Geföhnte Arschlöcher

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Die Freiheit steckt in der Fluppe

22. September 2008 · 8 comments

Kleiner Nachschlag zum Beitrag Plakatschämen 2008.

Dieses geklebte Machwerk ärgert mich gleich auf drei Arten:

1. Der erste Blick — “die Freiheit in Bayern ist bedroht”?. Ah. Uh. Bisschen hohes Register. Jaklar, wir haben hier die schnüffelfreudigste Landesregierung überhaupt, aber… …ob die FDP dem Einhalt gebieten würde, ist mehr als fraglich. Das Abstimmungsverhalten der FDP unterscheidet sich in der Rückschau nicht maßgeblich von dem anderer Parteien — in der Opposition gegen Einschränkungen der Bürgerrechte, in der Regierung dafür.

2. Klebt das auf einem Zigarettenautomat? Ach, die meinen KIPPE? Argh. Und dann? Wo steht auf der Kippe “die Freiheit”? Hä? Übler Kalauer, schwache Anspielung auf das bayrische Rauchergesetz. Über das man sagen kann was man will, aber… …uns ermöglicht dieses Gesetz, das Goldkind auch mal mit ins Café oder Restaurant zu nehmen. Bin in sofern jedem Abgeordneten dankbar, der zugestimmt hat. Der Kandidat Jürgen Koch ist übrigens, natürlich, Gastronom und vertritt hier im Wesentlichen erst einmal seine Eigeninteressen.

3. Die Hochrechnungen sehen die FDP bei 8 %, mehr als drei Mal so viel wie bei der letzten Landtagswahl. Argh. Die geföhnten Arschlöcher mit ihren Pünktchenkrawatten werden sich am Wahlabend auf die Schulter klopfen und denken, ihr großartiger Wahlkampf mit den frechen Plakaten und den Wahlblogs habe dazu maßgeblich beigetragen.

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Wenn sie das Reden liessen

19. September 2008 · 3 comments

Ging vor ein paar Stunden beim Babylüften die Prinzregentenstraße entlang, näherte mich dem magischen 50-Meter-Kreis um den Käfer. 50 Meter, das ist ungefähr die maximale Entfernung, die das Käfer-Publikum zu Fuß zu gehen bereit ist, daher trifft man in diesem Radius zuweilen diese Leute. Zwei weibliche Exemplare dieser Leute schnatterten an mir vorbei und mir fiel plötzlich das Gedicht Höhere Töchter im Gespräch wieder ein, von Erich Kästner, den ich, wie sehr regelmäßige Leser dieser Seite vielleicht wissen, ganz besonders verehre. Ich hatte hier eigentlich den kompletten Text eingeklebt, aber Björn wies mich freundlich drauf hin, dass der Sohn von Kästner mit einem freundlichen Anwalt vor ein paar Jahren eine Abmahnwelle quer durchs Internet losgetreten hat, die auch, um nur ein Beispiel zu nennen, die Erich-Kästner-Schule in Hamburg nicht verschont hat. Uh. Also fehlt hier das Gedicht. Ich komme in 36 Jahren, wenn der Urheberschutz abgelaufen ist, vielleicht noch mal drauf zurück. Grmpf.

Es gibt dazu übrigens auch einen ganz netten Song auf der CD zu einem leicht obskuren Projekt, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kästner-Gedichte mit billig instrumentiertem Sprechgesang zu unterlegen. Oder so.

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Hängt sie höher

18. September 2008 · 10 comments

Damals, in den Achtzigern, habe ich es durchaus nicht für völlig ausgeschlossen gehalten, dass wir alle eines schönen Morgens von den Sirenen geweckt werden und die Welt in einem Atomkrieg verbrennt.

Ist bislang nicht passiert, okay, und irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass Fallout doch nicht mehr Realität wird. Ich halte es aber ganz und gar nicht für ausgeschlossen, dass, sollten die Finanzmärkte am Ende noch vollständig zusammenbrechen (die Ersparnisse von Kleinbürgern vernichten), doch noch die Revolution kommt. Nicht so geordnet wie man sich das einst vorstellte, mit Räten und Diskussionen und gezielter Gewalt, sondern ungerichtet und verzweifelt. Denn, wie mein Freund Niklas einst hellsichtig konstatierte, rettet nur die halbwegs gleichmäßige Verteilung des Wohlstandes und die Quasi-Illusion der Möglichkeit des sozialen Aufstiegs die Herren in den Armanianzügen davor, am nächsten Laternenmast aufgeknüpft zu werden. Das wird von den Masters of the Universe* an der Wallstreet gerne vergessen. Und nicht nur von denen — auch der ostentative Reichtum der Rohstoffrussen oder der chinesischen Oberschicht wird nach meiner bescheidenen Einschätzung nur toleriert, solange es allen besser geht als früher.

Ich sage, wir sollten vorsorglich ein paar Banker auf die Guillotine schicken. Nur so, als Zeichen an die Bevölkerung, dass Raffgier nicht ungestraft bleibt. Sollte doch ein konsensfähiger Vorschlag sein.

Wenn man geschäftlich mit dem Flugzeug reist, dann fällt man aus der Welt. Das richtige Leben verblasst, die normalen Leute werden ersetzt durch blauhemdige Anzugträger mit polierten Schuhen und bunten Krawatten. Plötzlich spricht um einen herum keiner mehr vernünftiges Deutsch, alle bellen nur noch ihr schlechtes Englisch in ihre Blackberrys (Ve hav to do zat today, you understand me, today!) oder fallen gleich in dieses merkwürdiges Business-Denglisch (Wenn ich wieder im Office bin, muss ich einen Call machen), das offenbar mittlerweile der akzeptierte Code ist, an dem sich die B-Liga von Managern untereinander erkennt. Noch surrealer wird das Ganze durch die absurde Gleichförmigkeit von Flughafen-Lobbys und Firmen-Meetingräumen, die offenbar irgendwo, möglicherweise in der Hölle, zentral designt werden. Überall die gleiche gefilterte Luft, überall der gleiche Sound aus Klimaanlagensurren und Fahrstuhlmusik.

Wenn ich geschäftlich verreise, falle ich aus der Welt. Ich stehe dann immer so neben mir, schaue mir zu, wie ich Mails auf dem Blackberry abrufe, einen Latte Macchiato to go kaufe, mir am Ziel im Konferenzraum Wasser einschenke – und kann nicht anders, als mir wie in einer Scharade vorzukommen. Viele meiner aushäusigen Verabredungen ließen sich mit beiderseitigem Willen zum Resultat auch per Telefon und Mail regeln –- und ich vermute stark, dass das den anderen Reisenden ebenso geht. Nichtsdestotrotz verstopfen wir alle morgens und abends die Flughäfen und halten das Taxigewerbe am Leben. Warum das alles? Nun, meine Diagnose ist: Es gibt offenbar Leute, die Meetings für sinnvolle Arbeit halten, die nach acht Stunden selbstgefälligem Egotext-Austausch in Besprechungszimmern mit dem Gefühl nach Hause gehen, ordentlich was geschafft zu haben. Die Meetings nicht als einzudämmendes notwendiges Übel wahrnehmen. Vermutlich sind das dieselben Leute, die es cool finden, im Anzug auf der Flughafenrolltreppe zu stehen und wichtig die Assistentin anzurufen, um nachzuhorchen, ob in der Company alle Projects auch wirklich on time fertig werden. Ach. Zum Schreien, manchmal.

Hätte ich eine eigene Firma, ich würde ein Zeiterfassungssystem einführen und den Meetingraum nur zugänglich machen, wenn man sich vorher ausstempelt. Somit fänden alle Meetings in der Freizeit der Meetenden statt. In kürzester Zeit wären alle wieder bei Mail und Telefon. Zack.

Aber ich habe keine eigene Firma. Vielleicht fehlt mir das Business-Gen.

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Bsirske fliegt auf Meilen

4. August 2008 · 8 comments

Übrigens sollten Journalisten, die Rabatte auf alles und jedes beanspruchen, weil sie einen Journalistenausweis haben, die Debatte sehr zurückhaltend führen.

Herr Leyendecker argumentiert in seinem Kommentar über die Taktlosigkeit des Herrn Bsirske, auf Freimeilen per First Class in den Urlaub zu fliegen, während Ver.di die Lufthansa bestreikt, wie immer schlüssig und gekonnt. Er zeigt auf, dass Herr Bsirske seine Aufsichtsratsvergütung immer brav abgibt, stellt fest, dass der Fall Hansen doch eigentlich ungleich schlimmer sei und wundert sich über die besondere Qualität der Empörung, die Gewerkschaftlern bei Abzocke-Verdacht entgegen schlägt:

Einige Affären der vergangenen Jahrzehnte lassen zumindest den Schluss zu, dass Gewerkschaftsleute möglicherweise immer noch eine höhere moralische Fallhöhe als andere Gesellschaftsgruppen besitzen.

Aber das zentrale Problem entgeht ihm. Dabei ist das alles ganz einfach — wenn ein Manager oder ein Redakteur oder ein Hausmeister seine Job-Privilegien ausnutzt, so ist das vielleicht moralisch nur halbschön, aber der Mann arbeitet immerhin in seinem Job, weil ihn irgendwer für die bestmögliche Besetzung gehalten hat.

Bsirske hingegen sitzt keineswegs im gepolsterten Ledersessel der Lufthansa-Aufsichtsrats, weil man ihn für seine Lebensleistung ehren wollte oder sonstwie viel von ihm hält — Bsirske ist der entsandte Stellvertreter der Arbeiter und Angestellten des Unternehmens. Und als solcher ist es mindestens ungeschickt, vermutlich aber eher ein Anzeichen von entwickelter Großmannssucht, das Freiflugprivileg für Privatreisen zu nutzen. Und auch noch in der First, wo doch nur arrogante Bonzen und geföhnte Promis reisen. Bäh.

Eine alte Theorie von mir, die ich aus beruflichem Überlebenswillen eigentlich nie in der Öffentlichkeit äußere, ist, dass in den so genannten Kommunikationsberufen viele der Aufgaben eigentlich zu leicht sind — vieles könnte eigentlich auch von Praktikanten oder gut trainierten Schimpansen erledigt werden. Kein Wunder, dass man in vielen Agenturen schon nach einer Woche Mitarbeit eine tragende Rollen ausfüllen kann, was die Agenturen wiederum dazu verführt, ihr Kerngeschäft gänzlich in die Hände von mit zwei Äpfeln und einem Gratis-T-Shirt bezahlten Praktikanten zu legen, was wiederum zu Aufständen, Überschwemmungen in Oberbayern und Schändungen von Jungfrauen führt. Vermutlich. Was man jedenfalls in Kommunikationsberufen können sollte, wenn man schon nicht am offenen Herzen operieren, Dinkelbrot backen oder sonstwas Nützliches kann, ist das Instruieren von spezialisierten Dienstleistern, das so genannte Briefen. Die spezielle Unfähigkeit beginnt auf den untersten Ebenen (Äh, der Kunde will da so eine Broschüre, so wie die hier. Könnt ihr das?) und manifestiert sich in seiner reinsten Form in der Person des Marketingleiters (Das gefällt mir nicht. Macht das anders. Wie anders? Na, anders.).

Ich würde mich ja selbständig machen, als Autor des Standardwerks Briefing für Vollpfosten oder als Inhaber der Agentur Be Brief, die für kommunikationsbehinderte Angestellte mit Leitungsfunktion die eigenen Mitarbeiter oder die Horden der in kreativer Armut dahinsiechenden Freelancer mit konkreten Arbeitsanweisungen versorgt. Aber das funktioniert nicht — die Leute denken ja, sie würden super briefen und die Dienstleister wären schuld.

Ach, die Welt.

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Rosa und Gold und Weiß

25. Februar 2008 · 12 comments

bild (c) erkan und stefan

Jaja, ich weiß, es ist ein trivialer Gedanke, eine bekannte Tatsache. Aber es wundert mich immer wieder, dass gerade die Leute, die unbedingt macho sein wollen, sich so, ahem, schwuchtelig anziehen. Also, neulich, im Supermarkt, stand so ein Typ vor mir in der Schlange. Wunderlich angetan: weißer Trainingsanzug, Turnschuhe in weiß und gold mit etwa sechzig Zentimeter dicken Sohlen, rosa Polohemd mit aufgestelltem Kragen, Goldkettchen, Goldringe, Goldarmband, sorgfältig ins dunkle Haar ondulierte ostblockblonde Strähnen am Nacken. An sich schon absurd genug. Absurd aber vor allem, wenn man eine gepflegte Macho-Kultur hochhalten möchte. Und man ja, ehrlich gesagt, in diesem Outfit kaum männlich aussehen kann. Nun gehöre ich nicht zu den Leuten, die finden, dass schon Männer, die sich mehr als einmal pro Woche waschen, schwul wirken, aber hey — all die Kettchen, die Strähnchen, die Kinkerlitzchen. Würde ich mit derlei Accessoires am Körper und einer solchen Frisur um’s Haupt die Einsteinstraße runterstolzieren — ich wette, die Bushaltenstellenherumlungerjungs am Max-Weber-Platz hielten mich für homosexuell, anstatt mir als dem Inbegriff der Neuen Urbanen Männlichkeittm zu huldigen.

Hm. Hat denen nicht mal jemand gesteckt, dass rosa, gold und weiß keine klassischen Männerfarben sind? Und: Gucken die sich gegenseitig nicht an? Müsste da nicht mal Murat zu Kevin sagen, ey, Kevin, weißt, mit den goldigen Ohrrings zur Halskett’n von dei’ Mutta siehst irgendwie nicht mehr Gangsta aus, eher mehr wie dei’ Mutta selbst.

  • Den schwäbisch “sprechenden” Typen bei der Telekom-Hotline, der einfach aufgelegt hat, als meine Beschwerden ein bisschen konkreter wurden. Nach 12 Minuten in der Warteschlange und acht Minuten Gespräch.
  • Den mittleren der drei dummen Dorfhalbstarken, die uns in der 9. Klasse nach der 7. Stunde aufgelauert und ein bisschen vermöbelt haben. Und eigentlich hinterher meine doofen Freunde, die mir bei der ganzen Angelegenheit keine Hilfe waren.
  • Den Göttinger Automechaniker, der den Kostenvoranschlag weit überzogen hat, sich auf da war MwSt natürlich noch nicht drin rausreden wollte und dann auch noch pampig geworden ist. Und es obendrein geschafft hatte, bei der Reparatur die Lichtanlage zu beschädigen.
  • Den feixenden Kollegen, der vor der Partie Pro Evo angegeben hat wie eine Tüte Mücken. Und der dann auch noch gewinnen konnte. Mit von Experten klar erkennbarem Glück, das er aber als Können ausgab.
  • Den der deutschen Rechtschreibung nicht mächtigen Games-Webseitenbetreiber, der leichthin ein bisschen von dem, was man heute Content nennt, von GameStar geklaut hat, auf Anfrage, das Zeug von seiner Seite zu entfernen, dann austickte und mich UNPROFESSIONAL und Ebärmlich schimpfte.

Hm. Mir fallen jetzt doch noch einige mehr ein. Ist vielleicht ganz gut, dass ich nicht über dämonische Kräfte verfüge.