

Dazu demnächst mehr, Montag Dienstag ganz sicher Mittwoch.  Ich hoffe, dass es bis dahin in Karlsruhe nicht mehr schneit …

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Who the Fuck is Fabian Krapp?

Fabian Krapp ist Informatiker, 28, selbstverständlich langhaarig, jedoch noch unbebrillt. Er trinkt Kaffee ausschließlich schwarz, macht beruflich “irgendwas mit Medien” und in seiner Freizeit Heavy-Metal oder Fotos. “Styg” ist ein Überbleibsel aus seligen Quake-Zeiten, als die Sache mit den jugendlichen Reflexen noch funktionierte. Er spielt leidenschaftlich gerne RPGs, ist von Shootern mittlerweile übersättigt und für MMO-Gaming nicht mehr empfänglich. Styg trauert seligen LAN-Zeiten nach, als man noch tageweise in verdunkelten Zimmern saß und die lokalen Pizzadienste subventionierte. Persönliche Nemesis ist der Hang zu Logik, Abstraktion und Bauchgefühl gleichzeitig. Diese Selbstbeschreibung besteht aus exakt 100 Wörtern, wie von Gunnar gewünscht. Pedant.