Bayern

Kaliban-Gespräche, Folge 3: Agitpop!

by Gunnar on 21. Mai 2012 · 9 comments

Herr Kaliban sprach mal vor Jahren mit dem Herrn Agitpop über Urheberrecht und Piraterie. Das war ein schönes Gespräch, die Herren nahmen sich denn auch vor, das bei Gelegenheit mal wieder zu tun. Nun, hey, kaum drei Jahre später ist es schon so weit. Das Thema diesmal: der FC Bayern. Das Sujet liegt seit Samstag ein bisschen in der Luft, außerdem ist der Herr Agitpop Fan und Mitglied des besagten Vereins.

Huh, Agitpop? WTF?
Herr Agitpop ist so eine Art “Internet-Freund” vom Herrn Kaliban. Obwohl er FC Bayern-Fan ist. Er twittert zu viel und hat ein sensationelles Blog, das er leider seit einem Jahr nicht mehr updatet, in dem aber noch viele schöne Texte zu finden sind. Der über Bioshock etwa. Oder den über Moral in Games oder der über Schäuble und die Vorratsdatenspeicherung.
Für Portal 2: Show me a Story gewann er den “Warmen Händedruck 2011″, eine Art Preis für Spielejournalismustexte.
Wer mal seine Stimme hören will, könnte das im Zockstoff-Podcast tun, wo er neulich mit Herrn Imre über das Ende von Mass Effect 3 redete.

Herr Kaliban: Also, um mal mit einer Sportreporterfrage einzusteigen: Herr Agitpop, wie fühlt man sich am Tag nach so einem Match?

Herr Agitpop: Kurze Antwort: Leer. Lange Antwort: Völlig leer. Antwort, die ich mir von Spielerseite immer erhoffe: Was ist denn das für ‘ne bescheuerte Frage, du Fliesenleger.

Von uns, die wir nicht Bayern-Fans sind, und daher wöchentlich mit Enttäuschungen und regelmäßig mit titellosen Jahren leben, von uns normalen Menschen also, wird ja immer gerne angenommen, dass Bayern-Fans zu großer Emotion gar nicht fähig sind.

Was natürlich absoluter Blödsinn ist, weil es eine Katastrophenrangfolge vorgibt. So als gäbe es eine Schwelle, die überschritten werden muss damit etwas emotional trifft.

Natürlich ist ein so verlorenes Champions-League-Finale nicht vergleichbar mit einem Abstieg. Aber ein versemmelter Test ist auch nicht vergleichbar mit einem abgebrannten Haus. Das macht die Sache aber in dem Moment nicht weniger schmerzhaft.

Und im Vergleich zu dem, was in Somalia passiert, hat keiner von uns das Recht sich zu beklagen.

Dazu kommt ja noch der Umstand, dass Erfolglosigkeit kein Ehrenabzeichen ist. Als wenn sich die Lauterer Fans beschweren würden, wenn Lautern plötzlich jedes zweite Jahr Meister würde.

Bei mir in der Timeline/Freundesliste/Sozialdings hat der Ton nach kurzer Fassungslosigkeit relativ schnell gegen die eigene Mannschaft gewendet. Da hat kurz nach dem Elfmeterschießen ein Die-Hard-Fan tatsächlich ein “Fuck you, Neuer” ausgestoßen. Sowas ist ein natürlich wahnsinnig subjektiver Ausschnitt aus der Realität, ach was, die Timeline ist ja nicht mal Realität, aber ich bin ja schnell mit Vorurteilen bei der Hand.

Du folgst den falschen Leuten.

Mir scheint das immer ein Anzeichen für verwöhnte Fans zu sein: die schnelle Wut auf die Mannschaft bei Rückschlägen.

Ich folge ja auch so rund 20 bis 30 Bayern-Fans und bei mir war das ganz anders. Hadern. Ja. Und ein gewisser Frust, dass Robben schon wieder im entscheidenden Moment versagt. Das wir bei Standards so harmlos sind, dass wir 18 Ecken haben und nicht eine echte Chance daraus hervorgeht. Dass brutalstmöglicher Defensivfußball belohnt wird, als wäre das 2006 bei der WM noch nicht schlimm genug gewesen.

Aber da war eben auch sofort die Erkenntnis, dass es weitergehen muss. Weiter, immer weiter. Dass die nächste Saison kommt. Dass wir wieder dabei sind. Das war eher ein gegenseitiges Stützen und das Gefühl, dem Verein und einander noch enger verbunden zu sein. Weil man nach 1999 jetzt schon wieder so eine bittere Niederlage gemeinsam erlitten hat. Sowas schweißt zusammen.

Natürlich hat Bayern Erfolgsfans. Mehr als andere Vereine, weil eben mehr Titel geholt werden. Aber ich bin auch erstaunt, wer auf einmal seinen 10 Jahre eingestaubten Biene-Maja-Schal aus dem Schrank kramt. Oder bei der EM wieder im schwarz-weißen Trikot beim Public Viewing jubelt. Scheiß drauf. Die sollen mal machen, aber nach denen muss man sich nicht richten.

In meiner Timeline hat der harte Fankern nach gestern Abend eher ‘ne Menge Respekt für den Schalker Jungen bekommen. Der Mann hat immerhin mehr Eier gezeigt als der Teil unserer Jungs die sich fast unterm Rasen versteckt haben als man Elfmeterschützen suchte.

I second that. Die Tatsache, dass er geschossen (und auch noch getroffen hat), ist krass. Vielleicht das Bedürfnis, immer noch etwas mehr zu tun, um die Anerkennung der Bayern-Fans zu gewinnen. Vielleicht aber auch einfach Tapferkeit vor dem Feind.

Du sprichst ein “gegenseitiges Stützen” unter den Fans an. Das ist etwas, das zumindest ich aus meiner vorurteilsbeladenen Hannover 96-Sicht mit Bayern-Fans nicht sofort assoziiere. Meinst, es tut dem Verein und seinen Fans nicht auch ganz gut, mal wieder ein bisschen Tragik zu erleben?

Ich bin ja persönlich der Meinung, dass ein Barcelona 1999 gereicht hat. Da hätte ich auf ein München 2012 verzichten können. In der Vorwoche – gegen Dortmund – da war’s ‘ne verdiente Klatsche über die sich keiner beschweren konnte. Und vor zwei Jahren gegen Inter war’s auch verdient. Ich glaube nicht, dass Tragik ein pädagogisches Element ist. Vor allem weil’s doch – so wie bei jedem Verein – nur die wirklich hart trifft, die mit Herzblut dabei sind. Die Schönwetterfans fluchen über Neuer und streifen sich dann die schwarz-rot-goldene Blumenkette über und gehen auf die EM-Partys.

Aber – Phrasenschwein!- das gehört doch unabhängig von Verein zum Fußball. Das hätte ja auch Hannover im umbenannten UEFA-Cup passieren können. Das prägt halt und das bleibt im System. Ich sehe uns schon in 10 Jahren da sitzen und vom Krieg erzählen. Wie wir das Finale gesehen haben. Was wir gedacht haben. Das sind Bilder die sich einbrennen und Emotionen die so mächtig sind, das wir sie den Rest unseres Lebens nicht abschütteln werden. So wie vor drei Jahren Bayern-Fans über 1999 geredet haben wie andere Leute über den 11. September.

Ach, ich glaube, die Tragik, die unverdiente Niederlage, das knapp daneben, das ist die Wolle, aus der Veteranengeschichten gewebt werden. Unsere Heimniederlage gegen Atletico war so glatt, darüber musste man nicht reden. Das Spiel in Madrid hingegen, mit der Abwehrschlacht und dem Tor in der Nachspielzeit, das bleibt uns.

Aber wir dürfen ja auch verlieren, wir sind ja nicht Bayern.

Andere Sache: Woran liegt’s denn beim FCB in dieser Saison? Pech und Karma, zu dünner Kader, falscher Trainer?

Der Titel- und Siegeshunger wirkt arrogant. Aber das ist Teil des Deals. Wenn du Bayern-Fan bist, dann willst du jedes Spiel gewinnen. Ist auch eine Einstellung, die ich auf die Nationalmannschaft übertrage. Ist ja ganz toll, dass wir seit sechs Jahren weltweit beliebt sind weil wir sympathische Zweite und Dritte werden. Ich möchte mal wieder ‘nen Titel. Und wenn der dreckig erkämpft und erbolzt wird, dann eben so. In Schönheit sterben – wie’s der Verein gestern gemacht hat – macht auf Dauer auch nicht glücklich.

Diese Saison: Von allem ein bisschen. Wenn man mal neutral drauf guckt: Bayern sind Ligazweiter mit einer Leistung, mit der man in vielen anderen Jahren Meister geworden wäre. Aber die Dortmunder sind einfach eine überragende Mannschaft die letzten zwei Jahre, zumindest national, und das muss man neidlos anerkennen. Da hat Klopp eine Mannschaft geschnitzt die perfekt ineinander greift. In Ansätzen gibt’s das bei Bayern auch. Kroos, Badstuber, Alaba, Müller. Das sind ja Van-Gaal-Gewächse. Aber der wurde halt zu früh entlassen wegen “Erfolglosigkeit” und weil’s zuviele Alpha-Tierchen sind. Ist wie bei den meisten Vereinen: Der Fisch stinkt vom Kopf her und Hoeneß, Rummenigge und Konsorten sind Platzhirsche der alten Schule, die keine Götter neben sich zulassen. Das wird sich wohl ändern müssen.

Ansonsten: Robben versagt im entscheidenden Moment. Mario Gomez ist und bleibt ein Großchancentod und es war kein B-Team da, das überzeugt um zugleich auf drei Hochzeiten zu tanzen, wie das bei Barcelona oder Real geht. Andererseits: Der Preis den die dafür bezahlen, die völlige Überschuldung, ist es nicht wert. Da endet dann die Erwartungshaltung doch.

Vermutlich wär’s mit van Gaal noch auf andere Arten schief gegangen, aber mein Eindruck ist, dass das Trainerteam taktisch nicht voll auf der Höhe ist. Die Mannschaft ist ausrechenbar, vertraut auf individuelles Genie — und wenn der Gegner mal einen klaren Plan hat, dann ist die Heldentruppe plötzlich erstaunlich wirkungslos.

Nicht nur gegen Dortmund, auch Gladbach, Augsburg und Hannover, alles im weiteren Sinne “Trainer-Mannschaften” oder “System-Mannschaften” haben sich gegen Bayern gut geschlagen.

Da hast du Recht. Ein System mit dem wir starr gegen die Wand rennen. Hoher Ballbesitz, aber langsamer Aufbau, immer über die Flügel und ein Robben oder Ribéry werden dann gerne mal ganz aus dem Spiel genommen.

Die Fixierung auf Robbery ist das eine Problem. Schlimmer ist die Fixierung auf Gomez (den ich nicht für einen Chancentod halte) — wenn der abgeschirmt ist, fehlt zu viel. Hat man ja am Samstag gesehen.

Du hälst Gomez nicht für einen Chancentod? Der hätte diese Saison den Rekord von Müller (Gerd, nicht Thomas) einstellen können, wenn er sich nicht im Strafraum so verdribbeln würde oder einfach mal draufziehen würde, statt Bälle erst stoppen zu wollen. Der Mann hat mich diese Saison Nerven gekostet. Gefühlt braucht Gomez vier oder fünf Großchancen ehe er den Ball versenkt. Aber da hat man ja, wie der Stoiberede heute verkündet hat, jetzt eine neue Sturmgranate.

Claudio Pizarro…

Pizarro ist super für die zweite Mannschaft oder als Joker.

Das ist so, als wenn dir der eigene Verein am Tag danach nochmal mit Schmackes eine runterhaut.

Zurück zu Gomez:

Gomez schießt pro Spiel 3 Mal auf das Tor (3,1 Mal, um genau zu sein) und erzielt dabei fast immer einen Treffer. Das ist so schlecht nicht, andere Stürmer haben keine besseren Quoten. Und er spielt wirklich gut mit, zieht Verteidiger, schafft Räume, provoziert Fouls.

Das ist doch wieder so’n typisches Bayern-Fan-Ding, das man mit einem 30-Mio-Stürmer nicht zufrieden ist…

Ja, aber das sind objektive Statistiken! Bei der eigenen Mannschaft geht es nicht um Objektivität. Da sehe ich, wie Gomez schon wieder einen Ball vertändelt und denke mir bei jedem einzelnen Schuss, dass unsere Omma das auch noch hinbekommen hätte.

Nun gut, Lewandowski sieht eleganter aus dabei. Der Gomez sieht übrigens in vielen Situationen nur komisch aus, weil er so lange Beine hat. Im Spiel gegen Chelsea hat er sich sogar einen Fallrückzieher aufgelegt – der kann durchaus was am Ball.

Außerdem profitiert ihr doch von unserem Bayern-Ding und bekommt preisgünstig Spitzenkräfte wie Schlaudraff und Haschemian. … … Okay, letzterer vielleicht nicht so sehr.

Nicht nur Hannover, die Liga ist voll von Leistungsträgern, die man bei Bayern nicht richtig einsetzen konnte oder wollte. Pizarro, beispielsweise. Podolski. Kroos. Kraft.

Mats Hummels.

Korrekt.

Und nächstes Jahr schießt uns Olic aus dem DFB-Pokal und Usami aus der Champions League.

Lass uns noch einmal zum Fan-Sein zurückkehren: Nervt das, das man immer des “Erfolgs-Fan”-Seins verdächtigt wird?

Oder kommt das gar nicht so oft vor, wie ich mir das vorstelle, der ich natürlich JEDEN Bayern-Fan automatisch für einen Event-Fan halte?

Doch, das kommt dauernd vor. Du wirst ja auch als Fußballfan von den anderen nicht ernst genommen, eben weil du Bayern-Fan und damit kein Fan bist. Was aber auch schizophren ist: Für Erfolge sollst du dich schämen, Misserfolge reiben dir die gleichen Leute dann mit Inbrunst unter die Nase.

Aber auch das definiert ja. Als Bayern-Fan leidest du eben unter anderen Problemen. Das willst du aber auch. Du willst ja den Neid und die Missgunst, weil du dann weißt, dass das Ding läuft. Diese ekelhaften Beileidsbekundungen, die braucht doch kein Mensch. Und immerhin kannst du dir sicher sein, dass du deutschlandweit Antipathien erntest. Damit muss man eben auch umgehen können. Aber wenn du als Fan von allen gemocht werden willst, dann musst du halt Freiburg supporten.

Oder Mainz.

Oder Mainz.

Trägst Du Farben? In der Öffentlichkeit, meine ich. Vor dem Fernseher zählt nicht.

Klar. Wobei ich in den letzten Jahren eher zum dezenten T-Shirt übergegangen bin. Aber mein Mehmet-Scholl-Shirt trage ich mit Stolz. Den Schal im Winter auch. Im Trikot bin ich inzwischen seltener unterwegs, weil’s doch in vielen Situationen unangemessen ist. Und den Bazi-Button der mit der Vereinsmitgliedschaft kam, habe ich auch noch nicht ans Revers geheftet. Aber ich stehe schon klar zu meinem Fansein und zum Verein.

Gut so. Nun, ich überlasse dich jetzt wieder deinem Schicksal und den Morissey-Platten, wünsche verständnisvolle Kollegen und generell eine gute Zeit. Wir sehen uns in der Liga und ich hoffe, unsere Heimspiele gegen euch gehen genau so aus wie in den letzten beiden Jahren.

Ich muss jetzt “Schau’n mer mal” sagen. Oder?

Ich hätte zum Ausklang noch einen Musikwunsch:

Da gibt’s in den Kommentaren – bei Youtube erschreckenderweise – einen gar nicht so dummen Satz: “In den Farben getrennt. In der Sache vereint.”

Ich glaube, das ist ein gutes Schlußwort.

Amen.

[Hinweis: In den ersten beiden Folgen der “Kaliban-Gespräche” redete Herr K. mit Petra Fröhlich, Spieleredakteurin Galore, und Falko Löffler, Schriftsteller und Spieletexter.]

Ausnahmsweise FCB

by Gunnar on 19. Mai 2012 · 7 comments

Liebe FCB-Fans,

wir geben es zu: Eben haben wir dem BVB auch noch das sechste und siebte Tor gewünscht, nur um Arjen Robben weinen und den Bratwurstbaron die Backen aufblasen zu sehen.

Heute jedoch, mit ängstlichem Blick auf die Uefa-Fünfjahreswertung und die Stimmung des Bayern-Blocks in der Nationalmannschaft, sind wir voll auf eurer Seite. Zumal Chelsea ja nun auch wirklich der unsympathischte Verein auf Gottes Erdboden ist.

Los also, feuert eure Millionäre an, damit sie Herrn Abramowitsch und seinen Millionären zeigen, wo der Hammer hängt. Wir würden sogar ein demütigendes 5:0 über die Engländer gutheißen. Auch wenn wir dann ein paar Monate lang eure unerträglich gute Laune ertragen müssen.

Alles Gute,

der Rest der Republik

P.S. Das heißt noch lange nicht, dass ihr jetzt alle eure Profilbildchen bei Facebook und Twitter und Gravatar und Google+ durch Bayern-Logos ersetzen sollt. Das nun nicht. Jede Toleranz hat Grenzen. Es ist doch auch eine Frage der Ästhetik. Denkt doch an die Kinder!

Finale dahoam

by Gunnar on 16. Mai 2012 · 4 comments


by Gunnar on 26. September 2011 · 1 comment

Zur Feier des aktuell stattfindenden Oktoberfests möchte ich dieses alte Meisterwerk meines Ex-Kollegen Michael Obermeier mal wieder hervorkramen. Stammt aus dem Jahr 2007 oder so.

Herr Kaliban zitiert aus der Verfassung des Freistaates Bayern.

Vielleicht von Interesse für Menschen, die versuchen, des Wesen und Wirken der Bayern zu verstehen — hier ist der Artikel 131 der bayrischen Verfassung, der sich mit den Zielen der Schulbildung beschäftigt:

(1) Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden.

(2) Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft, Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungsbewußtsein für Natur und Umwelt.

(3) Die Schüler sind im Geiste der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum deutschen Volk und im Sinne der Völkerversöhnung zu erziehen.

(4) Die Mädchen und Buben sind außerdem in der Säuglingspflege, Kindererziehung und Hauswirtschaft besonders zu unterweisen.

So. Wow. Die “Ehrfurcht vor Gott” ist ein “Bildungsziel”. Jetzt seht ihr da im Norden mal, womit wir’s hier zun tun haben. Wenn Irland nicht wäre, könnte sich Bayern um den Ehrentitel “Iran Europas” bewerben.

[via]

New Abgeordneter from Hell

by Gunnar on 12. September 2009 · 11 comments

Ich bin, zugegeben, ein aufmerksamer Betrachter von Wahlplakaten. Meine Faszination dafür ähnelt ein bisschen der von Leuten, die gerne Unfälle angucken — es ist eine Mischung aus Ekel und Grusel, hauptsächlich.

Beispiele für scheußliche oder doofe oder fehldesignte Plakate findet man gleichermaßen bei allen Parteien, aber meine besondere Aufmerksamkeit gilt den Kandidaten der CSU, die bringen da noch sowas Rübennasiges mit rein. Das beste Beispiel ist natürlich mein besonderer Freund Bernd Posselt, über den ich schon so viel geschrieben habe, aber auch Herbert Frankenhauser, MdB, legt sich schwer ins Zeug, wie dieses Plakat beweist:

foto

Wow. Da hat sich offenbar der Herr Frankenhauser geärgert, dass er auf keinem Foto gemeinsam mit Shootingstar von Guttenberg zu sehen ist. Aber ach, die moderne Technik wird’s richten, mag er sich dann gedacht haben — meine Sekretärin war doch neulich auf einem Photoshopkurs an der Volkshochschule. Schnell den Wirtschaftsminister reingebaut und fertig ist das Plakat.

Aber, hm, an der Schnittkante ist’s ein bisschen ungenau? Dann machen wir da eben noch einen Verwischeffekt rein. Der Baron hat weißere Zähne als der Kandidat? Das kann man reparieren, ein paar Klicks später leuchtet auch dem Herbert sein Gebiss. Nur noch ein Problem: Von Guttenberg hat gesunde, rosige Haut, während man dem Herrn F. die Stammtischweißbier durchaus ansieht — das Leben als Vorsitzender des Deutschen Instituts für Reines Bier e. V. hinterlässt eben seine Spuren. Aber Photoshop hat auch dafür eine Lösung: Dann bekommt der Minister eben auch ein bisschen Alkoholikerröte ins Gesicht.

So. Fertig. Jetzt bitte wählen.

Kurz was zur Lage der Nation

by Gunnar on 9. Februar 2009 · 10 comments

michael glosOkay, Wirtschaftsminister Michael Glos ist also quasi weg. Auf eigenen Wunsch und vor der Zeit. Schon komisch, ich hätte doch gedacht, ein Ministeramt sei eine Ehre und eine Berufung, etwas, was man mit voller Kraft und ganzem Herzen im Dienste des Vaterlandes ausfüllt. Nichts, was man einfach aus Genervtheit weg-oskart. Oder zu dem man sich zwingen lassen muss. Gibt ja auch nicht allzu viele Politiker, die man nicht mit einem Rollkommando aus ihren Büros holen muss, wenn die Zeit abgelaufen ist. Aber nunja, Glos war nicht eben erfolgreich und hatte in der eigenen Partei nicht mehr viele Freunde — die Seehofer-CSU hat, so hört man, wohl alles getan, um ihren eigenen Berlin-Entsandten zu diskreditieren und zu frustrieren. Medien sprechen von einem “zerrütteten Verhältnis” zwischen Glos und Seehofer. Insofern kommt der Glos’sche Rücktritt für Beobachter der königlich-bayrischen Politik nicht so wahnsinnig überraschend.

Nachfolger wird der absurd benamste Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Wilhelm(*) Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, landläufig und in Zeitungsschlagzeilen einfach “zu Guttenberg” genannt. Der ist jung, gut angezogen, adelig und gilt als ganz patent. Aber da er aus Franken kommt und mit Glos einen Franken ersetzt, liegt der Verdacht nahe, dass auch in diesem Fall die CSU-Granden mal wieder weniger auf Eignung und Neigung als vielmehr auf Landsmannschaft gesetzt haben.

Wiewohl es nachgerade bizarr wäre, wenn man in Zeiten der Wirtschaftskrise eine so zentrale nationale Position nach regionaler Herkunft besetzt hätte.

Aber so ist das in Bayern.

P.S. Aber ich bin ja durchaus gespannt, wie sich einer wie Guttenberg auf einem richtigen Posten außerhalb der heimischen Lande schlägt, bislang hat der ja einen allzu glatten Lebenslauf: Reich geboren, Abi, Wehrdienst, Jurastudium, nebenbei schon in der Familienfirma unterwegs, nach Abschluss dann Geschäftsführer in der Guttenberg GmbH, adelige Heirat, zwei Kinder, nebenbei ein bisschen Parteikarriere, Bundestag mit einem sicheren Mandat, Generalsekretär und jetzt, ziemlich plötzlich, Wirtschaftsminister. Wow.

Schöner rauchen in Bayern

by Gunnar on 21. Januar 2009 · 9 comments

Jürgen Koch aus München ist Gastronom und Schatzmeister des Vereins zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur, einer lokalen Kampfgruppe gegen das Rauchverbot.

Herr Koch trat bei der letzten Landtagswahl für die FDP an und liess kryptische Plakate wider das bayrische Rauchergesetz kleben. Auch Nichthistoriker wissen, wie es ausging: Mittlerweile haben wir ja eine schwarzgelbe Regierung hier im Süden, das Rauchverbot ist ein Stück weit gelockert — Herr Koch hat also sein Ziel erreicht und darf jetzt in seinem “Café Atlas” das Rauchen wieder einführen.

Doch ach, nun will er nicht mehr: Jetzt, nach einem Jahr faschistischer Anti-Raucher-Restriktionen, hat sich das Café Atlas, wie Koch zugibt, eher “zum Speiselokal entwickelt”. Diese schöne Wendung möchte er nicht gefährden und lässt die Raucher weiterhin auf seiner Terrasse schmoren.

Ganz schön flexibel, der Herr. Dabei sah er sich im Wahlkampf noch auf unerträgliche Weise in seiner “unternehmerischen Freiheit eingeschränkt”.

Sonntagslinks

by Gunnar on 7. Dezember 2008 · 4 comments

SITE: Wissen ist Macht, sagte mein Stiefvater zuweilen, aber der Spruch ist irgendwie outdated, seit es das Internet gibt und jeder Vollpfosten alles mögliche jederzeit nachschlagen kann. Wissen-wo-was-steht ist Macht, so sollte es heutzutage heißen. ###

SITE: Spaß für Eingeborene: Der Sprachatlas von Bayern zeigt regionale Aussprachen, mit Soundbeispielen. ###

PRODUKT: Was der Welt gefehlt hat, sind Handschuhe mit Knöpflein an den Fingerspitzen, damit man damit unfallfrei das iPhone bedienen kann. Uh. ###

BILDER: Hongkiat hat eine hübsche Sammlung origineller 404-Seiten. ###

BILDER… von nackten Frauen gibt’s bekanntlich genug im Web, aber die erotischen Fotostrecken, die Stern.de tief im Inneren seiner überladenen Seitenstruktur versteckt, gehören zu den besseren. ###

TEXT: Der Kollege Mobermeier von GameStar.de erklärt Fachbegriffe aus dem Spielejournalismus. ###

Kleine Unterschiede

by Gunnar on 15. Oktober 2008 · 3 comments

Hübsch finde ich, dass die norddeutsche Postille Der Spiegel den neuen Vilsmaier-Film Die Geschichte des Brandner Kasper (der auf einem bayrischen Schwank basiert) vage angeekelt als “derber Spaß” und “grobschlächtig” beschreibt, während die Süddeutsche Zeitung vor allem die klamaukige Harmlosigkeit im Vergleich zum Original und die zu positive Darstellung des einzigen vorkommenden Preußen beklagt.

Irgendwie habe ich zuweilen das Gefühl, im Ausland zu leben.

Die Freiheit steckt in der Fluppe

September 22, 2008

Kleiner Nachschlag zum Beitrag Plakatschämen 2008. Dieses geklebte Machwerk ärgert mich gleich auf drei Arten: 1. Der erste Blick — “die Freiheit in Bayern ist bedroht”?. Ah. Uh. Bisschen hohes Register. Jaklar, wir haben hier die schnüffelfreudigste Landesregierung überhaupt, aber… …ob die FDP dem Einhalt gebieten würde, ist mehr als fraglich. Das Abstimmungsverhalten der FDP […]

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Plakatschämen 2008

September 10, 2008

In Bayern herrscht Landtagswahlkampf, das wird man ja im Rest der Republik mitbekommen haben. CSU in unerhörter Panik (HOCHRECHNUNG: NUR 49 PROZENT!), Opposition grundlos euphorisch, das ist alles ausreichend in den bunten Blättern beschrieben. Ich halte mich aus der Politik raus, mich interessiert eher die surreale Poesie der Slogans und Ästhetik der flächendeckenden Plakatierung, neben […]

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