Kommunikation. Argh.

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Für Frauen kompetent

20. Juli 2009 · 27 comments

Ich weiß schon, ich soll mich nicht immer über Wahlplakate aufregen, aber hey… wer hat sich denn das hier ausgedacht? Erstens weiß man nicht, wer die Strobl und wer die Tausend ist, zweitens sehen sich die grinsenden Damen (zufällig?) so ähnlich, dass man denken muss, da habe vetternwirtschaftlich die Tante Bürgermeisterin ihre kleine Kusine nachgezogen, drittens ist der Slogan einerseits blöd und zweitens missverständlich — man könnte es auch als “Naja, die sind schon ganz kompetent, dafür dass sie Frauen sind” lesen.

So kommt man nicht in den Bundestag, Frau Tausend.

Claudia Tausend (SPD), Bundestagswahlkampf 2009

Claudia Tausend (SPD), Bundestagswahlkampf 2009

posselt bernd csuUm kurz meine liebevolle Berichterstattung zum EU-Parlamentskandiaten Bernd Posselt (CSU) zu vervollständigen, möchte ich daraufhinweisen, dass die schiere Absurdität der Entität Bernd Posselt mittlerweile auch den Machern der ZDF-Sendung “Neues aus der Anstalt” aufgegangen ist. Die machen das auch ganz bodenständig, halten einfach das Plakat hoch, lassen es wirken, das Publikum tobt.

Anzuschauen hier, ab Minute 19:00 etwa.

Für alle neuen und alten Fans des gemütlichen, irgendwie auch lustig aussehenden Herrn P. eine Info: Das ist immerhin der Mann, “der Gabriele Pauli als ‘Türken-Gabi’ verunglimpft und US-Präsident Barack Obama empfohlen hatte, die Türkei als 51. Bundesstaat in die USA aufzunehmen”, wie Michael Spreng schreibt.

Der Spott trifft keinen falschen, da bin ich sicher.

Bernd Posselt plakat parodie

Bernd Posselt, Münchens laute Stimme an Brüssels Büffet

So, einen noch, dann höre ich auf, über die Plakate von Bernd Posselt (CSU) zu lästern, das hatte ich hier und hier ja schon ausreichend getan. Ahem. Aber das Bild rechts, das ich bei der Hopfen-Post gefunden habe, ist einfach zu schön: Offenbar haben ein paar findige Menschen, möglicherweise Ästheten wie ich, einige der Plakate von Bernd Posselt gehackt oder wie immer man das bei Plakaten nennt.

Wow. Gute Arbeit.

Aber ich will auch nicht verschweigen, dass der Herr Abgeordnete darauf ziemlich souverän reagierte, mit der Aussage, er gehe selten zu den Buffets der Lobbyisten, denn: “Die Pfunde, mit denen ich wuchere, habe ich mir ehrlich in bayerischen Wirtshäusern und Münchner Biergärten erarbeitet”

Stammleser erinnern sich vielleicht an meine Polemik namens The Abgeordneter from Hell, wo ich mich in einigermaßen boshafter Weise über ein CSU-Plakat ausgelassen habe, auf dem ein (recht feister) Abgeordneter Bernd Posselt ohne Aussage oder Statement dem Betrachter entgegen lächelt. Einfach in der sicheren Überzeugung, allein durch die Macht des Phänotypischen die Wähler zu fangen.

Das traf bei den Lesern auf geteiltes Echo, einige fanden es witzig, andere schimpften mich “oberflächlich”. Ein besonders erregter Anonymus, vielleicht ein Funktionsträger der sehr Jungen Union, verstieg sich zu der atemlosen Beleidigungsfolge “dümmlich, primitiv, unlogisch, widerlich, kindisch”. Es meldeten sich aber auch zwei Bekannte zu Wort, die das Plakat ähnlich bizarr empfunden haben wie ich.

Wir sind auch nicht die einzigen. Und ich habe, handyfotografiert von meinem Kollegen Trille, sogar einen handfesten Beweis, dass wir nicht allein sind — offenbar fallen die Posselt-Plakate auch anderen Menschen auf:

Spanische Touristen wundern sich über CSU-Plakat.

Der bayrische Mann im Mittelpunkt.

Das Bild zeigt eine Gruppe fassungsloser spanischer Touristen vor dem Plakat. Erst sind sie unsicher, ob das ernst gemeint sein kann. Dann: Entsetzen. Dann: aufgeregtes gegenseitiges Fotografieren vor und neben dem Gesicht des Abgeordneten from Hell.

Jaja, Bernd Posselt, Münchens Stimme in Europa.

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Diesmal isses die SPD

7. Mai 2009 · 13 comments

Sachsen-Anhalts Justizministerin Angela Kolb (SPD) fordert ein schärferes Prüfverfahren für Computerspiele. [...] Im vergangenen Jahr wurde für 3000 Computerspiele eine Zulassung beantragt. Die 50 Tester der USK haben dann für jedes Spiel fünf bis zehn Tage Zeit. “Bedenkt man, dass ein geübter Spieler 70 bis 100 Stunden an einem Computerspiel sitzt, so kann man sich vorstellen, dass den Testern gar nicht genügend Zeit für ein Spiel bleibt”, kritisierte Kolb. (Quelle: SpOn)

Oh. Wieder ein neuer Versuch, die USK zu diskreditieren. Und wieder mit falschen Informationen. Wer berät eigentlich diese komischen Politiker, bevor die mit irgendwelchem Unsinn an die Öffentlichkeit gehen, den ein 12jähriger Hauptschüler widerlegen kann?

Und dann wundern die sich, dass junge Leute nicht mehr wählen gehen.

saturn[Gesehen bei saturn.de, via CoWo]

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The Abgeordneter from Hell

24. April 2009 · 34 comments

wahlplakat csu

Mit diesem überlebensgroß aufgeblasenen Porträt des Herrn Posselt, der trotz aller Fotografenkünste aussieht, wie von Gerhard Haderer gezeichnet, wirbt die CSU im Europawahlkampf. Und nur damit — dem Plakat fehlt jede Sachaussage, jeder Hinweis auf politische Forderungen, Haltungen, Erfahrungen. Einfach nur: CSU und Bernd Posselt. Nun mag es sein, dass aufmerksamere Beobachter der Politikszene und des Europaparlamentes um die enormen Verdienste des Bernd Posselt wissen, möglich, dass dieser Name und dieser Schnurrbart sofort Glöckchen der Sympathie klingeln lassen, dass alle automatisch denken, ach, der Posselt, das ist doch der gute Mensch, der uns seit Jahren würdig in allerlei Ausschüssen und Sub-Ausschüssen vertritt und der erst letztes Jahr Franz Josef Strauß bei einer Wortmeldung im EU-Parlament einen “großen bayrischen Europäer” genannt hat.

Andererseits ist es, und da bin ich vielleicht ein bisschen gemein, wenn man nichts über Bernd Posselts sicher vor Intelligenz und Wortwitz sprühende Reden weiß, so, dass man von diesem Bild ausgeht und versucht, auf dessen Grundlage Rückschlüsse auf die Person dahinter zu ziehen. Und wenn man nichts als dieses Bild hat, das weniger einen Mann zeigt als vielmehr einen menschlichen Schwamm, einem Wiedergänger der Wildecker Herzbuben, einen bavarischen Amöboid, dann fällt es schwer an die Entschlossenheit, die Tatkraft, die Disziplin, den funkelnden Intellekt dieses Menschen zu glauben. Dann fallen einem frei assoziiert eher Wörter wie Wirtshaus, Kalbshaxe und Vetternwirtschaft ein. Dann wundert man sich, warum die Wahlplaketausdenker der CSU nicht mehr auf Typografie und weniger auf Porträtfotografie gesetzt haben.

Aber egal. Was geht es mich an? Ich will den Herrn P. ja eh nicht wählen, ich will möglicherweise nicht einmal seine Konkurrenten wählen, irgendwie habe ich mit dem ganzen Wählen-Zeugs nur so mittelmäßige Erfahrungen gemacht, ich bin nur eine sensible Seele mit vielleicht allzu ausgeprägtem Ästhetikempfinden, die ein paar Minuten fassungslos vor diesem Foto gestanden hat.

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Der deutsche Obama

15. April 2009 · 6 comments

joe bama merchandiseDass die deutsche Politik in Obama verliebt ist, weil er eben alles das ist, was man hierzulande als Politiker eigentlich gerne wäre, also schön, stilsicher, schwarz (aber nicht zu sehr), sprachgewandt und so, das ist ja bekannt. Wobei man aber einen halbwegs vollformatigen Kandidaten von Obama’scher Coolness natürlich in der Etappe aufreiben würde, was der Hauptgrund dafür ist, dass im Bundestag letztendlich fast nur Menschen sitzen, die entweder eine Lobbygruppe, eine Parteiströmung oder auch nun ihr enormes eigenes Sitzfleisch repräsentieren. Aber ich schweife ab, wir waren bei Obama. Also, wie Obama wollen alle sein, z.B. der von Prinzipien komplett unbelastete Herr Seehofer (Yes we can — mit Horst) oder der funktionärig-öde Herr Heil (Sprecht mir nach: Yes we can) oder der bei einem PR-Berater verschuldete Vielflieger Herr Özdemir (Yes we Cem).

Naja, geschenkt. Dass die alle mit Obamas Positionen nicht viel am Hut haben und nur würdelose Trittbrettfahrerei betreiben, ist ja auch dem letzten Kreuzchenmacher aus Dummsdorf klar.

Einen neuen Tiefpunkt erreicht allerdings ein deutscher Provinzpolitiker, ach Quatsch: Möchtegernprovinzpolitiker, namens Joachim Seufferle — der tritt auf Platz 26 der CDU-Liste für den Gemeinderat Schorndorf unter dem albernen Kampfnamen Joe Bama an. Und zieht alle Register des Internetwahlkampfes: “professionelle” Webseite, Twitter-Account (8 Follower), Xing-Profil, Merchandise-Shop et cetera.

Sensationell.

Dieser Mensch (seine Vision: “In Schorndorf sollen sich alle wohlfühlen”) bekommt jetzt durch Twitter und die Blogosphäre ein paar Klicks, freut sich über seinen steigenden Bekanntheitsgrad, redet sich die Tatsache, dass ihn alle für peinlich halten, schön (“Naja, Hauptsache Aufmerksamkeit”) und wundert sich hinterher, dass ihm das alles gar keine zusätzlichen Stimmen gebracht hat.

UPDATE: Jetzt hat der Herr seine Seite und alles andere geändert und verzichtet auf “Joe Bama” (so sah’s aus). Hat vielleicht ein bisschen Druck von Parteigenossen bekommen, die der CDU Schorndorf einen Rest von Würde bewahren wollten. Nur sein Logo erinnert noch ein wenig an den US-Wahlkampf. Stimmenfang betreibt er jetzt unter seufferle.de, im Twitterfeed vermeldet er leicht beleidigt: “Schade – Missverständnisse und falsche Interpretierung erforderten ein Re-Design.” Seufz.

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Klicks gegen den Weltfrieden

21. März 2009 · 4 comments

Früher, da war das alles besser — niemand hat Mit Verlaub, Herr Chef, Sie sind ein egozentrischer Schimpanse mit Haarausfall und den Manieren eines Tasmanischen Teufels mit dem Füller auf ein Blatt Papier gekratzt und es dann in einen Umschlag gesteckt, auf den er versehentlich die Adresse seines Chefs geschrieben hatte.

Wie gefährlich die moderne Kommunikation, wie prekär der Frieden unter den Menschen, wenn die ehrliche Antwort auf eine Mail nur ein paar Klicks weit entfernt ist.

Täglich werden Mails an Kunden weitergeleitet, ohne die Zeile Und wenn den Deppen dieser Entwurf nicht gefällt, dann können sie sich ihre paar Kröten den Darm hochschieben zu löschen, werden offene Meinungen über vermeintlich nahestehende Menschen in die verkehrten ICQ-Fenster getippt, werden kompromittierende Anmerkungen in Word-Dokumenten gelöscht, aber nicht entfernt. Und so weiter.

Es ist ein Wunder, dass wir alle überhaupt noch miteinander reden.

Wir müssen zurück zu Tinte, Papier und Feder, ehe Schlimmeres geschieht. Oder, vielleicht, darauf bauen, dass Google den Weltfrieden rettet.

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Vorsicht Photosynthese!

27. Februar 2009 · 8 comments

Ist das eigentlich schon länger so, dass hierzulande auf den Beipackzetteln von Zimmerpflanzen, auch solchen, die nicht allzusehr nach Rüben aussehen, angemahnt werden muss, dass man das Grünzeug nicht essen soll? Komisch. Ich hätte ja eher gedacht, dass die Leute heutzutage eh nichts mehr freiwillig zu sich nehmen, was nicht aus einer Plastikschale kommt oder nach Bratenfett riecht, da ist es doch unwahrscheinlich, dass Mitbürger spontan in ihre Orchideen beißen.

pflanze