Für eine bessere Welt

Patrick McGovern (1937-2014)

by Gunnar on 21. März 2014 · 7 comments

Weil mir die gestrige Nachricht vom Tod von Pat McGoverns (Gründers von IDG, meines langjährigen Arbeitgebers) wirklich nahe gegangen ist, möchte ich dazu ein paar Worte verlieren.

Viel wurde und wird gesagt, zu seinen Pionierleistungen, im Verlagswesen, in der Marktforschung, im Venture-Business, in China, all das. Die 350-Millionen-Dollar-Spende an das MIT nicht zu vergessen. Er war, das fasst ein TIME-Artikel gut zusammen, sowohl ein Träumer als auch ein rationaler Zahlenmensch. Er wusste stets alles über seine Unternehmungen, hat sich aber nie dazu hinreißen lassen, sich in Mikromanagement zu ergehen — und er hat, anders als viele seiner angestellten Manager, nie vergessen, dass guter Journalismus die Grundlage seines Imperiums war und ist.

Wir, seine Untergebenen, waren immer stolz auf ihn.

Was mich aber besonders beeindruckt hat, war seine Hingabe an die Mitarbeiter. Wenn Pat eingeflogen kam, dann war es ihm ein Anliegen, jedem Anwesenden die Hand zu schütteln. Für jeden hatte er ein Wort übrig, eine Ermunterung, etwas Persönliches. Vor den berühmten “Zehn-Jahres-Essen”, den pompösen Abendessen, die Pat regelmäßig mit Mitarbeitern unternahm, die länger als zehn Jahre bei IDG waren, lernte er stets für jeden Anwesenden einen Schnippsel auswendig, um sie darauf ansprechen zu können: “Gunnar, führst du noch dein Blog? Wie läuft es, letztes Jahr hast du ja so begeistert davon erzählt.”

Ich fand es immer enorm, dass ein Milliardär Mitte 70 sich das antut, all die Reisen zu den Dutzenden Auslandsniederlassungen, die Vorträge, die Abendessen, das Socializen mit den Mitarbeitern vom Chefredakteur bis zum Hausmeister, das Auswendiglernen. In den US-Niederlassungen kam er gar zum Jahresende immer vorbei, sprach mit jedem ein paar Worte und überreichte die Bonus-Schecks persönlich.

Habe nie wieder jemanden getroffen, der seine Rolle als Unternehmer mit solchem Ernst und solcher Konsequenz ausgefüllt hat, ohne dabei verbissen oder humorlos zu werden.

Er war ein großer Mann.

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Amazon, Buchhandel ohne Knicks

by Gunnar on 10. Dezember 2012 · 13 comments

Heute in der Mittagspause, da überflog ich kaffeeberauscht das weiße Rauschen bei Twitter. Ein Tweet stach mir ins Auge:

Ein Herr Unglaub wünschte, ich solle meine Bücher nicht bei Amazon kaufen, sondern bei Literatur Moths in München. Was auch online ginge. Er appellierte damit an, hm, ja was? Wenn ein US-Großkonzern im Fokus steht, ist ja immer erstmal nicht so klar, ob ich den aus (rechtem) Patriotismus oder (linkem) Anti-Amerikanismus doof finden soll. Wurscht, man kann sich das ja aussuchen.

Ich surfte also auf die angegebene Website und bestellte ein Buch, eigentlich vorbestellte ich es, es erscheint erst Mitte 2013. Das ganze Bestellen ist ein bisschen langsam und umständlich, tut aber auch nicht weh. Immerhin muss man nicht gleich ein Kundenkonto anlegen und seine Daten rüberreichen. Dafür ist als Bezahlmethode einzig “Rechnung” vorgesehen, was ich hasse. Nun denn.

Ein paar Minuten nach Abschluss des Bestellvorgangs erreichten mich zwei Mails, einmal die Bestätigung und dann folgender Hinweis:

Das war mir bewusst, aber es ist natürlich sehr aufmerksam, danach noch einmal zu fragen. Vor allem, wenn ein Buch kurz vor Weihnachten bestellt wird, da kann ein Missverständnis ja leicht zu Tränen führen. Das gibt Extrapunkte für Service, würde ich sagen.

Die Dame verabschiedete sich in der Mail dann noch so:

“Mit Gruß und Knicks, Ixxxx Exxxx”

Und das ist natürlich wirklich putzig, ich bin ja fürs Altmodisch-Charmante immer zu haben. Also, einen Knicks kriege ich beim US-Großkonzern nicht. Allein dafür hat sich der Einkauf gelohnt, würde ich sagen.

Obama vs. GOP 2:0

by Gunnar on 7. November 2012 · 13 comments

… rief heute morgen der Schriftsteller Tad Williams in die aufbrandende Euphorie (oder ist es nur Erleichterung) der Obama-Anhänger. Hat er natürlich recht. Die Republikaner könnten jede Wahl gewinnen, es gibt eine strukturkonservative Mehrheit in den USA, aber sie schießen sich durch den eigenen Irrsinn immer selber ins Knie. Wie der eine Typ, der sagte, Frauen könnten von Vergewaltigungen nicht schwanger werden, was sogar der Stammwählerschaft zu viel war und ihn den Senatssitz gekostet hat. Und all die anderen Irren, die immer neue Steuererleichterungen für Reiche fordern und am liebsten China den Krieg erklären würden.

Wie falsch das alles ist, zeigt der prominente Rep-Befürworter Trump, der gleich mal eine Revolution fordert, als Reaktion auf Obamas Sieg:

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: “Wir sollte eine Revolution haben”, forderte der Immobilien-Mogul Donald Trump. Klar, Herr Trump, wenn Sie das sagen, dann erheben sich die Massen.

Überhaupt ist die Verblüffung der Republikaner mit Händen zu greifen, obwohl die Umfragen ja einigermaßen klar auf Obama zeigten. Vermutlich haben sie gedacht, sie würden die paar fehlenden Prozentpunkte schon irgendwie hintricksen. Will da keine Verschwörungstheorie aufmachen, aber dass es da nicht überall koscher zugeht, scheint klar. Oder es liegt einfach an den absurden rechten Medien, die in einer eigenen Welt leben, die mit der Realität nicht viel Verbindung hat.

P.S.

Aber nun, egal, wie man die Wahl historisch bewerten wird, Romney darf sich immerhin mit einem Anteil von 190% der berenteten Wähler trösten, laut Spiegel.de:

Bist du eine Schabe?

by Gunnar on 8. August 2012 · 7 comments

Interessante Preisgestaltung der verschiedenen Versionen bei kommenden Indie-Spiel “Under the Ocean”:

Bisschen preachy, aber sehr hübsch. Zur Website geht’s hier lang. Mehr zum Thema bei Reddit.

Ausnahmsweise FCB

by Gunnar on 19. Mai 2012 · 7 comments

Liebe FCB-Fans,

wir geben es zu: Eben haben wir dem BVB auch noch das sechste und siebte Tor gewünscht, nur um Arjen Robben weinen und den Bratwurstbaron die Backen aufblasen zu sehen.

Heute jedoch, mit ängstlichem Blick auf die Uefa-Fünfjahreswertung und die Stimmung des Bayern-Blocks in der Nationalmannschaft, sind wir voll auf eurer Seite. Zumal Chelsea ja nun auch wirklich der unsympathischte Verein auf Gottes Erdboden ist.

Los also, feuert eure Millionäre an, damit sie Herrn Abramowitsch und seinen Millionären zeigen, wo der Hammer hängt. Wir würden sogar ein demütigendes 5:0 über die Engländer gutheißen. Auch wenn wir dann ein paar Monate lang eure unerträglich gute Laune ertragen müssen.

Alles Gute,

der Rest der Republik

P.S. Das heißt noch lange nicht, dass ihr jetzt alle eure Profilbildchen bei Facebook und Twitter und Gravatar und Google+ durch Bayern-Logos ersetzen sollt. Das nun nicht. Jede Toleranz hat Grenzen. Es ist doch auch eine Frage der Ästhetik. Denkt doch an die Kinder!

Ein letztes Wort zur Causa Wulff

by Gunnar on 17. Februar 2012 · 29 comments

‎”wenn man die Maßstäbe die man beim ihm angelegt hat, auch bei allen potenziellen Nachfolgern anlegt, und unsere “Journaille” wieder so fleißig in deren Vergangenheit kramt, wird es sehr sehr schwer sein, einen geeigneten Nachfolger zu finden”

… meinte ein User auf Facebook heute bei einer Diskussion um die Wulff-Klamotte, die heute hoffentlich ihren Abschluss gefunden hat. (Der Rest ist Sache der Ermittlungsbehörden.) Diese Meinung, dass Wulff (auch) an ungerechten Maßstäben gescheitert sei, ist nicht selten.

Dazu möchte ich nur ganz kurz und abschließend anmerken, dass ebensolche und durchaus noch härtere Maßstäbe täglich bei kleinen Beamten, Putzfrauen, Kassiererinnen und anderen Menschen angelegt werden. In den “Richtlinien zum Verbot der Annahme von Belohnungen und Geschenken” für Angestellte der Stadt München etwa ist alles an Zuwendungen verboten, was die Wertgrenze von 15 Euro übersteigt. Die gründlichen Münchner haben auch gleich sicherheitshalber noch drauf hingewiesen, dass diese Summe überschritten ist, wenn man mehr als ein Hendl und ein Bier auf dem Oktoberfest spendiert kriegt. Zinsvergünstigte Darlehen sind auch ausdrücklich erwähnt. In Niedersachsen dürfen Beamte nicht einmal ein paar Bonbons annehmen.

In Hannover hat, nach einer Verschärfung der Regeln durch die Wulff-Regierung, ein Polizeibeamter seinen Job verloren, weil er zwei Rispen Weintrauben von einem LKW-Fahrer bei einer Kontrolle angenommen hat. Und wir wollen die Verkäuferin nicht vergessen, die 2009 bei Tengelmann geflogen ist, wegen Pfandbons im Wert von 1,30.

Ich bitte alle, die Wulff als ein armes Opfer ansehen, sich jemanden zu suchen, der seine Existenz oder seine Pensionsansprüche oder seinen guten Ruf wegen einer Lappalie dieser Art verloren hat und demjenigen mal die Rede vom armen Wulff und den bösen Medien zu halten.

Ein Beruf, eine Position oder ein Amt bestehen vor allem aus Aufgaben und Pflichten, denen dann als Kompensation ein Gehalt gegenüber steht. Viel zu viele Leute, neben Politikern und Managern auch Journalisten, neigen dazu, den historisch gewachsenen oder persönlich annektierten Strauß an Privilegien (Einladungen, Weihnachtsgeschenke, Freiexemplare, Leihstellungen, Betreuung, Freifahrten, Upgrades et cetera) für einen selbstverständlichen Teil der Entlohnung zu halten.

Liebe Content-Industrien,

ich habe durchaus Verständnis für Copyrights. Ich habe mein ganzes Berufsleben und auch privat als Blogger und Autor täglich das produziert, was heute so abwertend “Content” heißt. Und möchte nicht, dass Leute sich ohne zu fragen daran bedienen. Ich habe auch die dramatische Amiga-Zeit mitbekommen, als die Firma Thalion unterging, deren Spiele ich mochte, die aber wegen der Raubkopien keine Zukunft für sich mehr sah. Ich war dabei, als Anno 1602 in Deutschland im ersten Jahr gut das Fünffache von Starcraft verkaufte, weil Starcraft eben keinen Kopierschutz hatte und Anno immerhin einen schwachen. Ich stehe auf dem altmodischen Standpunkt, dass wenn man etwas nutzen möchte, auf dem ein Preisschild klebt (und für dessen Erschaffung jemand hart gearbeitet hat), man gefälligst zahlen möge.

Aber das ist die eine Ebene, die intellektuelle Ebene sozusagen.

Meine Lebenserfahrung lehrt mich etwas ganz anderes.

Vor langer Zeit, da kaufte ich regelmäßig CDs. Bis mir auffiel, dass sich gekaufte CDs in meinem Auto-CD-Player nicht mehr abspielen ließen, wegen des Kopierschutzes, gebrannte aber schon. Da ich im Auto Musik hören wollte, stieg ich um.

Dann kaufte ich Musik auf iTunes, bis mir irgendwann gleichzeitig iPod und PC crashten und sich die gekaufte Musiksammlung, wegen des Kopierschutzes, nicht mehr legal abspielen ließ, die gerippten Tracks aber weiterhin liefen. Ich kaufte dann Musik bei Amazon, DRM-frei, das löste das Problem.

Dann kaufte ich Serien auf iTunes, bis mir gestern auffiel, dass ich die Folgen nicht auf meine Xbox streamen kann, wegen des Kopierschutzes, im Netz herrenlos aufgefundene Filme aber schon. Ich kann mir jetzt ein Apple-TV kaufen oder wieder nach DRM-freien Quellen suchen, bin’s aber durchaus auch leid, durch immer neue Feuerreifen zu springen, während die Industrie mir weiterhin Steine in den Weg legt.

Liebe Entscheider der Content-Industrien, ich gehöre zur ersten Generation der Internet-User. Wir sind die Leute, die iTunes mit unserer Kaufkraft überhaupt erst möglich gemacht haben. Wir sind die Leute, die mit Flattr spenden, die über Paypal Serials für Software kaufen, die den Indies über die Humble Bundles ein bisschen Herzblut zurück geben, die die ganze App-Ökonomie am Leben halten.

Wir tun das nicht, weil wir nicht wüssten, wie ein Jailbreak funktioniert. Oder wo wir Keygens und Cracks und Serialz und Musik und ganze Filme finden. Wir tun das aus Überzeugung, weil wir für das, was wir konsumieren, gerne bezahlen. Ich würde erwarten, dass man uns für diese Haltung liebt. Aber nein, wir sind die Feinde, denen man widerstrebend gerade so viel Nutzungsrecht überlässt, damit ein Vertrag erfüllt werden kann.

So geht das nicht. Ich will mein Eigentum so nutzen, wie’s mir gerade gefällt, auf welcher Plattform auch immer. Und ich möchte, in einer globalisierten Welt, Werke dann kaufen können, wenn sie auf den Markt kommen und nicht erst dann, wenn ein Portfolio-Manager entscheidet, dass er mein Land jetzt endlich doch auch freischalten möchte, weil alle anderen Verwertungsketten erschöpft sind.

Johnny von Spreeblick hat das kürzlich noch ein bisschen hübscher gesagt: “Und wenn sich die Unterhaltungsbranche dann irgendwann mal dazu bequemen könnte, aus dem Erfolg von Megaupload etc. zu lernen und internationale Lösungen für Konsumenten anzubieten, statt ihre Energie in nicht minder schmutzige Lobbyisten-Arbeit in der Politik zu vergeuden, dann kommt vielleicht langsam mal was ins Rollen. Von mir aus kann dieser ganze Schrott wie Megaupload nämlich gerne aus dem Netz verschwinden, ich will weder beschissene Pornowerbung noch flackernde Download-Timer ertragen müssen und an solche Portale erst recht kein Geld zahlen, um den Film meiner Wahl sehen zu können, sobald er fertig produziert wurde. Ich lege gerne fünf oder zehn Euro im Monat aufs Trackpad, wenn ich davon ausgehen kann, dass die Produzenten einen Teil davon erhalten und der ganze Kram legal ist.”

Geht in euch, ich bin den ganzen Ärger ein bisschen leid.

Herzlichst,

ein zahlender Kunde

Fremdcontent: Es folgt das übersetzte Transkript von Cory Doctorows Vortrag The coming war on general computation auf der 28C3-Konferenz vom 27.12., hier veröffentlicht unter CC-Lizenz. Gefunden bei Christian Wöhrl. Das englische Original der Transkription liegt hier, einen Videomitschnitt gibt’s hier.

Ich poste das hier mal, weil der Vortrag, abseits einiger Fachwörter und Fachkonzepte, ziemlich allgemeinverständlich ist und einige sehr relevante Punkte anschneidet.

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Militanz, drei Geschmacksrichtungen

by Gunnar on 9. Dezember 2011 · 9 comments

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Dota Kehr: Utopie

by Gunnar on 26. Oktober 2011 · 0 comments

“Es geht nicht um ein Stück vom Kuchen, es geht um die ganze Bäckerei.”

Es singt Dota Kehr, diesmal ohne ihre Begleitband “Die Stadtpiraten”. Ein Stück von der großartigen Scheibe Bis auf den Grund.

Lebensmittelprobleme

September 21, 2011

Kurzer Hinweis auf einen ganz interessanten Artikel drüben bei den FAZ-Blogs: Ein Missverständnis namens Mindesthaltbarkeitsdatum Auszug: “Tagesware wie Salat oder Radieschen wird morgens ins Regal sortiert und abends wieder rausgenommen – egal, in welchem Zustand die Ware ist”, sagt Thurn. Und mit “rausgenommen” meint er: weggeworfen. Trotzdem sind die Regale im Supermarkt immer voll, weil […]

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Church Tank

August 22, 2011

Peace is not just the absence of war. Like a cathedral, peace must be constructed patiently and with unshakable faith. (Zitat: Papst Johannes Paul II) Peace is not just the absence of war. Like a cathedral, peace must be constructed patiently and with unshakable faith. (Zitat: Papst Johannes Paul II)

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