Apple

Herr Kaliban und das iPad

by Gunnar on 9. März 2012 · 15 comments

Dieser Tweet hat leider mehr als 140 Zeichen und wird deshalb hier veröffentlicht, nicht auf diesem Twitter-Dingens:

Vorgestern, da war mein iPad 2 ein Prestigeobjekt, eine Bereicherung meines Lebens; Könige aus dem Morgenland kamen, mir zu huldigen. In Kürze wird es ein soziales Stigma sein, ein Stück Plastik, das seinen Platz im Schrank neben dem Kassettenrecorder hat.

In anderen Worten: Diese kurzen Produktzyklen machen mich wahnsinnig. Wenn man mit diesem Apple-Kram erstmal angefangen hat, gibt man entweder die Hälfte seines Einkommens für neue Sachen aus, die man nicht braucht oder man lebt mit dem vagen Gefühl des Zu-kurz-gekommen-seins, wenn man seine gestern noch topaktuellen Geräte benutzt.

Ach, die Vergänglichkeit des Konsumglücks.

Mac-Probleme

by Gunnar on 2. Februar 2012 · 7 comments

Ach, Grmpf.

Ist auch in der heilen Mac-Welt nicht alles Gold, was glänzt.

Erstmal crashte mir die Festplatte und verlangte nach Austausch. 179,99 Euro später nahm ich meinen Mac wieder in Empfang, um nurmehr alle Daten wieder aufzuspielen. Hatte ja schließlich immer schön mit dem Bordprogramm Time Machine Backups auf eine externe Platte gemacht.

Pustekuchen: Ein Backup auf Basis von OS X 10.72 und eine frische Platte mit 10.5 vertragen sich schon mal nicht gut genug, um freundliche Wörter geschweige denn Daten auszutauschen. Also die 10.6-Disk gesucht, Snow Leopard aufgespielt. Dann per App Store 10.72 heruntergeladen und installiert.

Dann festgestellt, dass das Backup nicht richtig erkannt wird.

Geschrieen.

Dann trotzdem versucht. Mac rödelt zwei Stunden, kein sichtbares Resultat.

Doch halt: ein Programm ist in der Taskleiste, das dort vorher nicht war. Und hey, im Ordner Programme sind allerlei Programme, die ich auch vorher hatte. Was fehlt, sind, nun, die Daten. Die Ordner, die Files. Argh!

Aber nun, die liegen ja offen auf dem Backup-Volume, kann ich ja vielleicht rüberziehen. Wenn ich mal wieder ein paar Stunden Zeit habe. Grmpf.

Apple-Bashing bei der SZ

by Gunnar on 7. Oktober 2011 · 69 comments

Herr Kaliban sollte nicht mehr Zeitung lesen.

Heute morgen gab’s in der Süddeutschen mal wieder einen Artikel über Apple und Steve Jobs, diesmal von Karl-Heinz Büschemann, dem Ressortleiter und Chefreporter des Wirtschaftsteils. Der Mann beobachtet schon sein ganzes Berufsleben große Konzerne und hat auch zwei Bücher verfasst, über die Energiewirtschaft und die Autoindustrie.

Keine Ahnung, ob die Bücher gut sind, über Apple jedenfalls schreibt er hanebüchenen Quatsch. Büschemann rückt den Konzern in die Nähe einer “Sekte”, nennt Jobs “Gott” und “Guru” und “Magier”; die Kunden der Firma sind für ihn samt und sonders “Fans”, “Opfer” und “Gläubige”. Der übliche Anti-Apple-Sermon halt, begründungsfrei und selbstgefällig runtergeschrieben. Man mag dem grundsätzlich zustimmen oder auch nicht, aber die Beschreibung ignoriert ein bisschen den Massenmarkterfolg jüngerer Apple-Produkte. Und beleidigt Millionen Kunden, die sich keine Jobs-Keynotes angucken oder vor Läden kampieren, sondern einfach ein leicht bedienbares Produkt haben wollen. Aber hey, geschenkt – völlig falsch ist das ja nun auch wieder nicht.

Weiterhin versteigt er sich aber auch zu der Aussage, Apples “Geschäftsmodell” sei nicht “nachhaltig” – und das ist zumindest eine gewagte Behauptung, wenn man sie nicht mit Fakten unterfüttert. Denn Apples “Geschäftsmodell” ist erstmal das Verkaufen von IT-Produkten und spezialisierter Software, das ist nicht weniger nachhaltig als bei anderen Firmen auch. Büschemann meint damit auch eigentlich, das wird beim Weiterlesen klar, nicht das Geschäftsmodell selber, sondern die Art, wie Apple Steve Jobs als Ikone einsetzt. Von einem Wirtschaftsjournalisten sollte man erwarten, dass er Fachwörter korrekt benutzt, aber hey, geschenkt.

Weiterhin schreibt er, Apple sei im Konkurrenzkampf mit Microsoft beinahe pleite gegangen, woraufhin Jobs ausgestiegen sei. Und impliziert, die Krise habe an Jobs’ Guru-Status gelegen (“Und niemand sollte in seiner schönen Welt stören.[…] Sein großer Gegenspieler Bill Gates machte es anders.”] Das passt hübsch in den Text, hat aber mit der wirklichen Historie nicht allzu viel zu tun. Von einem Wirtschaftsjournalisten sollte man erwarten, dass er die Fakten korrekt wiedergibt, aber hey, geschenkt.

Und er sagt, dass “spätestens jetzt jedem klar sein müsse, dass der Apple-Erfolg eine Blase ist”. Das ist vielen Analysten so nicht klar, aber bestimmt weiß Büschemann da mehr. Ungewöhnlich auch die Verwendung des Wortes “Blase”, welches normalerweise
eine Überbewertung einer Firma oder eines Segments anzeigt, die hier nicht gegeben ist, weil Apple sich (auch wenn sie ab jetzt deutlich Marktanteile verlieren sollten) in einem expandierenden Markt bewegt und allein im letzten Quartal horrende 7,308 Mrd. USD Gewinn gemacht hat. Aber geschenkt, das mit den Fachwörtern und Fakten sagte ich ja schon.

Nachgerade bizarr wird’s aber hier:

Er versuchte mit seiner Macht, die Freiheit des Journalismus zu beschneiden und setzte Verlage mit brutaler Preispolitik unter Druck. So hat Jobs den Abstieg von Apple selbst mit eingeläutet. Er machte sich Feinde. [Quelle: SZ]

Man könnte viel gegen Apple einwenden, aber Angriffe auf den freien Qualitätsjournalismus ist nicht das, was einem als erstes einfiele. Hier wird unverhüllt die eigentliche Absicht des Autors deutlich: Er greift Apple an, weil die Verlage in mancherlei Hinsicht ein Problem mit Apple haben. Hinter “die Freiheit des Journalismus beschneiden” verbirgt sich die lächerliche Sache mit den Titten und, vielleicht, die rigide Embargo-Politik gegenüber Redaktionen. Und die “brutale Preispolitik” meint die Tatsache, dass Verlage für Zeitschriftenverkäufe innerhalb ihrer Apps Apple 30 Prozent vom Umsatz abgeben sollen – wie alle anderen App-Anbieter bei In-App-Verkäufen auch. Und mit der Platzierung des Satzes “Er machte sich Feinde” direkt hinter der Erwähnung von Journalismus und Verlagen ist auch klar, wer nach Meinung Büschemanns Apples Feind ist oder sein sein sollte: die Redakteure der Verlagshäuser.

Erstaunlich, dass sich eine tolle Zeitung wie die SZ hier auf Bashing-Niveau begibt. Ist sowas befohlene Linie oder persönliche Beißlust eines Journalisten?

Wobei man der Fairness halber zugeben muss, dass sich in der SZ insgesamt Lobhudelei und Kritik die Waage halten.

Siri

by Gunnar on 5. Oktober 2011 · 17 comments

Bisschen blöd, dass der Clou an Apples nächster iPhone-Iteration jetzt Siri heißt.

So wie meine Tochter.

Da wähle ich nun schon extra einen Namen, der in den Top 500 der deutschen Vornamen-Charts nicht auftaucht und dann kommt Apple um die Ecke und macht auf einen Schlag die von ihnen neulich gekaufte Nischenfirma so berühmt, dass jetzt das Internet voller Siri-Erwähnungen ist.

In zehn Jahren wird sie mit lauter 9jährigen Mädchen auf dem Schulhof stehen, die sie fragen, ob sie auch nach der Sprachsoftware benannt worden ist, die damals, Ende 2011 in Geek-Kreisen so viel Furore gemacht hat. Und sie wird ihre Augen zum Himmel drehen und die mangelnde Voraussicht ihrer Eltern verfluchen.

War gar nicht schlimm.

by Gunnar on 26. Juli 2011 · 11 comments

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Herr Kaliban hat eine Oase in der Servicewüste gefunden.

Erstaunlicherweise wollten die Mitarbeiter von Gravis Karlsruhe das beschädigte Macbook nicht in die Zentrale schicken, sondern vor Ort prüfen und gegebenenfalls reparieren. Erstaunlicherweise war der Herr am Servicecenter bestechend freundlich und hatte massenhaft Zeit. Erstaunlicherweise meldeten sich die Mitarbeiter innert dreier Tage zwei Mal mit Updates zu den vermuteten Ursachen des Problems und den zu erwartenden Kosten. Erstaunlicherweise kam am dritten Tag dann die endgültige Ansage pünktlich. Erstaunlicherweise hatten die Herren festgestellt, dass sich das Gerät beim Auseinandernehmen und Zusammensetzen zwecks Fehlersuche selber repariert hat, weshalb sie nicht mal versuchten, mir einen kostspieligen Bauteileaustausch anzudienen.

So konnte ich nach ein paar Tagen freudestrahlend und ohne große Kosten meinen Mac wieder mitnehmen.

Sensationell. Ich hatte vermutet, dass bei Apple-Geräten bereits bei Kratzern am Innengehäuse standardmäßig Komplettverschrottung und Neukauf vorgenommen werden müssen.

Kinderspiele für das iPad, Teil 2

by Gunnar on 12. Juli 2011 · 6 comments

Christian Schmidt betrieb im gestrigen* Beitrag Studien zu iPad-Spielen und Kindern; Herr Kaliban legt heute mit Erfahrungen zum Spieleverhalten vom Goldkindtm nach.

Das Goldkind ist ja erst drei und demzufolge für die meisten Spiele gottseidank noch zu jung, sodass wir unser iPad auch mal selber verwenden können. Die Kleine nutzt das Ding zumeist als kurzen Weg zu Youtube, ich hab’ ihr in den Favoriten mannigfaltige Tier- und Trickfilmchen abgelegt. Aber ein paar Spiele haben wir doch ausprobiert, da wäre hauptsächlich…

Plants vs. Zombies! Man kann Kinder schließlich nicht früh genug auf die kommende Zombiekalypse vorbereiten. Wir spielen das immer gemeinsam, sie sammelt die Sonnen und verbrennt Untote mit Paprikas, ich mache den Rest. Ich hab’s noch nicht über mich gebracht, ihr zu erzählen, dass Zombies Hirn essen, daher sage ich immer, wenn einer durchkommt, dass der ins Haus ginge, um da “Sachen kaputt zu machen”. Was dann wieder dazu geführt hat, dass ich komische Blicke geerntet habe, neulich bei Freunden im Garten, als das Goldkind auf die Terrassentür deutete und mit funkelnden Augen ankündigte, dass sie jetzt ein Zombie sei, ein böser obendrein und jetzt reinginge, um drinnen alles kaputt zu schlagen. Naja, noch schauen sie, aber wenn die Zombiekalypse kommt, habe ich eine Tochter, die weiß, was zu tun ist.

Weiter: Doodle Jump und Tiny Wings sind Spiele, die sie mag, aber nicht recht zu bedienen weiß. Sie guckt aber gerne zu und fordert mich immer mal wieder auf, den “müden Vogel” oder den “hüpfenden Elefant” zu starten. Sie kann auch im Menü schon alles auswählen, nur das Spielen selber ist ihr zu kompliziert. Mit Fruit Ninja war’s übrigens ähnlich.

Super für kleine Kinder ist hingegen Tierlaute, das ist eine App, aus dem Konzept “Kärtchen mit Tieren drauf darstellen, auf Berührung Tierlaut abspielen” zwei, drei Mini-Spielchen gemacht hat. Funktioniert gut, ist ansprechend designt, kann man kaufen.

Nicht recht ein Spiel, mehr eine interaktive Geschichte ist Schlaf gut. Darin sieht man hübsch gezeichnet ein Haus mit Tieren am Abend. Ein Sprecher führt das Kind durch die Szenen, in denen jeweils durch Berührung eines Schalters das Licht gelöscht werden muss, damit das jeweilige Tier schlafen gehen kann. Dauert gut zwei Minuten pro Mal, kann man ganz gut ins Abendritual integrieren. Man könnte aber auch einfach eine Geschichte aus einem papiernen Buch vorlesen, ehrlich gesagt.

Ansonsten haben wir noch ein bisschen mit so hübsche-Grafik-Zeug wie LineArt oder Art in Motion herumgemacht, das war’s schon. Mehr Erfahrungen hab’ ich nicht zu bieten.

Kinderspiele für das iPad

by Gunnar on 11. Juli 2011 · 8 comments

Dies ist ein Gastbeitrag von Christian Schmidt*. Eine kleine Ergänzung von Herrn Kaliban mit entsprechenden Goldkindtm-Erfahrungen folgt morgen.

Ich bin nun seit knapp drei Wochen Besitzer eines iPad 2 und musste ich bis jetzt noch kein einziges Mal meine Prepaidkarte wieder neu aufladen. Denn anstatt damit zu telefonieren habe ich das schicke Ding über den größten Teil dieses Zeitraums direkt unter Extrembedingungen getestet: mit einer Schar von Kindern. Ich war letzthin auf Familienurlaub mit sechs Kindern, dazugehörigen Eltern und Omas und Opas. Dass das iPad bei Kindern hochbeliebt ist, versteht sich von selbst, deshalb wollte ich es vor dem Ausflug mit passenden Spielen ausstatten. Aber welchen? Was eignet sich für Kinder, was kommt gut an?

Ich habe zu der Frage wenig Hilfreiches im Internet gefunden, deshalb teile ich an dieser Stelle einfach mal meine Erfahrungen – vielleicht sind die für den einen oder anderen Mitlesenden erhellend. Ich hatte mich letztendlich für ein gutes Dutzend Spiele entschieden, die meisten davon bekannte Namen, und sie in den letzten Wochen an insgesamt zehn Kindern im Alter von 4 bis 14 ausprobiert, die sich wie die Wespen auf das Pad gestürzt haben. Für den Besitzer bedeutet das kurze Momente immenser Popularität („Duuu, Christian, dürfen wir dein iPad haben?“), gefolgt von langen Phasen der Nichtexistenz („Geh weg, wir spielen“).

Welches Spiel dabei das beliebteste war, dürfte die iPad-erfahrenen Mitleser wahrscheinlich überraschen – obwohl es an sich nicht überraschend ist, wenn man bedenkt, dass Kinder am liebsten miteinender spielen statt allein. Das gilt genauso für das iPad, und deswegen ist die wichtigste Erkenntnis: Die besten Spiele für Kinder sind solche, die man gemeinsam spielen kann.

Hier sind die Spiele, die ich an den Kindern ausprobiert habe:

Cut the Rope: Tolles Spiel für alle Altersgruppen. Die Steuerung zumindest der leichteren Levels begreifen schon die Jüngsten (3+), die Lösungen erreichen sie aber eher durch Ausprobieren und Glück denn durch Verständnis der Rätsellogik – was aber nichts macht, denn auch das Rumprobieren macht großen Spaß. Jungen Kinder kommt entgegen, dass sich der Bildausschnitt in den meisten niedrigen Levels nicht bewegt und alles auf einen Schirm passt. Das Spiel kam auch bei Erwachsenen und Älteren sehr gut an.

Doodle Jump, Need for Speed: Es ist interessant zu beobachten, dass jüngere Kinder, denen man einen Controller in die Hand gibt, die Bewegungen mitmachen, sich also bei Rennspielen in die Kurve legen und den Controller drehen. Der Sohn meiner Freundin (7) hüpft bei Jump-and-Runs bei jedem Spielsprung auf dem Sofa mit. Aus diesem Grund sind Spiele, die Feinmotorik voraussetzen, für jüngere Kinder eher ungeeignet, da die dazu tendieren, Bewegungen zu übersteuern. Das gilt für Doodle Jump & Co, vor allem aber für Rennspiele wie Need for Speed: Hot Pursuit; die sind bei kleineren Jungs zwar durch die Bank mächtig beliebt, aber die Autos krachen wie ein Flummi von Bande zu Bande.

Max and the Magic Marker: Eines der besten Spiele auf dem iPad zum Solo-Spielen für Kinder ab 7 Jahren. Jüngere werden von der Lauf- und Sprungsteuerung überfordert, die Gleichzeitigkeit und Timing erfordert. Kreativ, übersichtlich, gut erklärt und abwechslungsreich. Viele der simpleren iPad-Spiele beschäftigten die Kinder meiner Gruppe nur für ein paar Minuten („Mach mal was anderes!“), Max and the Magic Marker erwies sich dagegen als Stundenfresser. Einziges Manko ist die geringe Fehlertoleranz; wenn Max stirbt, muss man den Abschnitt von vorne beginnen. Was dank des motivierenden Spielprinzips aber andererseits auch Ausdauer lehrt.

Mirror’s Edge: Obwohl es aus der Erwachsenen-Ecke kommt und steuerungstechnisch durchaus komplex ist, erwies sich dieses Spiel nicht nur als einer der absoluten Favoriten für die Kids, es lässt sich auch schon von 4jährigen erfolgreich spielen (zumindest in den ersten beiden Levels). Das schnelle Wischen übers Pad gefällt vielen Kindern, und die Thematik des Wettlaufs finden vor allem Jungs ansprechend. Jüngeren kommt entgegen, dass das Spiel zumindest in gegnerfreien Levels ohne Druck abläuft, man also beliebig lang an einem Hindernis hantieren kann, bis man es überwunden hat. Der wahre Clou ist der Splitscreen-Modus, der ausnahmslos alle Kids begeistert hat („Jetzt will ich mal gegen dich!“).

Tiny Wings: Auch wenn’s kids-kompatibel aussieht, Kinder sind von diesem Spiel überfordert, weil es schnelle Reflexe und punktgenaues Timing erfordert und wegen der Trägheits-Simulation kein unmittelbares Feedback gibt. Die eher abstrakte Motivation („Noch weiter kommen!“) scheint Kinder nicht sonderlich zu motivieren. Dazu fehlt inhaltliche und optische Abwechslung.

Marble Mixer: Davon haben wahrscheinlich die Wenigsten bisher gehört, aber tatsächlich ist diese simple Murmelschnipperei mit Abstand das Kinderspiel Nummer 1 auf dem iPad. Korrektur: Das Familienspiel Nummer 1. Denn da hingen genauso viele Erwachsene vor dem Pad. Der wichtigste Aspekt von Marble Mixer ist schlicht, dass man es zu viert spielen kann. Das iPad wäre eine fantastische Party-Multiplayer-Plattform, wenn denn mehr Spiele Gebrauch davon machen würden. Marble Mixer zeigt, wie’s geht: kurze Partien, ultrasimple Steuerung (trotzdem mit Lernkurve), soziale Interaktion und Schadenfreude. „Das Spiel mit den Murmeln“ war beim Familientreffen der ständige Mittelpunkt einer bunt gemischten und stetig wechselnden Gruppe von Kindern und Erwachsenen, die schnell für eine Partie dazustießen oder auch nur zuschauten und mitlachten.

Labyrinth 2 HD: Interessanterweise eines der Spiele, das Erwachsene am meisten beeindruckt, weil sie das Prinzip des Kugellabyrinths aus der Realität kennen und staunen, dass es auf diesem kleinen technischen Ding aussieht und funktioniert wie in echt. Wer seinen Eltern die Faszination von iPad-Spielen nahebringen will, für den ist Labyrinth 2 HD die erste Wahl. Auch Kinder haben Freude daran, vor allem an den verspielteren Levels mit interaktiven Elementen. Jüngere haben Probleme mit der Feinmotorik, und man sollte darauf achten, dass sie auf einer weichen Unterlage sitzen, die zur Not ein fallendes iPad abfedern kann.

Angry Birds: Dazu muss man, glaube ich, nicht mehr viel sagen; das Spiel ist nicht umsonst so populär. Das bestätigte sich in meiner Gruppe: Die Mechanik begreifen schon die jüngsten (3+), das hübsche Design und einfache Spielprinzip gefällt allen Altersgruppen. Ein typisches „Darf ich auch mal?“-Spiel, das jeder mal anfassen will.

Small Things: Ich hatte angenommen, dass Hidden-Objekt-Spiele den Kindern wegen der einfachen Spielmechanik gefallen müssten, und hatte Small Things wegen seiner klaren und kinderkompatiblen Optik ausgesucht. Das war ein Fehlgriff. Die Masse an kleinen, ähnlichen Objekten macht das Suchen viel schwieriger als in klassischen Wimmelbildspielen, und das auf Kosten von optischer Abwechslung. Man sucht ständig die gleichen Dinge in den gleichen Bildern. Dass man die auch noch scrollen muss, gefällt Kindern gar nicht; und wenn zwei Kinder gemeinsam auf dem Pad herumtapsen, springt und zoomt der Schirm, was für irritiertes Gekreische sorgt.
Auch wenn ich von Small Things nur abraten kann, bin ich nach wie vor überzeugt, dass Wimmelbildspiele für Kinder sehr geeignet sind, vor allem, um das Lesen einfacher Wörter zu trainieren (5+). Auf dem PC ist die Samantha-Swift-Reihe wegen ihrer generell guten Qualität und zahlreichen Hilfefunktionen für Kinder sehr zu empfehlen. Eine Episode davon gibt’s auch fürs iPad, ich habe sie aber noch nicht ausprobiert.

Helsing’s Fire: Ich finde das Spiel super, aber jüngere Kinder halten es offensichtlich für eher langweilig. Das richtige Platzieren des Feuerscheins kriegen schon 5jährige hin, aber sobald die Farbreihenfolge und schnelle Ausweichreaktionen eine Rolle spielen, sind sie überfordert. Ältere Kinder (10+) haben durchaus Freude damit.

Multipong: Hatte ich heruntergeladen, weil vier Spieler gleichzeitig es spielen können. Aber im Gegenzug zu Marble Mixer ist Multipong für jüngere Kinder und ältere Erwachsene zu hektisch und für alle anderen nach kürzester Zeit schlicht zu langweilig.

Flight Control / Harbor Master: Wie zu erwarten ist das eher etwas für Jugendliche und Erwachsene, die Vorausplanung, Koordination und schnelle Reaktionen gut beherrschen. Kinder sind von dem zunehmenden Gewimmel auf dem Schirm überfordert, zumal die Darstellung des Geschehens recht klein ist. Selbst die Älteren in meiner Gruppe spielten nur dann Harbor Master, wenn sie partout keine andere Alternative hatten.

World of Goo: Ist natürlich eines der besten Spiele auf dem Pad, punktum. Obwohl sich der Humor eher an Erwachsene richtet, gefallen auch Kindern die bunte Optik und die knuddeligen Schleimkugeln. Schon 6jährige können die ersten Levels erfolgreich bewältigen, wenn man ihnen die Mechanismen erklärt. Später wird’s für sie aber zu haarig. Für Kinder, die Max und the Magic Marker aus dem FF beherrschen, ist World of Goo der nächste logische Schritt.

Ich setze die Liste bei Gelegenheit fort, wenn ich neue Spiele ausprobiert habe. Small World soll zum Beispiel als Mehrspieler-Titel spannend sein, das muss ich meiner Fokusgruppe mal unterjubeln. Was könnte ich noch mit ihnen spielen? Hat jemand eigene Erfahrungen zum Thema, Tipps für mich oder Anmerkungen zu meinen Urteilen? Ich bin für jede Rückmeldung dankbar!

Who the fuck ist Christian Schmidt? Christian Schmidt, 34, ist Spielejournalist und war zuletzt stellvertretender Chefredakteur beim Fachmagazin GameStar. Er gehört zur ersten Generation, die mit Videospielen groß geworden ist, und lässt keine Gelegenheit aus, das der zweiten Generation aufs Brot zu schmieren. Er hat (noch) keine eigene Kinder, aber 3.200 PC-Spiele in seiner Privatsammlung, was in Sachen Sozialverträglichkeit, Liebe und Kosten in etwa aufs Gleiche hinausläuft.

Wo mein iPhone schon überall war

by Gunnar on 21. April 2011 · 13 comments

Ein paar schlaue Menschen haben die Lokalisierungsdaten gefunden, die das iPhone sammelt und vermutlich an die CIA, den Mossad und den Klingonischen Rat übermittelt — und sie visualisiert. Obiges Bild zeigt einen Ausschnitt aus meinem Bewegungsprofil im süddeutschen Raum. Mehr dazu: iPhone Tracker.

Update: Es gibt auch Leute, die finden das alles halb so wild.

Und falls sich jemand wundert: dieses Blog ist nicht tot. Es atmet nur schwer.

iPhone Sex FTW!

by Gunnar on 25. Februar 2010 · 9 comments

Äh? War da nicht was? Hat Apple nicht eben noch handstreichartig 5000 Apps wegen, uh, im weitesten Sinne “sexueller Inhalte” aus dem Appstore (diesem Online-Laden für das iPhone, Sie wissen schon) gelöscht? Was, wir erinnern uns, die Kollegen von der BILD dazu veranlasste, sich lautstark um die Pressefreiheit zu sorgen.

Ein Sturm im Wasserglas, natürlich. Apple tut, was Apple für richtig hält und hat automatisch recht, solange es eine substanzielle Schar von Käufern gibt, die die Bequemlichkeit einer mit Designermögeln ausgestatteten Diktatur den Gefahren der freien Wildbahn vorziehen. Wie, äh, mich.

Aber langer Rede kurzer Sinn: Eben begab ich mich, in Sicherheit gewiegt durch die Moralisten aus Cupertino, in den Appstore, um ein bisschen Kleingeld zu verschwenden, und WAS MUSS ICH DA SEHEN?

Die Invasion der Sex-Apps:

sex apps

Absurd. Beim kursorischen Drüberschauen scheinen die Sex-Apps gerade zu überwiegen. Haben die seit gestern die Politik geändert? Ist das der Gegenschlag der Sexindustrie?

Oder sitzt bei Apple heute einfach der neue Praktikant am Freigabeschalter?

Windows 7 — na und?

by Gunnar on 23. Oktober 2009 · 46 comments

Ich bin ein kleines bisschen irritiert– was soll die ganze Hysterie in Twitter, Medien und Blogs um den Launch von diesem Windows 7?

Ich bin nun kein IT-Experte und habe auch die Beta von Windows 7 nicht ausprobiert, aber hey, so wie ich das verstehe, tut Windows 7 letztendlich doch nur das, was eigentlich Vista schon 2007 hätte tun sollen, aber einfach nicht getan hat. Sich jetzt zu freuen, dass man den Problemen einer teuren Software durch den Kauf einer neuen Fassung derselben teuren Software beikommen kann, ist ein bisschen sad.

Natürlich ist es schön, dass das missratene Vista (seinerzeit übrigens auch schon als bestes OS seit Erfindung des heißen Wasser beworben) jetzt abgelöst wird, aber nach so einem Desaster würde ich erwarten, dass MS den Kunden die nächste Variante als kostenloses Upgrade per singendem Boten ins Haus liefert, mit Goldschleifchen drum. Immerhin haben Privatnutzer und Firmen erst kürzlich ordentlich Geld für Vista ausgegeben — ein Betriebssystem ist ja nichts, was man in jedem ungeraden Jahr neu kaufen will. Das jetzt auch noch so halb-lustig zu karikieren, indem man insistiert, dass jetzt aber wirklich alles einfacher würde, das, liebe Redmonder, ist nachgerade frech.

Followerpower: Podcasts

September 21, 2009

Ich hatte kürzlich akuten Podcast-Mangel und bat meine Twitter-Follower, mir welche zu empfehlen. Daraufhin hagelte es Tipps. Ich möchte die Empfehlungen hiermit gern weitergeben.

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Freies WLAN in Berlin?

September 9, 2009

Gestern weilte ich in Berlin, wegen Medienwoche und IFA und so.

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