Nur in meinem Kopf

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A Study in Badisch

9. Januar 2012 · 11 comments

Herr Kaliban, gestern morgen beim Bäcker.

Verkäuferin: Guete Dag!
Herr Kaliban: Ich hätte gerne fünf Brötchen, von den dunklen dahinten.
Verkäuferin: Füf Knuschperweckli, sofort.
Herr Kaliban: Danke, und dann nehme ich noch sechs Eier.
Verkäuferin: Oh, die sin aus. Da müschtet Sie zu userer Fillial ande Filippstraße fahrn. Sin nur zwei Station medde S-Ban.
Herr Kaliban: (grummelt) Gut, aber WO an der Phillipstraße ist denn Ihre Filliale?
Verkäuferin:Beim Wolwert dänäbe.
Herr Kaliban: Woll-Wert? Ist das ein Geschäft? Woll-Werth mit H hinten?
Verkäuferin: Jo, met ena H hinde. Des Kuufhus halt.
Herr Kaliban: Okay, beim Wolwert. Ich finde das schon, danke. Auf Wiedersehen!
Verkäuferin: Adje!

Ich fahre mit der S2 zur Philipstraße, steige aus. Lasse den Blick über die Läden schweifen:

Matratzen-Concord.

Hörgeräte-Seifert.

Woolworth. Ah!

WOOLWORTH = Wolwert. Crazy, das Kauderwelsch der Badner.

Weiß doch jeder, dass der Laden in der gesprochenen Sprache “Wulle” genannt wird.

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TMTCH

21. Oktober 2011 · 5 comments

Wie gründlich man älter wird, merkt man am Einrasten von Geschmäckern:

Ich spiele zwar neue Spiele, höre neue Musik, probieren neue Gadgets aus, lese neue Bücher, aber es treibt mich immer wieder zu den alten Sachen zurück.

Gerade habe ich wieder einen Rückfall in alte Folkrock-Zeiten und höre The Men They Couldn’t Hang. Meine Lieblingslieder von denen gibt’s nicht auf Youtube, aber hier ist immerhin mal ein Anklang daran, wie die sich zu ihren guten Zeiten angehört haben:

Falls es wider Erwarten jemandem gefallen haben sollte, die alten Scheiben gibt’s demnächst remastered wieder zu kaufen, leider zu exorbitanten Preisen. Mein Liebling ist übrigens The Domino Club von 1990.

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The possible Return of Donald

16. April 2010 · 26 comments

Aus der Abteilung: “Ideen, mit denen ich möglicherweise ein ganzes Stück reicher werden könnte, wenn ich nur schon reich genug wäre, um sie umzusetzen.”

Mir fiel kürzlich auf, dass ich die Donald-Duck-Geschichten von Carl Barks heute noch auswendig hersagen kann. Und sie auch heute noch unterhaltsam finde. Es gibt nur eben nicht unbegrenzt viele. Jemand müsste also dem saturierten Disney-Konzern eine, vielleicht zunächst nur lokal begrenzte Donald-Duck-Lizenz aus den Klauen brechen, dann ein profiliertes Comic-Autor/Zeichner-Team dran setzen und eine neue Serie von großen Abenteuer-Geschichten (wie Carl Barks sie erzählt hat) auflegen. Sowas in dieser Richtung:

Alles vielleicht noch ein bisschen aufwändiger gezeichnet als damals, aber nicht zu schnickschnackig. Und es braucht lange, ausgefeilte Geschichten mit vernünftiger Sprache. Und Gustav Gans darf nicht vorkommen.

Das Ganze erscheint in fetten Paperbacks mit sammlertauglicher Ausstattung zu, sagen wir, 19.99 Euro das Stück. Mit optionalem Schuber. Ich rechne mit tumultartigen Szenen an den Bücherläden, wo sich halbglatzige mittelalte Männer um signierte Ausgaben prügeln. Und mit seitenlangen Rezensionen quer durch die deutschen Feuilletons, die ja bekanntlich auch von halbglatzigen mittelalten Männern bestückt werden. An die späteren Bände lässt man dann Promi-Autoren wie Gaiman, Ennis oder Carey, es folgen Crossover, Kinofilme, eine Kunstbewegung. Am Ende ist Donald verdientermaßen wieder so groß wie Spider-Man. Achwas, größer.

Das funktioniert bestimmt. Ich würd’s kaufen.

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Warum ich so selten abwasche

19. März 2010 · 12 comments

[Zeichnung: Alichemy * Ausrede: Herr Kaliban]

Es ist einer dieser Texte, die ganz harmlos beginnen, mit einer schlichten Beobachtung, und dann irgendwie abdrehen. Ahem.

Nahezu jeden Morgen, wenn ich in der Autoschlange auf der Max-Joseph-Brücke einraste, steht ein paar Meter weiter auf der Geradeausspur ein weißer Lieferwagen mit der bedeutsamen Aufschrift:

Pogorausch Pralles Pils

Fühle mich irgendwie angesprochen, weiß aber nicht, was ich davon halten soll. Ist vielleicht eine unabhängige Biermarke, die von fünf alten Punks betrieben wird, die die alten Ideale hochhalten und nicht dieses ganze Kapitalistenbier aus den Bonzenbrauereien saufen mögen. Oder auch was ganz anderes. Müsste das mal googeln, kann mich aber nicht aufraffen. Obwohl, man sollte vielleicht nicht immer “googeln” sagen, wenn man “suchmaschinieren” meint, wer “googeln” sagt, kann sich hinterher, wenn Google die Weltherrschaft übernommen und Atombomben auf China geworfen hat, nicht mehr rausreden, er habe das alles nicht gewollt. Ich könnte vielleicht mal “bingen” sagen und damit den sympathischen Außenseiter Microsoft unterstützen. Ist aber natürlich hoffnungslos, denn wenn ich das so lese, wird mir klar, dass sich “bingen” niemals durchsetzen wird: Doofe Leute vermuten darin bestimmt irgendeine Art von sexueller Aktivität, und gebildete Leute müssen immer an die Heilige Sirene Hildegard von Bingen denken, was niemandem recht sein kann. Man muss doch auch mal an die gebildeten Leute denken, die haben’s auch nicht leicht dieser Tage und in diesem Land, wo normale Menschen Mario Barth für einen witzigen Typen halten. Wobei es sich gebildete Leute natürlich auch selber nicht leicht machen, nehmen wir mich als Beispiel, ich halte es in klassischer intellektueller Selbstüberschätzung für eine gute Idee mit meiner gerade zweijährigen Tochter auch mal komplexere Angelegenheiten zu erörtern anstatt wie so viele andere Eltern über Wauwaus, Winkewinke, die Heia und Schnappischnappi zu sprechen. Was habe ich davon? Das Kind redet wie ein Wasserfall, auch mit leblosen Gegenständen: “Musst nicht weinen, kleine Milch. Wird wieder gut. Ich tröste.” singsangt sie zuweilen, während sie ein Milchtetrapack durch die Wohnung trägt. Bizarr, wie da im Hirn offenbar zwei Programme durcheinander laufen.

Aber was soll’s es reden ja viele Leute mit Objekten, die nicht antworten: mit Computern, Goldfischen, verstockten Ehemännern und ihren Briefmarkensammlungen. Gibt es eigenlich überhaupt noch Leute, die Briefmarken sammeln? Das hat so was 50er Jahre-haftes, da muss ich immer an verschrobene hagere alte Männer denken, die mit riesigen Lupen bewaffnet in staubigen Läden stehen und auf Kundschaft warten. Aber da die Deutschen, anders als andere Völker zum überwiegenden Teil nicht aus Wegwerfern (wie mir) sondern Behaltern bestehen, stirbt dieses absurde Hobby sicher nicht aus. Wobei mir einfällt, dass ich bestimmt endlich reich würde, wenn es mir gelänge, endlich ein Produkt zu entwickeln, das Behalter anspricht, denn Produkte, die man denen verkauft, müssen ja nicht einmal funktionieren — der Behalter will sie ja eh nicht verwenden, nur aufheben, lagern, katalogisieren und verwalten. Wenn ich, sagen wir, die von mir letztes Jahr erfundene Good Old Game Boxtm endlich auf den Markt brächte, würde es reichen, an Behalter einfach ein leeres Gehäuse zu verschicken und gelassen die zwei Jahre Garantiezeit abzuwarten. Manche Leute kaufen nämlich, und das ist wahr, genauso gerne das Versprechen wie das Ding selber. Sehe das an mir selber: Die Putzfrau, die wir beschäftigen, funktioniert hauptsächlich als Drohung — in unserer Panik, von ihr als schmutzende Schlunzfamilie enttarnt zu werden, räumen wir vor ihrem Besuch gründlich auf und lassen sie dann nur Kleinigkeiten machen, “Ach, heute gibt’s nicht viel zu tun, weißt du”. Es wäre sinnvoller, wir zahlten ihr die Hälfte zahlen und sie käme nur halb so oft, würde uns aber im Dunkeln lassen, welche Termine sie auslässt und an welchen sie erscheint. Das Resultat wäre ungefähr gleich. Vielleicht sollte ich eine unzuverlässige Putzfrauenagentur gründen, das wäre noch eine Marktlücke.

Oder gibt’s sowas schon? Muss ich mal bingen googeln suchmaschinieren.

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Ich kann da auch nichts für

11. Februar 2010 · 18 comments

Ein kurzer Beitrag, in welchem dem Autor verstörende Tendenzen zeigt.

Gestern, Nordschwabing, 18:57. Ich gehe durch die dunklen, schneeverwehten Straßen vom Büro zur U-Bahn. Der Zufallsgenerator im iPod wählt als nächstes Lied etwas Beschwingtes, mit Country-Einschlag. Selbstvergessen wippe ich mit, den Oberkörper rhythmisch bewegend. Bis mir auffällt, dass ich dabei — in meiner dicken Winterjacke, mit der spitzen Kapuze auf dem Kopf — aussehen muss wie ein betrunkener Zwerg aus Schneewittchens Gefolgschaft. Ich halte inne und schaue mich um, ob jemand meine kleine Albernheit bemerkt hat. Heutzutage weiß man ja nie, ob man nicht gerade von touristischen Handykameras oder chinesischen Satelliten gefilmt wird. Auf der Straße ist wenig los, aber ein paar Schritte hinter mir kommen zwei, drei kleinere Praktikanten. Sie marschieren an mir vorbei, den Blick fest auf den Boden geheftet. Ich weiß nicht, ob sie etwas bemerkt haben, aber das ist jetzt auch egal: Ich ziehe das M-15 Vindicator Sturmgewehr* und feuere ein paar kurze Stöße. Sie fallen um wie Geth. Jetzt fällt mir auf, dass drüben auf der anderen Straßenseite jemand aus dem Fenster schaut, ein Zeuge — ich wechsele zum Präzisionsgewehr M-97b Viper. Tschack! Ich krame nach der Infernogranate, aber es ist kein Ziel mehr in Sicht. Okay. 75 “Renegade”-Punkte. Ich gehe weiter zur U-Bahn.

Hm. Äh.

Vielleicht spiele ich zu viel Mass Effect 2.

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The Horror, the horror

18. August 2009 · 9 comments

Kürzlich hatte ich einen wilden Horrortraum, in dem mich ein Killer ausdauernd durch ein verlassenes Haus jagte. Mit all diesen Sachen, die man aus Filmen so kennt: verlassene Korridore mit schlechter Beleuchtung, merkwürdige Geräusche aus dem Nebenraum, unversehens verschlossene Türen et cetera. Gab schließlich ein großes Finale auf dem Dach, das offenbar so schlimm war, dass ich erschreckt aufwachte und eine halbe Stunde lang Angst vor’m Wiedereinschlafen hatte.

Mit ein bisschen Abstand fällt mir auf: Der Mörder trug das Gesicht meines Zahnarztes.

Und da sag’ noch einer, “Killerspiele” und Horrorvideos seien gefährlich für zarte Seelen — bei mir ist es allemal die reale Welt, mit der mein Hirn Schwierigkeiten hat.

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Urlaubsnachgedanken

9. August 2009 · 10 comments

## Mal ehrlich, irgendwie war’s doch auch schön, dass man früher kurz vor Urlaubsende die Taschen voller Francs, Lire, Kronen oder sonstwelchen Weichwährungen hatte. Da derlei Devisen ja bis zum nächsten Urlaub (und weiß man überhaupt, ob man da nochmal hinfährt?) möglicherweise schlecht werden, hat man sich kurzerhand in einen sinnlosen Einkaufswahn gesteigert und das letzte Geld verfressen, verzockt, verdummt oder verschenkt. Wieder ein Vergnügen, um das uns die EU betrogen hat. ##

## Mann-o-mann, da fahre ich den ganzen Urlaub lang EXTRA VORBILDLICH, halte an jedem Zebrastreifen, winke Abbieger vor mir rein, überschreite die Höchstgeschwindigkeit nicht und parke da wo ich soll. Und dann fällt mir auf/ein, dass ich damit ja gar nicht zum Ruhm meines Vaterlandes beitrage, weil ich ja in einem Mietwagen mit französischem Kennzeichen sitze und auf den ersten Blick nicht als Deutscher zu erkennen bin. Fuck. Da hätte ich ja auch, unter dem Schutz der ausländischen Scheinidentität, GENAUSO WILDSAUIG fahren können wie die Franzosen. ##

## Le Babelfish:

Spelling #FAIL bei einem frz. Geldautomaten

Spelling #FAIL bei einem frz. Geldautomaten

[Für Stammleser: Die Sonntagslinks fallen aus. Kommen morgen. Heißen dann Montagslinks, ausnahmsweise.]

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Das Kaufen von Sachen

8. Juli 2009 · 8 comments

Irgendwann schreibe ich mal ein Buch darüber, wie Kaufentscheidungen fallen. Ich meine, okay, vermutlich gibt’s da schon Bücher drüber, aber die sind bestimmt von Amerikanern und deswegen für normale Menschen Verschwendung, weil die Amerikaner in ihren Sachbüchern immer auf zwei Seiten ihre coole These erklären und die restlichen 198 Seiten mit launigen Betrachtungen und beidbeinig hinkenden Vergleichen füllen. So. Oder auch so. Vielleicht sollte ich also statt des Kaufentscheidungsbuchs lieber eine Art Meta-Werk schreiben, sowas wie:

100 populäre amerikanische Sachbücher mit brauchbaren Thesen.
Zusammengefasst auf 200 Seiten.
Herausgegeben vom Verband der Anonymen Ungeduldigen.

Aber ich schweife ab, das mit dem Buch zur Kaufentscheidung fiel mir ein, weil ich gerade diesen Prozess so deutlich an mir selber beobachtet habe. Irgendwie ist die Kaufentscheidung wie eine Hürde — diese liegt je niedrig oder hoch, je nach Preis, Entfernung bis zum Kaufort, Leichtigkeit des Kaufvorgangs et cetera. Das ist die Hindernisseite. Über diese Hürde kommt man mit Treppenstufen, sozusagen die Motivationsseite. Treppenstufen lassen sich aus allem Möglichen bilden — Geld, das einem ein Loch in die Tasche brennt, sensationelle Testwertungen, Image des Herstellers, Zufriedenheit mit dem Vorgängerprodukt und so weiter. Ich persönlich funktioniere ziemlich über Empfehlungen von echten und falschen Freunden. Meine Entscheidung für Staffel 1 von Doctor Who (Who?) fiel zum Beispiel so: Stufe 1 war meine Neigung zu Scifi, Stufe 2 die Empfehlung von Frau S., Stufe 3 der Hinweis von Herrn M., dass Steven Moffat, der Autor der großartigen Serie Coupling auch bei Doctor Who mitgeschrieben habe, Stufe 4 schließlich war, naja, die Bereitschaft von Frau S., mir die Staffel zu borgen. Beim Buch White Tiger (grandios!), das nur ein paar Euro kostet, lag die Hürde niedrig — da reichten zwei flache Stufen: 1. die Empfehlung von Kollege Chris, 2. die von Kollege Heiko. Schnell gekauft, nicht bereut.

So. Und jetzt paraphrasiere ich das Bild von den Hürden und Stufen noch ein paar tausend Zeichen lang, dann kommen zahllose schwurbelige Beispiele und historische Referenzen, dann gebe ich mich als Amerikaner aus und fertig ist der Bestseller.

Ich bin praktisch schon reich.

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www.ichdepptube.de

7. Juli 2009 · 6 comments

Spontane Irrsinnsidee: Die Welt braucht eine Video-Webseite namens, sagen wir, “dutube” oder besser “ichtube” oder nochbesser ichdepptube.de, auf der man all die Videos einstellen kann, die man versehentlich aufgenommen hat, weil man zu blöd war, beim Rädchen der Kamera vom Video-Aufnahme-Symbölchen auf das Bilder-Knipps-Symbölchen zu drehen. All die 5-Sekünder mit Menschen, die sich in verkrampfte Posen werfen, sich aufblasen, die allzu konzentriert in die Linse lächeln. All die Hochkant-Kurzfilmchen von unbeweglichen Sehenswürdigkeiten, all das Sinnlose, das Unfertige, das kontemplativ Öde.

Ja, so eine Webseite bräuchte die Welt.

Erstaunlicherweise ist die Domain ichtube.de sogar noch frei. Und dudepptube.de auch. Und sogar youfooltube.com, obwohl das doch nun wirklich ein logischer Domainname für eine Videoseite wäre.