2009

Einer muss es ja sagen

by Gunnar on 13. Januar 2009 · 4 comments

Dem Herrn Kaliban sein Beitrag zur Wirtschaftskrise und so:

2009 ist jetzt schon scheiße

Ich wünsche mir zuvörderst, dass 2009 in großen Mengen Hirn vom Himmel fällt, unseren Wirtschaftsführern und Politikern und Medienmanagern in die hohlen Schädel. Diese Krise von 2008 hat ja eines mal wieder erwiesen — auf ziemlich vielen verantwortlichen Positionen, an Schlüsselstellen mit ausreichend Potenzial Unheil anzurichten, sitzen mittelmäßige Flachpfeifen, welche die verschärfte Form von repräsentativem Eierschaukeln, die sie Tag für Tag betreiben, schon für einen richtigen Job halten. Die ihre virtuellen Welten aus Golf, Gadgets, Vielfliegermeilen, Telefonkonferenzen, Bonuszahlungen und den Titten der Sekretärinnen für die richtige Welt halten. Die ihre kleinen Entscheidungen treffen wie Straßenbahnschaffner Tickets abknipsen, mit den bewährten Methoden von gestern und vorgestern und vorvorgestern. Nur dass die Entscheidungen eben zuweilen enorme Auswirkungen haben. Aber das ist ja nicht zu ahnen, wenn man keine Fantasie hat.

Ach.

Ich wünsche mir, dass Gott mir mehr Gelassenheit schenkt oder besser doch nicht — was soll ich mit Gelassenheit? Gelassenheit ist was für Menschen ohne Herz. Ich wünsche mir eher, dass Gott mir den soliden Herzmuskel, den stabilen Magen und das drahtseilige Nervenkostüm schenkt, das ich brauche, um mit meiner sensibel-cholerischen Persönlichkeitsstruktur klarzukommen.

Und ich wünsche mir, dass einige Wörter verschwinden, darunter auch einige, die ich selber zuweilen sage, was natürlich kein gutes Licht auf meinen Willen zum Guten, Schönen und Wahren wirft, also Wörter wie Wording, Wellness, Content, bullish (sagt jetzt eh keiner mehr), Sowieso to go, Reputations-Management und noch viele mehr, die mir gerade nicht einfallen wollen, aber wenn man sie sieht, wird man sie erkennen, da bin ich ganz sicher.

Und wo wir gerade beim Verschwinden sind, ich wäre aus rein ästhetischen Gründen froh, wenn blaue Hemden mit weißen Krägen verschwinden würden und Pop-Under/Pop-Up-Werbespamfenster und diese absurde Reklame auf den Toiletten von Autobahnraststätten und Casting-Shows und das deutsche Fernsehen ganz allgemein und Lance Armstrong und Bugs in PC-Spielen und Leute, die sich in Zügen die Fußnägel schneiden und der Kölner Aufruf samt Unterzeichnern und, ogott, jetzt gerate ich beim Wünschen in eine Art Strudel.

Themawechsel.

Ich wünsche mir, dass 2009 die SPD ein bisschen, wenigstens ein kleines bisschen, Würde zurückgewinnt. Es müssen ja keine Wahlen sein, nur ein wenig Würde.

Und ich hätte gerne ein paar neue Bücher von George R. R. Martin. Und gerne auch von David Gerrold, aber da habe ich die Hoffnung aufgegeben. Und eine Scheibe von Hot Water Music, aber nicht wieder so eine Sammlung von B-Seiten und B-Songs, sondern ein richtiges Album.

Im Sinne vieler Kollegen wünsche ich mir, dass die Printauflagen deutscher Magazine und Tageszeitungen ein wenig langsamer zusammenbrechen als in den vergangenen Jahren, natürlich mit Ausnahme von Produkten, die eh kein Mensch braucht, wie Focus, PC Games oder Junge Freiheit. Ahem. Vor allem sollen meine Lieblingsmagazine (neben GameStar und GamePro sind das 11Freunde, Brand Eins, GEE und Effilee) das kommende und auch noch viele weitere Jahre gut überstehen.

Ein paar gute Spiele würden mir das Jahr auch erhellen, etwas ähnlich Gutes wie Fallout 3 vielleicht? Oder ist das zu viel verlangt? Dann wenigstens weitere Spiele wie Professor Layton und das geheimnisvolle Dorf, was fast schon mein zweitliebstes Spiel im abgelaufenen Jahr war. Eine gute Grundversorgung an Solo-Rollenspielen wäre mir weiterhin wichtig, MMORPGs können mir weiterhin gestohlen bleiben.

Und Gesundheit für meine Familie und gerne auch für mich. Und Weltfrieden. Und Sonnenschein. Und sauberes Wasser, vernünftige Mitmenschen und mehr Gutes, als die schlechten Menschen ertragen können.

Und vielleicht steigt ja dann doch endlich Jesus aus seinem Sternenschiff herab, um die Gerechten zu retten.