Kommunikation. Argh.

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Der Kanton im Lande Mauerbau

19. Januar 2012 · 9 comments

Herr Kaliban scheitert an der modernen Technik. Wie immer.

Immer, wenn ich freie Zeit habe und nicht gerade Medien konsumiere, mache ich irgendwas mit Text. Schreibe Blogposts, podcaste, arbeite an meinem nächsten Buch, spinne Ideen für Webseiten, Bücher, Spiele, Vorträge et cetera. Vieles bleibt im “Ich mach mal ein Rohkonzept”-Stadium stecken, unter anderem auch, weil mich das ewige Schreiben schon auch ein bisschen ankäst.

Ich wollte daher mal eine Alternative Methode der Textproduktion versuchen, inspiriert durch die Liebe meines Lebens, die täglich mit großer Effizienz ihre berufliche Korrespondenz runterdiktiert. Ich dachte mir, hey, vielleicht kann ich einfach im Auto oder daheim einfach mit einem Headset herumlaufen oder -sitzen, meine Gedanken in die Maschine sprechen und hinterher auf Knopfdruck einen Text daraus machen, der dann als Basis für weitere Arbeit dient – wie jeder Schreibende weiß, ist es vergleichsweise leicht, mit vorliegendem Text zu arbeiten, aber schwer das weiße Blatt zu Beginn erstmal zu füllen.

Also probierte ich’s mal mit Dragon Dictation, deren App ist wohl führend. Das Resultat war Kauderwelsch. Liegt vielleicht an meiner Aussprache oder am Sujet, dachte ich und sprach testhalber klar und sauber ein bekanntes Gedicht ein. Vielleicht erkennt’s ja wer:

Hm. Nun, offenbar funktioniert die Methode nicht für mich. Ich bleibe beim Tippen, erstmal.

Ich komme nochmal auf die Causa Wulff zurück. Sorry. Aber die Sache mit dem Anruf kriegt in der Diskussion einen falschen Spin, finde ich.

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Journalismus 1.0

10. November 2011 · 1 comment

Hübsche Aufarbeitung über den Beruf des Journalisten Anno 1940. Interessant ist die folgende Feststellung, die auch heute noch so zutreffen sollten, wenn man seinen Beruf ernst nimmt:

The editorial writer must be able to write on many subjects. But instead of merely reporting news, he analyzes it and explains its meaning, often expressing his personal opinions. He must reason accurately and fairly, and write in an interesting manner. To understand and interpret problems of the day, he must read and study continually, in addition to having a great amount of knowledge and experience.”

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Print is not dead

29. Juni 2011 · 3 comments

Fundstück aus der Kleinanzeigensektion der SZ:

Auch bei diesen komischen Online-Spielern ist Print nicht so tot, wie man meinen möchte. Wer in München Gildenspieler mit “Beruf, Niveau und Stil” sucht, guckt offenbar eher nicht in ein Forum.

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Unsere Daten sollt ihr raten

18. November 2010 · 42 comments

Herr Kaliban wundert sich über die Streetview-Verweigerer.

Seit heute nacht ist Streetview für eine Handvoll deutscher Städte live, darunter auch München. Und unsere Nachbarn haben es den Voyeuren an den PCs und den Helfershelfern von Google ganz schön gezeigt:

Schade nur, dass ich trotzdem weiß, wie eure Fassade aussieht, Leute:

Da’s über Sight Walk keine Debatte im großartigen deutschen Qualitätsjournalismus und unter unseren sensationell kompetenten Volksvertretern gab, sind dort die Häuser natürlich unverpixelt zu sehen. Da hat sich der Aufwand ja gelohnt.

Und von Bing Maps wollen wir gar nicht anfangen, so einer sympathischen Underdog-Firma wie Microsoft vertraut man seine Fassade ja gerne an, inklusive Innenhof:

Und dann ist da noch iHood, wo’s keine Gebäudefotos gibt, darüber aber frei zugängliche Infos über den sozialen Status des Gebäudes, inklusive Ausländeranteil, Kaufkraftanalyse und vorherrschender PKW-Marke:

Seufz.

P.S. Vielleicht noch eine Anmerkung: Ich finde durchaus, dass Menschen, insbesondere Eigentümer von Immobilien, das Recht haben, Google das systematische Fotografieren ihrer Fassaden zu verbieten. Genauso wie jeder das Recht hat, seinem Eintrag ins Telefonbuch zu widersprechen. Die alberne Hysterie, die Politiker und Journalisten um Streetview entfacht haben, ist aber nichtsdestotrotz lächerlich. Wo waren denn die verwortungsvollen Medien, die ihren Lesern die Sache mal gründlich erklärt und dabei auf Fassadenfotos in Bing, Sightwalk oder die Immobilien-Datensammelei von Direktmarketingfirmen wie Schober hingewiesen hätten?

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Wir sind Bundestrainer

18. Juni 2010 · 17 comments

Herrn Kaliban nerven am deutschen Fußball vor allem die Diskussionen der Fans.

Ein paar willkürlich und eher zufällig ausgewählte Aussagen aus dem SpOn-Forum zum Serbien-Spiel (Zusatzinfo für Fußballabstinenzler: das von eben, das wir 0:1 verloren haben):

Keine Ahnung, welches Spiel diese Leute gesehen haben, aber auf meinem Bildschirm lief ein Match, in dem eine engagierte deutsche Mannschaft durch sehr kleinliches Abpfeifen harmloser Situationen (was in einer Gelbflut und einer roten Karte für Klose gipfelte) schwer aus dem Tritt gebracht wurde. Und auch deshalb ein Gegentor kassierte, weil Badstuber sich, Sekunden nach der roten Karte, wohl keine Grätsche gegen den durchgebrochenen Krasic getraut hat. Wie überhaupt die Deutschen, eigentlich ja ein robustes Team, oft merkwürdig körperlos agierten, was sicher auch etwas mit den 19 Freistößen zu tun hat, die gegen Deutschland gepfiffen wurden. Vielleicht hätte Spanien einen Schiedsrichter, der angeblich in 17 Ligaspielen 11 rote Karten verteilt hat, gar nicht erst zur WM schicken sollen.

Aber wurscht, ob man in der Schiedsrichterleistung oder der Harmlosigkeit der Deutschen oder der Cleverness der Serben den Grund für die Niederlage sehen mag, es ist doch wohl ein bisschen albern, immer gleich in die unterste Kiste zu greifen und das eigene Team mit Häme und Beschimpfungen zu überziehen. Und das nur eine Woche nachdem man dieselbe Mannschaft wegen ein paar Treffern gegen ein B-Team in den Himmel gejubelt hat. Siehe exemplarisch dazu die Bemerkung einer Bekannten auf Facebook soeben:

Grmpf. Das ist wie im Vereinsfußball: Man ist Fan einer Mannschaft oder eben nicht. Ist man’s, dann in guten wie in schlechten Zeiten. Ich als Anhänger von, eh, Hannover 96, darf mit Fug und Recht behaupten, dass das nicht immer leicht ist. Aber so ist es eben. Wem das zu anstrengend ist, der möge Brasilien adoptieren oder Bayern-Fan werden. Ahem.

Ich erwähnte schon mal irgendwo, dass ich ganz gut leiden kann, was Kathrin Passig aus Berlin so schreibt, nehme ich an. Mag ihre Liebe zum Detail, ihr Nerdtum, ihren Humor. Wollte daher auch den Link zu dem großartigen Text Standardsituationen der Technologiekritik nicht einfach im Massengrab der gestrigen Sonntagslinks versenken, sondern hier gesondert anpreisen.

Also, es geht in dem Aufsatz um die üblichen Reaktionen gegen neue Technologien, die wir alle schon häufiger von den diskursbeherrschenden Berufsbedenkenträgern gehört haben: “Das braucht man nicht”, “Das macht doof”, “Das ist nur was für Nerds”, “Das geht bestimmt bald wieder weg”, “Das ist zu kompliziert” et cetera pp. Zuletzt beispielsweise vom unsäglichen Herrn Schirrmacher, der wegen seiner Internetnutzung um seine Konzentrationsfähigkeit fürchtet und düstere Zeichen an die Wand malt: Globale Hirnvermatschung! Reizüberflutung! Universelle Bräsigkeit!

Passig nimmt sehr pointiert und sehr witzig aufs Korn, zeigt auf, dass z.B. die Internetkritik sich nicht wesentlich von der Lesekritik des 19. Jahrhunderts unterscheidet:

»Man liest, nicht um sich mit Kenntnissen zu bereichern, sondern nur um zu sehen, man liest das Wahre und das Falsche prüfungslos durcheinander, und dieß lediglich mit Neugier ohne eigentliche Wißbegier. Man liest und gefällt sich in diesem behaglichen, geschäftigen Geistesmüßiggang, wie in einem träumenden Zustande. Die Zeitverschwendung, die dadurch herbeigeführt wird, ist doch nicht der einzige Nachtheil, welcher aus der Vielleserei entsteht. Es wird dadurch das Müßiggehen zur Gewohnheit und bewirkt, wie aller Müßiggang, eine Abspannung der eigenen Seelenkräfte«, warnt 1844 das Universallexikon der Erziehungs- und Unterrichtslehre in der zweiten Auflage. [...] Hat die neue Technik mit Denken, Schreiben oder Lesen zu tun, dann verändert sie, Argument neun, ganz sicher unsere Denk-, Schreib- und Lesetechniken zum Schlechteren. Die Postkarte galt Kritikern um 1870 als Sargnagel der Briefkultur. Die American Newspaper Publishers’ Association diskutierte im Februar 1897 die Frage: »(Do typewriters) lower the literary grade of work done by reporters?«.

Oder führt vor, wie der Rechtfertigungsdrang technologieferner Menschen aktuelle Anschaffungen abwertet:

Das iPhone (Jahrgang 2007) hat die schon aus der Handyeinführung in den neunziger Jahren bekannten Kritikstufen »Braucht kein Mensch« – »Brauch ich nicht« – »Ist nur was für Angeber« durchlaufen und ist bei »Ich hab mir jetzt auch so ein iPhone geholt – aber der teure Vertrag!« (Argument sechs) angekommen. Sowohl beim Handy als auch beim Smartphone zeigten sich, wie zum Zeitpunkt der Anschaffung noch die vom Vorläufer abgeleiteten Nutzungsabsichten dominieren: »Wir wollen nur im Urlaub erreichbar sein! Nicht selbst telefonieren!«, versicherte man dem Verkäufer ungefragt; beziehungsweise im Falle des Smartphones: »Wir wollen gar nicht ins Internet! Nur telefonieren!« Es kann dann noch einige Zeit dauern, bis die eigentlich innovativen Fähigkeiten des Geräts tatsächlich genutzt werden.

Aber genug. Rübersurfen. Lesen. Klick.

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Eisenbahnen, Zoos voller Menschen

28. Oktober 2009 · 12 comments

Neulich, bei einer Bahnfahrt, saß ich unweit von einer adretten, intellektuell aussehende Dame in den späten Fünfzigern, die mit ihrem 14jährigen Enkel unterwegs war. Deren Gespräch musste ich mithören, weil ich — zu konservativ erzogen — nicht die Lässigkeit anderer Leute habe, die sich auf Zugreisen erfolgreich ins Koma trinken und so der Welt samt den Mitreisenden entkommen.

Die Dame las Zeitung, der Junge versuchte, ein Spiel, ich glaube, es war einer der Advance Wars-Titel, auf dem Nintendo DS zu spielen. Versuchte, sage ich, weil die Dame nicht in der Lage war, ihre Zeitung einfach normal von vorne nach hinten zu lesen, sondern atemlos von Artikel zu Artikel sprang, immer ein paar Zeilen querlas, abbrach, weitersprang und dabei das Ganze fortwährend kommentierte. Das ergab einen ununterbrochenen Strom von Halbsätzen und Halbgedanken, der mich nach knapp zehn Minuten in eine Art Trance versetzte:

Ja, nun, zehn Tage im Urwald, das würdest du nicht schaffen. [Einwurf des Enkels: Doch, das würde ich schaffen] Summa, summa cum laude, das hat der. Gut, was? Oh, Rohstoffgewinnung in der Antarktis. Hm. Ach, die SPD macht das schon, jaja. Nun, der sieht nett aus, der Ulrich Nussbaum. Ja. Nu. Weißte, wie er noch netter aussehen würde? Wenn man ihm einen Bart malte. Hm. Was fährt der einen Bentley, der ist doch Sozialdemokrat. Du, Schnuckel, ich geh jetzt noch aufs Klo, dann sind wir am Ende unser gemeinsamen Reise. Ach doch nicht, wir sind ja erst in Würzburg.

Surreal. So ging das ununterbrochen. Für wenigstens eine Stunde. Ich wage nicht, mir auszumalen, wie das auf die Seele eines 14jährigen gewirkt haben muss.

Ach, die Grausamkeit der Großmütter.

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Kai Diekmann bloggt (nicht)

26. Oktober 2009 · 10 comments

Kai Diekmann, Chefredakteur von BILD, ist — der Eindruck drängt sich jedenfalls auf — einer dieser Medienfuzzis, deren Selbstverliebtheit so allumfassend ist, dass sie sich vom Friseur rasieren lassen müssen, weil sie, täten sie das zuhause, nicht mehr vom Spiegel wegkämen. Klassisches Chefredakteursyndrom, aber in ungewöhnlicher Ausprägung.

Deswegen bloggt er jetzt auch noch, jedenfalls für wenigstens 100 Tage: unter kaidiekmann.de. Möglicherweise um der Welt zu beweisen, dass er auch das mindestens genauso gut kann wie seine Feinde vom Bildblog.

Theoretisch.

Praktisch ist die Webseite, man merkt’s schon am relativ aufwändigen Design, allerdings eher ein Projekt der BILD digital GmbH als ein persönliches Blog — Diekmann gibt zwar die Linie vor, schreibt aber natürlich nicht selber, dafür hat er ja Redakteure. Was nun aber der Sinn eines aus der Ich-Perspektive verfassten Blogs ist, wenn man dann doch nicht selber ran will, das erschließt sich dem gesunden Menschenverstand nicht. Vielleicht ist Diekmann tatsächlich so unfassbar eitel wie er tut, vielleicht will er sich mit dem Blog (das vor “Selbstironie” nur so trieft) über seine bloggenden Gegner lustig machen, vielleicht ist das alles nur eine Bespaßungaktion für die Insider von den Mediendiensten (*). Wer weiß das schon.

Es ist — und das zu hören würde ihn vielleicht freuen, wenn er das hier läse, was er aber sicher nicht tut — aber nachgerade unerträglich, wenn einer wie Diekmann, unter dessen Regie Menschenleben zerstört werden, lässig und ironisch seinen Kritikern Raum gibt (unter der Rubrik Mein Fanclub), als ginge es bei deren Beschwerden es sich nur um eine Art Meinungsverschiedenheit.

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New Abgeordneter from Hell

12. September 2009 · 11 comments

Ich bin, zugegeben, ein aufmerksamer Betrachter von Wahlplakaten. Meine Faszination dafür ähnelt ein bisschen der von Leuten, die gerne Unfälle angucken — es ist eine Mischung aus Ekel und Grusel, hauptsächlich.

Beispiele für scheußliche oder doofe oder fehldesignte Plakate findet man gleichermaßen bei allen Parteien, aber meine besondere Aufmerksamkeit gilt den Kandidaten der CSU, die bringen da noch sowas Rübennasiges mit rein. Das beste Beispiel ist natürlich mein besonderer Freund Bernd Posselt, über den ich schon so viel geschrieben habe, aber auch Herbert Frankenhauser, MdB, legt sich schwer ins Zeug, wie dieses Plakat beweist:

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Wow. Da hat sich offenbar der Herr Frankenhauser geärgert, dass er auf keinem Foto gemeinsam mit Shootingstar von Guttenberg zu sehen ist. Aber ach, die moderne Technik wird’s richten, mag er sich dann gedacht haben — meine Sekretärin war doch neulich auf einem Photoshopkurs an der Volkshochschule. Schnell den Wirtschaftsminister reingebaut und fertig ist das Plakat.

Aber, hm, an der Schnittkante ist’s ein bisschen ungenau? Dann machen wir da eben noch einen Verwischeffekt rein. Der Baron hat weißere Zähne als der Kandidat? Das kann man reparieren, ein paar Klicks später leuchtet auch dem Herbert sein Gebiss. Nur noch ein Problem: Von Guttenberg hat gesunde, rosige Haut, während man dem Herrn F. die Stammtischweißbier durchaus ansieht — das Leben als Vorsitzender des Deutschen Instituts für Reines Bier e. V. hinterlässt eben seine Spuren. Aber Photoshop hat auch dafür eine Lösung: Dann bekommt der Minister eben auch ein bisschen Alkoholikerröte ins Gesicht.

So. Fertig. Jetzt bitte wählen.