Kommunikation. Argh.

Helle Köpfe in der Werbung

by Gunnar on 30. Juni 2014 · 5 comments

Neulich, in der Werbeagentur:

Texter 1: Wir brauchen was mit “helles”, das Bier ist ja auch ein “Helles”.
Texter 2: Hmm. Heller Tag, dunkle Nacht, hellsichtig, hellhäutig, hell…
Texter 1: “All Hell breaks loose!” Mit so’nem Metaller und Pommesgabel und Bierflasche!
Texter 2: Das ist off-brand!
Texter 1: Spielverderber.
Texter 2: Hmm. Hellebarde, helldenhaft, helle Köpfe…
Texter 1: Helles Köpfchen! Das isses. “Nicht nur für helle Köpfchen”! Nun? Mit ner dunkelhaarige Tussi. Ein Bier, nicht nur für Blondinen. Super, oder? Auch inklusiv und so.
Texter 2: Welchen Sinn ergibt das? Und “helles Köpfchen” heißt nicht “blond”, sondern “clever”. “Nicht nur für clevere Leute” steht dann auf dem Bierdeckel.
Texter 1: Spielverderber.
Texter 2: Ach, ist schon Zeit zum Mittagessen, komm, ich zeig’s mal dem Kunden.

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Xbox One? Ohne was?

by Gunnar on 22. Mai 2013 · 14 comments

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Ja, ja, offensichtlicher Witz. Aber ich konnte nicht widerstehen.

Und wo wir gerade dabei sind, hier ist die offzielle 100-Sekunden-Zusammenfassung der Pressekonferenz. Hihi.

Der “Warme Händedruck”

by Gunnar on 23. Januar 2013 · 9 comments

Eine Wortmeldung von Christian Schmidt, Ex-GameStar-Kollege des Herrn Kaliban. Steht hier, weil der feine Herr Schmidt zwar eine Meinung zu allem möglichen, aber eben kein eigenes Blog hat:

Ich habe mit etwas Verspätung gesehen, dass ich auch dieses Jahr für den „Warmen Händedruck“ von Krawall.de nominiert bin, der wichtigsten (weil einzigen) Auszeichnung für den besten deutschen spielejournalistischen Artikel des Jahres. Letztes Jahr hat mein Spiegel-Essay den Jurypreis gewonnen. Dieses Jahr sind – aus Mangel an hochwertigen Artikeln, wie Krawall schreibt -, nur drei Texte nominiert, allesamt Essays.

Ich fühle mich natürlich geehrt, meinen Artikel über das Politikbild von Spielen in dieser Auswahl zu geadelt zu seien, aber ich war ehrlich gesagt überrascht. Mir fallen aus dem Stegreif weit besser geeignete Kandidaten ein. Eine kurze Auswahl:

Zwei der drei Warmer-Händedruck-Kandidaten 2012 stammen aus dem halbjährlich erscheinenden WASD-Magazin, und man kann das wahlweise als Beleg für dessen Qualität oder für die Präferenzen der Krawall-Jury auslegen; aber beide Artikel, darunter mein eigener, wären nicht meine erste Wahl gewesen. Meine Empfehlung ist der Essay „Kein dritter Weg“, in dem Björn Wederhake eloquent und anschaulich aufzeigt, wie Spiele sich darum drücken, ihren Spielern imperfekte Lösungen zuzumuten und dadurch echte Reflexion zu ermöglichen.

Der beste Test des Jahres – und rundum mein Artikel des Jahres 2012 – ist die zu Recht vielbeachtete Rezension des Indie-Spiels „Polymorphous Perversity“ von Christof Zurschmitten auf Superlevel.de. Zurschmitten zeigt, wie intelligent, scharfsichtig und pointiert man Spiele besprechen kann. Wie meisterhaft er Kontext, Erlebnis und Kommentar verknüpft, sollte für die deutsche Spielekritik beispielhaft sein. Wie schade, dass Krawall ihn nicht durch eine Nominierung würdigt!

Der Krawall-Chef André wird sich nicht selbst nominieren, obwohl er es verdient hätte – sein Report „Das Tal der Verzweiflung“ war ohne Zweifel das Beste, was 2012 in GameStar zu lesen war, eine erkenntnisreiche Annäherung an eine selten beleuchtete, sehr menschliche Seite der Spielentwicklung.

Die Kollisionsabfrage-Polemik „Auf den Treppenstufen der Missgunst“ als journalistische Leistung zu würdigen, ist fragwürdig genug, aber unabhängig von der Perspektive hat der Text in meinen Augen keine Herausstellung verdient. Das mag daran liegen, dass ich Texten, die mit dem Satz „Videospiele haben sich in den letzten zehn Jahren massiv verändert“ beginnen, von vornherein jede Preiswürdigkeit absprechen würde, aber in erster Linie doch daran, dass ich keinen Mehrwert darin sehe, über eine so banale Tatsache wie das Trolltum unter Gamern herzuziehen (als ob das spielerspezifisch wäre!) oder daraus gar eine Generation von Arschlöchern abzuleiten. Zumal der Blog-Text weitschweifend Gründe für seine steile These vom Sittenverfall sucht, aber nie auf die Idee kommt, sie vielleicht mal zu hinterfragen.

Ich hätte mir als Signal an die Branche gewünscht, dass Krawall nicht ausschließlich Essays nominiert, die im Kämmerlein entstanden sind, sondern journalistisches Handwerk – also Artikel, die recherchieren, befragen, nachhaken, sich die Hände schmutzig machen. Man könnte zum Beispiel mal Dennis Kogel eine Anerkennung aussprechen, egal für welchen seiner Artikel – einfach dafür, dass er rausgeht und mit Leuten spricht. Wenn etwas vorbildlich für uns alle sein sollte, dann das.

DISCLAIMER: Der Herr Kaliban war Teil der von Chris hier kritisierten Jury.

Die schillernde Welt der (Online-)Reklame

by Gunnar on 17. Januar 2013 · 12 comments

Herr Kaliban verzweifelt an der Welt. Wie immer.

Ich schaue mir auf Facebook immer mal wieder Spiele an, schon aus beruflichem Interesse. Mein halber Bekanntenkreis kommt aus der Spielebranche und schaut sich ebenfalls Spiele an. Das führt logisch dazu, dass der Facebook-Algorithmus denkt, ich sei ein fantastisches Ziel für Spielewerbung.

Es ist natürlich ein Erste-Welt-Problem, sich über Werbung zu beklagen, aber die Games-Anzeigen sind nahezu durchgängig schauderhaft, schwachsinnig und schäbig.

Das sieht man sowas, beispielsweise:

Schlechte Sprache, schlimme Slogans — es gibt gar nicht genügend Adjektive mit S, um das zu beschreiben.

Der ganze Quatsch mit den A/B-Tests führt nur dazu, dass sich keiner mehr Gedanken macht, was man mit dem Werbemittel überhaupt aussagen will. Hier zum Beispiel werden gleich zwei hirnrissige Konzepte gegeneinander getestet — die obere und die untere Anzeige werben für dasselbe Spiel:

Wenn dann eines der beiden ein bisschen häufiger geklickt wird, sagen wir, das untere, dann denken die Helden, jetzt hätten sie’s aber getroffen und schicken massenhaft Leute über das Werbemittel auf das Spiel — und wundern sich dann, dass die Spieler, die Frieden und Liebe erwartet haben, nicht bleiben, wenn der Krieg losgeht. Und dann zucken sie mit den Schultern und sagen, huh, der Markt wird schwieriger und die Conversions sinken eben.

(Hier sind noch mehr. Achtung: Facebook-Link)

Ein besonderes Highlight ist mir aber erst kürzlich aufgefallen (und es kommt auch noch aus Deutschland):

Die Anzeige für Siedler Online nimmt explizit Bezug auf einen Konkurrenztitel, nämlich End of Nations von Trion. Das ist schon mal absurd, weil End of Nations noch in der geschlossenen Beta läuft, also noch gar nicht erschienen ist. Noch absurder ist es aber, dass die Reklame suggerieren will, EoN-Fans würden sich auch für Siedler Online interessieren. Vielleicht werfen wir mal einen schnellen Blick auf die, uh, grafische Gestaltung beider Titel…

End of Nations sieht so aus:

Und das hier ist Siedler Online:

Nun. I rest my case.

Ist bestimmt hammermäßig erfolgreich, die Werbung.

[UPDATE] Anmerkung von einem Industrie-Insider: “Gunnar, du weißt doch, wie das ist. Da sitzt diese Agentur in Israel, die macht Tausende A/B-Tests mit *irgendwelchen* Motiven. Und wo die meisten klicken, das wird hochgeranked. Du hast also möglicherweise einfach einen Testlauf beobachtet. Wenn das Motiv noch häufiger auftauchen würde, spräche das allerdings nicht für die Intelligenz der Klickenden.”

Nun, der Steinbrück, was soll man sagen

by Gunnar on 7. Januar 2013 · 22 comments

Der geschätzte Herr Lumma, SPD-Mitglied zwar, aber sonst ganz brauchbar, machte sich heute auf seinem Blog Luft über die “Kampagne” gegen Peer Steinbrück. Ein Auszug:

Peer Steinbrück hat nach einer langen Karriere in der Politik seine Bekanntheit genutzt, um Geld zu verdienen, während er als Abgeordneter im Bundestag sitzt. Ja, und? Journalisten verdienen sich Geld mit dem Schreiben von Reden für andere Leute, mit der Moderation von Firmen-Events oder mit Fernsehwerbung. TV-Moderatoren haben oftmals ihre eigene Produktionsfirma und verdienen fröhlich am öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit. […]

Wenn ein Politiker, noch dazu von der SPD, die ja nicht mit Geld umgehen können, glaubt man dem Diktum von Otto Graf Lambsdorff, seine Bekanntheit nutzt, um mit dem Verkünden seiner Ansichten Geld zu verdienen, dann ist das verwerflichst und wird von dem Berufskommentatoren dieser Republik ungefähr auf eine Stufe mit dem Verkaufen des Erstgeborenen in die Sklaverei gestellt.

[…]

Man kann überall lesen, dass sich die Menschen in diesem Lande, da draußen, wie es immer so schön heisst, sich nach Typen sehnen, die unabhängig sind, die eine eigene Meinung vertreten, die nicht führungstreue Parteisoldaten sind. Allerdings erleben wir auch immer wieder, dass die unabhängigen Köpfe entweder irgendwann eingenordet werden und sich strikt der Parteilinie unterordnen, oder aus der aktiven Politik verabschieden. Peer Steinbrück beharrt auf seiner Beinfreiheit, was wiederum zu Kritik führt, denn eine derartige Unabhängigkeit wirkt irgendwie suspekt. Ja, was denn nun?

Ich will darauf gar nicht im Detail eingehen, man könnte einiges zu der Problematik sagen, dass der Vergleich zwischen Politikern und Moderatoren auf zwei Beinen hinkt oder dazu, dass es bei Steinbrück möglicherweise nicht um das Einebnen eines unbequemen Denkers geht, sondern vielleicht auch darum, einen Kandidaten für das wichtigste politische Amt auf seine moralische und fachliche Eignung zu untersuchen. Aber wurscht, mir geht’s um was anderes:

Ich bin da ganz einfach gestrickt. Ich möchte bei Politikern das Gefühl haben, dass sie nicht Wasser predigen und Wein trinken. Ich möchte, dass sie ein bisschen Demut empfinden, wenn sie ein gut dotiertes Amt vom Volk anvertraut bekommen. Ich möchte, dass sie nicht ausschließlich das eigene Ego oder den Wahlkampf im Auge haben, sondern sich bewusst sind, dass sie da sind, wo sie sind, um eine Funktion zu erfüllen.

Bei Peer Steinbrück* habe ich, sorry, dieses Gefühl nicht. Ich bin der altmodischen Meinung, dass man, wenn man Abgeordnetenbezüge bezieht, gefälligst zu den Sitzungen geht. Und dass der Abgeordneten-Job der Schwerpunkt des eigenen Berufslebens sein sollte. Und dass man sich nicht allzu weit vom Volk entfernen sollte, wenn man dessen Belange vertreten will. Ein Millioneneinkommen ist nicht verwerflich, hilft aber auch nicht, die Nöte der Leute zu verstehen, die Straßenbahn fahren. Wem es gefällt, als gut bezahlter Pausenclown auf Firmenveranstaltungen aufzutreten, der ist vielleicht nicht gut beraten, sich auf ein Amt einzulassen, bei dem es um mehr geht als den eigenen Ruhm, Geld und freundliches Schulterklopfen.

* Das geht mir nicht nur mit Steinbrück so, natürlich.

Heute erschien die letzte Ausgabe der Financial Times Deutschland.

Die Redaktion verabschiedete sich mit einem schönen Foto, auf dem sich alle verneigen. Und den folgenden Zeilen:

Entschuldigung,
liebe Gesellschafter, dass wir so viele Millionen verbrannt haben. Entschuldigung, liebe Anzeigenkunden, dass wir so kritisch über Eure Unternehmen berichtet haben. Entschuldigung, liebe Pressesprecher, dass wir so oft Euren Formulierungsvorschlägen nicht gefolgt sind. Entschuldigung, liebe Politiker, dass wir Euch so wenig geglaubt haben. Entschuldigung, liebe Kollegen, dass wir Euch so viele Nächte und so viele Wochenenden haben durcharbeiten lassen. Entschuldigung, liebe Leser, dass dies jetzt die letzten Zeilen der FTD sind. Es tut uns leid. Wir entschuldigen uns vorbehaltlos. Aber: Wenn wir noch einmal von vorn anfangen dürften – wir würden es jederzeit wieder genauso machen.

Das ist gefällig formuliert und hat auf den ersten Blick irgendwie Klasse. Bei Licht betrachtet ist das allerdings schon eine dezent arrogante Nummer für eine Zeitung, die nicht am mangelnden Durchhaltevermögen ihrer Verleger oder Anzeigenkunden oder gar ihrer, haha, Unbequemlichkeit gescheitert ist, sondern schlicht zu wenig Leser gefunden hat. Weniger als die taz, um das mal auszusprechen. (Und die taz hat keine internationale Marke oder einen Großverlag auf der Habenseite.)

Trotzdem sind natürlich die Umstände schuld. Am Journalismus kann es ja nicht liegen. Oder doch? Wir nehmen mal meine Lieblingsfokusgruppe: mich.

FRAGE: Herr Kaliban, Sie sind doch Teil der Zielgruppe. Warum lesen Sie nicht die FTD?
ANTWORT: Ich wollte. Wirklich. Aber ich habe aufgehört, die FTD zu lesen, nachdem ich in drei aufeinanderfolgenden Ausgaben eine Verwechslung von “Billion” und “Milliarde” entdeckt hatte – und in der dritten Ausgabe auch noch horrender Unsinn über die Spielebranche stand, so richtiger Unsinn, mit falsch interpretierten Zahlen und so.
FRAGE: Ah. Danke. Sie dürfen sich setzen. I rest my case.

Die ganze passiv-aggressive “Entschuldigung” passt allerdings gut zu dem Tenor, der überall zu hören ist, seit das Ende der FTD angekündigt wurde: Schade sei das, bitter gar, das Internet sei schuld, es sei das Ende einer tollen Zeitung, die dem Land fehlen werde et cetera.

Natürlich ist das traurig, wenn 350 Arbeitsplätze über den Jordan gehen, aber vielleicht hat die taz recht, die heute schreibt:

Dass der Verlag nun bei diesem Produkt genau jene Kriterien von Rentabilität und Profit walten lässt, auf die Kommentatoren jener Zeitung stets so bescheidwisserisch wie kaltherzig verwiesen, wenn es, sagen wir, um das Schicksal von Nokia-Arbeitern oder Schlecker-Angestellten ging, ist für die Beteiligten vielleicht lehrreich und sicherlich unangenehm. Aber mehr auch nicht.

Die Larmoyanz deutscher Journalisten in den letzten Jahren ist in der Tat unerträglich geworden – die Verkaufszahlen gehen südwärts, ja, aber das gehen sie, zumindest für die Tageszeitungen, schon seit den 90ern. Jeder weiß seit vielen Jahren, dass man was tun muss. Und doch wird vergleichsweise wenig getan: Preise hoch, Seiten runter, als Redaktion getarnte Werbung allerorten, Praktikanten statt Redakteure und immer noch mehr Tricksereien, um die Abodauer zu verlängern. (Bei der SZ etwa kann man heutzutage im “Abo-Center” auf der Website alles tun, nur nicht kündigen. Dafür muss man einen Brief schicken. Bitch, please.) Und wenn bei einem, sagen wir, Joghurthersteller das Produktmanagement auf die Idee käme, auf sinkende Verkaufszahlen mit einer offensichtlichen Reduzierung der Qualität sowie der Menge pro Gebinde und einer klaren Anhebung des Preises zu reagieren, würden die Leute möglicherweise gefeuert – in Verlagen hält man sich hingegen für clever, wenn man aus den letzten treuen Lesern möglichst viel herausquetscht*.

Aber nun. Ist ja auch egal. Bald kommt das Leistungsschutzrecht und macht die ganze kaputte Welt wieder heile. Bestimmt. Und wenn nicht, dann kommt nach dem Leistungsschutzrecht die Kampagne für die Mehrwertsteuerreduzierung und die Kampagne für Steuererleichterungen und die Kampagne für Verlagsbailouts und was weiß ich.

* Anmerkung in eigener Sache: Natürlich haben wir das in meiner aktiven Zeit als leitender Verlagsangestellter auch so gemacht, managing print for profit hieß das bei uns. Ich sage auch nicht, dass es ganz anders geht, dass Kampfpreise und/oder Qualitätsoffensiven den Printjournalismus retten könnten. Man muss aber eben die Zeit der sinkenden Printauflagen nutzen, um andere Standbeine zu schaffen. Und die Maulerei, dass die Kostenloskultur, das Internet oder das schlechte Wetter schuld seien, möge man sich ganz verkneifen. Das steht Profis nicht gut zu Gesicht.

Deus Lo Vult

by Gunnar on 5. Dezember 2012 · 20 comments

Wenn Gott gewollt hätte, dass Männer nicht masturbieren, warum ist dann der Daumen versetzt zu den anderen Fingern? Wenn Gott gewollt hätte, dass Frauen nicht masturbieren, warum ist dann der Mittelfinger länger?

Dieses hübsche Zitat ist von Solomon Short, einer Figur von David Gerrold in The War Against The Chtorr. Ist ungefähr dieselbe Kategorie von Argument, wie sie gestern, auf dem CDU-Parteitag bei der Debatte um die steuerliche Gleichstellung der Homo-Ehe zur Hetero-Ehe, Sachsens CDU-Fraktionschef Steffen Flath gebrauchte, der laut Zeit.de meinte:

Gott hat uns geschaffen als Frau und Mann und ich glaube, dass er sich dabei etwas gedacht hat.

Projektion der eigenen Meinung auf Gott, um dann davon eine Rechtfertigung abzuleiten, ist ein so alter und gleichzeitig so ekelhafter Trick, man sollte dafür auf einem Parteitag von der Bühne gebuht werden, einfach wegen schlechten Stils. Das gilt insbesondere für CDU-Parteitage, wo doch wohl hinreichend Leute anwesend sind, die ihren Glauben ernst genug nehmen, um Gott nicht für rhetorische Tricks missbraucht sehen zu wollen.

Leider gab es aber wohl Applaus.

Fette, die keinen abkriegen

by Gunnar on 18. November 2012 · 23 comments

Gestern, in der S-Bahn belauschte ich ein kurzes Gespräch:

Schmales, schlecht geschminktes Mädchen: Ist schon blöd, dass “Schwer verliebt” nicht mehr kommt sonntags. War für meine Freundin und mich ein fester Bestandteil unseres Sonntags.
Netter blasser Junge mit Stoffmütze: Keine Ahnung, aber ich habe letztens eine Vorschau gesehen, das kommt bald wieder. Anfang Dezember oder so.
Schmales Mädchen: Echt? Wow! Wow! Wow! Der Sonntag ist gerettet!
Blasser Junge: Was findet ihr überhaupt denn an der Sendung?
Schmales Mädchen: Ist doch geil, lauter Fette, die keinen abkriegen. Am besten sind eigentlich unsere Kommentare währenddessen.

Ah.

Ich hatte bis eben keine Ahnung, was das für ein Format ist, aber der letzte Satz des Mädchens lässt keinen Zweifel: Offenbar eine typische Guck mal, wie scheiße die alle sind-Produktion des glorreichen deutschen Privatfernsehens. Zweifellos moderiert von einer schlanken, hübschen Dame, die den unüberbrückbaren Graben zwischen Zur-schau-Gestelltem und Zur-Schau-Steller zu illustrieren hat, damit die Objekte der Sendung noch unterschichtiger aussehen. Mir liegt es auf der Zunge, ins Gespräch zu rufen, “Ist es nicht besser, eine Fette zu sein, die keinen abkriegt, als eine stumpfe Provinztrulla, die sich am Unglück anderer Leute weidet? Die Fette kann immerhin abnehmen.” aber ich tue es natürlich nicht.

Statt dessen steige ich aus. Und hoffe, dass meine Tochter das Gespräch, wenn sie es gehört haben sollte, noch nicht erfassen konnte. Wenn sie jemals solche Sendungen gucken sollte, muss ich sie enterben.

Nachsatz: Mit einem ähnlichen Phänomen befasste sich vor Jahren der Post “Die Zeitschrift und der Freak” in dessen Kommentarsektion sich sogar der Zur-Schau-Gestellte äußert.

Teddybären-Evolution

by Gunnar on 6. November 2012 · 9 comments

Die Geschichte einer Idee:

Der Designer Begemott stellte im Oktober 2006 ein hübsches Bild auf Deviant Art ein:

Daraus entstand ein kleines Meme, mit diesem hübschen Demotivation-Poster:

(1902 ist übrigens das Jahr, in dem der Teddybär erfunden wurde.)

Als ich das sah, dachte ich, huh, was für eine starke Metapher, dazu müsste man mal eine Geschichte schreiben oder ein Spiel machen. Es entstand eine kleine Gutenachtgeschichte, die ich meiner Tochter erzählt, aber nie aufgeschrieben habe und ein halbgares Konzeptchen für eine Art Tower-Defense-Spiel, in dem Monster Schienen legen, um mit ihren Zügen in die Träume der Kinder zu fahren und die Kämpfer von der Teddy-Bären-Liga die Schienen zerstören müssen. Oder so.

Offenbar haben einige Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg das Meme auch gesehen — und sich nicht mit halbgaren Konzeptchen begnügt. Sie haben es, unter der Regie von Denis Parchow, kongenial in einen TV-Spot für die Firma Steiff (das sind die Erfinder der originalen Teddybären) umgesetzt:

Sehr schön. Man hätte in den Credits vielleicht den Zeichner des ursprünglichen Bildes erwähnen können, aber das ist vermutlich ein bisschen viel verlangt. Andererseits könnte die Inspiration natürlich auch aus anderer Richtung kommen, kämpferische Teddybären sind kein häufiges, aber auch kein neues Motiv.

Das harte Leben im Lizenzgeschäft

by Gunnar on 1. Oktober 2012 · 12 comments

Eine Filmfirma, Abteilung Licensing.

Telefon: (klingelt)
Mitarbeiter 1: Ja, Filmfirma, Abteilung Licensing, Mitarbeiter 1 am Apparat.
Mitarbeiter 1: Ah, ja, die Hobbit-Lizenz. Unser Kronjuwel. Ja, die können Sie erwerben. Ist natürlich nicht billig. Dafür werden Sie dann offizieller Partner für Ihre Produktkategorie. Was stellen Sie denn her?
Mitarbeiter 1: Uh. Nun. Ja, die, äh, Produktkategorie ist noch frei, da wären Sie exklusiv.
Mitarbeiter 1: Ja, *hust*, da haben Sie recht, das geheimnisvolle Flair ihres Produkte passt natürlich gut zu dem Fantasy-Szenario. Und, nun, Indien und Mittelerde sind ja beides ferne Länder, nicht?
Mitarbeiter 1: (hält den Hörer mit der Hand zu) Hilfe! Ich kann nicht mehr ernst bleiben. Kann mich jemand ohrfeigen?
Mitarbeiter 2: (sticht Mitarbeiter 1 eine aufgebogene Büroklammer in die Hand)
Mitarbeiter 1: Ah! Ja, die jeweiligen Figuren können Sie gut auf spezifische Produktsorten aufteilen, ich sehe zum Beispiel die Elfenkönigin auf der Sorte “Lovely” und Gandalf auf, uh, “Classic”. (gluckst)
Mitarbeiter 2: (sticht Mitarbeiter 1 eine aufgebogene Büroklammer in die Hand)
Mitarbeiter 1: Ah! “Sweet” haben sie auch noch? Da nehmen wir einen Zwerg, die sind ja auch ganz süß. Und “Spicy”, jo, nun, ach, der Elfenkönig passt immer, der vereint ja in sich auch das, äh, Scharfe und das Schöne. Nun. (gluckst)
Mitarbeiter 2: (sticht Mitarbeiter 1 eine aufgebogene Büroklammer in die Hand)
Mitarbeiter 1: Ah! Nein, nichts, mir ist bloß was runtergefallen. Ja, dann sind wir uns ja grundsätzlich einig. Ich schreibe Ihnen unser Angebot rasch zusammen und schicke es Ihnen als Entscheidungsvorlage. Ja, sehr gerne. Nein, keine Ursache. Vielen Dank, wir hören uns. (legt auf, bricht über dem Schreibtisch zusammen)
Mitarbeiter 2: Was um Gottes Willen war das? Wieder der Kondomhersteller?
Mitarbeiter 1: Schlimmer.

[via]

SKANDAL! Apple-User doch nicht bevorzugt!

Juli 20, 2012

Ein freundlicher Kollege empfahl mir beim Mittagessen heute die App der KVV, der Karlsruher Verkehrsverbundsdings. Die sei zwar nicht so besonders super, bewahre einen aber davor, eine Karte bei einem der nicht selten unfreundlichen Fahrer kaufen zu müssen. Gibt zwar auch Automaten, die aber sind ohne Logik oder Sinn über Stationen und Bahnen verteilt und […]

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Post-EM-Traumata

Juli 2, 2012

So, Gottseidank, das Fußballzeug ist vorbei. Jetzt kann man sich endlich wieder wichtigen Dinge zuwenden, Videospielen etwa. Oder dem Bloggen an sich. Mit EM-Gewinn wär’s schöner gewesen, aber nun, man soll nicht maßlos sein – die Tatsache, dass wir jetzt schon seit sechs Jahren ein Team haben, das regelmäßig mithalten kann, ist schon nicht übel. […]

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