Für eine bessere Welt

Liebe Content-Industrien,

ich habe durchaus Verständnis für Copyrights. Ich habe mein ganzes Berufsleben und auch privat als Blogger und Autor täglich das produziert, was heute so abwertend “Content” heißt. Und möchte nicht, dass Leute sich ohne zu fragen daran bedienen. Ich habe auch die dramatische Amiga-Zeit mitbekommen, als die Firma Thalion unterging, deren Spiele ich mochte, die aber wegen der Raubkopien keine Zukunft für sich mehr sah. Ich war dabei, als Anno 1602 in Deutschland im ersten Jahr gut das Fünffache von Starcraft verkaufte, weil Starcraft eben keinen Kopierschutz hatte und Anno immerhin einen schwachen. Ich stehe auf dem altmodischen Standpunkt, dass wenn man etwas nutzen möchte, auf dem ein Preisschild klebt (und für dessen Erschaffung jemand hart gearbeitet hat), man gefälligst zahlen möge.

Aber das ist die eine Ebene, die intellektuelle Ebene sozusagen.

Meine Lebenserfahrung lehrt mich etwas ganz anderes.

Vor langer Zeit, da kaufte ich regelmäßig CDs. Bis mir auffiel, dass sich gekaufte CDs in meinem Auto-CD-Player nicht mehr abspielen ließen, wegen des Kopierschutzes, gebrannte aber schon. Da ich im Auto Musik hören wollte, stieg ich um.

Dann kaufte ich Musik auf iTunes, bis mir irgendwann gleichzeitig iPod und PC crashten und sich die gekaufte Musiksammlung, wegen des Kopierschutzes, nicht mehr legal abspielen ließ, die gerippten Tracks aber weiterhin liefen. Ich kaufte dann Musik bei Amazon, DRM-frei, das löste das Problem.

Dann kaufte ich Serien auf iTunes, bis mir gestern auffiel, dass ich die Folgen nicht auf meine Xbox streamen kann, wegen des Kopierschutzes, im Netz herrenlos aufgefundene Filme aber schon. Ich kann mir jetzt ein Apple-TV kaufen oder wieder nach DRM-freien Quellen suchen, bin’s aber durchaus auch leid, durch immer neue Feuerreifen zu springen, während die Industrie mir weiterhin Steine in den Weg legt.

Liebe Entscheider der Content-Industrien, ich gehöre zur ersten Generation der Internet-User. Wir sind die Leute, die iTunes mit unserer Kaufkraft überhaupt erst möglich gemacht haben. Wir sind die Leute, die mit Flattr spenden, die über Paypal Serials für Software kaufen, die den Indies über die Humble Bundles ein bisschen Herzblut zurück geben, die die ganze App-Ökonomie am Leben halten.

Wir tun das nicht, weil wir nicht wüssten, wie ein Jailbreak funktioniert. Oder wo wir Keygens und Cracks und Serialz und Musik und ganze Filme finden. Wir tun das aus Überzeugung, weil wir für das, was wir konsumieren, gerne bezahlen. Ich würde erwarten, dass man uns für diese Haltung liebt. Aber nein, wir sind die Feinde, denen man widerstrebend gerade so viel Nutzungsrecht überlässt, damit ein Vertrag erfüllt werden kann.

So geht das nicht. Ich will mein Eigentum so nutzen, wie’s mir gerade gefällt, auf welcher Plattform auch immer. Und ich möchte, in einer globalisierten Welt, Werke dann kaufen können, wenn sie auf den Markt kommen und nicht erst dann, wenn ein Portfolio-Manager entscheidet, dass er mein Land jetzt endlich doch auch freischalten möchte, weil alle anderen Verwertungsketten erschöpft sind.

Johnny von Spreeblick hat das kürzlich noch ein bisschen hübscher gesagt: “Und wenn sich die Unterhaltungsbranche dann irgendwann mal dazu bequemen könnte, aus dem Erfolg von Megaupload etc. zu lernen und internationale Lösungen für Konsumenten anzubieten, statt ihre Energie in nicht minder schmutzige Lobbyisten-Arbeit in der Politik zu vergeuden, dann kommt vielleicht langsam mal was ins Rollen. Von mir aus kann dieser ganze Schrott wie Megaupload nämlich gerne aus dem Netz verschwinden, ich will weder beschissene Pornowerbung noch flackernde Download-Timer ertragen müssen und an solche Portale erst recht kein Geld zahlen, um den Film meiner Wahl sehen zu können, sobald er fertig produziert wurde. Ich lege gerne fünf oder zehn Euro im Monat aufs Trackpad, wenn ich davon ausgehen kann, dass die Produzenten einen Teil davon erhalten und der ganze Kram legal ist.”

Geht in euch, ich bin den ganzen Ärger ein bisschen leid.

Herzlichst,

ein zahlender Kunde

Fremdcontent: Es folgt das übersetzte Transkript von Cory Doctorows Vortrag The coming war on general computation auf der 28C3-Konferenz vom 27.12., hier veröffentlicht unter CC-Lizenz. Gefunden bei Christian Wöhrl. Das englische Original der Transkription liegt hier, einen Videomitschnitt gibt’s hier.

Ich poste das hier mal, weil der Vortrag, abseits einiger Fachwörter und Fachkonzepte, ziemlich allgemeinverständlich ist und einige sehr relevante Punkte anschneidet.

[Klicken und weiterlesen]

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Militanz, drei Geschmacksrichtungen

9. Dezember 2011 · 9 comments

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Dota Kehr: Utopie

26. Oktober 2011 · 0 comments

“Es geht nicht um ein Stück vom Kuchen, es geht um die ganze Bäckerei.”

Es singt Dota Kehr, diesmal ohne ihre Begleitband “Die Stadtpiraten”. Ein Stück von der großartigen Scheibe Bis auf den Grund.

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Lebensmittelprobleme

21. September 2011 · 6 comments

Kurzer Hinweis auf einen ganz interessanten Artikel drüben bei den FAZ-Blogs:

Ein Missverständnis namens Mindesthaltbarkeitsdatum

Auszug:

“Tagesware wie Salat oder Radieschen wird morgens ins Regal sortiert und abends wieder rausgenommen – egal, in welchem Zustand die Ware ist”, sagt Thurn. Und mit “rausgenommen” meint er: weggeworfen. Trotzdem sind die Regale im Supermarkt immer voll, weil die Kunden auch kurz vor Ladenschluss gerne die volle Auswahl haben. Thurn erklärt: “Es ist für die Handelsketten schlimmer, wenn ein Kunde im Markt umkehrt, weil er sein Lieblingsjoghurt nicht mehr kriegt und zur Konkurrenz geht, als Waren zu vernichten.”

Das Phänomen kennt jede(r): Man hat Hunger auf Vanillejoghurt oder Tomatensalat, geht abends rasch ‘rüber zum Supermarkt und kauft die Zutaten. Hat der Laden nur noch schäbige Tomatenrestbestände, wird man ärgerlich und beschimpft, wenigstens im Geiste, den Supermarktleiter für seine misslungene Warenwirtschaft. Dabei könnte man natürlich auch auf Kürbissuppe oder Schokopudding ausweichen, macht man aber nicht, weil man sich an das gleichbleibende Warenangebot gewöhnt hat.

Bin da auch schuldig im Sinne der Anklage. Gelobe Besserung.

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Church Tank

22. August 2011 · 3 comments

Peace is not just the absence of war. Like a cathedral, peace must be constructed patiently and with unshakable faith.

(Zitat: Papst Johannes Paul II)

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Stellenanzeige

13. Juli 2011 · 8 comments

Mit Ihrer Rifter haben Sie schon einmal eine Shieldcane in schwere Bedrängnis gebracht, Ihr Loltraktor hat Chuck Norris als Gunner und sie besitzen volles Tier 12 Equip mit einem Gearscore von mindestens 373.

Sie sprechen fließend Klingonisch, kennen das D&D-Regelwerk auswendig (Third Edition) und lösen einen 5×5 Rubiks Cube einhändig hinter dem Rücken. Vor dem Frühstück.

Aus einer Stellenanzeige der Gameforge AG. [Quelle]

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Das Anti-Spoiler-Spray

21. Juli 2010 · 3 comments

Die Kollegen vom Herrn Kaliban haben eine wirklich gute Idee.

Das Filmchen ist übrigens als Übung auf einer Fortbildung entstanden, ebenso wie dieses hier, in dem Fabian so schrecklich schwitzt.

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Die Geister von Kunduz

27. Februar 2010 · 25 comments

Eine kurze Nacharbeitung der Ereignisse im Deutschen Bundestag von gestern, in welcher der Verfasser seine persönliche Bindung zur einer bestimmten Partei auf die Probe gestellt sieht.

Ich rekapituliere: Während der Debatte über eine Vorlage, welche die Verlängerung und Aufstockung des Mandats der Bundeswehr für den Afghanistan-Einsatz vorsieht, heben nach der Rede der Linken Christiane Buchholz die Mitglieder der Linksfraktion Plakate hoch. Darauf stehen Namen von Zivilisten, die durch das vom Deutschen Oberst Klein irregulär befohlene Bombardement bei Kunduz* zu Tode gekommen waren. Der Bundestagspräsident Nobert Lammert wirft alle Plakathochheber nach kurzer Warnung aus dem Saal. Damit sind sie auch von der folgenden Abstimmung ausgeschlossen. Der Grüne Ströbele bittet den Bundestagspräsidenten die Entscheidung zu überdenken. Lammert lehnt das ab, lässt aber am Ende abstimmen, ob die Linke zurückkommen darf, die anwesenden Abgeordneten entscheiden sich dafür. Die Linke kommt wieder, verhält sich ordnungsgemäß und stimmt geschlossen gegen die Vorlage der Regierung. Der Antrag wird mit der Mehrheit der anderen Fraktionen angenommen. Die einzige weitere Fraktion, die nicht mehrheitlich für die Aufstockung stimmt, sind die Grünen, bei denen sich mehr als die Hälfte der Fraktionsmitglieder enthält.

Dies nur zur Wiederholung, damit wir alle auf demselben Stand sind. Ich nehme an, dass die Linke hat sich nicht satzungsgemäß verhalten hat und somit vermutlich zu Recht des Saales verwiesen wurde. Vermutlich. Vielleicht ist die Aktion auch nicht angemessen für die Würde des Deutschen Bundestages. Vielleicht. Geschenkt. Was aber nicht rechtfertigt, dass die schützenswerte deutsche Qualitätspresse (SZ, Focus und andere) behauptet, die die Damen und Herren hätten “Spruchbänder”, “Transparente” und “Protestplakate” gehabt, was ein kleiner, alberner Trick ist, um zu suggerieren, es sei eine Art Demo gewesen. In Wirklichkeit haben die Linken nur schweigend Schilder mit Namen hochgehalten. Keine Randale, keine Parolen, kein Aufruhr. Ausgerechnet Springers Welt fällt im Kanon durch einen vorurteilsfreien Bericht und ein deutliches Foto auf. Auch die neutrale Überschrift der WELT (“Lammert schließt Linke aus”) unterscheidet sich deutlich von der, die die SZ gewählt hat (“Linke provozieren Rausschmiss”) — was die Frage aufwirft, wieso das liberale und überparteiliche Vorzeigeblatt tendenziöser agiert als die Springerpresse.

Naja, wurscht. Ist auch nur ein Detail, das mir speziell aufgefallen ist, weil ich in der SZ zuerst davon gelesen hatte.

Mich regt bei dieser ganzen Sache viel mehr das Agieren einer bestimmten Partei auf: ich meine nicht die Linke mit ihrer vielleicht pur populistisch motivierten Aktion gegen eine nicht gänzlich bescheuerte Vorlage. Ich meine auch nicht die Jungs von Schwarz/Geld, die ihre Kriegsbefürworterlinie zwar grundsätzlich fortsetzen, aber immerhin irgendwie mit einer Art Ablaufdatum versehen. Und mich nervt nicht einmal die idiotische SPD, wo der Vortanzbär Sigmar Gabriel nicht entblödet, seine Truppe für ihre “Geschlossenheit” zu loben, weil nur 16 Leute nicht mit der Regierung gestimmt haben. Nein, wer mich ärgert und irritiert, sind die Grünen, von denen nur ein gutes Drittel gegen die Regierungslinie votiert. Und deren Fraktionschefin Künast (der “die Wut über Ströbeles Parteinahme deutlich anzusehen” war* Ströbele für sein Verhalten eine “Debatte” und “Konsequenzen” ankündigte.

Äh. Bitte?

Als wär’s nicht schon schlimm genug, dass die Grünen bei dem ganzen Kriegsthema nicht allzuweit entfernt vom CDU-Hafen ankern, muss man auch noch Ströbele drohen, weil der als Einziger ein bisschen Zivilcourage abseits der Parteienkonkurrenz und ein wenig Fingerspitzengefühl und überhaupt einen Rest von grünem Geist (wir erinnern uns: das waren mal linke Spießbürgerschrecks) zeigt? Mir reicht das langsam, glaube ich.

Vielleicht sollte ich endlich mal aus der Partei austreten, dann muss ich mich weniger ärgern.

Ein kurzer Beitrag, in welchem der Verfasser erst Hoffnung in die moderne Technik schöpft und dann doch wieder verzweifelt.

Ich bin gerade auf der MWC, dieser Mobilfunk-Messe, die derzeit groß in den Medien ist. Trotze dem Regen von Barcelona und der Bestuhlungspolitik von Spanair, um mich beruflich und persönlich fortzubilden. Habe Eric Schmidt von Google live sprechen gehört, das neue Samsung Smartphone in der Hand gehabt und diesen absurden Kopfhörer von Docomo gesehen, bei dem man die Lautstärke mit Augenbewegungen regeln kann. Und musste, mit vor Neid gelber Nase, das Grinsen meines Programmierer-Kollegen M. ansehen, der für’s Absitzen einer Stunde Einweisung in die Grundlagen der Android-Entwicklung von der enthusiasmierten Google-Crew ein Nexus One* geschenkt bekommen hat. Während ich bei Microsoft war, um mich über Windows 7 Mobile gehirnwaschen zu lassen. Wieder auf den falschen potenziellen Weltherrscher gesetzt. Ich Depp.

Aber eigentlich war das einzige, was mich halbwegs beeindruckt hat, ein Ladegerät namens Powermat*, das Gadgets drahtlos auflädt und zunächst so aussah, als könnte es alle meine Probleme lösen. Wollte das auf der Messe schon vom Stand klauen, aber es war zu gut befestigt.

Allerdings: Nach dem Anschauen des Videos verstehe ich die Sache nicht mehr: Wo liegt der Sinn? Ich hatte zuerst gedacht, das Ding könnte magisch einfach alles aufladen, was ich drauflege. Kann es aber nicht. Klar, ich brauche keine Kabel mehr, aber wo ist der Komfortgewinn, wenn ich stattdessen pro Gerät einen spezialisierten Receiver benötige?

Seufz. Wieder einmal löst der technische Fortschritt die Probleme nicht, die mir durch ihn entstehen.