2008

Frohe Weihnachten!

by Gunnar on 24. Dezember 2008 · 6 comments

Herr Kaliban wünscht den Mitlesenden, so sich irgendjemand am heiligen Abend wirklich hierher verirrt, ein frohes Fest, handzahme Verwandte, zahlreiche stromverbrauchende Geschenke und einen starken Magen, der die schwere Kost der Weihnachtstage ohne Verstimmungen übersteht.

Vielleicht ist sogar, für den einen oder anderen, egal ob christlich orientiert oder auch nicht, ein bisschen Besinnung möglich, ein Runterfahren von Seele und Hirn auf Standby, Abstand von allem, was stresst.

Wäre ja auch schön.

Alles Gute.

Plakatschämen 2008

by Gunnar on 10. September 2008 · 13 comments

In Bayern herrscht Landtagswahlkampf, das wird man ja im Rest der Republik mitbekommen haben. CSU in unerhörter Panik (HOCHRECHNUNG: NUR 49 PROZENT!), Opposition grundlos euphorisch, das ist alles ausreichend in den bunten Blättern beschrieben. Ich halte mich aus der Politik raus, mich interessiert eher die surreale Poesie der Slogans und Ästhetik der flächendeckenden Plakatierung, neben Veranstaltungen offenbar die Hauptwaffe der Parteien.

Ich dokumentiere im folgenden eine eher zufällige Auswahl an Wahlplakaten (Bilder auf Klick vergrößerbar) aus dem aktuellen Wahlkampf, jeweils mit ein, zwei Sätzlein von mir. Und ein paar Anmerkungen von meinem Freund Niklas, seines Zeichens Berater in einer sensationell erfolgreichen Hamburger Kreativagentur, der als Werber einen eher professionellen Blick auf die Angelegenheit werfen kann.

Niklas sagt vorausschickend:

Wahlplakate sind eigentlich immer schrecklich, im besten Falle unauffällig (was eine zweifelhafte Ehre ist).

Kreativität ist kein demokratischer Prozess und ihr größter Feind ist der Kompromiss.

In Parteien ist das aus naheliegenden Gründen irgendwie anders. Zwar wurde mir persönlich (in einem “Screening-Gespräch” mit einer momentan farbenblinden Partei aus Hamburg) versichert, dass das am Ende der Vorstand selbst absegnet — aber mit Verlaub, der Vorstand einer Partei ist doch auch nur  ein mehr oder minder kondensierter Schnittmengenvertreter.

Ansonsten macht man es halt gerne so wie im letzten Jahr oder wie in Taka-Tuka-Land 2005, da hat das auch super mobilisiert… Und während weite Teile der übrigen Kommunikationsbranche bemüht sind, das Wahrhaftige wieder zu entdecken und Glaubwürdigkeit an erste Stelle zu setzen, sind sämtliche politischen Parteien offenbar bereit, mit reinstem Phrasendreschen, mit leeren Parolen und absurden Pseudozuspitzungen die politische Willensbildung des Bürgers nicht zu steuern, nein, schlicht zu verhindern.

Okay, nun zu den Plakaten. Wir beginnen natürlich mit der…

Christlich Soziale Union (CSU)

Gunnar: Schöne Kandidaten haben sie ja nicht. Und die ekelhafte Staubsaugervertreterpose mit dem Sakko über der Schulter — wirkt das auf 55jährige Hausfrauen dynamisch und anpackend? Und dann der Quatsch mit der Pendlerpauschale, deren Abschaffung die CSU bekanntlich vor kurzem noch zugestimmt hat. Lässig mit dem Kurzzeitgedächtnis des Wählers kalkuliert. Sensationell hingegen das linke Plakat: Bayern, stark, CSU. Komplett sinnfrei und doch die Kernaussage des christsozialen Wahlkampfes zusammen gefasst.
Niklas: Ein Dialog: “Wir haben die absolute Mehrheit, lass uns entsprechend auftreten.” “Klar, Thomas, aber ein paar populistische Themen brauchen wir auch.” “Na gut, aber nur wenn ich ein Plakat mit meinem Gesicht drauf kriege.” Naja.

Als-Stammwähler-würde-ich-mich-schämen-Faktor: 3/5

Sozialdemokratische Partei Deutschlands (Bayern-SPD)

Gunnar: Der Kandidat links sollte mal über seinen Schnurrbart nachdenken. Ansonsten: schöne Plakate, eigentlich. So mit Aussage und so. Obwohl der Slogan des mittleren an Wählerbeschimpfung grenzt. In keinem anderen Bundesland trägt die SPD übrigens den Namen des Landes im Logo. Das ist nur in Bayern notwendig. Sonst gerät man bekanntlich in den Verdacht, eine Bande von vaterlandslosen Halunken zu sein.
Niklas: Das mittlere Plakat vertritt die Einstellung “Die Zielgruppe hat keine Ahnung” — eine auch in Marketingkreisen beliebte Haltung. Das rechte kann nur entstanden sein, weil da einer einen Sohn mit Photoshop auf dem Rechner hat — “Das kommt voll lustig, und Bio ist doch ein Trend, oder?”

Als-Stammwähler-würde-ich-mich-schämen-Faktor: 2/5

Die Grünen

Gunnar: Ich muss mich entschuldigen, das spektakulärste Grünen-Plakat habe ich nicht fotografiert: Ludwig für Bayern. Absurd, oder? Direkt noch absurder als das andere (gemalte!) Ludwig-Hartmann-Plakat, obwohl das auch schon… ach, egal. Ego-Wahlkampf vom Herrn Hartmann, sinnbefreit und ohne Aussage. Aber der Maibaum (Mitte) ist ganz nett.
Niklas: Das linke Plakat hat bestimmt ein Mann entworfen, um die armen Frauen zu diskreditieren. Der Schurke. Die Gestaltung ist so schlimm.

Als-Stammwähler-würde-ich-mich-schämen-Faktor: 3/5

Ökologisch-Demokratische Partei (ödp)

Gunnar: Huh. Die Gestaltung ist natürlich abstoßend, aber die Sache mit den Zahlen spricht mich an. Zahlen gehen immer. Wirken so seriös. Finde es auch hübsch, dass der Kandidat Umweltplaner von Beruf ist.
Niklas: Was macht der Löwe da? Soll das ein Angebot einer Autowerkstatt sein oder ein Wahlplakat? Immerhin liebt Herr Lott die Zahlen (Journalisten…)

Als-Stammwähler-würde-ich-mich-schämen-Faktor: 3/5

Freie demokratische Partei (FDP)

Gunnar: Schlimm, schlimm, schlimm. Weiß gar nicht, was mich mehr aufregt — die absurde Abgrenzung zur CSU (“der deutlichste Kontrast zu Schwarz”), das Abfeuern von Pharmalobby-Positionen oder das alberne Logo Dr. Be! unten links, was sozusagen das hippe Signet von Dr. Bertermann sein soll. Argh.
Niklas: Hmm, ist “Bertermann und “Bulfon” wichtiger als das Thema?

Als-Stammwähler-würde-ich-mich-schämen-Faktor: 5/5


Freie Wähler (FW)

Gunnar: Ja. Äh. Gähn. Die einzige Aussage scheint Wir sind nicht wie die anderen zu sein. Bisschen wenig. Aber die FW sind die Helden der Kommunalpolitik, die werden schon wissen, was sie tun.
Niklas: Freie Wähler, talentfreie Gestalter. Das sieht man.

Als-Stammwähler-würde-ich-mich-schämen-Faktor: 4/5

Republikaner (Rep)

Gunnar: Unfassbar bekloppter Slogan: blau wählen. Wusste übrigens gar nicht, dass Blau deren Signaturfarbe ist. Ansonsten: ziemlich mild. Steht nix drauf, was nicht auch bei anderen Parteien stehen könnte.
Niklas: Das kann man auch nur blau ertragen. Aber: schöner Vintage-Look links…

Als-Stammwähler-würde-ich-mich-schämen-Faktor: 5/5

Bayernpartei (BP)

Gunnar: Albern-populistisch, vor allem das Motiv mit dem Benzinpreis. Aber immerhin auch eine halbwegs klare Forderung, wobei mir nicht klar ist, was die mit dem Landtagswahlkampf zu tun hat. Cool ist das altmodische Plakat mit dem Wappen, das hätte ich mir früher sicher als ironisches Statement in die WG-Küche gehängt.
Niklas: Das ist mir als Hamburger zu absurd.

Als-Stammwähler-würde-ich-mich-schämen-Faktor: 3/5

Die Linke

Gunnar: Auch die Linke kann nicht ohne das B-Wort. Ganz vernünftige Plakate, die übrigens schwer zu finden waren — sogar die Bayernpartei war in meiner Gegend präsenter.
Niklas: Gestalterisch kann man das machen.

Als-Stammwähler-würde-ich-mich-schämen-Faktor: 2/5

Nachsatz: So. Vielen Dank für’s Bis-hierhin-Lesen. Ich halte für das Protokoll fest, dass mich keines der Plakate so weit überzeugt hat, dass ich in Erwägung ziehen würde, die jeweilige Partei zu wählen. Die Fotos gesammelt gibt es übrigens hier. Fast alle sind allerdings im 300-Meter-Radius um meine Wohnung entstanden und ergeben daher kein repräsentatives Bild.
Sine Directory

Bitte so werden, 2008

by Gunnar on 31. Dezember 2007 · 22 comments

Ich wünsche mir mehr Hirn bei den Medienschaffenden, weniger schiere Idiotie in der Politik. Den Wissenschaftlern, die sich in der “Killerspiele”-Debatte blamiert haben, mögen (Achtung! Symbolik!) die Zeigefinger verdorren. Insbesondere gilt das für Herrn Prof. Dr. Pfeiffer, von dem an anderer Stelle schon häufiger die Rede war. Wo ich gerade bei Herrn Pfeiffer bin: Ich möchte, dass Gott mir 2008 mehr Gelassenheit schenkt. Und dass mir die rapide ergrauenden Haare nicht auch noch ausfallen. Eine milde Aufwärtsbewegung der verkauften Auflage von GameStar würde mir schon aus ästhetischen Gründen gefallen, auch wenn ich gar nicht mehr so richtig zuständig bin. Ich wünsche mir zudem, dass mehr Sciencefiction-Filme in die Kinos kommen, gerne auch mit Dialogen statt Explosionen und dass irgendwer endlich Ender’s Game verfilmt. Dankbar wäre ich auch für eine neue Staffel von Firefly, aber das ist wohl ein bisschen viel verlangt. Hot Water Music sollen eine neue Platte machen und die ganzen alten Herren, die sich im Wesentlichen noch wiederholen, sollen mit dem Plattenmachen aufhören. Namentlich die Eagles.

Ich wünsche mir von den Produzenten von PC- und Videospielen, dass die besten Spiele noch besser werden, weil im Jahr 2007 gerade die besten Spiele ein Stück schlechter als nötig gewesen sind, insbesondere Bioshock, Mass Effect, Stalker und Assassin’s Creed. Die ohnehin beschissenen Spiele mögen ausgleichshalber dafür beschissener werden, das ist mir egal. Auch hätte ich gerne mal wieder ein Adventure, das wirklich, wirklich Freude macht. Aber woher soll das schon kommen? Und wenn Konami 2008 nicht endlich das aktuelle Pro Evo spielbar patcht, kann mir die ganze Serie gestohlen bleiben, was sozusagen eine schmutzige Scheidung nach vielen Jahren glücklicher Ehe wäre und somit irgendwie tragisch.

Desweiteren wünsche ich mir 2008, dass man von Matthias Matussek weniger liest, was vielleicht ein bisschen gemein ist, angesichts der aktuellen Ereignisse. Es ist aber nun einmal so, dass ich keine Zeile mehr von diesen selbstverliebten so genannten Edelfedern ertrage, die andauernd so tun, als würde die ganze Gesellschaft von politisch korrekten Gutmenschen erstickt und Meinungsfreiheit sei praktisch nur eine Farce und man müsse dringend mal wieder ein paar Flaggen hissen und Muslime beschimpfen, um sich überhaupt frei fühlen zu können. Also Fresse, Herr Matussek, Sie sind nicht Heinrich Heine, auch wenn Sie bestimmt glauben, dass Sie Deutschlands wichtigster Heine-Fan sind und Heine ohne Sie sicherlich bereits vergessen wäre, gerade unter Journalisten, die ja mit Heine bestimmt nichts am Hut haben. Grmpf. Und was die ach so schreckliche Political Correctness angeht, ja, deren Auswüchse zerren mir auch an den Nerven, aber ich bin insgesamt doch froh, wenn Leute in meiner Gegenwart nicht ständig den Hitlergruß zeigen oder von Negern reden und dabei Affengeräusche machen, vielen Dank.

Ich wünsche mir, dass alle Leute, die im weitesten Sinne in kundennahen Berufen zugange sind, Elektroden implantiert bekommen, mittels derer der Kunde bei schlechter Behandlung, unzureichender Auskunft und genereller Bärbeißigkeit einfach einen kleinen bis mittleren Elektroschock auslösen kann, damit besagte Leute regelmäßig daran erinnert werden, wer letzten Endes ihr Gehalt zahlt. A pro pos Gehalt: Mir ist durchaus egal, wie viel Euro Manager oder Politiker am Monatsende auf ihrem Konto haben, aber die elende Jammerei über sträfliche Unterbezahlung im Vergleich etwa zu US-Managern oder Verfassungsrichtern muss bitte sofort aufhören. Die Sache mit den Elektroden wäre bei diesen Berufsgruppen im Übrigen vielleicht auch angebracht, auch und gerade um an den Ursprung der zu niedrigen Gehälter zu erinnern.

Ganz andere Sache: Gesundheit hätte ich auch noch gern, eimerweise, für meine Frau, meine Freunde, meine Katzen und mich. Muss man ja in meinem Alter schon mal dran denken. Zudem wünsche ich mir ruhige zehn Wochen, bis zu diesem magischen Datum im März 2008, wo für mein Leben der große Reset-Knopf gedrückt wird. Und bitte: Weltfrieden, die Europameisterschaft, den US-Präsidenten Barak Obama, ein Ende der Umweltverschmutzung und dass endlich die freundlichen Aliens aus der nächsten Spiralgalaxie Kontakt aufnehmen und uns zeigen, wie das alles richtig geht mit der Zivilisation.

Ein spektakuläres 2008 uns allen. Guten Rutsch.