Altherrenweisheiten

Da Grandfather of Spieleredakteure

by Gunnar on 19. April 2013 · 30 comments

Herr Kaliban war im Fernsehen, sozusagen. Mehrfach.

Ich weiß nicht genau, was die Welt mir damit sagen will – aber zwei Mal innerhalb einer Woche in Bauchbinden als “Urgestein” bezeichnet zu werden, das ist Rekord. Und eine Leistung auf, sagen wir, Gerhard Polt’schem Niveau:

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Das ist natürlich einerseits schmeichelhaft, andererseits gefährlich, denn:

Trainee –> Redakteur –> Alt-Redakteur –> Spieleveteran –> Urgestein –> Fossil

Ich bin schon fast da.

Ich weiß im Übrigen auch gar nicht, warum das mich trifft — gibt es einen Olymp der Urgesteine, dort droben, wo Lenhardt und Schneider wohnen? Und in den ich irgendwie verfrüht aufgestiegen bin? Oder ist das Barmherzigkeit der jungen Kollegen, die mir ein “Ex-Chefredakteur” in der Bauchbinde ersparen wollen? Oder sich selber den “Pressesprecher”, was ja immer nach mangelnder Recherche klingt? Oder ist es gar eine ironische Geste der jungen Kollegen? Eine Anspielung auf meine Beschäftigung mit Retro-Spielen und derlei Dingen?

Oder sehe ich einfach von allen am ältesten aus?

Ein einzelner Gedanke zum Älterwerden

by Gunnar on 24. Februar 2010 · 18 comments

Ein ausgesprochen egoperspektivischer Beitrag des Herrn Kaliban, in welchem er weitschweifig ein nichtiges Problem aus seinem Leben schildert.

Jetzt sind meine Lieblingsschuhe kaputt. Schlimm. Als ich sie mit 35 gekauft habe, konnte ich ja nicht ahnen, dass in der zweiten Hälfte der Dreißiger mein Geschmack erstarren würde und ich mir schon bald wünschen würde, ich hätte gleich mehrere Paare davon in Reserve erworben. Ein Gedanke übrigens, den zu haben ich mir im Alter von 20 nicht hätte vorstellen können. Ist auch offenbar ein Altherrenphänomen — meine Frau findet diesen Wunsch nachgerade bizarr.

Aber hey, jetzt gibt es die Schuhe natürlich in dieser speziellen Form nicht mehr. Nur noch so neumodisches Zeug, dem wieder einmal die schlichte Eleganz der früheren Serie fehlt. Eine gezielte Bosheit des betreffenden Schuhfabrikanten gegenüber dem älteren Drittel seiner Zielgruppe, vermutlich, mit der er deutlich machen will, dass man gefälligst mit der Mode zu gehen, seine Schuhe einmal im Jahr durchzulatschen und überhaupt viel mehr in Entwicklungsländer hergestellte Fußbekleidung zu kaufen habe.

Das ganze ist ein perfider Trick, wie bei den Verbrechern von Ikea, die eine völlig okaye schlichte Gläserserie ausgerechnet zwei Tage vor dem Termin absetzen, an dem unser Vorrat von 8 (Idealausstattung) über 4 (Minimalvorrat) auf 3 sinkt und wir gerne 3 Stück nachkaufen würden. Pustekuchen, natürlich. Jetzt gibt’s dann eine neue Serie, von der wir dann gleich wieder 8 (oder diesmal besser 10) kaufen.

Ach, die Bosheit der Welt.

LOAD “PARADROID”, 8,1

by Gunnar on 18. September 2007 · 23 comments

Wer heutzutage einen neuen PC kauft, der packt ihn aus, schmeißt vier Kilo an Broschüren weg, darunter versehentlich die Garantie und die Bedienungsanleitung, aber wer liest schon Bedienungsanleitungen, wir sind ja Profis, also aus dem Fenster damit, wir checken das schon. Man schaltet an, wundert sich über die erstaunliche Hochstartgeschwindigkeit eines frischen, noch unvermüllten Windows und denkt vielleicht schon mit mildem Schauder daran, dass sich in etwa zwei Wochen in den schlecht durchbluteten tieferen Schichten des Betriebssystems so viel Datenschlamm gebildet haben wird, dass man nach dem Anschalten auch getrost erst einmal die Katzen füttern, die Freundin anrufen und »Die Gebrüder Karamasow« lesen kann. Dann schiebt man derlei defätistische Gedanken beseite, schaut nach der vorinstallierten Software, klickt ein bisschen rum, versucht vielleicht mutig eine Internet-Verbindung herzustellen und so weiter. Schon schön, das alles.

Als ich damals meinen ersten PC auspackte, es war ein C-64 und somit eigentlich gar kein offizieller PC, sondern nur ein Heimcomputer, obwohl das eigentlich eine blödsinnige Unterscheidung ist, aber egal, damals also war das alles ganz, ganz anders. Da gab es keine intuitive Oberfläche, nur diesen kryptischen blauen Eingabebildschirm. Nichts war zu sehen von all den tollen Sachen, die das Ding können sollte. Dabei hatte ich doch meinen Vater erzählt, dass die neumodische Maschine »mir toll bei den Hausaufgaben helfen kann«. Diese bestechende Argumentationslinie war mir von einem Schulfreund nahegelegt worden. Naja. Sinn bekam das alles erst, als ich (per »Datasette«, einem cremefarbenen Kassettenrekorder!) die ersten Spiele laufen lassen konnte. Anekdote am Rande: Tatsächlich habe ich meinen besten Freund Marco am Vorführ-C64 des örtlichen Quelle-Ladens kennen gelernt, wo die Holzmindener Dorfjugend ihre ersten Gehversuche mit Raubkopien unternahm und zu Hunderten Spiele getauscht hat. Die Chose mit den Spielen hat dann logisch und mit nur wenigen Umwegen zu meinem heutigen Beruf geführt. Ahem. Was mich daran erinnert, dass ich vor Jahren in einem Vorstellungsgespräch einem hoffnungsvollen Jungredakteur in spe mal gesagt habe, ich würde »Spielekenntnis bis zurück zum C-64« erwarten. Worauf er mich anschaute, als sei ich ein besonders lernschwaches Kind und mich in ruhigem, aber bestimmten Tonfall darauf hinwies, dass es ja wohl »N64« heißen müsse.

Warum erzähle ich das alles eigentlich? Ach, um der ungewaschenen Jugend von heute mitzuteilen, wie beschwerlich das Leben früher in der Pionierzeit war. Wir hatten ja nichts, damals. Absurd, wie stolz ich war, wenn ich ein Simpel-»Programm« hinbekommen habe, das nichts weiter tat, als den Screen farbig aufblinken zu lassen und ununterbrochen ALLE SIND DOOF AUSSER ICH hinzuschreiben. Und heute? Heute machen fünfjährige Gören Power-Point-Präsentationen für die Projektwoche im Kindergarten, stellen Kurzfilme auf Youtube und hacken sich in den Pentagon-Zentralcomputer ein und so was. Schlimm.