Medienmissbrauch

post

Kalibanische Buchverschenkung

5. August 2010 · 42 comments

Herr Kaliban verschenkt Teile seines Überflusses.

Meine Frau und ich haben irgendwann die Erkenntnis gewonnen, dass wir eigentlich von allem genug besitzen. Und dass unsere Wohnung zu klein ist, um immer noch mehr Bücher, DVD-Boxen, Videospiele, iGeräte oder anderen Schnickschnack hineinzuschleppen. Da man aber im Interesse des eigenen Seelenheils natürlich nicht völlig auf das Kaufen neuer Medienprodukte verzichten kann, versuchen wir halbwegs konsequent, Gebrauchtes wieder abzustoßen.

Nun, aber wie das eben so mit derlei Plänen im Zeitalter des Konsums ist, kommt man oft nicht recht hinterher. Daher unternehme ich jetzt einen Befreiungsschlag und verschenke auf einen Rutsch zehn Bücher. An euch, wenn ihr wollt. Sind alle englisch, alle ungefähr im Scifi-Segment angesiedelt. Ich habe die meisten davon gelesen und fand sie auch gut. Hier, diese:

Wer sie haben will — und wir sprechen hier vom ganzen Paket, frei Haus, Lesestoff für Monate — muss nichts weiter tun, als einen Trackback auf diesen Beitrag zu setzen. So, dass er im Feld über den Kommentaren auftaucht. Das geht mit simplen Links aus WordPress-Blogs, Trackbacks aus anderen Blogs und dem Posten des Links zu diesem Beitrag auf Twitter. Aus den eingehenden Links ziehe ich dann einen Gewinner.

Okay? Dann los. Wenn kein Link eingeht, bin ich beleidigt und lese alle Bücher aus Protest nochmal. Das könnt ihr nicht wollen.

Update I: Äh, sacht mal Leute, ihr würdet nicht so weit gehen, extra für ein kleines Gebrauchtbuchgewinnspiel Twitter-Accounts zu gründen, oder?

Update II: So. Schluss. Danke für die zahlreichen Verlinkungen. Der Gewinner ist… Herr “Gigatoreador”, ausgewählt als Referrer Nr. 9 laut der unbestechlichen Entscheidung von Random.org. Ich wünsche viel Spaß mit den Büchern!

Herr Kaliban hat die Hinweise auf gelungene TV-Serien, die die geschätzten Mitlesenden neulich so reichlich gegeben haben, mal in eine lesbare Form gebracht.

Dies ist die Top 20 der Kaliban-Freunde hier und auf Facebook:

1. Dexter | [13 Punkte] | Blutspritzeranalyse

2. Breaking Bad | [9,5 Punkte] | Waschanlagenchemielehrer

2. How I met your mother | [9,5 Punkte] | Lebensgeschichten

4. Boston Legal | [8,5 Punkte] | Anwaltskanzlei

4. Califonication |[8,5 Punkte] | Sex And The City für Männer

6. Battlestar Galactica | [8 Punkte] | Sci-Fi-Komplex

6. Firefly | [8 Punkte] | Weltraumwestern

6. The Wire | [8 Punkte] | Abhörtaktik

9. The Sopranos | [7 Punkte] | Mafialeben

10. Rome | [6,5 Punkte] | Reichsuntergang

11. Scrubs | [6 Punkte] | Krankenhauscomedy

12. Burn Notice | [5,5 Punkte] | Geheimdienst

12. My name is Earl | [5,5 Punkte] | Kleinkriminellenkarma

12. True Blood | [5,5 Punkte] | Sookie-Stackhouse

15. The Big Bang Theory | [5 Punkte] | Nerds

15. Coupling | [5 Punkte] | Mittdreißigeralltag

15. Mad Men | [5 Punkte] | Werbeagentur

15. Torchwood | [5 Punkte] | Auflerirdischenüberwachung

19. Deadwood | [4,5 Punkte] | Goldsuche

20. Life on Mars | [4,5 Punkte] | Polizeiserie

Tipp: Es gibt, für Leute, die Geld ausgeben wollen, diese Hitparade auch als Amazon-Liste.

Soviel zur Demokratie. Und dann wären da noch die Exoten:

Skarnickel* und Sinngh* schlagen Top Gear vor, allerdings nur auf Englisch, ein, uh, Entertainment-Automagazin. nuts muc* findet Green Wing unglaublich, eine Krankenhausserie, die anders ist als alles andere in dem ausgelutschten Genre. Ellenn* wurde der Psychologenserie In Treatment schier umgehauen, sagt er. Die Frau von Herrn Kaliban sekundiert. Dagobert* wirft noch Becker in den Ring, eine hierzulande unbekannte Serie um einen griesgrämigen Arzt aus der Bronx. Markus* ist fassunglos, dass niemand Rescue Me empfiehlt, ein Charakterdrama über Feuerwehrleute in der Zeit nach “9/11″. Und dann haben wir noch Kasimir*, für den United States of Tara noch in der Liste fehlt.

Und Herr Kaliban kann nicht glauben, dass es die IT-Crowd nicht in die besten 20 geschafft hat. Lag auf Platz 29. Insgesamt wurden übrigens knapp 120 unterschiedliche Serien genannt, wer an der kompletten Liste interessiert ist, kann ja mal Laut geben. Im übrigen vielen Dank euch allen. Ihr steht alle in meinem Buch der coolen Leute, auch die, die mir missliebige Serien empfohlen haben.

Und hier nochmal zum Gegencheck die Top 10 von Herrn Kaliban himself, die allerdings schon ein bisschen veraltet ist, weil beim Herr K. die Goldkindtm-Pflichten mit TV-Konsum kollidieren.

1. Six Feet Under
2. Futurama
3. Coupling
4. Firefly *
5. Battlestar Galactica *
6. Dr. Who *
7. Cracker *
8. Deadwood
9. IT-Crowd
10. Rome *

post

Starcraft Lego: Brick Rush

27. Juli 2010 · 8 comments

Zur Feier des Tages, weil Starcraft 2 erschienen ist: ein Lego-Video.

Und wenn wir gerade schon beim Thema sind: Meine Kollegen haben eine hübsche Video-Show rund um Starcraft 2 gemacht. Heißt Public Viewing. Kann man gut mal anschauen.

Nachsatz: Ich habe, korrekter Medienmitarbeiter der ich bin, meine mir von Blizzard persönlich zugeschickte Special Edition dem GameStar-Verlosungspool gestiftet und wollte mir das Spiel dann bequem in der Mac-Version als Download direkt bei Blizzard kaufen. Habe dann davon abgesehen, weil die Herren auf ihrer eigenen Seite mal eben 60 Euro dafür aufrufen. Frechheit. Amazon nimmt weniger als 40 Steine und verschickt dafür noch ‘ne Packung.

Andererseits, und an dieser Stelle spielt das unsichtbare Orchester milde, aber druckvolle Engelsmusik ein, kommen die Bits & Bytes dafür direkt aus der legendären Softwareschmiede Blizzard, sind also original, während Amazon bloß Konservenbits verkauft, die vielleicht auch noch schlecht werden, wenn sie einige Zeit auf der DVD gelegen haben. Bei Blizzard ist jedes Bit handgeschmiedet, Amazon verkauft nur Industrieware. Die Blizzard-Bits sind noch ofenfrisch warm, bei Amazon liegen sie auf einer kalten Platte. Außerdem kannst ih sagen, die Verbindung zum Blizzard-Server mit der Masterversion dieses legendären Spiels aufgebaut zu haben. Wer kann das schon von sich behaupten? Davon kann man den Enkeln noch erzählen. Und das http-Verbindungsprotokoll mit der Server-IP-Adresse kann man sich einrahmen und in den Flur hängen.

Es ist doch wahrhaftig erhebender, tausende MByte vom Urheber eines fantastischen Universums persönlich überreicht zu bekommen, als eine schnöde Silberscheibe eines Resellers in den Händen zu halten.

Dafür sind 60 Euro fast unangemessen wenig. Wir sollten Blizzard dankbar sein, dass sie uns zu einem so lächerlich geringen Betrag ein Epos übergeben, welches eigentlich ein Familienopfer erfordert. Danke, Blizzard, grundgütige Softwareschmiede, dass Du überhaupt an uns armselige Konsumenten denkst und Deine Software öffentlich zugänglich machst.

[Text in kursiv ergänzt von Duke*]

post

Empfehlungen für gute Serien

26. Juli 2010 · 93 comments

Herrn Kaliban hat heute morgen seine falschen Freunde auf Facebook gefragt, welche Serie er als nächstes angucken soll. Hier sind ein paar der Antworten, vielleicht fühlt der eine oder andere Mitlesende inspiriert.

UPDATE, 3.8.10: Aus den von euch in den Kommentaren genannten Seriennennungen habe ich eine gloriose Top 20 gemacht. Klickst du hier!

Die folgenden Serien wurden von mindestens drei Leuten empfohlen: Breaking Bad, Boston Legal, Dexter, Big Bang Theory, My Name is Earl, Gilmore Girls, Mad Men, Fringe, Life on Mars, Torchwood. Sind also vermutlich einigermaßen konsensfähig.

How I met your mother, Sopranos und Coupling wurden je zweimal genannt, dazu kommen Einzelnennungen für Firefly, Battlestar Galactica, Flashforward, The Wire, Oz, Deadwood, Heroes, Glee, Sons of Anarchy, Doctor Who, House, Eureka, Community, Better off Ted, West Wing, Hustle, Veronica Mars, Burn Notice, Californication, Rome, Bones, The Tudors, Monk, Flight of the Concords und Reaper.

True Blood kommt auf zwei Empfehlungen, davon wurde allerdings auch zweimal abgeraten, einmal mit dem Hinweis, das sei “Eine Art Teenie-Vampire-Scheiße gepaart mit Laß jucken Kumpel IV“. Huh.

Wer sekundieren oder was Zusätzliches vorschlagen möchte, möge sich in der Kommentarsektion verewigen.

Ich werde jetzt wohl erstmal in der Reihenfolge Breaking Bad, Life on Mars, Fringe vorgehen.

Nachtrag: Weil’s in den Kommentaren jemand gefragt hat, gibt’s hier eine kleine Liste meiner Lieblingsserien der jüngeren Vergangenheit, quasi eine Top 10, aber ob ich die Reihenfolge morgen noch so machen würde, weiß ich nicht:

1. Six Feet Under
2. Futurama
3. Coupling
4. Firefly *
5. Battlestar Galactica *
6. Dr. Who *
7. Cracker *
8. Deadwood
9. IT-Crowd
10. Rome *

Jaja, sind alle schon älter, aber ich frage ja deswegen, weil ich derzeit ein bisschen raus bin.

Nachtrag II: Habe gestern auf Empfehlung einer Kollegin* die erste Folge der BBC-Mini-Serie Sherlock geschaut und muss sagen: sensationell. Ist eine sehr moderne Sherlock Holmes-Neuauflage, geschrieben von Stephen Moffat (Coupling, Dr. Who). Staffel 1 hat nur drei Folgen (von denen erst eine gesendet ist), die sind dafür alle in Spielfilmlänge. Man kann sich die erste Folge hier in voller Länge angucken, falls man im BBC-Sendegebiet wohnt. Oder, ahem, wenigstens überzeugend so tut.

Der folgende Text ist ein ganz hübscher Auszug aus Cory Doctorows Buch Little Brother, in der Fan-Übersetzung von Christian Wöhrl. Die Geschichte erzählt den Kampf von ein paar 17jährigen Schülern gegen die US-Heimatschutzbehörde, die nach einem Terroranschlag versucht, ganz Amerika in eine Art Polizeistaat zu verwandeln. Ist eher ein Jugendbuch und literarisch nicht allzu anspruchsvoll, aber flott geschrieben und kostenlos. Gibt’s auch als halbwegs okayes (Fan-)Hörbuch, gelesen von Fabian Neidhart.

»Wenn du jemals auf die Schnapsidee kommen solltest, einen automatischen Terrordetektor zu bauen, dann solltest du erst mal eine bestimmte Mathematik-Lektion lernen. Sie heißt „Paradoxon vom Falsch-Positiven“, und sie ist ein Prachtstück.

Nimm an, es gibt diese neue Krankheit, sagen wir, Super-AIDS. Nur einer von einer Million Menschen bekommt Super-AIDS. Du entwickelst einen Test, der eine Genauigkeit von 99 Prozent hat. Damit meine ich, er liefert in 99 Prozent der Fälle das korrekte Ergebnis: „ja“, wenn der Proband infiziert ist, und „nein“, wenn er gesund ist. Dann testest du damit eine Million Leute.

Einer von einer Million Leuten hat Super-AIDS. Und einer von hundert Leuten, die du testest, wird ein „falsch-positives“ Ergebnis generieren – der Test wird ergeben, dass der Proband Super-AIDS hat, obwohl er es in Wahrheit nicht hat. Das nämlich bedeutet „99 Prozent genau“: ein Prozent falsch.

Was ist ein Prozent von einer Million?

1.000.000/100 = 10.000

Einer von einer Million Menschen hat Super-AIDS. Wenn du wahllos eine Million Leute testest, wirst du wahrscheinlich einen echten Fall von Super-AIDS ausfindig machen. Aber dein Test wird nicht genau eine Person als Träger von Super-AIDS identifizieren. Sondern zehntausend Leute.

Dein zu 99 Prozent genauer Test arbeitet also mit einer Ungenauigkeit von 99,99 Prozent.

Das ist das Paradoxon vom Falsch-Positiven. Wenn du etwas wirklich Seltenes finden willst, dann muss die Genauigkeit deines Tests zu der Seltenheit dessen passen, was du suchst. Wenn du auf einen einzelnen Pixel auf deinem Bildschirm zeigen willst, dann ist ein spitzer Bleistift ein guter Zeiger: Die Spitze ist viel kleiner (viel genauer) als die Pixel. Aber die Bleistiftspitze taugt nichts, wenn du auf ein einzelnes Atom in deinem Bildschirm zeigen willst. Dafür brauchst du einen Zeiger – einen Test –, der an der Spitze nur ein Atom groß oder kleiner ist.

Das ist das Paradoxon vom Falsch-Positiven, und mit Terrorismus hängt es wie folgt zusammen: Terroristen sind wirklich selten. In einer 20-Millionen-Stadt wie New York gibt es vielleicht einen oder zwei Terroristen. Vielleicht zehn, allerhöchstens. 10/20.000.000 = 0.00005 Prozent. Ein zwanzigtausendstel Prozent.

Das ist wirklich verdammt selten. Und jetzt denk dir eine Software, die alle Bankdaten, Mautdaten, Nahverkehrs- Daten oder Telefondaten der Stadt durchgrasen kann und mit 99-prozentiger Genauigkeit Terroristen erwischt. In einer Masse von 20 Millionen Leuten wird ein 99 Prozent genauer Test zweihunderttausend Menschen als Terroristen identifizieren. Aber nur zehn davon sind wirklich Terroristen. Um zehn Schurken zu schnappen, muss man also zweihunderttausend Unschuldige rauspicken und unter die Lupe nehmen.

Jetzt kommt’s: Terrorismus-Tests sind nicht mal annähernd 99 Prozent genau. Eher so was wie 60 Prozent. Manchmal sogar nur 40 Prozent genau.

Und all das bedeutete, dass die Heimatschutzbehörde zum Scheitern verdammt war. Sie versuchte, unglaublich seltene Ereignisse – eine Person ist ein Terrorist – mit unpräzisen Systemen zu erkennen.

Kein Wunder, dass wir es schafften, so ein Chaos zu verbreiten.«

Das Phänomen, das Doctorow hier so anschaulich beschreibt, wirkt vor allem bei medizinischen Problemen: Die flächendeckenden Mammografien etwa, mit denen Brustkrebs entdeckt werden soll, stehen im Verdacht, durch Strahlenbelastung und die große Zahl an Fehldiagnosen mehr Schaden anzurichten als zu vereiteln. Jede zweite Frau, die regelmäßig an Brustkrebs-Screenings teilnimmt, erhält irgendwann die Krebsdiagnose, obwohl nur jede achte bis zehnte Frau daran erkrankt.

post

Tiergedichte und Ich-Blogs

14. April 2010 · 6 comments

Neulich war ich in einem Raum voller Menschen, wo vorne einer stand, so einer mit einem Mikro in der Hand und wirren Haaren, und folgendes Gedicht vortrug:

Wenn ich auch den Verstand verlier’
Es hält zu mir mein AkzepTIER
Ich drehe durch und lass mich gehen
Das AkzepTIER kann es verstehen
Welche Gelüste mir auch kamen
Es sprach zwei Worte: Ja und Amen
Wenn ich an meiner Gier krepier’
Hält noch zu mir mein AkzepTIER

Und das ist ja wohl brüllend komisch. Finde ich. Von direkt Ringelnatz’schem Charme. Wäre beinahe erstickt vor Lachen. Leute, die ebenfalls Sinn für sowas haben, klicken im folgenden Video auf Play, da liest der Autor noch weitere Tiergedichte vor. Leute, die für sowas keinen Sinn haben, mögen ihre humorlosen Browser an dieser Stelle bitte wenden und in Richtung der nächsten Nachrichtenjunkiemaschine richten. Oder so.

Der schräg schauende Typ nennt sich Lasse Samström und ist einer der bekannteren deutschen Poetryslammer. War sogar 2002 mal Deutscher Meister. Kenner der “Szene” werden den Verweis hier deswegen auch für alten Tobak halten und haben vermutlich schon zum Start dieses Beitrags gähnend ihre Browser auf die nächste Nachrichtenjunkiemaschine gerichtet, zusammen mit den Leuten, die keinen Sinn für sowas haben, aber hey! dies ist ja nun mal keine Poetryslamfachberichterstattungsseite sondern eines der letzten Ich-Blogs im Internet. Ich-Blogs, seinerzeit mal die vorherrschende Gattung, sterben ja aus oder versinken in der Bedeutungslosigkeit, seit das monothematische Bloggen vor ein paar Jahren so um sich gegriffen hat. Ach, schade ist es um die Ich-Blogs. Außerdem kennt in der ungewaschenen Masse des Mainstreams, die sich täglich an diesem Blog vorbeiwälzt, kein Mensch irgendwelche Poetry Slammer, nicht mal wenn sie Weltmeister oder Mister Universum sind, daher wird mir der Verweis ja wohl mal erlaubt sein.

Aber was fasele ich hier eigentlich? Gedichtkonsum macht mich immer ganz wirr.

Sollte lieber wieder mehr Killerspiele zocken. Oder mein Prozac regelmäßiger nehmen.

Herr Kaliban erzählt was über das Ding auf seinem Nachttisch.

Meine Untergang schreitet rapide voran, schon bald bin ich möglicherweise für die reale Welt verloren. Auf der Arbeit sitze ich an einem Windows-PC, wenn ich nicht gerade in Meetings auf das flackernde Bild eines Beamers schaue. Im Auto wechsele ich zwischen Straße und Navi-Touchscreen, außer an Ampeln, da checke ich rasch Mails mit dem iPhone. Zuhause klappe ich das Macbook auf, um mich meinen diversen Web-Projektchen zu widmen, wobei schwer zu entscheiden ist, ob ich meine Aufmerksamkeit nun meinen Facebook-Aktivitäten***, meinem Twitter-Account*, meinen Blogs**, den Geheimnis-Seiten** oder dem Geheimprojekt widmen soll. Wenn ich davon genug habe, entspanne ich mich am Fernseher mit einem Xbox-Spiel. Oder daddele ein bisschen DS auf der Couch.

Uh. Meine Welt besteht aus Bildschirmen.

Ich habe nur eine Sache zu meiner Verteidigung zu sagen: Immerhin ist es mir bislang gelungen, den Kauf eines Kindle zu vermeiden. Irgendwie. Also lese ich noch echte Bücher. Und das, welches gerade auf meine Nachtisch liegt, wollte ich hier mal rasch empfehlen:

vernor vinge a deepness in the sky Es heißt A Deepness in the Sky, wurde verfasst von Vernor Vinge* und ist generell großartig. Vinge schreibt Science Fiction der alten Schule — da geht es um den Weltraum, um klug ausgedachte Alien-Rassen und weitreichende Entwürfe möglicher Zukünfte. Vinge ist nicht der ganz große Erzähler, aber er entwirft ein hochspannendes Universum. Ich beschreibe mal kurz die groben Zusammenhänge, okay? Also, die Sonne des Planeten Arachnia heißt On/Off, aus dem bizarren Grund, dass sie immer 35 Jahre lang Hitze und Licht abstrahlt und dann 215 Jahre lang ausfällt. Die Bewohner von Arachnia, freundliche Spinnenwesen, deren Kultur der Europas zu Anfang des 20. Jahrhunderts ähnelt, gehen also alle naselang für längere Zeit in eine Art Winterschlaf. Als sie diesmal aufwachen, sind zwei menschliche Flotten in ihrem Orbit: die gewieften Händler der Queng Ho, die Beziehungen eröffnen wollen und die faschistoiden Emergents, denen es eher um Eroberung geht. Noch bevor sich die Leute den Arachniden vorstellen können, geraten sie aneinander und löschen sich in einer Weltraumschlacht nahezu gegenseitig aus. Die Emergents gewinnen, müssen aber mit den überlebenden Queng Ho kooperieren, denn die Technologie der Arachniden (die von der ganzen Lichtshow im All nichts bemerkt haben) ist noch lange nicht so weit, den Menschen und ihren schwer beschädigten Schiffen helfen zu können. Die sitzen also im Sonnensystem, beuten Asteroiden aus und warten, dass die Spinnen endlich den Computer, die Atomkraft und den Raketenantrieb entwickeln. Die Handlung erzählt in zwei Strängen die Geschehnisse bei den Menschen und bei den Arachniden.

Der fabulierfreudige Herr Vinge jongliert eine Vielzahl von Charakteren souverän, beschreibt die Technik glaubhaft und macht aus der ganzen absurden Sache generell eine spannende Geschichte, die auch große ethische Fragen nicht schamhaft umgeht. Toll. Nicht ganz so orginell wie der danach spielende Vorgängerroman A Fire Upon The Deep*, aber meiner bescheidenen Meinung nach besser erzählt. Empfehlenswert für jeden, der bei der Erwähnung von Scifi nicht sofort die Straßenseite wechselt.

Kann man bei Amazon kaufen, ab 2 Euro 65

post

Jerry Cotton, der Film

1. März 2010 · 9 comments

Es folgt eine Art Rezension eines aktuellen Kinofilms — eine Beitragsart, bei welcher der Verfasser weder mit Erfahrung noch Expertise aufwarten kann. Daher möge man ihm den mäandernden Stil verzeihen. Dafür ist der Text Spoiler-frei.

jerry_cotton_teaserIch sach’ mal, grundsätzlich stehe ich dem deutschen Film eher wohlwollend gegenüber — Deutsch ist nun mal meine Muttersprache, und auch ein mittelmäßiger deutscher Schauspieler klingt echter als ein amerikanischer Großmime. Der zuweilen in deutschen Filmen (“Sieben Zwerge”, “Schuh des Manitu” etc.) manifestierte Holzhammerhumor hingegen, nun, das ist eine andere Geschichte. Habe daher immer einen Bogen um Streifen gemacht, die den Eindruck erweckten, sie würden in Sachen Witz den Bogen zurück zu “Otto: der Film” schlagen wollen. Einen leisen Verdacht, der neue Jerry Cotton könnte in diese Kategorie fallen, hegte ich nach Ansicht des Trailers (siehe unten), in dem Christian Ulmen einen klamaukigen Auftritt hat. Außerdem dachte ich, dass sich Jerry Cotton, der Held der unzähliger stereotyper Heftromane (von denen ich vor so 25 Jahren ein paar Dutzend gelesen habe), nicht besonders für eine Parodie eignet, weil’s der Figur an Eigenheiten fehlt. Ich meine: FBI-Agent, harter Bursche, fährt einen roten Jaguar, schießt gut, hat einen Kollegen, fertig. Gibt doch nicht viel her, oder?

Ich wäre also vermutlich nicht freiwillig in den Film gegangen. Aber dann hat man mir netterweise Karten für die Premiere geschenkt. Und da ich seit Spiderman 2 nicht mehr wichtig genug war, um auf eine Erstaufführung eingeladen zu werden, dachte ich: Nix wie hin. Auf Premieren gibt’s bekanntlich immer Frei-Popcorn.

Zeitsprung: Okay, ich sitze. Der Film beginnt mit einem grafisch sensationell gemachten Vorspann. Es folgt eine eher überspannte James-Bond-Szene, in der sich Tramitz durch eine Horde Ganoven prügelt. Dann eine hübsche Anspielung auf Heftromane. Dann ein paar mild anstrengende Wortwitze. Und Ulmens Vollkontaktklamauk. Ich dachte mir, ah, das ist zwar möglicherweise ein Film für doofe Leute, aber immerhin besetzt und geschnitten für die cleveren Freunde der doofen Leute, damit doofe und clevere Leute zusammen ins Kino gehen können.

25469_335352862410_217011387410_4013836_8270934_nUnd dann? Dann nimmt die Handlung Fahrt auf, und der Film zeigt deutlicher, wo er hin will: Weg von der Parodie und Hommage an B-Movies und Heftromane, hin zur für sich stehenden Action-Komödie. Wirft einem eine schräge Bösewichter-Figur nach der anderen entgegen, die alle auf bekannten Stereotypen aufsetzen, aber dennoch einen ganz eigenen Charme mitbringen. Lässt den Ulmen gnadenlos so lange die typische Ulmen-Nummer abziehen, bis man sich gewöhnt hat. Und plötzlich steht Tramitz als Cotton, der unterkühlt den stoischen, unerschütterlichen Helden gibt, im Zentrum eines bunten Wirbels aus quasi Austin Power’scher Absurdität und wirkt in seiner ganzen Überzogenheit fast normal. Da fällt dann alles irgendwie an seinen Platz, man kommt in den Rhythmus — und der Film funktioniert. Erstaunlicherweise halten nicht einmal die Traumsequenzen (sonst gerne ein sicherer Stimmungsstopper) die Handlung auf, die mit Wucht einem Showdown zustrebt, der fairerweise auch echt showdownig in Szene gesetzt ist — ich fühlte mich kurz wohlig an einen Videospiel-Bosskampf erinnert. Wow.

Puh. Langer Rede kurzer Sinn: stilsicherer Film, der knapp die Balance zwischen Klamauk und Spannung hält. Toll gefilmt, sauberes Handwerk, schöner Soundtrack. Kann man sich sehr gut angucken, auch, wenn man sich vielleicht nicht für altbackene Heftromane interessiert.

Ich jedenfalls war großartig unterhalten. Und meine Frau auch, obwohl die sonst eher der Typ für polnische Melodramen mit französischen Untertiteln ist.

P.S: Einen Vorgeschmack gibt’s auch, aber der Film ist in my humble opinion besser als der Trailer verspricht:

post

iPhone Sex FTW!

25. Februar 2010 · 9 comments

Äh? War da nicht was? Hat Apple nicht eben noch handstreichartig 5000 Apps wegen, uh, im weitesten Sinne “sexueller Inhalte” aus dem Appstore (diesem Online-Laden für das iPhone, Sie wissen schon) gelöscht? Was, wir erinnern uns, die Kollegen von der BILD dazu veranlasste, sich lautstark um die Pressefreiheit zu sorgen.

Ein Sturm im Wasserglas, natürlich. Apple tut, was Apple für richtig hält und hat automatisch recht, solange es eine substanzielle Schar von Käufern gibt, die die Bequemlichkeit einer mit Designermögeln ausgestatteten Diktatur den Gefahren der freien Wildbahn vorziehen. Wie, äh, mich.

Aber langer Rede kurzer Sinn: Eben begab ich mich, in Sicherheit gewiegt durch die Moralisten aus Cupertino, in den Appstore, um ein bisschen Kleingeld zu verschwenden, und WAS MUSS ICH DA SEHEN?

Die Invasion der Sex-Apps:

sex apps

Absurd. Beim kursorischen Drüberschauen scheinen die Sex-Apps gerade zu überwiegen. Haben die seit gestern die Politik geändert? Ist das der Gegenschlag der Sexindustrie?

Oder sitzt bei Apple heute einfach der neue Praktikant am Freigabeschalter?

post

Ghost Hunter Jason Dark

6. Januar 2010 · 10 comments

Ich bekam neulich eine Mail von Guido Henkel, der Herr ist altgedienter Spieleindustrieveteran und in meinem Herzen für immer unsterblich durch seine Mitwirkung an meinem Allzeitlieblingsspiel Planescape Torment*.

Guido bat darin alle seine näheren und ferneren Bekannten, mal ihre Bekannten (und Blogleser und Twitter-Follower) darauf hinzuweisen, dass er soeben eine Gothic-Horror-Romanreihe namens Jason Dark: Ghost Hunter gestartet hat. Kurze Geschichten im Geiste früherer Groschenromane, Folge für Folge frei lesbar im Internet unter www.jasondarkseries.com.

Dies ist ein Indie-Projekt, Guido versucht es ohne Sponsor oder Verlag, nur bewaffnet mit seinem grenzenlosen Enthusiasmus und seiner Liebe zum Sujet. Wer auf Gothic Horror steht und des Englischen ausreichend mächtig ist, kann ja mal ‘rübersurfen und die erste Geschichte lesen. Der Name Jason Dark ist übrigens eine Verbeugung, so Guido, vor dem Autor der Heftromanreihe John Sinclair, Helmut Rellergerd, der diesen Namen als Pseudonym verwendet.