Browserwars

Readability = Lesbarkeit

by Gunnar on 10. Juni 2009 · 16 comments

Es gibt zwei Arten von Menschen, die maßgeblich an der Entstehung von Zeitungen, vor allem aber Zeitschriften beteiligt sind: Text-Leute und Grafik-Leute. Zwischen beiden Fraktionen tobt ein unerbittlicher Kampf — die Texter wollen mehr Raum für Wörter, wollen keine Unterbrechungen des Leseflusses, wollen Ordnung und idealerweise alle Bilder auf einem Haufen. Für die Grafiker ist Text bloß “Grauwert” und nichts weiter als ein Design-Element unter vielen, das man sich so hinschiebt, wie es passt. Man sieht den meisten Magazinen an, welche Fraktion die stärkere ist.

Das Problem ist nur: Jetzt machen wir alle Webseiten statt Magazine und irgendwie ist die Sache mit der Lesbarkeit in den Hintergrund getreten — jeder Fitzel Text ist auf 15 Unterseiten aufgeteilt, von Bildergalerien und Werbung unterbrochen und umstellt von related content und Linklisten und Klickstrecken und Highlight-Boxen und Feed-Boxen und noch mehr Werbung und Animationen und Hinweisen auf Videos und so weiter. Irgendwie haben sowohl die Ästheten als auch die Texter verloren, jedenfalls bei vielen großen Portalen.

Aber egal. Für die Textfetischisten gibt es Abhilfe, ein Firefox-Bookmarlet namens Readability nämlich. Einfach hinsurfen, das Symbol auf die Bookmarkleiste ziehen, fertig. Fortan kann man bei Surfen einfach auf Readability klicken, schon verschwindet alles von der jeweiligen Webseite. Bis auf den Text eben. Braucht man nicht ständig, ist aber nett.

So ungefähr sieht es aus:

readability

Chrome: Don’t be evil, be almighty

by Gunnar on 4. September 2008 · 11 comments

Googles Chrome ist, nach erstem Eindruck, ein toller Browser (wenn auch vielleicht doch nicht gleichbedeutend mit der Erfindung des selbstnachfüllenden Bierglases, als die er allenthalben dargestellt wird).

Und?

Google Analytics ist auch ein tolles Tool, dennoch benutze ich es aus Prinzip nicht. Und ich werde auch Chrome wohl nicht verwenden. Hey, die freundlichen Brillenträger aus Mountain View wissen mittlerweile genug über mich — ich muss ihnen meine Daten nicht noch auf dem Silbertablett servieren, indem ich Produkte und Dienste nutze, zu denen es gleichwertige oder bessere Alternativen gibt.

Hm. Andererseits: Gehört Feedburner nicht auch zum Google-Imperium? Surfe ich nicht auch auf Sites von Blogger.com? Kann ich alternative Suchmaschinen ertragen? Ist nicht ein Kampf gegen Windmühlen, wenn man auf Software von potenziell größenwahnsinnigen Firmen verzichtet? Dürfte ich dann, wenn ich es konsequent nähme, übrhaupt Xing- und Facebook-Profile anlegen? Ach Fuck. Die Sache ist hoffnungslos — in ein paar Jahren, ich sehe es kommen, wird man Microsoft als sympathischen Underdog betrachten, der sich als Letzter gegen den Schatten von Mordor stemmt.

Hm. Wie kam Google eigentlich dazu, sich schon so früh den Slogan Don’t be evil als Firmenmotto zuzulegen? Das klingt im Grunde nach einer dieser PR-Kampagnen, die diktatorische Regimes bei überteuerten Spindoktoren bestellen, wenn sie ihren Ruf bei der Landbevölkerung schon amtlich ruiniert haben — Sauron liebt dich! Erleichterte Bevölkerung bejubelt einmarschierende Sturmtruppen! Die Borg: Gute Nachbarn!

Wussten die etwa schon vorher, dass sie mal das Internet regieren würden?

Weiterführende Links: Crashtest | Datenschutz | Chrome-Gejubel | Chrome-Test