Bildblog

Kai Diekmann bloggt (nicht)

by Gunnar on 26. Oktober 2009 · 10 comments

Kai Diekmann, Chefredakteur von BILD, ist — der Eindruck drängt sich jedenfalls auf — einer dieser Medienfuzzis, deren Selbstverliebtheit so allumfassend ist, dass sie sich vom Friseur rasieren lassen müssen, weil sie, täten sie das zuhause, nicht mehr vom Spiegel wegkämen. Klassisches Chefredakteursyndrom, aber in ungewöhnlicher Ausprägung.

Deswegen bloggt er jetzt auch noch, jedenfalls für wenigstens 100 Tage: unter kaidiekmann.de. Möglicherweise um der Welt zu beweisen, dass er auch das mindestens genauso gut kann wie seine Feinde vom Bildblog.

Theoretisch.

Praktisch ist die Webseite, man merkt’s schon am relativ aufwändigen Design, allerdings eher ein Projekt der BILD digital GmbH als ein persönliches Blog — Diekmann gibt zwar die Linie vor, schreibt aber natürlich nicht selber, dafür hat er ja Redakteure. Was nun aber der Sinn eines aus der Ich-Perspektive verfassten Blogs ist, wenn man dann doch nicht selber ran will, das erschließt sich dem gesunden Menschenverstand nicht. Vielleicht ist Diekmann tatsächlich so unfassbar eitel wie er tut, vielleicht will er sich mit dem Blog (das vor “Selbstironie” nur so trieft) über seine bloggenden Gegner lustig machen, vielleicht ist das alles nur eine Bespaßungaktion für die Insider von den Mediendiensten (*). Wer weiß das schon.

Es ist — und das zu hören würde ihn vielleicht freuen, wenn er das hier läse, was er aber sicher nicht tut — aber nachgerade unerträglich, wenn einer wie Diekmann, unter dessen Regie Menschenleben zerstört werden, lässig und ironisch seinen Kritikern Raum gibt (unter der Rubrik Mein Fanclub), als ginge es bei deren Beschwerden es sich nur um eine Art Meinungsverschiedenheit.

Der heißt gar nicht Wilhelm

by Gunnar on 11. Februar 2009 · 20 comments

Schön zu sehen, dass bei Kaliban.de im Kleinen geschieht, was im deutschen Journalismus im Großen passiert:

Ich mache einen kleinen Beitrag über den Glos-Rücktritt und erwähne seinen Nachfolger, mit vollem Namen: Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg. Ein paar Stunden später meldet sich in den Kommentaren der regelmäßige Kaliban-Leser Marjan und weist mich auf eine Unterlassung hin: Im Namen fehle ein “Wilhelm”. Ich stutze, wundere mich über meinen Fehler, schaue in der Wikipedia nach. Dort steht “Wilhelm” zwischen “Philipp” und “Franz”. Damit ist es klar, ich füge den Namen ein.

Später stellt sich raus: Der Wilhelm ist eine Fälschung. Nicht von Marjan (oder doch?), sondern von einem Anonymus, der sich einen Scherz erlaubt und damit die halbe deutsche Journaille als Abschreiber entlarvt hat. Die Wikipedia ist eben, trotz aller Kontrollen, gegen geschickte Manipulation machtlos. Wir sollten ihr nicht so blind glauben. Ein falscher Name auf Kaliban.de ist ja noch weniger als ein chinesischer Sack Reis; ein falscher Name auf der Titelseite der Bildzeitung hingegen ist schon relativ peinlich.

Nachtrag: Unfassbar, wie bescheuert die Süddeutsche auf ihr eigenes Versagen reagiert — mit einer Art Glosse. Ein so unsinniges Stück, meilenweit am Leser vorbei, habe ich in einem Qualitätsmedium schon lange nicht mehr gelesen. Weiß gar nicht, was ich schlimmer finde: Dass der Autor (Bernd Graff) Mitglied der Chefredaktion ist oder dass die Münchner auch so einen Beitrag noch mit albernen PI-Schinde-Strecken (“Beliebte Kindernamen”) durchsetzen. Ich hätte das der SZ übrigens auch gerne selber gesagt, aber da darf man ja nach 19:00 nicht mehr kommentieren.