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Der Kanton im Lande Mauerbau

19. Januar 2012 · 9 comments

Herr Kaliban scheitert an der modernen Technik. Wie immer.

Immer, wenn ich freie Zeit habe und nicht gerade Medien konsumiere, mache ich irgendwas mit Text. Schreibe Blogposts, podcaste, arbeite an meinem nächsten Buch, spinne Ideen für Webseiten, Bücher, Spiele, Vorträge et cetera. Vieles bleibt im “Ich mach mal ein Rohkonzept”-Stadium stecken, unter anderem auch, weil mich das ewige Schreiben schon auch ein bisschen ankäst.

Ich wollte daher mal eine Alternative Methode der Textproduktion versuchen, inspiriert durch die Liebe meines Lebens, die täglich mit großer Effizienz ihre berufliche Korrespondenz runterdiktiert. Ich dachte mir, hey, vielleicht kann ich einfach im Auto oder daheim einfach mit einem Headset herumlaufen oder -sitzen, meine Gedanken in die Maschine sprechen und hinterher auf Knopfdruck einen Text daraus machen, der dann als Basis für weitere Arbeit dient – wie jeder Schreibende weiß, ist es vergleichsweise leicht, mit vorliegendem Text zu arbeiten, aber schwer das weiße Blatt zu Beginn erstmal zu füllen.

Also probierte ich’s mal mit Dragon Dictation, deren App ist wohl führend. Das Resultat war Kauderwelsch. Liegt vielleicht an meiner Aussprache oder am Sujet, dachte ich und sprach testhalber klar und sauber ein bekanntes Gedicht ein. Vielleicht erkennt’s ja wer:

Hm. Nun, offenbar funktioniert die Methode nicht für mich. Ich bleibe beim Tippen, erstmal.

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SOPA Blackout

18. Januar 2012 · 3 comments

Okay, heute ist der Tag des Protests gegen Internetzensur. Ein amerikanisches Thema, erstmal (SOPA / PIPA sind ja US-Initiativen), aber es ist ja nicht so als wären wir in Europa auf einer Insel der Glückseligen. Ich empfehle, so noch nicht geschehen, sich einzulesen: mit Warum SOPA auch uns angeht, beispielsweise. Weiterführend auch hier, hier oder hier. Oder auch hier, bei der Protestaktion der US-Gamer.

Kaliban.de spart sich allerdings die aktive Teilnahme und das leicht alberne Abdunkeln der Seite, weil’s ja doch nur Preaching to the Choir wäre.

Aber hey, für einen Protestsong muss Zeit sein:

Und am besten auf den Punkt bring’s dieses GIF von The Oatmeal:

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Works both ways

16. Januar 2012 · 0 comments

Alles, was man über’s Vatersein wissen muss:

Aus einem Projekt von Rebecca Dreistadt und Ryan Sohmer, mehr Bilder hier.

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Sonntagslinks #121 (Update)

15. Januar 2012 · 12 comments

Wieder eine Woche ordentlich was weggesurft. Hier sind die Highlights. Habe übrigens endlich Zeit gefunden, allerlei eingesandte Links nachzuholen, sorry für’s Liegenlassen und nochmals Danke an die Einsender.

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RTL 2 vs. GamePro

14. Januar 2012 · 12 comments

Herr Kaliban staunt über die Wunder des Webdesigns.

Die Webseite der Zeitschrift GamePro, für die ich eine Weile mitverantwortlich war, hatte ein paar Jahre lang einen, nun, Innovationsstau. Was dazu führte, dass User unverhältnismäßig lange mit dem hier abgebildeten Webdesign leben mussten:

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Jeder nur seine Schuhe

13. Januar 2012 · 7 comments

Herr Kaliban kollidiert mit dem Goldkindtm.

Im Flur, kurz vor dem Abmarsch zum Kindergarten.

Goldkind: Meine Schuhe stehen falsch!
Herr Kaliban: Ja, ich habe sie dir schon hingestellt.
Goldkind: Die sollen da nicht stehen. Die gehören so! (stellt die Schuhe in Reih und Glied an den Rand)
Herr Kaliban: Ja, aber…
Goldkind: Wenn das schon meine Schuhe sind, soll die auch kein anderer anfassen!
Herr Kaliban:
Goldkind: Jeder soll überhaupt nur seine eigenen Schuhe anfassen!
Herr Kaliban: Zum einen wollte ich dir nur helfen, zum anderen nimmst du ja auch gerne mal das Spielzeug von anderen Kindern, oder?
Goldkind: Schuhe sind aber kein Spielzeug!

Nun, das ist natürlich richtig.

Ach, Gespräche mit Kindern sind vermintes Gelände.

quote

Das personalisierte Internet

11. Januar 2012 · 3 comments

I am so disenchanted with the internet. I don’t want a “Personalized” internet experience, and I don’t want to share my location, contacts, height, weight and blood type, either. I feel like I’m being sqeezed into someone else’s hole and it doesn’t fit. Please Google, open the internet back up – let me search globally, not locally. Don’t invade my phone and force me to have the same contacts in all my communication tools, and funnel all my social media usage into one basket. Don’t tell me what I want from the internet — let me tell you. Then we’ll both be happy. I promise.

And PLEASE… don’t scan pictures for my face. That is creepy and stalkerish. shiver

… sagte gestern Apple Scott (auf G+, ausgerechnet) über Googles neue “soziale Suche”.

Und wo wir schon beinahe beim Thema sind: Kathrin Passigs Kritik an der Kritik an Suchalgorithmen aus der Samstags-SZ ist seit gestern endlich online.

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Kammarbeit im öffentlichen Raum

10. Januar 2012 · 18 comments

Herr Kaliban ist immer wieder verblüfft, wenn er in der Öffentlichkeit einher geht: Menschen sind nämlich komisch.

Neulich, im “Palaver”.

Die Liebe meines Lebens, das Goldkind und ich sitzen frühstückend an einem zu kleinen Tisch im Café, um uns herum Stimmengewirr, Lachen, Geschirrgeklapper, im Hintergrund säuft bei irgendeiner Musik der Gesang ab und man hört nur noch ein paar Fetzen Gitarre und jeden dritten Drumbeat.

Auswärts frühstücken ist Luxus und Stress zugleich: Einerseits bekommt man die Nahrungsmittel portioniert und zubereitet an den Tisch gebracht, andererseits sind die Tischregeln samt der Standardrituale, die den Alltag mit Kind überhaupt überlebbar machen, ein bisschen außer Kraft. Also schmiert man hier was nach, hebt da was auf, hält dort was fest.

Zwischendurch schaue ich mal auf und sehe, anderthalb Tische weiter, eine junge Frau, Anfang 20 vielleicht, die sich hingebungsvoll die Haare kämmt. Die Frau hat sehr schöne, blonde Haare, die ihr bis auf die Hüften reichen. Und sie kämmt, sie kämmt, als gäb’s kein Morgen.

Ich bin öffentlicher Körperpflege abhold, und auch wenn kämmende Damen gefälliger anzuschauen sind als, sagen wir, fußnagelclipsende Herren, handelt es sich grundsätzlich um das gleiche Vergehen: Zahnpflege, Waschungen, Mani-/Pediküre, Haarstyling, Brauengezupf, sowas gehört ins Private, nicht in die öffentlich einsehbaren Bereich. Mich irritiert es sogar schon, wenn Leute sowas in ihren Autos tun.

Naja wurscht, ich schaue weg und widme mich wieder dem Chaos um mich herum, meine Tochter ist mittlerweile bei ihrer Puppe zur Löffelfütterung übergegangen, ein Verfahren, das bei allen Beteiligten stets Spuren hinterlässt. Die Liebe meines Lebens ist entfleucht, um sich die Nase zu pudern, und die Bedienung fängt schon mit Abräumen an, obwohl da noch für gut 30 Cent Rührei auf meinem Teller liegen.

Ein paar Minuten später tauche ich mal wieder kurz auf, gucke in Richtung der Kammdame, aber sie hat aufgehört. Aber nur, weil sie ihrer Freundin zuschaut, die ebenfalls lange, blonde Haare hat und sich kämmt. Hingebungsvoll möchte ich das nennen, aber ich habe den Begriff oben schon mal verwendet. Also die Alternativbeschreibung: Sie kämmt engagiert, wie jemand, der weiß, dass von seinem Handeln Einiges abhängt.

Neben mir fällt ein Glas zu Boden, ich fahre panisch herum, aber der Schuldige ist der kleine Junge am Nachbartisch. Ich werfe dem verantwortlichen Vater diesen “Jetzt kriegen sie doch bitteschön ihr Kind in den Griff, schauense mal wie brav meine Tochter ist”-Blick zu und entwinde dem Goldkind das Messer, mit dem sie gerade die Blumenvase manipuliert.

Ein paar Minuten vergehen, dann schaue ich wieder zu den Kämmenden und diesmal, es kann kein Zufall mehr sein, hat eine dritte junge Frau am Kämmertisch ihren Kamm in Stellung gebracht und fährt sich, man möchte es fast hingebungsvoll nennen, durch die hüftlangen blonden Haare.

Argh. Das ist doch kein Zufall mehr. Ich schaue mir den Tisch jetzt mal genauer an: Fünf junge Frauen (von denen drei schon gekämmt haben) sitzen beim Frühstück, alle haben langes blondes Haar. Und, jetzt fällt’s mir erst auf, ausschließlich schwarze Klamotten. Hinten rechts gibt’s auch noch einen Mann, ebenfalls Anfang 20, schwarz gekleidet und — langhaarig blond.

Ich kann nicht mehr wegschauen, versuche ihnen von den Lippen abzulesen, um irgendeinen Hinweis auf den Grund ihres Zusammenkommens zu erlangen, aber erfolglos. Ist das eine norwegische Girlmetal-Band, ein Bekanntenkreis mit hohem Gruppendruck, die Nachbereitung eines Modelcastings für einen Perückenhersteller? Sind das die Haardoubles für Charlize Theron auf Deutschlandausflug? Ist es ein Flashmob aus dem Frisurenforum? Fragen über Fragen.

Irgendwann zahlen wir und gehen, die Kämmenden verweilen.

Ich werde nie erfahren, wie diese Menschen sich gefunden haben und warum sie sich so voller Hingabe kämmten. Ach, die Rätsel des Lebens.

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A Study in Badisch

9. Januar 2012 · 11 comments

Herr Kaliban, gestern morgen beim Bäcker.

Verkäuferin: Guete Dag!
Herr Kaliban: Ich hätte gerne fünf Brötchen, von den dunklen dahinten.
Verkäuferin: Füf Knuschperweckli, sofort.
Herr Kaliban: Danke, und dann nehme ich noch sechs Eier.
Verkäuferin: Oh, die sin aus. Da müschtet Sie zu userer Fillial ande Filippstraße fahrn. Sin nur zwei Station medde S-Ban.
Herr Kaliban: (grummelt) Gut, aber WO an der Phillipstraße ist denn Ihre Filliale?
Verkäuferin:Beim Wolwert dänäbe.
Herr Kaliban: Woll-Wert? Ist das ein Geschäft? Woll-Werth mit H hinten?
Verkäuferin: Jo, met ena H hinde. Des Kuufhus halt.
Herr Kaliban: Okay, beim Wolwert. Ich finde das schon, danke. Auf Wiedersehen!
Verkäuferin: Adje!

Ich fahre mit der S2 zur Philipstraße, steige aus. Lasse den Blick über die Läden schweifen:

Matratzen-Concord.

Hörgeräte-Seifert.

Woolworth. Ah!

WOOLWORTH = Wolwert. Crazy, das Kauderwelsch der Badner.

Weiß doch jeder, dass der Laden in der gesprochenen Sprache “Wulle” genannt wird.

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Sonntagslinks #120

8. Januar 2012 · 9 comments

Nach langer Pause gibt’s jetzt auch mal wieder eine Linkliste. Und das sogar schon am Sonntag mittag. Lobpreiset den Herrn.

Update: Link des Tages ist Fabus umfassende C-64-Huldigung, der einen Haufen Autoren dafür zusammengetrommelt hat; von mir ist auch was dabei.

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