Alltag

Das Ding mit der Realität

by Gunnar on 11. November 2010 · 4 comments

Herr Kaliban muss sich vom Goldkindtm belehren lassen.

Das Goldkind: (geschäftig) Und hier ißt deine ßpritze: Pieksss. Und die Medißin. Mund auf!
Herr Kaliban: (schluckt unsichtbare Medizin von einem unsichtbaren Löffel)
Das Goldkind: (bestimmt) Und dann bekommßt du noch ein Pflaßter.
Herr Kaliban: (bekommt ein unsichtbares Pflaster auf den Arm)
Herr Kaliban: Danke. Schon viel besser. Du bist eine richtige Ärztin, wie die Mama, oder?
Das Goldkind: (schaut Herr K. an wie man ein lernbehindertes Kind anschaut) Nein, Papa. Ich ßpiel das doch nur.

Ah ja. Natürlich. Dieses ganze Ding mit der Realität verwirrt mich zuweilen. Gut, dass das Kind den Überblick behält.

Das Goldkind und das Baby

by Gunnar on 3. November 2010 · 10 comments

Herr Kaliban beobachtet das Goldkindtm und wird immer verwirrter…

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Gemischte Gefühle am Samstagmorgen

by Gunnar on 4. September 2010 · 8 comments

Herr Kaliban macht Besorgungen am frühen Morgen.

Auf dem Weg zum Bäcker. Im strömenden Regen. In der rechten Hand den Schirm, an der linken Tochter im gelben Regenmantel. Ein Gespräch über die Beschaffenheit von Pfützen.

Das ist Glück, in einer ziemlich puren Form.

Auf dem Rückweg vom Bäcker. Im strömenden Regen. In der rechten Hand den Schirm und die Brötchentüte, auf dem linken Arm schwer das Brezn mampfende Kind. Gefräßiges Schweigen.

Das ist Glück, in einer ziemlich mit Rückenschmerzen gemischten Form.

Dreiradfahrstunde in der Tiefgarage. Spinnensuch-Expedition durch den Keller. Turnübungen im Fahrstuhl. Wettlauf durch das Treppenhaus.

Das ist Glück, in einer ziemlich mit Erschöpfung gemischten Form.

Ich erlebe dieser Tage vor acht Uhr mehr als früher in einem Monat. Kein Wunder, dass ich mittags schon wieder müde bin und nicht dazu komme, Starcraft 2 durchzuspielen.

Teh Pizza of Evil!

by Gunnar on 13. August 2010 · 9 comments

Herr Kaliban sitzt mit dem Goldkindtm zu Tisch.

Herr Kaliban: (kaut) Lecker, die Pizza.
Goldkind: Nein, is nich lecker. Die is böse!
Herr Kaliban: Böse? Hat sie dir was getan?
Goldkind: Nein, die sagt immer was Böses!
Herr Kaliban: Was denn so?
Goldkind:(überlegt) Aua!
Herr Kaliban: Aua?
Goldkind: Sag’ der, dass sie nicht Aua sagen soll.
Herr Kaliban: Äh. Nun. (leise) Pizza, sag’ nicht immer Aua.
Goldkind: Nochma. Lauter. Und Hauen!
Herr Kaliban: (haut die Pizza mit dem Messer) Sag’ nicht immer Aua!
Goldkind: Und nochma!
Herr Kaliban: (haut die Pizza mit dem Messer) Sag’ nicht immer Aua!

Manchmal frage ich mich, ob das Kind nicht schon in seinen jungen Jahren für eine dieser Shows mit der versteckten Kamera arbeitet und Material für ein Väter-Töchter-Special sammelt.

Arbeit macht das Leben süß

by Gunnar on 6. August 2010 · 10 comments

Herr Kaliban spricht mit dem Goldkindtm.

Goldkind (saust mit dem Roller durch die Wohnung): Ich muss ssur Arbeit!
Herr Kaliban: Wirklich? Jetzt gleich?
Goldkind: Ja. Ssade. Kann man aber nichs machen. Iss wichtig. Wegen Geld.
Herr Kaliban: Ah. Na dann. Bis später.
Goldkind: (rollert von Raum zu Raum).
Herr Kaliban: Huh? Weißt du nicht, wo du hin musst?
Goldkind: (schaut mich an wie einen Volltrottel) Muss erst einen Parkplatz suchen.

Man kann nicht sagen, dass unsere Tochter nicht auf das Erwachsenenleben vorbereitet sei.

Mehr dazu? Die gesammelten Erlebnisse aus dem Erziehungsalltag von Herrn Kaliban gibt es hier: Vater sein dagegen sehr.

Böse sein für Fortgeschrittene

by Gunnar on 12. Februar 2010 · 28 comments

Es folgt ein Beitrag von zweifelhafter Moral und falsch verstandenem pädagogischem Anspruch, der obendrein eine Aufforderung zu bösen Taten enthält. Schlimm.

evil insideManchmal ärgere ich mich über die Untaten anderer Leute. Und dann muss ich an Henry Rollins denken, der mal vorgeschlagen hat, man möge den bösen Herrn Milosevic (den 2006 in seiner Zelle in Den Haag verstorbenen jugoslawischen Kriegsverbrecher) nicht einfach nur einsperren, sondern in der Haft gleich noch dazu zwingen, den ganzen Tag lang die Namen seiner Opfer in eine Steinwand zu ritzen. Oder Clinton für seine außerehelichen Eskapaden mit zehn Stockhieben zu bestrafen, öffentlich, im Garten des Weißen Hauses, was im Gegensatz zu dem absurden Tribunal des Kenneth Starr* sogar für positiven Chashflow gesorgt hätte (schon wegen der Übertragungsrechte), anstatt den Staat Millionen zu kosten.

Ich, der ich unter dem dünnen großstädtisch-linksliberalen Anstrich immer noch der konservative Bauernjunge aus dem Dorf bin, kann mit derlei simpler Schwarzweiß-Moral viel anfangen — und plädiere schon länger dafür, im Alltag einfach selbst böse zu sein. Nicht aus Selbstzweck und keinesfalls zu netten Menschen, nein, nur als Reaktion auf das Verhalten von Arschlöchern. Feuer mit Feuer bekämpfen, sozusagen. Rein pädagogisch. Als kleinen Ausdruck dieser Haltung überziehe ich Firmen, die mir dumm kommen, mit nervenaufreibenden Korrespondenzkriegen, schalte in den ersten Gang, um Drängler hinter mir zu ärgern und verwickele Leute, die mir in Menschenmengen auf dem Weg von da hinten nach hier vorne auf die Füße treten, in Diskussionen über die moralische Bewertung ihres Handelns. Zuweilen.

Meist stelle ich mir aber meine Reaktion nur vor.

Da muss jetzt anders werden. Wir guten Menschen müssen zu den bösen viel böser sein. Aber wir brauchen dazu Ideen, Konzepte für den täglichen Widerstand. Und wer wäre besser geeignet, sich sowas auszudenken, als ihr, liebe Kaliban-Leser, die ihr schon seit Jahren dieses vage unfreundliche Blog verfolgt, ohne mich ständig einen grantelnden alten Mann zu schimpfen.

Also los, wer hat Ideen für kleine, situationsbezogene Strafen im Alltag, mit denen man Leuten zeigen kann, dass sie sich wie Arschlöcher aufführen?

Ich dachte an sowas in der Art:

Situation: Depp drängelt sich nach Konzertbeginn durch die gepackte Menge, tritt meiner Frau auf den Fuß, bleibt so eng vor mir stehen, dass ich seine Föhnfrisur im Gesicht habe.
Böse Tat: Phiole mit rosa Farbe (auswaschbar) aus der Tasche ziehen, dem Depp heimlich auf die Jacke spritzen. Oder, als Variante, gespielt ungeschickt das eigene Bier dem Rempler überschütten: “Ey, was soll das! Mein Bier! Das bezahlst Du!”

Situation: Mit dem Postversand beauftragter teilstaatlicher Konzern wirft mir unaufgefordert kiloweise Werbung in den Briefkasten.
Böse Tat: Depot für die Broschüren ausfindig machen, mit billigem Spindschloss verschließen. Ist möglicherweise sogar im Interesse des Postboten.

Situation: Arschloch parkt rücksichtlos in einer Einfahrt bzw. zu eng an meinem Auto bzw. halb auf einem anderen Parkplatz.
Böse Tat: Aufkleber mit der Aufschrift “Ich parke wie ein Vollpfosten” auf die Beifahrertür kleben. Kann ruhig schwer zu entfernen sein.

Situation: Mitglieder einer konservativen Partei veranstalten Kampagne gegen _________ (Asylrecht, die Türkei, doppelte Staatsbürgerschaft).
Böse Tat: Zum Stand in der Innenstadt gehen, den Damen und Herren lautstark, aber mit ehrlicher Empfindung in der Stimme, gratulieren (“Super! Endlich sagt’s mal einer! Die NPD ist ja schon viel zu lasch geworden! Als nächstes sind die Polen dran!”) und verfassungsfeindlichen Publikationen nachempfundene Flugblätter verteilen, auf denen die exakt im wortlaut gleichen Forderungen erhoben werden.

Hm. Obwohl. Gilt das Letzte schon als “böse”? Aber hey, ihr wisst sicher noch Besseres.

Anregungen bitte in die Kommentare.

P.S. Das mit dem Bösesein habe ich auch schon mal vor der Kamera geübt. Gelingt mir schon ganz gut, finde ich. Vielleicht sollte ich gleich eine Partei gründen. Oder eine Jugendbewegung Altherrenfront.

Die Prügelprinzessin

by Gunnar on 11. November 2009 · 15 comments

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Mir soll noch mal einer sagen, Mädchen wären so lieb und pflegeleicht und Jungs insgesamt eher rüpelig und raufboldig. Meine Tochter, das Goldkindtm, tendiert zart in die Gegenrichtung, möglicherweise, weil sie meine jähzornige Ader geerbt hat. Sobald sie zwei wird, schicken wir sie zum Babykarate, damit sie sich dort abreagieren kann und nicht mehr täglich ihren alten Vater angreifen muss.

Aber nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht: Sie ist nicht immer so. Manchmal malt sie auch ganz süß kleine Bildchen, von zerquetschten Enten und brennenden Krankenwagen und so Sachen. Oder zwingt ihre Puppe, Hustensirup zu schlucken. Oder stellt Autounfälle nach.

Vielleicht sollten wir sie besser schnell an Videospiele gewöhnen, das mit der Realität scheint ihr nicht so zu bekommen.

Herr Kaliban gegen das Möbelhaus

by Gunnar on 24. September 2009 · 20 comments

Ich habe neulich meine Kontoverbindung gewechselt, immer noch eines der großen Abenteuer des modernen Lebens. Von den gut 30 Firmen, die über Einzugsermächtigungen Zugriff auf mein Konto haben, vergaß ich zwei zu benachrichtigen, weil ich von ihnen nur selten Rechnungen bekomme.

Firma 1, ein Hamburger Verlag, versuchte, die Abogebühr für ein Nachrichtenmagazin einzuziehen, scheiterte, weil das betreffende Konto aufgelöst ist und schrieb mir diesbezüglich einen freundlichen Brief, in welchem um meine neue Kontoverbindung gebeten wurde. Man bedaure, aber man müsse mir wegen der entstandenen Kosten leider 3,50 Euro Gebühr berechnen.

Firma 2, ein, uh, skandinavisches Möbelhaus mit vier Buchstaben, versuchte, die Bezahlung für einen Kleineinkauf einzuziehen, scheiterte, weil das betreffende Konto aufgelöst ist und schrieb mir diesbezüglich einen freundlichen Brief, in welchem um meine neue Kontoverbindung gebeten wurde. Man bedaure, aber man müsse mir wegen der entstandenen Kosten leider 35,- Euro Gebühr berechnen.

Äh, WTF? Einmal kostet das 3,50, einmal 35 Euro? Spinn’ ich?

Ich neige nun gegenüber Firmen und Behörden, die mich verscheißern wollen, zum Jähzorn und entwickle in solchen Fällen einen brennenden Ehrgeiz. Ich schrieb dann folgenden Brief:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich fordere Sie auf, mir kurz und formlos zu erklären, warum mein am 15.7.2009 um 20:13 an die Faxnummer xxxxxxxx versandtes Schreiben, das meine neuen Kontodaten und die Bitte um Aktualisierung enthielt, offenkundig nicht bearbeitet wurde, sodass es zu dem unnötigen Versuch einer Abbuchung von meinem erloschenen Konto kam.

Unabhängig von der Klärung der eingangs gestellten Frage bezüglich meines Faxes, weise ich Sie in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Sie laut Entscheid vom LG Dortmund, 25.5.07, AZ 8 O 55/06 keine pauschalisierten Personalkosten berechnen, sondern nur real entstandene Kosten weiter geben dürfen. Ich setze Ihnen hiermit eine Frist bis zum 31.8.2009, um entweder die Ihnen entstandenen Kosten zu dokumentieren oder die Gebühr neu festzusetzen.

Der guten Ordnung halber möchte ich zuletzt noch anmerken, dass mich Ihr Schreiben am 12.8.2009 erreicht hat, Sie aber eine Antwortfrist bis zum 15.8 setzen — abzüglich des zu kalkulierenden Postlaufs für die Antwort und angesichts der Tatsache, dass Arbeitnehmer gemeinhin erst abends Gelegenheit haben, ihre Briefpost zu kontrollieren, ist das eine Frist von zwei Werktagen. Das ist nach aktueller Rechtssprechung nicht illegal, aber deutlich unangemessen. Ich empfehle Ihnen, im Sinne der Kundenfreundlichkeit und des Images der Firma xxxx, in deren Auftrag Sie handeln, Ihre Politik in dieser Sache zu überdenken.

Mit freundlichem Gruße,

Gunnar L., Journalist

Das erste, das mit dem Fax, das war natürlich ein Bluff — aber hey, sollen die Spacken doch ruhig mal bei sich suchen. Das zitierte Gerichtsurteil ist aber korrekt, die übliche Politik, bei fehlgeschlagenen Lastschriften Fantasiegebühren anzusetzen, dürfte vor Gericht keinen Bestand haben. Außerdem enthält das Schreiben die üblichen Sachen, um Firmen zu ärgern — eine Fristsetzung, eine Aufforderung zur Dokumentation von entstandenen Kosten sowie das drohende Wort “Journalist” neben der Signatur. So.

Innerhalb der Frist kam die Antwort, dass man auf die komplette Forderung verzichte, weil ich ein “guter und langjähriger Kunde” sei.

Aha.

Leben unter dem Putzstern

by Gunnar on 3. September 2009 · 9 comments

Dass unser Töchterlein einen Putzfimmel hat, schrub ich neulich schon mal. Allerdings war damals die Sache noch relativ harmlos — mittlerweile ist das alles eskaliert und wir leben wie Bundeswehrrekruten am Putztag.

Ich illustriere das mal an ein paar Beispielen: Die Kleine nimmt sich ein Spielzeug aus dem Koffer of Many Thingstm (ein magisches Spielzeugreservoir in ihrem Zimmer), ich schnappe sie, um ihr die Windel zu wechseln, da schreit sie “Koffer!” und wir müssen erstmal zurück, um das Spielzeug ordentlich zu verstauen. Vor das Windeln hat Gott eben das Kofferpacken gesetzt. Wenn ich beim Präparieren des Milchfläschchens drei Mikrogramm Pulver verstreue, werde ich mit der Kampfansage “Sauber! Sauber!” und energischem Deuten auf den nahebei griffbereit liegenden Schwamm zur Ordnung gerufen — und ehe nicht alle Spuren getilgt sind, darf ich mit dem Leben und Atmen nicht fortfahren. Am frühen Morgen werde ich an der Hand zum Staubsaugerschrank geführt, damit Madame sich dort an der Quelle versorgen kann. Habe ich einen Kratzer am Arm, wird der sofort entdeckt, als nicht Papa-zugehörig eingestuft und wegzuwischen versucht. Und mit einer Spülbürste und einem Topf kann sie sich 15 Minuten still beschäftigen.

Absurd. Von mir hat sie das nicht.

Und schade nur, dass sie an diese Episode keine Erinnerung mehr haben wird, wenn wir in zehn Jahren darum kämpfen werden, dass sie ihr Zimmer aufräumt.

Beliebt durch Spielzeug

by Gunnar on 13. Juni 2009 · 11 comments

leider nur ein handyfoto

Mädchenkonferenz am Preysingplatz

Da sieht man mal wieder, wie materialistisch die Jugend von heute ist: Die Bande halbwüchsiger Furien vom Preysingplatz ignoriert meine Tochter, das Goldkindtm, allenthalben bei ihren Spielen, weil sie noch zu klein ist, um Touristen zu überfallen oder die Jungs vom Kirchspielplatz zu vertrimmen. Aber kaum fährt sie mit dem neuen Bobbycar vor und probiert die faszinierende Geräusche erzeugende Hupe aus, da wollen alle ihre Freundinnen sein.

Hm. Hm. Hm. Wir müssen ihr zeitig ein Moped oder einen Flammenwerfer kaufen. Das könnte ihre Popularität noch steigern.

Der Kater und die Nahtoderfahrung

Juni 12, 2009

Ach, Katzenbesitzer und Katzen entwickeln über die Jahre seltsame Rituale, die Außenstehenden schrullig vorkommen mögen.

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Das Goldkind hat ein Hobby

Mai 22, 2009

Mädchen brauchen Idole, das ist bekannt, das ist eines der festgefügten Prinzipien dieses Universums und hat Posterhersteller und Boygroup-Caster reich gemacht. Unser Goldkind hat sich ein handfestes Vorbild erwählt: unsere ukrainische Putzfrau.

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