
Zur Feier des aktuell stattfindenden Oktoberfests möchte ich dieses alte Meisterwerk meines Ex-Kollegen Michael Obermeier mal wieder hervorkramen. Stammt aus dem Jahr 2007 oder so.

Zur Feier des aktuell stattfindenden Oktoberfests möchte ich dieses alte Meisterwerk meines Ex-Kollegen Michael Obermeier mal wieder hervorkramen. Stammt aus dem Jahr 2007 oder so.
Wer als Erstes an die Wand gestellt wird, wenn die Revolution doch noch kommen sollte.
Wir haben Freitagmorgen, knapp 9:00, verhaltener Sonnenschein, ich bin mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit. Die Lyonel-Feininger-Straße ist ein bisschen unübersichtlich, da nehme ich statt der Fahrbahn immer den Bürgersteig, der ist drei Meter breit, übersichtlich und mangels angrenzender Wohnhäuser auch immer frei. Ich nähere mich einer Ausfahrt, bremse ein bisschen ab, da dreht ein geföhnter Herr in einem silbernen BMW Z4 Cabrio von der Gegenseite der Straße mit quietschenden Reifen in die Ausfahrt ein, kurbelt hektisch am Lenker und zieht voll auf den Bürgersteig. Nicht den Bürgersteig touchierend oder sowas, nein, er biegt einfach auf den Fußgängerweg ein, als sei der eine Fahrbahn. Dort kommt er zum Stehen, — zwei, drei Meter vor mir. Ich reiße an den Bremsen, gerate ins Schlittern, bekomme das Rad knapp links an dem Wagen vorbei. Der Schwung und der Schreck tragen mich weiter, erst nach zehn Metern drehe ich mich um, um dem Fahrer des Z4 irgendwas hinterher zu schreien. Und sehe, wie der Typ (übrigens sonnengebräunt und gepflegt dreitagebärtig) seelenruhig aus dem Auto heraus einen Brief in den Briefkasten wirft. Da geht mir der Sinn seines Manövers erst auf: Der hat den Stunt nur veranstaltet, um an den Postkasten zu kommen, ohne auszusteigen.
Danach wendet er und fährt dahin zurück, wo er hergekommen ist — vermutlich ist das einfach seine tägliche Fahrt zum Briefkasten.
Ich stehe konsterniert und schaue nur. Wie scheiße kann man sein?
Ah, dass man im echten Leben nicht ständig in den Rucksack greifen und seine BFG* hervorziehen kann, ist manchmal frustrierend, wirklich.
Ein kurzer Beitrag, in welchem der Verfasser eines seiner Lebenstraumata aufarbeitet: den immer noch ausbleibenden siebenstelligen Lottogewinn.
Unsere Wohnung ist an einer Bundesstraße gelegen und hat einen Blick auf einen verrotteten Siebzigerjahrebau mit grünen Fensterrahmen. Einerseits. Andererseits liegen die Tempel der Reichen in Altbogenhausen nur einen Schwarzgeldkofferwurf entfernt. Ich muss also nur ein paar Straßen weitergehen, um mich — je nach Stimmung — entweder als Bewohner einer vornehmen Gegend zu fühlen oder von den in Regimentsstärke die Parkplätze bevölkernden Porsches ans eigene Normalverdienertum erinnert zu werden.
Naja.
Wenn ich besonders mutig bin, wage ich mich in den Supermarkt der Reichen, Schönen und schön Reichen: die Feinkostapotheke Käfer. Dort trifft man die kariert pullunderige Jeunesse Dorée Münchens, die Champagner für den Abend einkauft, in der Sonne von St. Tropez verbrannte hagere Endfünfzigerinnen in Begleitung des Körbe schleppenden Hauspersonals, in der Langeweile der 20-Zimmer-Villa füllig gewordene Ehefrauen auswärts übernachtender CEOs, die Hände voller 8-Euro-Schokoladentafeln, strickjackige ältere Herrn mit Luxushunden, geliftete Geschäftsführerinnen, perfekt unrasierte Agenturbosse und ihre italienischen Liebhaber und so weiter.
Und, manchmal, trifft man dort Leute, die sich offenkundig verirrt haben, wie den bedauernswerten Familienvater, der sich eine kleine runde Himbeertarte einpacken lässt, dann das Preisschild sieht und erschrocken nachfragt: “Hier steht 29 Euro! Auf dem Schild in der Auslage hieß es doch 5 Euro?!” Worauf der perfekt geschulte Verkäufer anmutig den Kopf schräg legt und “5 Euro ist der Preis für ein Stück” entgegnet. Der Familienvater wird bleich, winkt nach seinen Kindern und verlässt geschlagen den Schauplatz.
Ich fühle mit ihm.
Ich fahre am frühen Morgen eine dreispurige Straße entlang. In München. Wenn man das Gezuckel im Berufsverkehr überhaupt “fahren” nennen möchte. Komme an eine Ampel, verzichte auf’s Durchrasen bei Dunkelgelb und komme zum Stehen. Greife zum iPhone, um mit dem Feedreader die morgendliche Dosis SEO-Blogs zu lesen. Dumme Angewohnheit, jaja, aber ich bin offenbar nicht alleine damit — rechts, im kleinen Seat, feilt sich eine mittelalte Dame intensiv die Nägel. Links, im nagelneuen 911, stochert sich ein Mann in den Sechzigern, mit Wellen im grauen Haar und Halstuch, in den Zähnen herum und liest dabei die Aufschrift auf einer Medikamentenpackung, die von da, wo ich sitze, verdächtig nach einem Prostatamittel aussieht. Ist der Firma Porsche eigentlich klar, dass ihre Kernklientel keineswegs die dynamischen 40jährigen Querdenker aus dem Management sind, von denen sie immer faseln, sondern durchweg geföhnte ältere Herren?
Dann hupt jemand. Wir schrecken auf, unterbrechen das Lesen, des Feilen, das Stochern und fahren los. Ich denke noch kurz über die relative Undistinguiertheit des Zahnreinigens beim Autofahren nach, wobei mir dieses uralte PC-Spiel einfällt, das einem bei der endlosen Installation mit zehn Disketten zwischendurch immer so kleine Lebenshilfetipps eingespielt hat, unter anderem “Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, mal drüber nachzudenken, wie Sie diese ekelhafte Angewohnheit loswerden, diese Sache, die Sie immer im Auto machen, wenn Sie allein sind. Ja, wir haben Sie gesehen.“, da kommt schon die nächste Ampel und diesmal rutsche ich am Porschefahrer vorbei und komme neben einem Geschäftsmann im Mercedes Kombi zu stehen. Und, argh!, der pult auch in den Zähnen, professionell, mit so einem Zahnreinigungszahnstocher samt Puschel dran. Die machen das alle. Offenbar ist in den Autos der oberen Klassen das Zahnpflegeset als Zubehör erhältlich.
Vielleicht ist es nur Zufall, vielleicht bin ich aber auch der Einzige, der seine Zähne zuhause putzt und hin und wieder blicken Leute mit einem Schaudern zu mir ins Auto und fragen sich, warum ich da mit einem Handy oder dem Radio ‘rumfummele, anstatt mir die Zähne zu säubern.
1. Wenn jemand ein Motorola Razr aus der Tasche zieht (ihr wisst schon: das hier), dann sieht das mittlerweile so veraltet aus, als würde man eine Rohrpostanlage aufbauen. Erstaunlich. War das nicht quasi vorgestern noch total hip?
2a. Der gemeine asiatische Tourist isst, wenn er in München urlaubt, auch gerne mal beim Asiaten. Da soll noch mal einer über die Deutschen schimpfen, wenn die im Ausland immer nur Wiener Schnitzel ordern.
2b. Wenn der gemeine asiatische Tourist beim Münchenurlaub sein asiatisches Essen verzehrt, tut er das mit Löffel und Gabel. Vermutlich wegen des Exotik-Kicks. Und schert sich gar nicht drum, dass die drumherum sitzenden Europäer sich alle mit Stäbchen abmühen.
3. “Oben” ist wirklich ein ganz großartiger Film, da hat SpOn schon recht. Erstaunlich, wie lässig Pixar Themen wie Krankheit, ungewollte Kinderlosigkeit und Tod in einen Animationsfilm packt. Und sich dann noch als Helden einen 80jährigen Opa aussucht, der am Stock geht und Rückenbeschwerden hat. Davon lassen sich doch bestimmt keine Actionfiguren verkaufen, oder?
Da sieht man mal wieder, wie materialistisch die Jugend von heute ist: Die Bande halbwüchsiger Furien vom Preysingplatz ignoriert meine Tochter, das Goldkindtm, allenthalben bei ihren Spielen, weil sie noch zu klein ist, um Touristen zu überfallen oder die Jungs vom Kirchspielplatz zu vertrimmen. Aber kaum fährt sie mit dem neuen Bobbycar vor und probiert die faszinierende Geräusche erzeugende Hupe aus, da wollen alle ihre Freundinnen sein.
Hm. Hm. Hm. Wir müssen ihr zeitig ein Moped oder einen Flammenwerfer kaufen. Das könnte ihre Popularität noch steigern.
Flohmarkt-Verschenkung. Gesehen in München-Haidhausen.
Schnee.
Jetzt schon.
Von wegen “nördlichste Stadt Italiens”, gerade sieht’s eher aus wie die westlichste Stadt Sibiriens.