Menschen und Frauen

Herr Kaliban steht in der Schlange zum Zoo und belauscht das Gespräch der Rentnerinnen hinter ihm.

Rentnerin A: Ach, man müsste auch mal wieder die Damen treffen.
Rentnerin B: Ja, müsste man.
Rentnerin A: Ich wäre ja letzte Woche gekommen, aber da lag ja Heinz gerade im Sterben.
Rentnerin B: Jo, wenn du da gekommen wärst, hätten sie sich sicher wieder das Maul zerrissen.
Rentnerin A: Ja. Bestimmt. Und außerdem musste ich bei Julian bleiben.
Rentnerin B: Klar. Aber diese Woche, oder?
Rentnerin A: Diese Woche auf jeden Fall.

Hm. Ich habe natürlich sofort angenommen, Heinz sei ihr Mann und Julian ihr Sohn — und konnte nicht umhin, ihre Darstellung ein wenig herzlos zu finden. Aber vielleicht waren Heinz und Julian auch bloß ein Kanarienvogelpärchen. Uh.

Männer und Frauen und all der Scheiß

by Gunnar on 1. Februar 2013 · 118 comments

Man stelle sich vor, man müsse einem Zeitreisenden aus der Vergangenheit das Heute beschreiben. Ich würde das so machen: Im Jahr 2013, da haben wir alle kleine Geräte in der Tasche, die sofortigen Zugriff auf das gesamte Weltwissen erlauben und die direkte Kommunikation mit allen anderen Menschen. Wir nutzen die Geräte vornehmlich zum Konsum von Katzenvideos und um uns mit Fremden im Internet zu streiten*.

Das aktuellste Beispiel für Streitereien des Herrn Kaliban ist ein Nebenschauplatz der großen #aufschrei-Schlacht. Da gab’s nämlich diesen ärgerlichen Beitrag hier. Der wäre mir glücklich entgangen, wurde aber in meiner Sozialmedienblase vielfach verlinkt, als empfehlenswerte Gegenstimme in einer aufgeregten Debatte. Was mich aber nur dazu angeregt hat, der Debatte meine Aufregung überhaupt erst hinzuzufügen. Was wiederum, ach mein Blutdruck.

Aber der Reihe nach.

Der verlinkte Artikel ist von Birgit Kelle, die ansonsten auch für die Junge Freiheit schreibt. Und für das Betreuungsgeld eintritt. Und auch sonst eher nicht allzu viele Positionen vertritt, die vermuten lassen würden, sie sei schon im Jahr 2008 angekommen. Hier jedenfalls spielt sie die uralte Karte, nach der Frauen selber schuld sind, wenn sie nicht züchtig einher gehen.

Wir laufen in Slutwalks durch die Straßen und proklamieren das Recht, wie Schlampen herumlaufen zu dürfen. Gleichzeitig wollen wir aber nicht als Schlampe bezeichnet oder gar behandelt werden.

Mal abgesehen davon, dass das Wort “Schlampe” ziemlich dehnbar ist, liest man hier klar das Kernargument heraus: Wer sich luftig anzieht, will’s nicht anders. Ist ja klar. Geht ja auch vielen Männern so, dass sie betatscht, angequatscht und angegafft werden, wenn sie mal im engen T-Shirt zur Arbeit gehen.

Und die wirklich Armen sind natürlich die Männer:

Nein, mein Gott, ich möchte nicht Mann sein in dieser Welt, in der bereits 13-Jährige mit Push-up-BHs zur Schule gehen. Ich möchte nicht Mann sein in einer Welt, in der man überlegen muss, ob man noch mit einer Kollegin Kaffee trinken kann.

Ja, das geht mir auch so. Sich als Mann die jungen Dinger angucken oder beim Kaffee Bemerkungen über die Brustgröße des Gegenübers enthalten zu müssen, das ist zweifellos schlimmer als als Frau von Kerlen angestöhnt, angemacht, angegrabscht zu werden. Selbstverständlich.

Aber was soll man schon von einem Artikel halten, der mit einem klassischen Strohmann-Argument beginnt:

Vielleicht wäre uns diese ganze Debatte erspart geblieben, wenn an diesem ominösen Abend an der Bar nicht Rainer Brüderle, sondern George Clooney gestanden hätte, um seine Tanzkarte an Frau Himmelreich weiterzureichen. Aber so müssen wir alle teilhaben an dem jämmerlichen Balzversuch des Altpolitikers gegenüber der aufsteigenden Jungjournalistin. Denn die ganze Nummer bekommt einen ganz neuen Dreh, wenn männliche Annäherung auf fruchtbaren Boden fällt.

Sexismus gibt’s nämlich nicht. Es gibt nur unattraktive Männer — wenn ein sexy Mann einem in der Disco die Hand um die Hüfte legt und fragt, ob man nicht mit auf Klo kommen möchte, zu einem raschen Blowjob, dann ist das was ganz anderes als wenn das Kalle der Klempner tut. Dann ist es eine legitime Anmache, die einem vielleicht gefällt, oder?

Der Autofahrer, der an der Fahrradfahrerin vorbeifährt und eine obszöne Geste macht. Der Muscleshirt-träger, der sich in der engen Passage breit macht, damit das Mädchen an ihm langstreifen muss. Die Gruppe Halbstarker, die den beiden Studentinnen, hey, kommt rüber, blast uns die Schwänze, nachruft. Wenn die alle nur aussähen wie George Clooney, dann wären das keine unangenehmen Erlebnisse aus dem Frauenalltag sondern Komplimente. Klar.

Dass Frauen in der Debatte mit derlei “Männerargumenten” kommen, ist auf den ersten Blick verwunderlich, aber natürlich verständlich. Kann man als Mann an sich selber überprüfen: wenn ich immer meinen cholerischen Chef ertragen habe, vielleicht sogar stolz darauf gewesen bin, ihn auslenken zu können, dann mag ich es als Abwertung empfinden, wenn der junge Kollege den Quatsch einfach nicht mitmacht und den Chef einen Spacko schimpft und beim Betriebsrat denunziert. Denn das heißt ja jetzt plötzlich, ich hätte das auch nicht all die Jahre ertragen müssen. Also rechtfertige ich meine Akzeptanz seiner Cholerik mit Euphemismen: “Ist so schlimm ja nun auch nicht gewesen, ich bin immer gut klar gekommen, wenn man ihn zu nehmen wusste, dann ging’s, notfalls konnte man ja auch einfach mal rausgehen et cetera.”

Was immer vergessen wird: Es geht ja in den meisten dieser Situationen gar nicht um Sex oder auch nur um das Verhältnis zwischen den Geschlechtern, sondern um das Feststellen eines Machtgefälles. Der Brüderle wollte die Stern-Journalistin auch vermutlich nicht aufreißen, sondern nur mal eben klarstellen, wer hier der Herr im Haus ist. Oder meint jemand, der würde zu Frau Merkel auch Bemerkungen über die Tüten machen? Oder eine Christine Lagarde mit anzüglichen Bemerkungen bedenken?

Der Geschäftsmann, der die Kellnerin nach weiteren Dienstleistungen fragt, der Bauarbeiter, der den Schulmädchen hinterherpfeift, der Vorstand, der seiner Sekretärin die Hand aufs Bein legt, der Politiker, der der Journalistin Anmerkungen über ihre Brüste aufdrängt, all diese Männer “flirten” nicht. Die demonstrieren ihre Macht. Die wissen genau, dass ihre Aufmerksamkeiten nicht erwünscht sind, die machen das, weil sie damit davon kommen.

Ein früherer Chef hat sich gerne mal bei (männlichen) Mitarbeitern mit dem Ellenbogen auf der Schulter abgestützt, sich sozusagen in die Personal Bubble gelehnt. Das ist genau dasselbe, eine typisch männliche Übergriffigkeit, die mit einem Machtgefälle einher geht.

Die Welt wäre eine bessere, wenn Leute für derlei Zumutungen immer sofort eine aufs Maul bekämen.

Zum Weiterlesen: Flirtverbot * Keine Lösungen * Derailing * Sagt ihnen nicht, sie hätten sich wehren sollen

Hier gibt’s was umsonst!

by Gunnar on 17. Juli 2012 · 18 comments

Herr Kaliban wundert sich über die Menschheit. Das ist ja nichts Neues.

Es gehört zu den Vorbereitungsritualen jeder auf einer Games-Messe ausstellenden Firma, sich in einem lebhaften Meeting zu überlegen, was man an Zeug mitnimmt, dass man am eigenen Stand in die Menge werfen kann. »Swag« heißt das im Branchensprech, also Swag wie Swag und nicht wie Swag. Man unterscheidet zwei Sorten: Endkunden-Swag und Journo-Swag. Das eine ist die Streuware, die von der Gamescom-Bühne verteilt wird, das andere sind die Sachen, die man den Journalisten in die Tüte tut, die er am Ende des Gesprächs kriegt. Endkunden bekommen Code-Kärtchen, Bändchen, Demo-DVDs, Aufkleber, aufblasbaren Schnickschnack, aber auch mal T-Shirts oder auch Gaming-Zubehör, wenn man einen Hardware-Sponsor hat. Journalisten bekommen Broschüren, T-Shirts, Handtücher, Games, Sponsorware und auch sonst nette Sachen. Manchmal auch nichts, der intermittierenden Verstärkung wegen (Achtung: Ironie).

Bei GameStar galt die Linie, wenn ich mich recht erinnere, hatte ich sie selber eingeführt, dass man als Redakteur das Zeug dankend mitnimmt und als Verlosungspreis zur Verfügung stellt. Das galt auch, dennoch gehe ich auch heute noch mit Codemasters-Handtuch schwimmen und schneide meine Pizza mit dem Pizza Connection-Pizzaschneider.

Offenbar hatte ich meine Schäfchen schon vor der Einführung der harten Linie im Trockenen. Ahem. Aber auch sonst war’s mir immer zu mühsam, irgendwo anzustehen oder durch sonstwelche Feuerreifen zu springen, um irgendwas zu bekommen, das ich mir vermutlich eh nicht selber gekauft hätte.

Naja, was mich jedenfalls immer erstaunt hat, wie weit Leute gehen, um was Kostenloses abzugreifen, egal wie geringwertig es ist. Gut bezahlte Journalisten fragen drei Mal nach einer weiteren Tüte “für die Kollegen” und einem Extra-Exemplar des Spiels für die Sammlung oder nehmen auf Events an lächerlichen Wettbewerben um Poster oder Figürchen teil; Mädchen ziehen sich auf der Bühne bis auf den BH aus, um ein T-Shirt für den Freund abzugreifen; Jungs schreien für die Chance auf einen Kugelschreiber zehn Mal “Frogster ist geil” oder sowas.

Klar geht’s da auch mal einfach um die schiere Stimmung und den Spaß an der Sache, wie auf dem Bild oben (aufgenommen von Uwe Miethe), das auf der GC in Leipzig Anno 2005 entstanden ist. Und natürlich nehmen Journalisten auch mal eine Tüte mit, um gegenüber dem Pressesprecher nicht unhöflich zu sein, aber grundsätzlich: Leute greifen gern ab.

Noch besser als meine kleine Erzählung illustriert das das folgende Video:

Wie das mit den Vorsätzen so ist: Kaum drei Monate nach dem ersten Resultat meines Entschlusses, mehr Interviews zu posten, kommt “schon” Nr. 2. Also, ich sprach mit Falko Löffler, Fantasy-Autor und Computerspieletexter, über seine Arbeit.

Falko Löffler (Jahrgang ’74) ist seriös examinierter Literatur- und Medienwissenschaftler, schreibt aber seit 1996 Texte für Computerspiele, seit 2003 als freier Autor. Derzeit arbeitet er unter anderem für Deck13 an “Jack Keane 2″, überarbeitet seinen nächsten Roman und fragt sich im Politblog “Weißes Rauschen”, was er von der Piratenpartei halten soll.

Herr Kaliban Falko, Du schreibst für Spiele. Ist das nicht schon nahe am Texten für Frühstücksflockenpackungen?

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Kammarbeit im öffentlichen Raum

by Gunnar on 10. Januar 2012 · 19 comments

Herr Kaliban ist immer wieder verblüfft, wenn er in der Öffentlichkeit einher geht: Menschen sind nämlich komisch.

Neulich, im “Palaver”.

Die Liebe meines Lebens, das Goldkind und ich sitzen frühstückend an einem zu kleinen Tisch im Café, um uns herum Stimmengewirr, Lachen, Geschirrgeklapper, im Hintergrund säuft bei irgendeiner Musik der Gesang ab und man hört nur noch ein paar Fetzen Gitarre und jeden dritten Drumbeat.

Auswärts frühstücken ist Luxus und Stress zugleich: Einerseits bekommt man die Nahrungsmittel portioniert und zubereitet an den Tisch gebracht, andererseits sind die Tischregeln samt der Standardrituale, die den Alltag mit Kind überhaupt überlebbar machen, ein bisschen außer Kraft. Also schmiert man hier was nach, hebt da was auf, hält dort was fest.

Zwischendurch schaue ich mal auf und sehe, anderthalb Tische weiter, eine junge Frau, Anfang 20 vielleicht, die sich hingebungsvoll die Haare kämmt. Die Frau hat sehr schöne, blonde Haare, die ihr bis auf die Hüften reichen. Und sie kämmt, sie kämmt, als gäb’s kein Morgen.

Ich bin öffentlicher Körperpflege abhold, und auch wenn kämmende Damen gefälliger anzuschauen sind als, sagen wir, fußnagelclipsende Herren, handelt es sich grundsätzlich um das gleiche Vergehen: Zahnpflege, Waschungen, Mani-/Pediküre, Haarstyling, Brauengezupf, sowas gehört ins Private, nicht in die öffentlich einsehbaren Bereich. Mich irritiert es sogar schon, wenn Leute sowas in ihren Autos tun.

Naja wurscht, ich schaue weg und widme mich wieder dem Chaos um mich herum, meine Tochter ist mittlerweile bei ihrer Puppe zur Löffelfütterung übergegangen, ein Verfahren, das bei allen Beteiligten stets Spuren hinterlässt. Die Liebe meines Lebens ist entfleucht, um sich die Nase zu pudern, und die Bedienung fängt schon mit Abräumen an, obwohl da noch für gut 30 Cent Rührei auf meinem Teller liegen.

Ein paar Minuten später tauche ich mal wieder kurz auf, gucke in Richtung der Kammdame, aber sie hat aufgehört. Aber nur, weil sie ihrer Freundin zuschaut, die ebenfalls lange, blonde Haare hat und sich kämmt. Hingebungsvoll möchte ich das nennen, aber ich habe den Begriff oben schon mal verwendet. Also die Alternativbeschreibung: Sie kämmt engagiert, wie jemand, der weiß, dass von seinem Handeln Einiges abhängt.

Neben mir fällt ein Glas zu Boden, ich fahre panisch herum, aber der Schuldige ist der kleine Junge am Nachbartisch. Ich werfe dem verantwortlichen Vater diesen “Jetzt kriegen sie doch bitteschön ihr Kind in den Griff, schauense mal wie brav meine Tochter ist”-Blick zu und entwinde dem Goldkind das Messer, mit dem sie gerade die Blumenvase manipuliert.

Ein paar Minuten vergehen, dann schaue ich wieder zu den Kämmenden und diesmal, es kann kein Zufall mehr sein, hat eine dritte junge Frau am Kämmertisch ihren Kamm in Stellung gebracht und fährt sich, man möchte es fast hingebungsvoll nennen, durch die hüftlangen blonden Haare.

Argh. Das ist doch kein Zufall mehr. Ich schaue mir den Tisch jetzt mal genauer an: Fünf junge Frauen (von denen drei schon gekämmt haben) sitzen beim Frühstück, alle haben langes blondes Haar. Und, jetzt fällt’s mir erst auf, ausschließlich schwarze Klamotten. Hinten rechts gibt’s auch noch einen Mann, ebenfalls Anfang 20, schwarz gekleidet und — langhaarig blond.

Ich kann nicht mehr wegschauen, versuche ihnen von den Lippen abzulesen, um irgendeinen Hinweis auf den Grund ihres Zusammenkommens zu erlangen, aber erfolglos. Ist das eine norwegische Girlmetal-Band, ein Bekanntenkreis mit hohem Gruppendruck, die Nachbereitung eines Modelcastings für einen Perückenhersteller? Sind das die Haardoubles für Charlize Theron auf Deutschlandausflug? Ist es ein Flashmob aus dem Frisurenforum? Fragen über Fragen.

Irgendwann zahlen wir und gehen, die Kämmenden verweilen.

Ich werde nie erfahren, wie diese Menschen sich gefunden haben und warum sie sich so voller Hingabe kämmten. Ach, die Rätsel des Lebens.

Meine Highlights der E3 2011…

by Gunnar on 23. Juni 2011 · 3 comments

… waren nicht die Spiele und nicht die Pressekonferenzen. Ich bin ja kein Journalist mehr und habe folglich die ganze Zeit nur ein einziges Spiel gesehen, das von meinem Arbeitgeber ge-publishte Star Trek: Infinite Space, das dafür aber sehr oft und immer wieder. Texte über das bunte Treiben dort gibt es anderswo, beispielsweise diesen hier, von Roland.

Meine prägenden Erlebnisse waren anderer Natur:

1. Der Hinflug mit Virgin Atlantic. Die Business Class heißt dort ungeniert “Upper Class”, die Flugzeuge tragen Namen wie “Unicorn Chaser” oder “Ruby Tuesday”, und der Pilot stellte vor dem Abflug die Kabinencrew mit folgenden Worten vor: “And please welcome the posh people in the front, Lucia, a former lap dancer from Brighton, Disco Dave and Auntie Angela.” Merkwürdig, diese Engländer.

Aber auch das Bodenpersonal hält die Linie:

Typ am Schalter: “Where will you be flying to, Sir?”
Herr Kaliban: “London.”
Typ am Schalter: “Brilliant!”
Herr Kaliban: “Then to Munich.”
Typ am Schalter: “Oh. If you must.”

2. Ein interessanter Fund im Hotelzimmer: Für *nur* 15 Dollar kann man ein “Intimacy Kit” kaufen, mit zwei Kondomen und einem, nun, Gleitmittel drin. Die originelle Beschreibung auf der Packung ist immerhin kostenlos:

3. Die Tatsache, dass neben unserem Meetingraum die Umkleidekabine der THQ-Models* war. Ich verwende das Wort Models hier im losestmöglichen Sinne, THQ hatte beim Casting offenbar hauptsächlich auf die Silikon/Körperfett-Ratio geachtet. Eines Morgens also spähte ich aus der Tür, um nach nahenden Journalisten Ausschau zu halten und… der ganze Gang stand voll von unnatürlich gebauten Damen, die gerade dabei waren, ihre Brüste mit Klebeband zu fixieren. Argh.

[Nachfragen unnötig, ich bin zu gut erzogen, um in solchen Momenten Fotos zu schießen.]

4. Das Old Spice-Deo, welches sich Kollege J. in LA gekauft hat. Auf dem klebte vorne ein Aufkleber mit den Worten “Same stuff, different label”, während hinten drauf folgendes stand:

Und dann war da noch das Bier, für das ich aus Verzweiflung im Hotel acht Dollar bezahlt habe:

Seufz.

Krebsesser und Hirnfresser

by Gunnar on 4. Dezember 2009 · 28 comments

Bizarrer Dialog gestern, auf der Weihnachtsfeier:

Ich: Habt ihr die Suppe probiert?
Junge Dame I: Nein, da sind ja Flusskrebse drin.
Ich: Und? Mögt ihr keine Krebse?
Junge Dame I: (schüttelt sich)
Junge Dame II: Krebse, das ist sowas Lebendiges.
Ich: Lebendig? Aber ihr esst doch auch Hühner? Und das Rindercarpacchio ist auch nicht am Wegesrand gewachsen.
Junge Dame II: Hühner sind irgendwie nicht so lebendig wie Flusskrebse. Und so’ne Kuh, die steht doch auch nur auf der Weide und will gefressen werden.

Und wo wir gerade beim Thema Essen mit Kollegen sind:

Kollege R. erzählt gerne und gerne auch beim Essen von seiner Jugend auf dem Bauernhof, wo man Wildschweine mit bloßen Händen verspeist und Hühnern eigenhändig die Hälse umgedreht hat. Nach einigen Schlenkern kam das Gespräch auf Hirn und dessen Verwendung als Nahrungsmittel. Kollege R. pries die geschmacklichen Vorzüge, beschrieb die Konsistenz, lobte anekdotenreich die Regionen Europas, in denen man die Umsicht besitzt, ein so proteinreiches Stück Fleisch selber zu essen, anstatt es schnöde ins Katzenfutter zu schreddern. Um uns herum erstarben die Kaugeräusche, als Menschen ihre Gabeln weglegten und ihre halbvollen Teller beseite schoben. Das Gesicht von Kollege M. gefror zu einer Maske; Kollegin S. starrte auf ihre Kohlroulade und flüsterte einen heiligen Eid vor sich hin, zukünftig nur noch Gemüse zu essen. Die Runde löste sich dann rasch auf, aber wir waren dem Thema damit nicht entkommen, R. legt per Rundmail nach und zitierte aus einem Kochbuch folgende Zeilen: Brain can be poached, fried, baked, or broiled, and is sometimes served as “beurre noir”. This is a sauce that has a clarified butter base that is heated until dark brown. Brain also can be combined with scrambled eggs for a Southern delicacy. One brain usually feeds two people. Brain also may be added to salads or stuffing or served in soups. […] Monkey brain is a controversial food, often attributed to the Chinese, but also found in certain other countries. The practice of eating monkey brains has led to over-hunting, especially due to the unfounded belief that eating the monkeys’ brain can cure impotence.

Uh. Was viele Leute nicht wissen: Hirnesser R. finanziert seinen überbordenden Fleischkonsum mit monatlichen Zahlungen der Deutschen Gesellschaft für Vegane Lebensweise, die ihn als U-Boot durch die Lande schicken, um möglichst vielen Menschen das Fleischessen zu verleiden.

America, America

by Gunnar on 21. November 2009 · 14 comments

Ein paar ungeordnete Gedanken über Amerika an sich, mehr so aus Touristensicht.

*** In Europa würde niemand auf die Idee kommen, zu einer beigen Anzughose ein hellbaues Hemd, ein navyfarbenes Sakko und goldene Manschettenknöpfe zu tragen. An der Ostküste scheint es die Businessuniform für über 50jährige Geschäftsleute zu sein. *** Amerikanische Frauen gibt es in drei Geschmacksrichtungen: die, die doppelt so laut reden wie Europäerinnen, die, die ihre Mimik so übertreiben als spielten sie Pantomime und die, die beides tun. *** Absurderweise isst man in Boston, aber auch anderswo Chips zum Sandwich. Mittags. Wirklich. *** Irish Pubs sind auf der ganzen Welt gleich. Die werden offenbar zentral in einer Fabrik in Irland hergestellt. ***

Hm. Ich habe immer so Vorurteile, die sich dann auf Reisen bestätigen. Andererseits bin ich natürlich im Ausland auch so typisch deutsch, dass ich vielleicht sogar selber schuld bin, wenn Leute so typisch amerikanisch in meiner Gegenwart sind. Heisenbergsche Unschärfe und so.

Einkaufen! Mit Frauen!

by Gunnar on 14. Oktober 2009 · 23 comments

Also, manchmal muss meine Frau, die’s auch nicht leicht hat mit dem Goldkindtm und so, ein bisschen Dampf ablassen. Dann geht sie einkaufen. Und ich muss mit.

Wir stürmen in die Stadt, entern Laden 1 von der zweistelligen Liste. Methodisch arbeiten wir uns von unten nach oben hoch, Stockwerk für Stockwerk, Regal für Regal. Wobei das Wort “wir” ein bisschen unexakt ist — meine Frau prüft jedes Ausstellungsstück händisch auf Kaufbarkeit, während das Goldkind und ich nach so 35 Nanosekunden die Lust verlieren und lieber ein bisschen auf der Kaufhausetage umherstreifen. Dabei driften wir in die Nähe der Männersachen, mein Brieftaschenextraktionsalarm klingelt vorsorglich, aber ich bin grundsätzlich immun gegen Kauflust, wenn meine Frau dabei ist. Ich bin einer der letzten Alleinkäufer, Lordsiegelbewahrer des bröckligen Restes männlicher Automonie, der in dieser Gesellschaft noch möglich ist. Wenn ich schon öffentliches Sackkratzen, abendlichen Dosenbierkonsum und Metal-Mitgröhlen beim Frühstück als Dispositionsmasse dem Konzept Ehe opfern musste, will ich wenigstens eigenständig und unbeeinflusst entscheiden, womit ich mich in der Öffentlichkeit lächerlich mache.

Kann's ja hinterher wieder umtauschen, wenn's ihr nicht gefällt. Ahem.

Aber weiter — mit halbem Ohr belausche ich im Vorbeigehen zwei Pärchen, ich bin Journalist, müssen Sie wissen, und immer am Menschlichen interessiert.

Mitgehörtes Gespräch Nr. 1:
Mann: "Ich probiere die Hose nur schnell an."
Frau: "Bist du sicher, das du nicht eher so 'ne ausgewaschene willst?"
Mann: "Nein. Ich will die hier."
Frau: "Was ist mit der hier? Ist auch gut."
Mann: „Nein. Ich will die hier.“
Frau: "Aber…"
Mann: (verschwindet in der Umkleide, kommt nach vier Minuten wieder raus, kauft die Hose)
Frau: (schaut verständnislos)

Mitgehörtes Gespräch Nr. 2:
Mann: "Hm. Die Jacke oder die?"
Frau: "Das kann ich nicht für dich entscheiden. Ich sage nur, die da passt zu deinen restlichen Klamotten."
Mann: "Hm."
Frau: "Ich gehe jetzt in die Damenabteilung."
Mann: "Äh. Halt. Wegen der Jacke…"

Meine Vorurteile bestätigen sich: Männer sind entweder wie ich Typ 1, also total zielstrebig und zackzack – was, zugegeben, in ganz seltenen Fällen zu dunkelblauen Fehlkäufen oder jahrzehntelanger Markentreue ("Ich kaufe nur Schuhe von Mephisto, die stehen mir immer") führt. Oder, Typ 2, irgendwie zu lange unter Mutters Fittichen gewesen und deshalb dauerhaft geschmacksunsicher. Das sind dann die Typen, die ausschließlich von Frauen eingekleidet werden. Wobei es von einkleidenden Frauen auch wieder zwei Typen gibt. Typ 1 staffiert den Kerl aus wie ein Model, damit andere Frauen Herzattacken vor Neid bekommen. Typ 2 hingegen achtet streng darauf, den Mann so anzuziehen, dass er von anderen Frauen für einen kompletten Dorftrottel gehalten wird. Um die Möglichkeit eines Ehebruchs gleichsam im Keim zu ersticken.

Jaja, Women are from Omicron Persei 7, men are from Omicron Persei 9 (*).

Eben, beim Friseur…

by Gunnar on 6. Juni 2009 · 14 comments

…wurde ich Zeuge eines Dramas. Handelnde Personen: die bemühte Friseuse (BF), die leidgeprüfte Mutter (LM) und das schreiende Mädchen (SM), etwa sechs Jahre alt. Also, wir sehen die Personen auf und um einen Friseurstuhl verteilt. SM hat eine fast fertige Frisur, die adrett aussieht und gut zum Typ passt.

SM: (schluchzt unentwegt) NEEEIN, ich seh so bescheuert aus!
LM: (macht beruhigende Geräusche), hey, nun, ja, hm.
SM: (im Zustand höchster Erregung) SO bescheuert!
LM: Komm, das ist echt schick.
BF: (lächelt gequält) Wirst sehen, morgen wollen deine Freundinnen auch so einen Schnitt.
SM: Quatsch! Die wollen ja nicht auch so BESCHEUERT AUSSEHEN!
LM: (macht beruhigende Geräusche), hey, nun, ja, hm.
SM: Das sieht so SCHEISSE aus! Viel zu kurz! Ich wollte das nicht so kurz!
LM: Du wolltest es noch kürzer!
SM: (hysterisch) Quatsch! Du hast es falsch erklärt!
BF: Nun, es ist genau so wie… (beißt sich auf die Zunge)
SM: Aufhören! (hält ihre Haare fest)
LM: Lass das, bitte (verzweifelt)
SM: So nicht! Ich reiß’ mir alle Haare einzeln raus, wenn wir zuhause sind.
BF: (versucht mit professionellem Gesichtsausdruck weiter zu schneiden)
Alle anderen, inklusive mir: (glotzen)
LM: (grinst entschuldigend in die Runde)
SM: (schlägt nach der Schere der Friseurin) AUFHÖREN! Das wird SCHEISSE!

So ging das noch ein bisschen weiter. Wow. Und das Kind war erst sechs. Was macht die mit zwölf, wenn ihr die Mutter verbietet, auf eine Party zu gehen? Das Haus verwüsten? Die komplette Familie in einem Rausch der Gewalt hinmorden?

Note to self: Immer meine Frau mit dem Goldkindtm zum Haareschneiden schicken.

Warum Männer lieber Pizza bestellen

Mai 23, 2009

Wenn man mit einem Mann essen geht, ist das ziemlich easy: Es gucken beide kurz in die Speisekarte, wählen das, was sie immer nehmen, verständigen sich mit zwei Sätzen über die Biersorte und bestellen dann. Wenn man mit einer Frau essen geht, passieren merkwürdige Dinge.

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Nordic Walking und schiefe Becken

März 30, 2009

Gestern, im Café saßen am Nebentisch zwei Damen Ende 30. Bisschen graumausig, bisschen eso, dachte ich. So Typ Erzieherin mit heilpädagogischer Zusatzausbildung. Und lauschte indiskret ein bisschen ins Gespräch: “Ja, der Fritz, den habe ich jetzt soweit, der geht auch zur Therapie. Männer haben es ja nicht so mit den alternativen Heilmethoden, aber er gibt […]

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