Vater sein dagegen sehr

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Dieses Dings im Wohnzimmer

10. Oktober 2011 · 27 comments

Herr Kaliban entdeckt Fotos auf seinem Telefon.

Seit meine Tochter regelmäßig mit meinem Smartphone in der Wohnung auf Fotosafari geht, finde ich immer wieder interessante neue Bilder in den entsprechenden Ordnern.

Zum Beispiel dieses hier:

20111010-155926.jpg

Daraus könnte man doch, dachte ich, gleich mal ein Mitspielrätsel machen.

Also, liebe Mitlesende, was ist auf dem Bild zu sehen?

Die erste richtige Antwort und die originellste Fehleinschätzung gewinnen einen kleinen Preis.

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Für Siri (ein Versuch)

12. September 2011 · 45 comments

Herr Kaliban hält eine leicht altväterliche Rede an seine Tochter, die das hier gottlob noch nicht lesen kann.

Zuerst das Wichtigste: Niemand sollte mit 16 Entscheidungen treffen, die auf das ganze Leben Auswirkungen haben. Mach also keine Experimente mit Feuerwaffen oder Tätowierungen oder Verhütungsmitteln.

Oder mit Drogen. Eine einzige Zigarette zu rauchen, beispielsweise, bedeutet folgendes: das ganze Leben lang ein Verlangen nach Zigaretten zu verspüren. Und wenn sich die Drogen gesellschaftlich schon nicht vermeiden lassen, arbeite mit einem Plan: Wenn Du zu trinken vorhast, wähle ein Getränk und bleibe dabei, den ganzen Abend.

Wähle früh dein Hobby und bleibe dabei — wenn du mit 40 noch das Hobby betreibst, dass du mit 16 begonnen hast, stehen die Chancen gut, dass du es dir jetzt lässig leisten kannst.

Sei höflich, das kostet nichts und sieht gut aus: Öffne Leuten die Türen, benutze den Warentrenner im Supermarkt, bleibe nicht am Ende von Rolltreppen stehen. Und: Trolle nicht in Foren oder Kommentarspalten.

Gib ausreichend Trinkgeld.

Vermeide die Verwendung von Emoticons außerhalb von Chats. Und meide ihre Verwender.

Wenn du wissen willst, ob jemand wirklich schlau ist, beantworte diese einfache Frage: Wie gut beherrscht er seine Muttersprache?

Verlasse dich nicht auf’s GPS auf Ampelfarben oder Vorfahrtsschilder, verlass dich auf deine Augen.

Das Leben ist eine Bühne, und du wirst nicht vermeiden können, Rollen zu spielen — aber such’ sie dir gut aus und lege sie so an, dass du nah an dir selbst bleibst. Zu viel Verstellung vergiftet die Seele. Vor allem anderen gilt das für die Liebe.

Verschwende deine Jugend, das ist besser als die Alternative.

Verlasse die Heimat früh, sonst bereust du das Zögern. Aber vergiss nie, dass niemand anderswo deine Sprache genau richtig spricht. Und halte immer die Option der Rückkehr offen.

Glück ist, trotz aller Versuche, nicht erforschbar. Glück ist freies Geld, guter Sex, ein Railgun-Treffer in Quake Live, eine Zwei in Sachkunde. Finde heraus, was dich glücklich macht und halte es fest, notfalls gegen alle Widerstände.

Niemand weiß, ob es Gott gibt, aber Religionen sind tröstlich, für die, die glauben können. Aber egal, was die Priester sagen: In die Hölle kommt nicht, wer Sex mit dem falschen Geschlecht hatte, sondern nur die, die anderen Menschen ihren Willen gewaltsam aufgezwungen haben.

Du bist nicht dumm: Wenn du etwas nicht verstehst, hat es der Lehrer nicht gut erklärt. Sei nicht zickig, aber verlange, was dir zusteht.

Erfolg jeder Art ist stets eine Frage von Präzision, vom gelungenen Witz über den Fernschuss in den Winkel bis zur gloriosen Markteinführung einer Software. Hoffe nicht auf den Zufallstreffer.

Sei nett zu deinen Eltern, versuche, ihnen möglichst früh zu verzeihen. Am Ende tust du es eh, es ist nicht nötig, all die Jahre zornig zu sein.

Wunder geschehen, Katastrophen passieren. Nicht alles ist vermeidbar, nicht alles ist planbar. Mach dir nicht zu viele Sorgen.

Hake Niederlagen rasch ab, nimm Siege sportlich und mit Demut. Schon wenn du das schaffst, hast du mehr erreicht als zwei Drittel der anderen Leute.

Halte an Freundschaften fest, auch über lange Distanzen. Menschen, die dich mit 20 kannten, haben ein besseres Bild von dir als Menschen, die dich mit 40 kennen lernen.

Rede nicht (allzu) schlecht über andere, Lästereien machen schlechtes Karma. Gib keine ungefragten Ratschläge und sprich keine ungefragten Beurteilungen aus.

Bedenke bei der Partnerwahl folgende Gesetzmäßigkeiten: 1. Die für dich attraktivste Person ist, nach normalen Begriffen, ungefähr so attraktiv wie du. Vielleicht ein bisschen mehr. 2. Du wirst dich selten wirklich angezogen fühlen von Menschen, die dich ablehnen. Der Gelegenheit folgt die Fantasie folgt die Anziehung. 3. Frauen werden angezogen von Stärke, Männer von Verletzlichkeit. Außer, wenn es anders herum ist.

Und unabhängig davon: Vermeide asymmetrische Beziehungen.

Finde die Musik, die zu dir passt. Tipp: Die beste Musik erschließt sich nicht beim ersten Hören.

Versuche, ein paar Fertigkeiten wirklich gut zu beherrschen. Es gibt wenig im Leben, was mehr Spaß macht als das Gelingen schwieriger Tätigkeiten oder das Lösen kniffliger Aufgaben.

Tierliebe ist, wie das Rauchen von Haschisch, eine Frage der Dosierung. Ein bisschen macht dich möglicherweise zu einem besseren Menschen; zuviel macht dich merkwürdig.

Dissonanz ist wichtig, aber behalte Augenmaß: Niemand mag dich, weil du recht hast.

Sei kein Behalter. Das Aufheben von Sachen fesselt dich.

Das Multitasking kann deine Generation sicher besser als meine, aber bedenke, wie gut man ist, wenn man sich auf etwas voll konzentriert, sei es ein Gespräch, eine Aufgabe oder auch nur das Lesen eines Textes.

Versuche, mehr Fotos von Menschen als von Gebäuden zu schießen.

Wenn man ein Kind kriegt (und über das erste Jahr hinweg ist), wünscht man sich, man hätte es früher bekommen. Bedenke das bei deiner Lebensplanung.

Hab keine Angst. Probiere Dinge, die dich ängstigen. Iss exotische Lebensmittel, sprich fremde Leute an.

Finde eine Fahne, mit der in der Hand du die Barrikaden stürmen würdest. Schließ dich einer guten Sache an, kämpfe für ein Ideal. Vergieße Herzblut, immer wieder.

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Inspiriert von Mary Schmichs großartigem Text Advice, like youth, probably just wasted on the young, der später von Baz Luhrmann gewinnbringend vertont wurde.

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Das Goldkind und das Gewaltmonopol

14. August 2011 · 13 comments

[Die Sonntagslinks fallen heute ausnahmsweise aus, wegen Zeitmangel]

Ein Dialog zwischen Herrn Kaliban und dem Goldkindtm, der als typisches Beispiel für das Versagen von elterlicher Logik gelten kann.

Goldkind: Wir müssen ein Gewehr kaufen.
Herr Kaliban: WIE BITTE?
Goldkind: Ja, in einem Baumarkt oder so.
Herr Kaliban: Wozu brauchen wir denn ein Gewehr?!?
Goldkind: Falls ein Fuchs kommt.

Hm. Man könnte jetzt auf drei Linien argumentieren: a) gegen das Gewehr an sich, b) über das Gewaltmonopol oder c) über das Beispiel des Fuchses. Ich entscheide mich für die falsche Linie.

Herr Kaliban: Vor einem Fuchs muss man keine Angst haben, der ist ganz klein und tut Menschen nichts.
Goldkind: Es könnte ja ein ganz kräftiger Fuchs sein. Oder ein Bär. Oder ein Löwe.

Nach dem Versagen von c) versuche ich es mit b).

Herr Kaliban: Wir wollen nicht auf Tiere schießen. Das darf man nicht.
Goldkind: Papa, es geht nicht darum, auf eine Maus zu schießen, die ist ja klein und tut nichts. Aber ein Bär oder ein Fuchs, die wollen einen ja fressen, auf die darf man schon schießen.

Grundsätzlich interessant, wie kindliche Logik funktioniert: Aggressoren verlieren offenbar alle Rechte. Ich schiebe diesen mild beunruhigenden Gedanken beiseite und wende mich wieder dem Dialog zu. In einem Musterbeispiel von uncleverer Gesprächsführung gebe ich Linie b) kurz auf, um Argument a) auch noch mal in Stellung zu bringen.

Herr Kaliban: Erstens schießen wir erst auf Bären, wenn die uns wirklich was tun wollen. Und zweitens ist ein Gewehr gefährlich.
Goldkind: Wieso gefährlich?
Herr Kaliban: Nun, damit kann man Leute verletzen oder töten. Wenn man damit einen Bären totschießen kann, geht das ja auch mit Menschen. Das ist kein Spielzeug, sowas dürfen nur Jäger haben oder Polizisten.
Goldkind: Aber wenn man jetzt in einer Stadt wäre, voller kräftiger Füchse, wo keine Menschen sind, wo die beispielsweise alle ausgestorben sind, wo man also mit dem Gewehr keine Menschen treffen kann, da könnte man schon ein Gewehr haben, oder?
Herr Kaliban:

Ähja, nun, Will Smith in I am Legend, der ungefähr in der gleichen Situation war (nur eben mit Monstern, nicht mit “kräftigen Füchsen”), hat ja auch ein Gewehr. Was soll man da sagen?

Goldkind: Stimmt doch, oder?
Herr Kaliban: Man kann in Baumärkten gar keine Gewehre kaufen, geh jetzt schlafen.

Seufz. Wie soll das noch werden?

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51st Kaffeekanne

11. August 2011 · 4 comments

Und noch einer von diesen leicht surrealen Vätermomenten:

Das Goldkindtm und ich tanzen Pogo im Wohnzimmer. Die Möbel sind zur Seite geschoben und den Teppich mit dem Staubsauger gereinigt. Die Musik ist laut aufgedreht. Es läuft, eine Reminiszenz an meine Jugend, 51st State von New Model Army.

Wir springen und lachen und toben und erst bei der dritten Strophe fällt mir auf, dass meine Tochter mitsingt. Allerdings nicht den Text, den Justin Sullivan und ich singen:

Here In The Land Of Opportunity
Watch Us Revel In Our Liberty
You Can Say What You Like
But It Doesn’t Change Anything
‘Cos The Corridors Of Power
Are An Ocean Away
We’re The 51st State Of America

Nein, das Goldkind singt, unbeeinflusst vom Gitarrengewitter, den Text von Anne Kaffeekanne, ihrem aktuellen Lieblingslied:

Da flog sie, o Pardon, auf dem Besenstiel davon
Geradeaus übers Haus, dreimal rum und hoch hinaus

In einer Art Rap-Version, die von Melodie und Rhythmus weder zu 51st State noch zur Kaffee-Anne passt. Befremdlich. Vermutlich ist sie ein musikalisches Genie, das schon im Alter von drei Jahren spielerisch Versatzstücke von Post-Punk, Hip-Hop und, uh, Kinderliedermacherliedern kombinieren kann.

Oder sie ist einfach das logische Produkt zweier in Sachen Musik komplett talentfreier Familienstämme.

Neulich kam meine Tochter nach Hause und trällerte ein Lied, das seine große Zeit hatte, als die Omas Twens waren. Strange.

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Müde

25. Juli 2011 · 3 comments

Christian Schmidt betrieb im gestrigen* Beitrag Studien zu iPad-Spielen und Kindern; Herr Kaliban legt heute mit Erfahrungen zum Spieleverhalten vom Goldkindtm nach.

Das Goldkind ist ja erst drei und demzufolge für die meisten Spiele gottseidank noch zu jung, sodass wir unser iPad auch mal selber verwenden können. Die Kleine nutzt das Ding zumeist als kurzen Weg zu Youtube, ich hab’ ihr in den Favoriten mannigfaltige Tier- und Trickfilmchen abgelegt. Aber ein paar Spiele haben wir doch ausprobiert, da wäre hauptsächlich…

Plants vs. Zombies! Man kann Kinder schließlich nicht früh genug auf die kommende Zombiekalypse vorbereiten. Wir spielen das immer gemeinsam, sie sammelt die Sonnen und verbrennt Untote mit Paprikas, ich mache den Rest. Ich hab’s noch nicht über mich gebracht, ihr zu erzählen, dass Zombies Hirn essen, daher sage ich immer, wenn einer durchkommt, dass der ins Haus ginge, um da “Sachen kaputt zu machen”. Was dann wieder dazu geführt hat, dass ich komische Blicke geerntet habe, neulich bei Freunden im Garten, als das Goldkind auf die Terrassentür deutete und mit funkelnden Augen ankündigte, dass sie jetzt ein Zombie sei, ein böser obendrein und jetzt reinginge, um drinnen alles kaputt zu schlagen. Naja, noch schauen sie, aber wenn die Zombiekalypse kommt, habe ich eine Tochter, die weiß, was zu tun ist.

Weiter: Doodle Jump und Tiny Wings sind Spiele, die sie mag, aber nicht recht zu bedienen weiß. Sie guckt aber gerne zu und fordert mich immer mal wieder auf, den “müden Vogel” oder den “hüpfenden Elefant” zu starten. Sie kann auch im Menü schon alles auswählen, nur das Spielen selber ist ihr zu kompliziert. Mit Fruit Ninja war’s übrigens ähnlich.

Super für kleine Kinder ist hingegen Tierlaute, das ist eine App, aus dem Konzept “Kärtchen mit Tieren drauf darstellen, auf Berührung Tierlaut abspielen” zwei, drei Mini-Spielchen gemacht hat. Funktioniert gut, ist ansprechend designt, kann man kaufen.

Nicht recht ein Spiel, mehr eine interaktive Geschichte ist Schlaf gut. Darin sieht man hübsch gezeichnet ein Haus mit Tieren am Abend. Ein Sprecher führt das Kind durch die Szenen, in denen jeweils durch Berührung eines Schalters das Licht gelöscht werden muss, damit das jeweilige Tier schlafen gehen kann. Dauert gut zwei Minuten pro Mal, kann man ganz gut ins Abendritual integrieren. Man könnte aber auch einfach eine Geschichte aus einem papiernen Buch vorlesen, ehrlich gesagt.

Ansonsten haben wir noch ein bisschen mit so hübsche-Grafik-Zeug wie LineArt oder Art in Motion herumgemacht, das war’s schon. Mehr Erfahrungen hab’ ich nicht zu bieten.

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Kinderspiele für das iPad

11. Juli 2011 · 8 comments

Dies ist ein Gastbeitrag von Christian Schmidt*. Eine kleine Ergänzung von Herrn Kaliban mit entsprechenden Goldkindtm-Erfahrungen folgt morgen.

Ich bin nun seit knapp drei Wochen Besitzer eines iPad 2 und musste ich bis jetzt noch kein einziges Mal meine Prepaidkarte wieder neu aufladen. Denn anstatt damit zu telefonieren habe ich das schicke Ding über den größten Teil dieses Zeitraums direkt unter Extrembedingungen getestet: mit einer Schar von Kindern. Ich war letzthin auf Familienurlaub mit sechs Kindern, dazugehörigen Eltern und Omas und Opas. Dass das iPad bei Kindern hochbeliebt ist, versteht sich von selbst, deshalb wollte ich es vor dem Ausflug mit passenden Spielen ausstatten. Aber welchen? Was eignet sich für Kinder, was kommt gut an?

Ich habe zu der Frage wenig Hilfreiches im Internet gefunden, deshalb teile ich an dieser Stelle einfach mal meine Erfahrungen – vielleicht sind die für den einen oder anderen Mitlesenden erhellend. Ich hatte mich letztendlich für ein gutes Dutzend Spiele entschieden, die meisten davon bekannte Namen, und sie in den letzten Wochen an insgesamt zehn Kindern im Alter von 4 bis 14 ausprobiert, die sich wie die Wespen auf das Pad gestürzt haben. Für den Besitzer bedeutet das kurze Momente immenser Popularität („Duuu, Christian, dürfen wir dein iPad haben?“), gefolgt von langen Phasen der Nichtexistenz („Geh weg, wir spielen“).

Welches Spiel dabei das beliebteste war, dürfte die iPad-erfahrenen Mitleser wahrscheinlich überraschen – obwohl es an sich nicht überraschend ist, wenn man bedenkt, dass Kinder am liebsten miteinender spielen statt allein. Das gilt genauso für das iPad, und deswegen ist die wichtigste Erkenntnis: Die besten Spiele für Kinder sind solche, die man gemeinsam spielen kann.

Hier sind die Spiele, die ich an den Kindern ausprobiert habe:

Cut the Rope: Tolles Spiel für alle Altersgruppen. Die Steuerung zumindest der leichteren Levels begreifen schon die Jüngsten (3+), die Lösungen erreichen sie aber eher durch Ausprobieren und Glück denn durch Verständnis der Rätsellogik – was aber nichts macht, denn auch das Rumprobieren macht großen Spaß. Jungen Kinder kommt entgegen, dass sich der Bildausschnitt in den meisten niedrigen Levels nicht bewegt und alles auf einen Schirm passt. Das Spiel kam auch bei Erwachsenen und Älteren sehr gut an.

Doodle Jump, Need for Speed: Es ist interessant zu beobachten, dass jüngere Kinder, denen man einen Controller in die Hand gibt, die Bewegungen mitmachen, sich also bei Rennspielen in die Kurve legen und den Controller drehen. Der Sohn meiner Freundin (7) hüpft bei Jump-and-Runs bei jedem Spielsprung auf dem Sofa mit. Aus diesem Grund sind Spiele, die Feinmotorik voraussetzen, für jüngere Kinder eher ungeeignet, da die dazu tendieren, Bewegungen zu übersteuern. Das gilt für Doodle Jump & Co, vor allem aber für Rennspiele wie Need for Speed: Hot Pursuit; die sind bei kleineren Jungs zwar durch die Bank mächtig beliebt, aber die Autos krachen wie ein Flummi von Bande zu Bande.

Max and the Magic Marker: Eines der besten Spiele auf dem iPad zum Solo-Spielen für Kinder ab 7 Jahren. Jüngere werden von der Lauf- und Sprungsteuerung überfordert, die Gleichzeitigkeit und Timing erfordert. Kreativ, übersichtlich, gut erklärt und abwechslungsreich. Viele der simpleren iPad-Spiele beschäftigten die Kinder meiner Gruppe nur für ein paar Minuten („Mach mal was anderes!“), Max and the Magic Marker erwies sich dagegen als Stundenfresser. Einziges Manko ist die geringe Fehlertoleranz; wenn Max stirbt, muss man den Abschnitt von vorne beginnen. Was dank des motivierenden Spielprinzips aber andererseits auch Ausdauer lehrt.

Mirror’s Edge: Obwohl es aus der Erwachsenen-Ecke kommt und steuerungstechnisch durchaus komplex ist, erwies sich dieses Spiel nicht nur als einer der absoluten Favoriten für die Kids, es lässt sich auch schon von 4jährigen erfolgreich spielen (zumindest in den ersten beiden Levels). Das schnelle Wischen übers Pad gefällt vielen Kindern, und die Thematik des Wettlaufs finden vor allem Jungs ansprechend. Jüngeren kommt entgegen, dass das Spiel zumindest in gegnerfreien Levels ohne Druck abläuft, man also beliebig lang an einem Hindernis hantieren kann, bis man es überwunden hat. Der wahre Clou ist der Splitscreen-Modus, der ausnahmslos alle Kids begeistert hat („Jetzt will ich mal gegen dich!“).

Tiny Wings: Auch wenn’s kids-kompatibel aussieht, Kinder sind von diesem Spiel überfordert, weil es schnelle Reflexe und punktgenaues Timing erfordert und wegen der Trägheits-Simulation kein unmittelbares Feedback gibt. Die eher abstrakte Motivation („Noch weiter kommen!“) scheint Kinder nicht sonderlich zu motivieren. Dazu fehlt inhaltliche und optische Abwechslung.

Marble Mixer: Davon haben wahrscheinlich die Wenigsten bisher gehört, aber tatsächlich ist diese simple Murmelschnipperei mit Abstand das Kinderspiel Nummer 1 auf dem iPad. Korrektur: Das Familienspiel Nummer 1. Denn da hingen genauso viele Erwachsene vor dem Pad. Der wichtigste Aspekt von Marble Mixer ist schlicht, dass man es zu viert spielen kann. Das iPad wäre eine fantastische Party-Multiplayer-Plattform, wenn denn mehr Spiele Gebrauch davon machen würden. Marble Mixer zeigt, wie’s geht: kurze Partien, ultrasimple Steuerung (trotzdem mit Lernkurve), soziale Interaktion und Schadenfreude. „Das Spiel mit den Murmeln“ war beim Familientreffen der ständige Mittelpunkt einer bunt gemischten und stetig wechselnden Gruppe von Kindern und Erwachsenen, die schnell für eine Partie dazustießen oder auch nur zuschauten und mitlachten.

Labyrinth 2 HD: Interessanterweise eines der Spiele, das Erwachsene am meisten beeindruckt, weil sie das Prinzip des Kugellabyrinths aus der Realität kennen und staunen, dass es auf diesem kleinen technischen Ding aussieht und funktioniert wie in echt. Wer seinen Eltern die Faszination von iPad-Spielen nahebringen will, für den ist Labyrinth 2 HD die erste Wahl. Auch Kinder haben Freude daran, vor allem an den verspielteren Levels mit interaktiven Elementen. Jüngere haben Probleme mit der Feinmotorik, und man sollte darauf achten, dass sie auf einer weichen Unterlage sitzen, die zur Not ein fallendes iPad abfedern kann.

Angry Birds: Dazu muss man, glaube ich, nicht mehr viel sagen; das Spiel ist nicht umsonst so populär. Das bestätigte sich in meiner Gruppe: Die Mechanik begreifen schon die jüngsten (3+), das hübsche Design und einfache Spielprinzip gefällt allen Altersgruppen. Ein typisches „Darf ich auch mal?“-Spiel, das jeder mal anfassen will.

Small Things: Ich hatte angenommen, dass Hidden-Objekt-Spiele den Kindern wegen der einfachen Spielmechanik gefallen müssten, und hatte Small Things wegen seiner klaren und kinderkompatiblen Optik ausgesucht. Das war ein Fehlgriff. Die Masse an kleinen, ähnlichen Objekten macht das Suchen viel schwieriger als in klassischen Wimmelbildspielen, und das auf Kosten von optischer Abwechslung. Man sucht ständig die gleichen Dinge in den gleichen Bildern. Dass man die auch noch scrollen muss, gefällt Kindern gar nicht; und wenn zwei Kinder gemeinsam auf dem Pad herumtapsen, springt und zoomt der Schirm, was für irritiertes Gekreische sorgt.
Auch wenn ich von Small Things nur abraten kann, bin ich nach wie vor überzeugt, dass Wimmelbildspiele für Kinder sehr geeignet sind, vor allem, um das Lesen einfacher Wörter zu trainieren (5+). Auf dem PC ist die Samantha-Swift-Reihe wegen ihrer generell guten Qualität und zahlreichen Hilfefunktionen für Kinder sehr zu empfehlen. Eine Episode davon gibt’s auch fürs iPad, ich habe sie aber noch nicht ausprobiert.

Helsing’s Fire: Ich finde das Spiel super, aber jüngere Kinder halten es offensichtlich für eher langweilig. Das richtige Platzieren des Feuerscheins kriegen schon 5jährige hin, aber sobald die Farbreihenfolge und schnelle Ausweichreaktionen eine Rolle spielen, sind sie überfordert. Ältere Kinder (10+) haben durchaus Freude damit.

Multipong: Hatte ich heruntergeladen, weil vier Spieler gleichzeitig es spielen können. Aber im Gegenzug zu Marble Mixer ist Multipong für jüngere Kinder und ältere Erwachsene zu hektisch und für alle anderen nach kürzester Zeit schlicht zu langweilig.

Flight Control / Harbor Master: Wie zu erwarten ist das eher etwas für Jugendliche und Erwachsene, die Vorausplanung, Koordination und schnelle Reaktionen gut beherrschen. Kinder sind von dem zunehmenden Gewimmel auf dem Schirm überfordert, zumal die Darstellung des Geschehens recht klein ist. Selbst die Älteren in meiner Gruppe spielten nur dann Harbor Master, wenn sie partout keine andere Alternative hatten.

World of Goo: Ist natürlich eines der besten Spiele auf dem Pad, punktum. Obwohl sich der Humor eher an Erwachsene richtet, gefallen auch Kindern die bunte Optik und die knuddeligen Schleimkugeln. Schon 6jährige können die ersten Levels erfolgreich bewältigen, wenn man ihnen die Mechanismen erklärt. Später wird’s für sie aber zu haarig. Für Kinder, die Max und the Magic Marker aus dem FF beherrschen, ist World of Goo der nächste logische Schritt.

Ich setze die Liste bei Gelegenheit fort, wenn ich neue Spiele ausprobiert habe. Small World soll zum Beispiel als Mehrspieler-Titel spannend sein, das muss ich meiner Fokusgruppe mal unterjubeln. Was könnte ich noch mit ihnen spielen? Hat jemand eigene Erfahrungen zum Thema, Tipps für mich oder Anmerkungen zu meinen Urteilen? Ich bin für jede Rückmeldung dankbar!

Who the fuck ist Christian Schmidt? Christian Schmidt, 34, ist Spielejournalist und war zuletzt stellvertretender Chefredakteur beim Fachmagazin GameStar. Er gehört zur ersten Generation, die mit Videospielen groß geworden ist, und lässt keine Gelegenheit aus, das der zweiten Generation aufs Brot zu schmieren. Er hat (noch) keine eigene Kinder, aber 3.200 PC-Spiele in seiner Privatsammlung, was in Sachen Sozialverträglichkeit, Liebe und Kosten in etwa aufs Gleiche hinausläuft.

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Goldkindabsturz

6. Juli 2011 · 4 comments

Herr Kaliban ist sich auch nicht so sicher, woher sie das hat.

Goldkindtm: (balanciert prekär auf der Bettkante entlang)
Herr Kaliban: (schaut nicht hin, liest)
Goldkindtm: Papa, hab’ mal Angst, dass ich abstürze, bitte.
Herr Kaliban: (schaut nicht hin, liest) Gleich.
Goldkindtm: Papa, nimm mal an, ich könnte hier voll ‘runterfallen!
Herr Kaliban: (seufzt) Uh, hey, vorsichtig! Pass’ auf, dass Du nicht hinfällst.
Goldkindtm: (springt vom Bettrand, kommt federnd auf, lässt sich dann theatralisch fallen)
Herr Kaliban: …
Goldkindtm: (mit Geschichtenerzählerduktus) Bam. Und dann ist das Kleine voll auf den Boden geknallt.

Seufz. Gibt es eigentlich Anti-Schauspielschulen, also Lehranstalten, an denen einem das Schauspielern wieder abtrainiert wird?

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Kinderdings

30. Juni 2011 · 3 comments

Meine Tochter (3) spricht mit ihren Füßen und nennt sie Jette und Clara. Kinder machen das Leben surrealer anstatt realer.

Offensichtliche Werbung: [*]

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