Servicesahara

Kabelgau

by Gunnar on 23. März 2013 · 23 comments

Herr Kaliban rauscht kurz vor Ladenschluss in einen Elektronikmarkt. Als er nach 30 Sekunden das Gesuchte nicht findet, reißt ihm der Geduldsfaden — er spricht einen Verkäufer an.

Herr Kaliban: Wo sind denn hier die verd…, äh, die HDMI-Kabel?
Verkäufer: Ah, kommen Sie mit, wir haben hier die hochwertigen Kabel von Oelbach, beste Qualität. Fangen so bei 30 Euro an.
Herr Kaliban: (zuckt zusammen)
Verkäufer: Ja?
Herr Kaliban: Nun, was können die denn so?
Verkäufer: Hier das Carb Connect hat 3D-Unterstützung, vollvergoldete Stecker und Carbon-Inlays. Vollkommen verlustfreie Übertragung, kostet nur 79,90. Preis-Leistungs-Hammer!
Herr Kaliban: Ah ja, das ist günstig. Aber ich brauche das für mein Apple TV. Da würde ich eigentlich eher nicht gerne so billige Drittanbieterware kaufen. Gibt’s da nicht was von Apple selber?
Verkäufer: (guckt Herrn Kaliban an wie ein widerliches Insekt) Uh, nun, vielleicht oben in d…
Herr Kaliban: Haha, nein, war nur Spaß. Geben Sie mir das billigste, was Sie im Haus haben.
Verkäufer: (guckt Herrn Kaliban an wie ein besonders widerliches Insekt)
Herr Kaliban: Danke, ich seh’s schon. (nimmt ein Kabel von ganz unten im Regal) Tschö.

Vollvergoldete Stecker, my ass. Ist natürlich gemein, den Verkäufer zu ärgern, aber Leute, die mir 70-Euro-Kabel aufschwatzen wollen, versenken sich instanter die ersten fünf Sympathiepunkte. Musste dann fürs allerbilligste Kabel immer noch 13 Euro hinlegen, auch noch knapp das Doppelte von dem, was ich zahlen wollte.

Die deutsche Bahn

by Gunnar on 5. November 2012 · 13 comments

Ein Erlebnis von gestern:

Der ICE von Hamburg nach Zürich ist, was schon seit wenigstens einer Woche klar ist (nämlich seit keine Reservierungen mehr möglich sind) überbucht. Die Bahn warnt sogar in ihrer App vor dem großen Andrang.

In Hannover fällt’s dann auf und der Zugführer sagt durch, dass man jetzt nicht weiterfahren könne, weil zu viele Leute an Bord seien. Das kommt natürlich super an bei den Leuten, die alle gültige Tickets in der Tasche haben. Spontaner Beifall wird laut, einzelne Menschen holen ihre Gebetsteppiche heraus, um in Richtung der Bahn-Zentrale zu beten und die Fahrplanorganisatoren lobzupreisen. Die Durchsagen des Zugführers werden derweil zunehmend harscher, vor dem Zug zieht eine Kolonne uniformierter Kontrolleure auf.

Die Farce geht dann eine gute dreiviertel Stunde, irgendwann sind genug Leute entnervt, steigen aus, der Zug kann weiterfahren. Natürlich verpassen auch die Menschen mit gültigen Reservierungen ihre Anschlusszüge. Aber nun, Kollateralschäden.

Klingt jetzt gemein, aber ich will gar nicht die Bahn bashen, normalerweise bin ich ganz zufrieden (und fliegen ist eh noch schlimmer). Aber hey, ich verstehe das ganze Konzept nicht: Im französischen TGV kriegt man mit der Buchung einen Sitzplatz; ist alles schon voll, verkaufen sie einem einfach keine Fahrkarte. Die DB hingegen, die überbucht den Zug zu 40 Prozent und macht dann passiv-aggressive Durchsagen, dass man jetzt bitte “einsichtig sein” und aussteigen solle. Als wären die Fahrgäste schuld an der Misere. (Und das ist noch die nette Variante, Kollegen berichten auch Teilräumungen von überfüllten Zügen durch den BGS.) Entschuldigt hat sich auch erstmal keiner, das kam erst bei den nächsten Bahnhöfen, wo sie dann jedes Mal die Verspätung angeben mussten.

Ich bin wirklich kein Experte für Zugverkehr, aber das kann doch nur ein Organisationsproblem sein. Das muss doch vermeidbar sein.

War gar nicht schlimm.

by Gunnar on 26. Juli 2011 · 11 comments

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Herr Kaliban hat eine Oase in der Servicewüste gefunden.

Erstaunlicherweise wollten die Mitarbeiter von Gravis Karlsruhe das beschädigte Macbook nicht in die Zentrale schicken, sondern vor Ort prüfen und gegebenenfalls reparieren. Erstaunlicherweise war der Herr am Servicecenter bestechend freundlich und hatte massenhaft Zeit. Erstaunlicherweise meldeten sich die Mitarbeiter innert dreier Tage zwei Mal mit Updates zu den vermuteten Ursachen des Problems und den zu erwartenden Kosten. Erstaunlicherweise kam am dritten Tag dann die endgültige Ansage pünktlich. Erstaunlicherweise hatten die Herren festgestellt, dass sich das Gerät beim Auseinandernehmen und Zusammensetzen zwecks Fehlersuche selber repariert hat, weshalb sie nicht mal versuchten, mir einen kostspieligen Bauteileaustausch anzudienen.

So konnte ich nach ein paar Tagen freudestrahlend und ohne große Kosten meinen Mac wieder mitnehmen.

Sensationell. Ich hatte vermutet, dass bei Apple-Geräten bereits bei Kratzern am Innengehäuse standardmäßig Komplettverschrottung und Neukauf vorgenommen werden müssen.

Spiele, Raubkopien und Porno

by Gunnar on 20. Oktober 2010 · 25 comments

Herr Kaliban regt sich mal wieder sinnlos auf. Und erhält einen Einblick in die fremde Welt der Web-Filter.

Neulich, da verbrachte ich einen freien Tag mit dem Macbook im Café des Hugendubel. Der Hugendubel hat, netterweise, für seine Kunden ein kostenloses, anmeldefreies WLAN aufgestellt. Und er hat, praktischerweise, Kunden, die das nicht zu schätzen wissen, weshalb ich in der Regel der einzige WLAN-Nutzer im Café bin.

Unpraktischerweise möchte die Firma Hugendubel nicht, dass mit ihrem WLAN, das vermutlich auch die Mitarbeiter nutzen, Schindluder getrieben wird. Daher haben sie bei der Firma Bluecoat einen Filter eingekauft, der eine Reihe von Seiten sperrt, vornehmlich Porno, Filesharing und ähnliche Unappetitlichkeiten, aber auch Online-Games. Ist natürlich nicht so schlimm, man braucht derlei Dinge in respektablen Buchläden ja auch nicht zu betreiben. Als Affront empfand ich es allerdings, dass die Firma Bluecoat alle redaktionellen Seiten zum Thema Videospiele gleich mit in den Games-Filter gepackt hat — GameStar.de war also nicht zugänglich, ebensowenig die bucklige Konkurrenz. Jörg Langers Projekt Gamersglobal war gleich gar wegen Spielen UND Pr0n-Verdacht verboten:

Da ich eigentlich Wichtigeres zu tun hatte, begannen natürlich gleich die Synapsen im Prokrastinationsareal meines Hirns wild zu feuern, und ich verfasste eine Beschwerdemail an Bluecoat. Folgender Dialog entfaltete sich:

Ich: GameStar.de ist eine renommierte, mehrfach ausgezeichnete Nachrichtenseite mit dem Thema Computerspiele, aber auch anderen Themen. Spiele kann dort nicht spielen. Bitte klassifizieren Sie die Seite neu.

Blue Coat: Vielen Dank, dass Sie http://www.gamestar.de/ an das Blue Coat WebFilter Team zur Beurteilung eingereicht haben. Wir freuen uns über die Gelegenheit, Ihnen das Ergebnis unserer Bewertung zur Verfügung zu stellen. Nach sorgfältiger Prüfung des eingereichten Webinhaltes hat ein Webinhalts-Analyst die Einstufung dieser URL beibehalten als Spiele.

Ich: This is nonsense. Similar information can be obtained from the game-sections of mainstream news-sites ( http://www.spiegel.de/netzwelt/games/ is unblocked). It’s understandable that your clients want online-games blocked, but putting journalistic sources into the same category is biased.

Blue Coat: Thanks for bringing the lack of uniformity to our attention. I’ve seen to it that http://www.spiegel.de/netzwelt/games/ is now classified as GAMES. Please contact your admin if you want to access GAMES-sites.

Ich: I encountered your system while surfing an open hotspot in a bookstore. Therefore I have no admin to turn to. And that’s the problem: While I believe that it is clever for a hotspot owner to ban downloads and online games, it’s not really in his best interest (and that of his customers) to ban harmless news sites because of topic.

Blue Coat: On that we can agree. Being an avid gamer myself I understand bandwidth concerns versus simple dissemination of gaming news/reviews, etc. I sit on the category committee that is weighing the value of rating such content differently. With your permission I would like to present your email as evidence of why such an action is warranted.

Ich: Please do so.

Seufz. Halbe Stunde verschwendet und alles, was ich erreicht habe, ist dass eine Subseite von Spiegel.de auch noch geblockt wird. Naja, vielleicht kommt das “category committee” ja noch zur Einsicht.

Dass es so enden musste…

by Gunnar on 5. Januar 2010 · 23 comments

Eine kurze Ereiferung, in welcher der Autor in eindringlicher Weise beschreibt, wie traumatisch es für ihn war, seinen Account bei Xbox Live zu kündigen.

xbox_live_originalDie Xbox 360 und ich, wir stehen grundsätzlich auf gutem Fuß. Ich verwende sie dieser Tage als primäre Spieleplattform und gucke sogar DVDs mit ihr, seit mein DVD-Player in den Siebten Kreis der Maschinenhölle hinabgestiegen ist, diese spezielle Hölle für Geräte, die kurz nach der Garantiezeit kaputtgehen. Und das großartige Xbox Live nutze ich gefühlt seit Anbeginn aller Zeit. Mit Abo und automatischer Abbuchung. Nun aber, in der Besinnlichkeit des Jahreswechsels, fiel mir in der Rückschau ein, dass ich 2009 eigentlich gar nicht mehr auf Xbox Live Multiplayer betrieben habe. Und auch sonst keine der Funktionen in Anspruch genommen habe, welche die kostenlose “Silber”-Variante von der elitären “Gold”-Version unterscheiden.

Naja, dachte ich mir, da kann ich ja einfach mal 60 Euro sparen und den kostenpflichtigen Account kündigen oder herabstufen oder sowas. Die entsprechende Funktion suchte ich, der schlichten Logik des Konsumenten folgend, innerhalb von Xbox Live, in den Einstellungen für meine Mitgliedschaft. Dort z.B., wo man auch das Gegenteil tun kann, nämlich das Abo verlängern. Wie dumm von mir. Das wäre ja zu einfach. Natürlich kann man einen so folgenschweren Schritt ausschließlich vermittels eines Anrufs bei der Hotline durchführen. Da meine Erfahrungen mit Hotlines im Allgemeinen nicht so sind, dass ich mich dieser Tortur freiwillig aussetzen möchte (und andere Leute speziell mit der Microsoft-Hotline so ihre Erlebnisse hatten), suchte ich nach einer alternativen Möglichkeit.

Microsoft selber gibt auf xbox.com den Link www.xbox.com/live/accounts an, hinter dem sich angeblich Informationen verbergen sollen. Der führt aber erstmal zur Login-Schranke. (Anmerkung: Ich wechsele an dieser Stelle meiner Erzählung aus dramaturgischen Gründen aus dem Präteritum ins Präsens.) Grmpf. Wo sind meine Daten nochmal, die habe ich seit Jahren nicht benutzt? Ah, hier, eingegeben, weiter. Nun bin ich auf meiner “Kontozusammenfassung”. kontozusammenfassungNichts Spektakuläres hier zu sehen. Ich nutze mal besser die Site-Suche. Keine brauchbaren Informationen. Gar keine. Wie kann das sein*? Ich gehe zurück zum Konto und mit der bewährten Sherlock Holmes-Methode (“Wenn man alles Unmögliche ausschließt, muss das, was übrig bleibt, und sei es auch noch so unwahrscheinlich, die Wahrheit sein”) schaffe ich es, herauszufinden, dass sich das Gesuchte unter dem Tarnnamen “Mitgliedschaftsstufe” verbergen muss. Aha. Doch auch hier kann ich eigentlich nur wählen, ob ich meine Gold-Mitgliedschaft monatlich, jährlich oder quartalsweise zahlen möchte. Nichts zu sehen von Kündigung, Downgrade oder… halt!… wenn man genau hinschaut, sieht man, dass in der Zeile “Automatische Verlängerung: EIN” das Wort “EIN” verlinkt ist. Das muss es sein.

Ich zittere ein wenig vor Aufregung, als ich klicke. Es folgt ein kleiner Text der Machart “Wir opfern morgen Satan vier Kätzchen, weil Sie uns mit dieser Kündigung dazu gezwungen haben” und ein paar Reihen Bildchen mit Xbox Live-Werbung. Ist es getan? Ich klicke sicherheitshalber ein bisschen herum. Hm. Wenn ich zurück in die “Zusammenfassung” gehe, wird mir immer noch “Automatische Verlängerung: EIN” angezeigt. Ich wiederhole den Vorgang. Und nochmal. Nichts. Das “EIN” ist immun. Ich laufe ein wenig im Kreis, schreie ein bisschen vom Balkon in den Innenhof, nehme zwei Herztabletten. Dann probiere ich es nochmal. Diesmal fällt mir auf, dass sich unter der Werbung, rechts, am Ende der Seite, ein kleiner, blasser, durch nichts hervorgehobener Button an den Rand duckt. “Weiter” steht darauf. Ah, ich war noch nicht fertig mit dem Ausschalten der Verlängerung. Ich klicke auf “Weiter”. Es kommt eine Seite, die mir weitere Vorzüge von Xbox Live darbietet. In bunten Bildern. Ich klicke auf “Weiter”. Es kommt eine Seite, die mir weitere Vorzüge von Xbox Live darbietet. In bunten Bildern. Ich klicke auf “Weiter”. Es kommt eine Seite, die mir weitere Vorzüge von Xbox Live darbietet. In bunten Bildern. Ich klicke auf “Weiter”. Auf Seite 4 schließlich entlässt mich der gnadenlose Microsoft-Vertrieb aus seinen Klauen und bestätigt, dass meine “Gold”-Mitgliedschaft enden wird, nicht jetzt, aber in wenigen Monaten, wenn mein im Voraus gezahltes Geld aufgebraucht ist.

Kann ich auch sofort aufhören, den Service zu nutzen und mein Geld zurückbekommen? Wie, sagen wir, bei einem Zeitschriftenabo?

Das HTML schweigt.

Im Nachgang schickt mir Microsoft dann noch eine surreale Mail, in einer Sprache, die so ähnlich wie Deutsch klingt:

Sehr geehrte(r) Herr Kaliban, Ihr Abonnement für Xbox Live 12-monatige Gold-Mitgliedschaft läuft am Donnerstag, 8. April 2010 ab. Um eine mögliche Unterbrechung Ihres Abonnementdiensts zu vermeiden, erneuern Sie bitte Ihr Abonnement bis zum Donnerstag, 8. April 2010. Um eure Xbox LIVE-Mitgliedschaft zu verlängern, stattet ihr der Webseite www.xbox.com/extendmembership einen Besuch ab und folgt den Anweisungen. […]
Falls Sie Ihr Abonnement bereits verlängert haben, möchten wir uns hierfür bei Ihnen bedanken.
Vielen Dank, dass Sie sich für Microsoft Online Services entschieden haben.
Xbox LIVE-Team

Huh? Habe ich mich nicht eben mit voller Absicht GEGEN die Verlängerung dieses Services entschieden? Und was denn nun, “Du” oder “Sie”? Der verwirrte Verfasser vermutet offenbar, ich hätte meine Mitgliedschaft wohl versehentlich gekündigt. Logisch eigentlich, Microsoft kann ja, bei all den Steinen, die sie einem in den Weg legen, nicht annehmen, es sei mir gelungen, absichtlich zu kündigen. *Seufz*

Liebe Damen und Herren aus Redmond und Unterschleißheim, so wird nichts mit der Weltherrschaft. Wer will, dass der Kunde ihn achtet und auf Meinungsäußerungen qua länglicher, von negativen Schwingungen durchzogener Blogeinträge verzichtet, der muss auf seine Systemchen ein klitzekleines bisschen Liebetm draufstreuen. Anders geht das nicht mehr, heutzutage, in der facebookisierten Weitertratschgesellschaft.

* Ist ja klar, Microsoft verwendet in der eigenen Sprache das Wort “Kündigung” nicht, sondern spricht immer nur von der “Nichtverlängerung der Mitgliedschaft”. Da kann die Suche ja nichts finden.

Herr Kaliban gegen das Möbelhaus

by Gunnar on 24. September 2009 · 20 comments

Ich habe neulich meine Kontoverbindung gewechselt, immer noch eines der großen Abenteuer des modernen Lebens. Von den gut 30 Firmen, die über Einzugsermächtigungen Zugriff auf mein Konto haben, vergaß ich zwei zu benachrichtigen, weil ich von ihnen nur selten Rechnungen bekomme.

Firma 1, ein Hamburger Verlag, versuchte, die Abogebühr für ein Nachrichtenmagazin einzuziehen, scheiterte, weil das betreffende Konto aufgelöst ist und schrieb mir diesbezüglich einen freundlichen Brief, in welchem um meine neue Kontoverbindung gebeten wurde. Man bedaure, aber man müsse mir wegen der entstandenen Kosten leider 3,50 Euro Gebühr berechnen.

Firma 2, ein, uh, skandinavisches Möbelhaus mit vier Buchstaben, versuchte, die Bezahlung für einen Kleineinkauf einzuziehen, scheiterte, weil das betreffende Konto aufgelöst ist und schrieb mir diesbezüglich einen freundlichen Brief, in welchem um meine neue Kontoverbindung gebeten wurde. Man bedaure, aber man müsse mir wegen der entstandenen Kosten leider 35,- Euro Gebühr berechnen.

Äh, WTF? Einmal kostet das 3,50, einmal 35 Euro? Spinn’ ich?

Ich neige nun gegenüber Firmen und Behörden, die mich verscheißern wollen, zum Jähzorn und entwickle in solchen Fällen einen brennenden Ehrgeiz. Ich schrieb dann folgenden Brief:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich fordere Sie auf, mir kurz und formlos zu erklären, warum mein am 15.7.2009 um 20:13 an die Faxnummer xxxxxxxx versandtes Schreiben, das meine neuen Kontodaten und die Bitte um Aktualisierung enthielt, offenkundig nicht bearbeitet wurde, sodass es zu dem unnötigen Versuch einer Abbuchung von meinem erloschenen Konto kam.

Unabhängig von der Klärung der eingangs gestellten Frage bezüglich meines Faxes, weise ich Sie in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Sie laut Entscheid vom LG Dortmund, 25.5.07, AZ 8 O 55/06 keine pauschalisierten Personalkosten berechnen, sondern nur real entstandene Kosten weiter geben dürfen. Ich setze Ihnen hiermit eine Frist bis zum 31.8.2009, um entweder die Ihnen entstandenen Kosten zu dokumentieren oder die Gebühr neu festzusetzen.

Der guten Ordnung halber möchte ich zuletzt noch anmerken, dass mich Ihr Schreiben am 12.8.2009 erreicht hat, Sie aber eine Antwortfrist bis zum 15.8 setzen — abzüglich des zu kalkulierenden Postlaufs für die Antwort und angesichts der Tatsache, dass Arbeitnehmer gemeinhin erst abends Gelegenheit haben, ihre Briefpost zu kontrollieren, ist das eine Frist von zwei Werktagen. Das ist nach aktueller Rechtssprechung nicht illegal, aber deutlich unangemessen. Ich empfehle Ihnen, im Sinne der Kundenfreundlichkeit und des Images der Firma xxxx, in deren Auftrag Sie handeln, Ihre Politik in dieser Sache zu überdenken.

Mit freundlichem Gruße,

Gunnar L., Journalist

Das erste, das mit dem Fax, das war natürlich ein Bluff — aber hey, sollen die Spacken doch ruhig mal bei sich suchen. Das zitierte Gerichtsurteil ist aber korrekt, die übliche Politik, bei fehlgeschlagenen Lastschriften Fantasiegebühren anzusetzen, dürfte vor Gericht keinen Bestand haben. Außerdem enthält das Schreiben die üblichen Sachen, um Firmen zu ärgern — eine Fristsetzung, eine Aufforderung zur Dokumentation von entstandenen Kosten sowie das drohende Wort “Journalist” neben der Signatur. So.

Innerhalb der Frist kam die Antwort, dass man auf die komplette Forderung verzichte, weil ich ein “guter und langjähriger Kunde” sei.

Aha.

Keine Oase in der Servicesahara

by Gunnar on 17. Juni 2009 · 15 comments

Ich hatte diesen Zahnarzt (nennen wir ihn Nr. 1), der war ganz nett. Aber zu allen komplizierteren Sachen hat er mich überwiesen, nicht an einen Spezialisten, sondern an einen anderen Zahnarzt. Das kam mir spanisch vor. Als ich für eine, uh, interessantere Herausforderung einen Behandlungsplan wollte, hat er mir den versprochen, mich dann aber immer wieder vertröstet. Da mich Dienstleister irritieren, die mein Geld nicht wollen, habe ich den Zahnarzt daraufhin gewechselt.

Nr. 2 war ein ganz anderes Kaliber — klar, Herr Lott, sicher Herr Lott, zackzack, Herr Lott, das kriegen wir hin Herr Lott, hier (wusch!) ist der Behandlungsplan. Was hat Ihnen der andere Arzt gesagt, ach das ist Unsinn, der Fall liegt ganz anders. Klang super. Doch als dann die Behandlung losgehen sollte, war er telefonisch nicht mehr zu erreichen.

Zwei Wochen später meldete sich unter der Nummer eine ganz andere Zahnärztin, Nr. 3 nämlich. Die war jung und nett, erzählte mir, naja, mein Vorgänger ist in sein Heimatland zurückgegangen, ich führe jetzt die Praxis, überhaupt ist die Planung des Herrn nicht sehr gut, ich mache das so und so und so, das ist viel moderner und hier (wusch!) ist der Behandlungsplan. Puh. Okay. Alles super. Dann trat jedoch das unwesentliche Problemchen auf, dass die Krankenkasse gegen den Behandlungsplan (und die dazugehörigen Kostenaufstellungen) in Gift und Galle spuckte. Brief an die Kasse, Brief von der Kasse, Brief an die Kasse, Brief von der Kasse. Vor allem wurde der überhöhte Behandlungssatz beanstandet. Die Ärztin zog alle Register, die Kasse blieb stur. Schließlich legte mir die Dame nahe, die Behandlung doch schon mal ohne Kassenzusage zu beginnen, das machen wir in kleinen Schritten, das merken die gar nicht und notfalls können Sie immer noch gegen die Kasse klagen. An der Stelle wurde mir die Sache zu surreal und ich floh aus dem Behandlungszimmer.

Auf zu Nr. 4, einem Arzt in einer Art Zahnklinik. Der ließ mich eine halbe Stunde trotz Termin warten, wischte meine Beschwerde mit Schnickschnack, halbe Stunde geht doch noch vom Tisch, begann die Behandlung (kleine Sache nur), unterbrach sie, um sich mit den Instrumenten in meinem Mund nebenbei Gebissmodelle von einer Assistentin zur Begutachtung vorlegen zu lassen, machte weiter und schoss zuletzt den Vogel ab, indem er meine Frage, ob ich das mitgebrachte Röntgenbild dalassen solle (für weitere Behandlungen) mit den Worten nein, wir haben hier so viele, das kommt bei uns bloß weg ablehnte. Ich ging dann trotzdem noch zum nächsten Termin, wartete eine halbe Stunde ohne dass Notiz von mir genommen wurde, verlor die Lust und hakte auch Nr. 4 ab. Die Sache hatte dann noch ein klitzekleines Nachspiel, weil mir in der Rechnung absurde Sachen wie “besonders aufwändige Beratung” und ein paar andere, mit der nackten Realität unvereinbare Dinge aufgelistet wurde. Ich rief in der Praxis an und wurde von der zuständigen Dame mit dem Argument nein, nein, wenn das im System steht, müssen Sie das zahlen, dann stimmt das so abgeschmettert. Ich wandte ein, mich an die letzten dürren Fäden meiner psychischen Reststabilität klammernd, dass da ja wohl die Möglichkeit für Fehler bestünde und erklärte, dass ich die Rechnung um die falsch berechneten Punkte mindern würde. Die Dame wieder, diesmal schriller: Aber es steht im SYSTEEEM!!! Das DÜRFEEEN Sie nicht!!! Ich hängte ein. Dann versuchte ich es mit einem bösartigen Fax an den Chefarzt, drohte mit Anwalt, Angriffskrieg sowie Beschwerde bei Ärztekammer, Krankenkasse und NATO. Daraufhin erließ man mir, schuldbewusst oder entnervt, gleich die gesamte Rechnung. Naja. Immerhin.

Dann zu Nr. 5. Der wirkt ganz nett, aber ist da nicht so ein geldgieriger Zug in seinem Gesicht? Ein teuflisches Funkeln in seinem Auge? Fallen nur die Haare merkwürdig oder sind das Hörner da auf seinem Kopf?

Meine Freunde, die Kundenhasser

by Gunnar on 17. Oktober 2008 · 5 comments

Irgendwann, irgendwann mache ich mal eine Liste von all diesen Firmen, bei denen man mit ein paar Klicks und der Eingabe der Kontonummer Domains, Telefonanschlüsse, Abos und Sklaven kaufen kann, die bei kundenseitiger Kündigung aber auf einem speziellen, mit goldener Tinte unterschriebenen Formular bestehen, das zudem an einem ungeraden Tag per reitendem Boten an die Zweigstelle in Singapur zugestellt werden muss.

Und dann kaufe ich Bombenzutaten beim Amokkillerspieler-Versandhandel und sprenge die ganzen Firmensitze in alphabetischer Reihenfolge in die Luft, nur so aus Prinzip.

Dieser Schalter in meinem Hirn

by Gunnar on 10. Februar 2008 · 24 comments

rage!

Früher, als 18jähriger, wachte ich immer mit einem erigierten Mittelfinger auf, sagte der immer noch zornige Henry Rollins irgendwann mal.

Ich habe generell ein ähnliches Problem — schon Kleinigkeiten REGEN MICH AUF. Neulich musste mich die Liebe meines Lebens mit einem geübten Bodycheck niederringen, um zu verhindern, dass ich diesen rotznasigen Jüngling hinter der Infotheke eines schwedischen Möbelhauses hervorzerre und mit dem Kopf rhythmisch gegen das Sideboard Malm schlage, bevor ich ihm mit den Splittern des Bierglases Mjöd beide Ohren abschneide. Was mir möglicherweise ein lebenslanges Hausverbot eingebracht hätte. Ich hatte den Laden bereits mit pochender Halsschlagader betreten, weil wir ohnehin nur vor Ort waren, um nach einer Fehlberatung beim vorangegangenen Besuch irgendein Zubehörteil nachzukaufen. Dann unterbrach mich der Infotheken-Typ bereits nach dem ersten Halbsatz meiner Nachfrage, um sich für nicht zuständig zu erklären. Und da rastete dieser Schalter in meinem Hirn ein, der dieses bestimmte Programm aktiviert, dieses urzeitliche, das seinerzeit meine Vorfahren dazu befähigt hat, mit nichts als einem Steinspitzenspeer in den haarigen Händen Säbelzahntiger anzugreifen. Ich hingegen, Produkt von 500.000 Jahren Evolution, verschwende all das schöne Adrenalin im letztendlich relativ sinnlosen Verbellen von Repräsentanten der deutschen Servicewüste, missliebigen Vorgesetzten und gegnerischen Autofahrern. Schlimm. Ich werde noch als verbitterter alter Mann enden, der morgens mit Klemmbrett und Stift durch Ost-Haidhausen streift, um Falschparker aufzuschreiben.

Wenn es dann noch falschparkende Autos gibt, später, in den dunklen Jahren meiner Rentnerzeit, wo die fossilen Ressourcen endgültig zu Neige gegangen sind.

Aber ich schweife ab, ich versuche hier über meine Aggressionen zu sprechen, dieses mein Blog ist ja quasi meine persönliche Urschreitherapie. Wo wir gerade beim Schreien sind, schreien könnte ich übrigens die ganze Zeit, während ich dies schreibe, weil die Liebe meines Lebens nebenbei das Das perfekte Promi-Dinner anschaut. Ich gucke zwar nicht hin, höre aber die gewollt lockeren Dialoge von den widerlich arroganten Klasse-C-Schauspielern, die mir Hirnbluten verursachen, insbesondere die Absonderungen der offenbar steindummen, sich aber sehr hipcoollässigindie vorkommenden Verbotene Liebe-Darstellerin Claudia Hiersche, deren Namen ich nur deswegen hier gefettet vollständig hinschreibe, weil ich hoffe, dass sie, wie alle eitlen Menschen, sich regelmäßig selber googelt, diesen Text findet und sich wenigstens ein kleines bisschen ärgert.

Und zwischendurch kommt auch noch Werbung, in der eine berechnende Jungmutter ihrer hungrigen Kleinfamilie voller Stolz panierten Fabrikfraß ungewisser Herkunft anbietet, was die entmenschte Bande dazu treibt, sich noch die Finger abzulecken, vermutlich unwissend, dass sie mit dem soeben verzehrten Zeug einen ordentlichen Schritt in Richtung Fettsucht getan und nebenbei ihr Darmkrebsrisiko um den Faktor 2.7 erhöht hat. Und dann schaut die Jungmutter auch noch triumphierend in die Kamera, als verachte sie alle Küchenzeilenbesitzer, die ihren Angehörigen noch echte Nahrung zubereiten, was natürlich ein bisschen mehr Aufwand wäre als einfach ein paar abgepackte Portionen Essplastik in die Mikrowelle zu feuern und besagten Küchenzeilenbesitzern kostbare Fernsehguckzeit blockiert. Weiß gar nicht, was mich dabei mehr aufregt: die Frauenrolle, die Tonalität, die Stumpfheit der Botschaft oder der Fraß an sich. Es ging übrigens um einen Spot der Firma Alpenhain für ihre, uh, Back-Käse-Mahlzeiten (darunter die ekelhaft aussehenden Gourmet Frischkäse Amigos), die ich hier nur deswegen so akkurat und ordentlich gefettet erwähne, weil ich hoffe, dass das Marketing der Firma Alpenhain regelmäßig die eigenen Produkte googelt, diesen Text findet und sich schmerzlich und dramatisch falsch verstanden fühlt in seiner sorgfältig an Fokusgruppen perfektionierten Werbebotschaft.

Argh. Mein Blutdruck. Ich muss ruhiger werden. Aber wie? Die Welt ist voller schlimmer Missstände, ästhetischer Verbrechen, achtloser Menschen. Wenn ich das schon nicht ändern kann, muss ich mich wenigstens beklagen. Eingedenk der Warnung von Lars aus den Kommentaren möchte ich hinzufügen, dass ich bei Kindern und Tieren engelsgeduldig bin. Ich habe auch nicht diesen Ich-brauche-mein-Prozac-Ärger oder diesen Ich-bringe-euch-alle-um-Ärger, sondern diesen Hier-stimmt-was-nicht-Ärger oder den Das-hätte-ich-besser-machen-können-Ärger, der entsteht, wenn man an sich und andere halbwegs hohe Anforderungen stellt. Der macht das Leben nicht leichter, ist aber im Grunde keine schlechte Sache. Nur wer sich bewegt, fällt nicht um.

Neues aus der Service-Wüste

by Gunnar on 27. November 2007 · 12 comments

Neulich, da fiel mir auf, dass ich das Fitnessstudio schon eine Weile nicht mehr besucht hatte. Hatte eine Fördermitgliedschaft, sozusagen. Naja, dachte ich mir, da kann ich ein paar Kröten sparen und schickte eine Kündigung per Fax. 14 Tage später kam ein Brief der Studio-Mutterfirma, die mir nur mitteilen wollte, dass man mein Schreiben bekommen habe, vielen Dank, es in Bearbeitung sei und man sich in Kürze melden werde. Äh. Hallo? In den fünf Minuten, die es gedauert hat, den Brief auszudrucken, zu unterschreiben und einzutüten, da hätte man auch gleich meine Kündigung zur Kenntnis nehmen können. Bizarre Workflows. Egal, eine Woche später kam die Bestätigung, mit der freundlichen Ansage, dass die Kündigung Ende Mai 08 wirksam werde. Traf mich ein bisschen unvorbereitet — gibt es heutzutage, wo man sogar Zeitschriftenabos mit sofortiger Wirkung abschalten kann, tatsächlich noch so Knebelverträge, aus denen man nur mit elender Verzögerung rauskommt? Offenbar. Und habe ich sowas überhaupt unterschrieben? Offenbar. Naja, egal. Dann gehe ich jetzt eben ein bisschen trainieren, habe ja dafür bezahlt.

Service, wüster

November 6, 2007

Ein echter Dialog, so passiert: *Ring*Arzthelferin: Praxis Dr. X. Guten Tag.Ich: Tag. Bin Patient bei Ihnen. Folgendes Problem: [gebe ausführliche Problemschilderung]Arzthelferin: [schweigt]Ich: Sind Sie noch da?Arzthelferin: Ja.Ich: Und?Arzthelferin: Ja, also, die Frau Doktor in einer Besprechung. Und die, die normalerweise hier sitzt, die kommt morgen wieder. Ich bin heute allein.Ich: Schlagen Sie mir gerade vor, […]

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Post und Cholera

Juli 4, 2007

Liebe Deutsche Post, ehemalige Staatskonzerne haben es schwer, schon klar. Der erdrückende Zwang zur Internationalisierung, die innovationshemmenden Monopole, das dem Gedanken des Service feindselig gegenüber stehende Personal, alles schlimm. Und dann der Kostendruck, ach, der Kostendruck. Das allerdings darf noch lange kein Grund sein, einfach am Tag bevor ich ein wichtiges Einschreiben aufzugeben habe, die […]

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