Baby

Elterngeheimnisse

by Gunnar on 27. November 2009 · 14 comments

Ich hatte mein bescheidenes Nebenprojekt Berufsgeheimnisse.de (bei dem es um das Sammeln kleiner Fetzen anekdotischen Insiderwissens geht) ja schon ein, zwei, drei Mal erwähnt. Und sicher auch drauf hingewiesen, dass ich dankbar um jeden bin, der dabei mitmacht. Nun gibt es eine Art Extension — die Elterngeheimnisse.

elterngeheimnisse

Der amerikanische Blogger Matthew Baldwin beschreibt Elternsein als “eine Serie von Querdenker-Rätseln”. Das trifft’s schon, irgendwie. Wir alle, die wir Kinder haben, erfinden täglich kleine Tricks, um irgendwas zu erreichen — wir denken uns ein Spiel aus, um aus dem täglichen Zähneputzen ein lustiges Ritual zu machen. Wir nehmen einen Ball mit zum Schuhkauf, um ihn durch den Laden zu werfen, damit das Kind hinterher rennt — und nicht in den ungewohnten Schuhen erstmal wie angewurzelt stehen bleibt. Wir wickeln den Teddy und die Puppe, um das Kind dazu zu bringen, sich leichter die Windel wechseln zu lassen. Wir führen ein komplexes Verabschiedungsritual durch, wenn das Kind sich nicht von einem Spielkameraden trennen will. Wir legen eine alte PC-Tastatur neben die richtige, damit das Kind unser Herumtippen nachahmen kann, ohne das System zum Absturz zu bringen.

Et cetera.

Jeder hat seine Methoden, jeder hat seine Ideen. Manche erzählen wir Freunden, manche behalten wir für uns, manche vergessen wir einfach wieder. Diese Webseite soll die Tricks und “Geheimnisse” von Eltern sammeln, als Hilfestellung für andere Eltern primär, aber auch einfach zu Erbauung oder Unterhaltung. Es geht nicht um lange Abhandlungen, komplexe Anleitungen, Produkttipps oder Rezepte, dafür gibt es genügend Orte im Netz — auf elterngeheimnisse.de soll das Leichte, Schnelle, vielleicht Verblüffende im Vordergrund stehen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn einige von Ihnen, geschätzte Mitlesende, mitmachen und uns einen oder mehrere Ihrer Tricks verraten würden. Noch ist die Seite nämlich ein bisschen leer…

Update 30.11.: Seit eben funktioniert auch der bislang fehlerhafte RSS-Feed.

Frühkindliche Entwicklungsstufen

by Gunnar on 8. Februar 2009 · 2 comments

Kinder lernen Krabbeln. Und dann Gehen. Theoretisch.

Praktisch ist es aber so, dass zwischen Krabbeln und Gehen noch die Stufe Gehen wie der Butler in der zweiten Hälfte von Dinner for One(*) kommt.

Jaja, weiß schon. Diese Anmerkung finden allenfalls Eltern vage amüsant. Bitte bei Kinderlosigkeit ignorieren und weitersurfen.

Kinderstrom

by Gunnar on 25. Januar 2009 · 7 comments

Meine Tochter, das Goldkindtm, hat eine neue Superkraft erworben — Blitzschnelles Bücherregale-Ausräumen.

Ich schaue vom Buch hoch, da sitzt sie vor dem Regal und sabbert friedlich auf ein giftfreies Stofftier aus nationaler (lies: bayrischer) Produktion. Ich senke den Blick, lese das Wort “oder”, höre ein leises Rascheln, schaue wieder hoch und — die komplette untere Regalreihe Bücher liegt auf dem Parkett. Kreuz und quer. Das Goldkind sitzt dazwischen und sabbert friedlich auf eine alte Ausgabe von Asimovs “Caliban”.

Absurd. All die Energie. Vielleicht könnte man an den Büchern Drähte befestigen und damit eine kleine Turbine antreiben. Und so den Strom für, sagen wir, die Xbox 360 gewinnen.

Zu irgendwas müssen die Kinder doch nützlich sein, bevor man sie endlich, mit sechs oder so, zum Arbeiten in die Salzminen schicken kann.

Gib mir ein Zeichen!

by Gunnar on 1. Juli 2008 · 6 comments

Es gibt ja diese alte Theorie, dass man Babys, bevor sie zu sprechen anfangen, eine simple Zeichensprache beibringen kann. Man kann sich das ganz gut vorstellen: Die Kleinchen bekommen relativ schnell raus, dass sich die Chance, von Papa auf den Arm genommen zu werden, quasi exponentiell erhöht, wenn sie die Ärmchen ausstrecken und große Augen machen. Funktioniert schon lange, bevor sie das Schauspiel mit dem leicht quengelnd vorgetragenen Wort Aaaaarm! untermalen können. Unsere Tochter etwa, das Goldkindtm, hat ganz ohne fremde Hilfe ein Zeichen für Gib mir mal den verdammten Schnuller entwickelt. Dazu legt sie einen Arm ans Ohr und die Hand auf den Kopf, ganz als wollte sie diese Bewegung machen, mit der man früher geprüft hat, ob Kinder schon schulreif waren — wer mit dem Arm über den Schädel das Ohr auf der anderen Seite ergreifen konnte, war reif für höhere Bildungsweihen. Absurd. Aber so waren die Zeiten damals, als man noch keine Computergestützten Einstufungstests machen konnte.

Hmmm, ich schweife ab. Also, das Goldkindtm kommt natürlich nicht ans andere Ohr, sie soll ja auch erst 2014 in die Schule. Aber sie macht die Bewegung immer, wenn sie den Schnuller will, wobei sie aber noch den Kopf zum Arm dreht. Und wir, freudig erregt über jedes deutbare Zeichen, denn es gibt ja auch genügend Gelegenheiten, wo man ums Verrecken nicht weiß, was das Wechselbalg will, eilen uns, ihr den Nuckel in den Mund zu stecken. Mission accomplished, Elterndressur gelungen. Es hat uns aber ein paar Tage der Beobachtung gekostet, herauszufinden, wie die Kleine überhaupt auf diese merkwürdige Bewegung kam: Wenn der Schnuller noch im Mund war, durch allzu energische Zungenbewegungen oder die generelle Tücke der Schwerkraft aber herauszufallen drohte, ließ sich mittels Drehen des Kopfes und Andrücken des Nuckels mit dem Arm zuweilen eine Stabilisierung der Lage erreichen. Das verselbständigte sich dann über die Zeit zu einem abstrakten Zeichen. Schräg, irgendwie.

Kinder sind komisch.

Das Kind als Schablone

by Gunnar on 18. März 2008 · 13 comments

Ach, wenn man Kinder kriegt, dann nimmt man sich ja immer viel vor: Nicht so werden wie die eigenen Eltern, den eigenen Menschenhass verstecken und die eigenen Süchte und die eigenen Ängste. Ihm die Liebe zu gutem Essen vermitteln, zu guten Büchern, zum richtigen Fußballclub. Toleranz lehren, zur Selbstständigkeit erziehen, loslassen können, aber trotzdem behüten. Et cetera. Wenn man Mitte/Ende 30 ist, liegt das eigene Leben nämlich auf einigermaßen stabilen Schienen: Die Partnerfrage ist weitestgehend gelöst, der Beruf gefunden, der Plan, als Rocksänger berühmt zu werden, der ist dann doch im Morast des eigenen Wesens versunken. Da hat man Zeit zum Nachdenken und fühlt sich irgendwann irgendwie bereit für ein Kind. Und wenn sich eines ankündigt, schnappt man stante pede über: Bücher, Kurse, Webseiten — jeder Tropfen Wissen wird aufgesogen. Man steckt Monatsgehälter in den Ausbau des rosafarbenen oder hellblauen Kinderzimmers und meldet das Kleine schon mal prophylaktisch für Geigenunterricht, Karatekurs und das Medizinstudium an. Und gute 20 Jahre voller Überbehütung, guten Ratschlägen und Besserwisserei später wundert man sich, warum das doch so talentierte Kind neurotische Züge zeigt, das Abi abgebrochen hat und überdies dem Marihuana-Abusus fröhnt.

Vermutlich ist es irgendwie gesünder, wenn man ein Kind mit Anfang 20 bekommt. Da hat man noch so vieles nicht erlebt, noch so vieles im eigenen Leben zu erledigen, dass das Kind einfach nur dabei ist, Teilnehmer am Elternleben anstatt Hauptdarsteller in der Mitte der Bühne. Seinerzeit in meinem Studium, 1895 muss das gewesen sein, spielten während jedes Seminars Kleinkinder im Raum, ganz selbstverständlich mitgebracht von ihren studierenden Müttern. Alles einigermaßen unaufgeregt und unideologisch, meilenweit entfernt von der Hysterie 39jähriger Bogenhausener Mütter mit altphilologischem Abschluss, die Kita-Mitarbeiter mit exakten Anweisungen in den Alkoholismus treiben und im Freundinnenkreis die Rangordnung nach den Leistungen des eigenen Kindes festlegen: Unser Kleiner konnte ja schon mit elf Monaten “Mama, ich möchte ein Biowurstbrot” sagen. Und die Große will jetzt unbedingt bei den Tennis-Vereinsmeisterschaften antreten. Ach, süß, wie ehrgeizig sie ist. Uh.

Also, wir haben uns vorgenommen, möglichst so zu sein, wie wir gewesen wären, hätten wir Marleen vor zehn Jahren bekommen. Nur ein bisschen gereifter.

Fragt mich in zehn Jahren nochmal, wie’s geklappt hat.

Alles wird anders!

by Gunnar on 11. März 2008 · 78 comments

marleen siri lott

Als die Liebe meines Lebenstm seinerzeit schwanger wurde, hagelte es Glückwünsche von Freunden, Kollegen, Bekannten: Hey! Hu! Willkommen im Club! Schön! Beste Entscheidung Eures Lebens! Jay! — und so weiter. Man denke sich die entsprechenden Gesten dazu. Wir waren natürlich einigermaßen euphorisiert. Bestätigung dämpft Ängste, betäubt Zweifel.

Dann, so im achten Monat, änderte sich die Tonlage. Zunächst unmerklich, dann deutlich: schlimm ist das alles, sechs Monate kein Schlaf, immer die Sorge, das Zahnen und die Tatsache, dass das elfjährige Mädel den Wunsch geäußert hat, mit ihrer großen Liebe Murat in die Türkei zu gehen, was am Ende Probleme mit dem Verschwindenlassen der Leiche des Jungen aufgeworfen hat und derlei Dinge mehr und überhaupt. Das gibt mir zu denken. Das ist doch ein abgefeimter plan der Gebärenden, arglose Yuppies und Dinks in ihre Reihen zu locken, damit auch in Zukunft noch Kindergärten und Schulen gebaut werden. Und die Wahrheit sagt man uns erst wenn’s zu spät ist. Naja. Egal. Zu spät ist es auf jeden Fall:

Wir begrüßen Marleen Siri Lott, geboren am 11.3.2008, 8:08 Uhr in München.

Also heute. Huh.

Naja, was soll man sagen. Abgefahren ist es, ein Kind zu bekommen. Empfindet sicher jeder anders, aber eine emotionale Achterbahnfahrt ist es allemal. Kurz nach der eigentlichen Geburt war die Liebe meines Lebenstm noch im OP, ich hatte das Kind eine Stunde allein für mich. Anfangs schrie’s, dann fing es an, sich auf meine Stimme hin zu beruhigen, dann schlief es auf meinem Arm ein. Unglaublich. Kopfgesteuerter Vernunftmensch, der ich bin, konnte ich meinem Hirn zusehen, wie es alle Arten von Emotionen an der Kleinen ausprobiert: Haben. Festhalten. Beschützen. Planen. Ich habe ihr Dinge aufgesagt, Lieder vorgesummt und dann… …dann kam die Liebe meines Lebenstm aus dem OP. Und mein erster Impuls, nur für Nanosekunden natürlich, war: ihr die Kleine nicht zu geben. MEINS! MEIN SCHATZZZZ. Huh.

Such is the power of love.

marleen siri lott

P.S. Ich hatte mich emotional drauf vorbereitet, dass sie komisch aussieht, wenn man sie mir nach
der Geburt zeigt. Blutig, knautschig, voller Schmiere. Ich dachte, hey, da muss man sie noch nicht niedlich finden. Da ist sie irgendwie noch ein Ding. Mach dir keinen emotionalen Stress, alter Junge, das mit dem Liebhaben kommt dann schon. Und was war? Ich fand sie schon im Kreißsaal soooo niedlich!

Die Natur hat’s drauf. Da gibt’s kein Vertun.