Wie das mit den Vorsätzen so ist: Kaum drei Monate nach dem ersten Resultat meines Entschlusses, mehr Interviews zu posten, kommt “schon” Nr. 2. Also, ich sprach mit Falko Löffler, Fantasy-Autor und Computerspieletexter, über seine Arbeit.
Falko Löffler (Jahrgang ’74) ist seriös examinierter Literatur- und Medienwissenschaftler, schreibt aber seit 1996 Texte für Computerspiele, seit 2003 als freier Autor. Derzeit arbeitet er unter anderem für Deck13 an “Jack Keane 2″, überarbeitet seinen nächsten Roman und fragt sich im Politblog “Weißes Rauschen”, was er von der Piratenpartei halten soll.
Herr Kaliban Falko, Du schreibst für Spiele. Ist das nicht schon nahe am Texten für Frühstücksflockenpackungen?
Weil ich’s gestern in den Kommentaren zum Buchtipps-Beitrag mit der Hilfe von Herrn Traveller* eh erklärt habe (und es immer und überall falsch wiedergegeben wird), gibt’s hier eine kurze Erläuterung, was die Buchpreisbindung bedeutet.
Die deutsche Buchpreisbindung bestimmt, dass Verlage einem Buch einen Preis geben müssen und den auch nicht einfach so ändern können. Das hat nichts mit dem Genre oder sonstwiewas zu tun: Die Kalibanverlag und Co KG kann kleinauflagige Gedichtsammlungen von Gunnar L. für 79 Cent herausbringen, gleichzeitig aber für die neue Folge von Harry Potter 66,60 Euro nehmen. Die Preisbindung legt nur fest, dass der Preis eingehalten werden muss. Das hieße: Die Gedichte dürfen 18 Monate lang nicht mehr teurer werden, auch wenn sie überraschend viel Erfolg haben und Herr L. gerne mehr Geld hätte. Und Harry Potter, Band 8, darf nicht verramscht werden, auch nachdem der Verlag eingesehen hat, dass der Preisansatz für die Zielgruppe ein bisschen zu steil war. Dazu gibt es eine paar kleine Ausnahmen, aber nichts, was die Regel nicht bestätigen würde.
Das ist das eine. Wichtiger ist, dass die Buchpreisbindung auch für die Händler gilt: Amazon und Thalia müssen für den neuen Band von Bestsellerphilosoph Precht* 16 Euro 99 verlangen, obwohl sie Tausende Exemplare beim Verlag ordern und eine enorme Einkaufsmacht darstellen — und können nicht die Bücherwurm GbR aus 01234 Hintermwald am Einöd unterbieten, die den Precht nur 4 mal verkauft. Die 16,99 stehen. Das ist signifikant anders als bei kulturell weniger wertvollen Gütern, Computerspielen beispielsweise, wo die Ketten den Indies mit Aktionspreisen das Wasser abgraben können. Amazon hat natürlich die Möglichkeit (und tut das auch) auf Buchverlage Druck auszuüben, um den Einkaufspreis zu senken. Aber das ist eine andere Geschichte.
Der Tatbestand, dass eBooks gefühlt nicht genug Preisabstand zu gedruckten Büchern haben, hat hingegen, anders als oft behauptet, nichts mit der Buchpreisbindung zu tun. Ein Verlag könnte selbstverständlich die Kindle-Edition des oben erwähnten Precht’schen Werkes statt für 13,99 (drei Euro weniger als gedruckt) auch für, sagen wir, 8 Euro fuffzich anbieten und damit genau die Hälfte der Printversion verlangen. Wär’ aber vielleicht dem Umsatz nicht zuträglich. Oder vielleicht doch, wer weiß das schon?
Herr Kaliban empfiehlt mal wieder ein paar Bücher, huschhusch im Schnellwaschgang.
Brandon Sanderson: Infinity Blade (Kindle: 1,99) Fantasy-Buch zum Spiel Infinity Blade von Chair/Epic. Solide, flüssig geschriebene Auftragsarbeit von meinem aktuellen Lieblings-Fantasy-Autor. Ist nicht lang, kostet aber auch nicht viel. Nettes Zwischendurchbuch.
Brandon Sanderson: The Alloy of Law (gebunden: 14,95) Dieses Buch spielt im Universum der Fantasy-Trilogie Mistborn, ist aber 300 Jahre später angesiedelt und daher keine klassische Fantasy mehr, sondern eher Steampunk. Clevere Idee, das habe ich so bei Fantasy-Serie noch nicht gesehen. Wie alle Sachen von Sanderson ist es clever ausgedacht und hält eine gute Balance zwischen Action und Weltbeschreibung. Die Figuren bleiben ein bisschen blass, aber egal. Man kann’s auch lesen, wenn man die Mistborn-Sachen nicht kennt.
Drew Magery: The Postmortal (div. Versionen: ab ab 11,99) Fieser Scifi-Thriller über eine Welt, in der eine Heilung für das Altern gefunden wurde und alle Menschen (oder jedenfalls die, die es sich leisten können) ewig leben. Magery spinnt den Grundgedanken hübsch aus und denkt alle Entwicklungen weiter: Todesschwadronen der Regierung, die Rentner töten, neue religiöse Kulte, Ressourcenknappheit et cetera. Geschrieben eher im Stile eines Tagebuchs.
Ferdinand von Schirach: Der Fall Collini (div. Versionen, ab 12,99) Schirach ist Strafverteidiger in Berlin und erweckt den Eindruck, als sei ihm nichts Menschliches fremd. Seine bisherigen Werke waren Kurzgeschichtensammlungen, immer über Verbrechen, immer aus der Sicht des Anwalts, immer brillant geschrieben. Collini ist sein erster Roman, eigentlich, aber in Wirklichkeit ist es einfach nur eine lange Kurzgeschichte mit ein bisschen Nebenhandlung. Das macht aber nichts, ist trotzdem ein gutes Buch, in dem Schirach seine typischen Stärken ausspielt: Er kann nicht nur schön und präzise schreiben, er weiß auch, wovon er redet – wo andere Autoren sich das Feld über Recherche aneignen müssen, erzählt er eben aus seiner Welt.
Passig, Scholz, Schreiber: Das neue Lexikon des Unwissens (eBook und gebunden: ab 16,99) Sehr schönes Verschenkbuch. Die Autoren nähern sich in angenehm klarer und humorvoller Sprache aktuellen Phänomenen der Wissenschaft an und erklären kundig und nachvollziehbar, warum es für spezfische Probleme bislang keine Lösungen gibt. Liest sich so in einem Rutsch weg.
Alexander Steffensmeier: Liselotte bleibt wach (Hardcover: 14,95) Sensationell toll gezeichnetes Kinderbuch, bei dem auch Erwachsene immer wieder Spaß haben. Die detailreichen Bilder enthalten eine ganze Reihe von kleinen Gags, die an den Kindern vorbeigehen, dem geplagten vorlesenden Elternteil aber Freude machen. Sehr angenehm. Gibt aus der Serie noch eine Reihe weiterer Bücher, die auch alle schön sind. Weihnachtstipp für Eltern, Onkel, Tanten, Großeltern von 3 bis 6jährigen.
Herr Kaliban hat schon wieder so Fantasy-Zeug gelesen.
Neulich empfahl ich mit ein paar dürren Worten die Mistborn Trilogy-Trilogie von Brandon Sanderson und nannte sie sehr schlau gebaut, mit einem sehr eigenen Magiekonzept und einer clever ausgedachten Welt. Nicht immer wahnsinnig inspiriert geschrieben, aber sensationell gutes Handwerk.
War auch so, das sind sehr schön konstruierte Bücher, ordentlich geschrieben. Nicht so berauschende Blut-und-Sperma-Epen wie die A Song of Ice and Fire-Sachen von G. R. R. Martin, aber schon auch angenehm ab vom Standard, weil zum Beispiel der böse Herrscher…
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Ich bin dann ein bisschen auf dem Autor hängen geblieben und habe noch Elantris gelesen, sein erstes veröffentlichtes Buch. Das war auch ganz okay konstruiert, gefiel mir aber vom Stil und dem Setting her nicht. Da wollte ich den Herrn Sanderson schon wieder aufgeben, habe dann aber noch Warbreaker angefangen. Und das ist ja mal ein wirklich tolles Buch!
Warbreaker ist zwar ein blöder Name (der auch nahezu nichts mit dem Inhalt zu tun hat), aber das Buch hat alles, was ein Fantasy-Roman braucht: eine lebendige Welt (mit genügend fiktiver Historie eingestreut), ungewöhnliche Helden, ein abgefahrenes Magiesystem, Liebe und Hass und Einsicht und Verzweiflung und sogar den einen oder anderen Plot-Twist. Kann man lesen, als Fantasy-Fan sowieso, aber auch, wenn man dem Genre nur so mittelnah steht, immerhin kommen keine Elfen vor und auch keine axtschwingenden Zottelmonster.
Das Grundszenario ist dafür politisch interessant: Sanderson konstruiert ein politisches Dreieck aus einem großes Land, einer Mega-Militärmacht, einem kleinen Nachbarland, das von der ehemaligen Königsfamilie des großen Landes regiert wird und von Menschen mit ähnlicher Sprache bewohnt wird, und einem anderen kleinen Land, das offiziell nur eine Provinz des großen Landes ist, aber eine eigene Kultur und Sprache bewahrt hat. Ein bisschen so wie die Konstellation von China, Taiwan und Tibet.
Aber mehr will ich gar nicht erzählen, sonst muss ich noch so ein Spoiler-Ding einfügen. Kurz gesagt, das Buch ist lesbar. Was mich aber besonders fasziniert hat, ist wie konsequent der Autor mit diesem Werk umgeht: Auf einer eigenen Webseite gibt es Kapitelkommentare zum Nachlesen, gestrichene Szenen, alle Fassungen von “erster Wurf” bis “fertig für den Lektor”. Und die fertige Version als kostenloses E-Buch. Ich habe mich quer durch alle Fassungen gelesen und fand’s außerordentlich spannend, zu sehen, wie der Autor auf seinem Weg zum fertigen Buch den Text ändert, kürzt, hinzufügt, korrigiert. So ausführlich dokumentiert habe ich das noch nirgendwo gesehen. Sehr cool.
Ich lese übrigens gerade Buch 1 der Stormlight Archives von Sanderson, eine Serie, die angeblich auf zehn (!) Bände angelegt ist und find’s bislang auch gut. Dann habe ich aber alles Wesentliche von Sanderson durch und muss einen neuen Autor entdecken…
Können Sie sich eine Welt ohne Bücher vorstellen, werden Leute in Interviews zuweilen gefragt. Und dann kommt unfehlbar immer die Antwort, dass das natürlich unvorstellbar sei. Es fallen dann gerne große Worte wie Eine Welt ohne Bücher wäre tot und leer oder Eine Welt ohne Bücher ist wie eine Welt ohne Liebe. Und es werden Erinnerungen an kuschelige Lesesituationen in der Kindheit wachgerufen. Mindestens das Ende des Abendlandes droht aber, wenn man aufhören würde, Papier mit Druckschwärze zu bespritzen*.
Ich verstehe das nicht. Ich kann mir ganz leicht eine Welt ohne Bücher vorstellen. Diese mystische Überzeichnung, diese Überbetonung der Haptik, des Geruchs, des Blättergeräuschs, das geht mir mittlerweile gehörig auf den Zeiger. Das dient doch, wenn wir ehrlich sind, nur der eigenen Überhöhung als Kulturmensch. Ich besitze auch nach meinen letzten Aufräumaktionen noch gut 600 bis 700 Bücher und habe in meinem Leben bestimmt schon mehr als 1.000 Bücher gelesen, vielleicht auch 1.500. Aber das Buch als Gegenstand an sich ist doch nur selten wirklich toll. Ich besitze viele wunderschöne gebundene Werke mit kunstvollen Einbänden, aber die meisten meiner Bücher sehen so aus:
Ich bin eben nicht Heinrich Böll und habe nur Hochliteratur im Haus; ich lese überwiegend Taschenbücher oder Paperbacks. Massenware mit mäßigem Satz, brüchigen Rücken und abfärbender Druckerschwärze, die nach einmaligem Lesen schon scheiße aussieht. Die Dinger sind nicht mal besonders angenehm in der Hand zu halten. Da ist keine Romantik, nur Gebrauch. Eher wie Sex auf der Rückbank eines Kleinwagens als Liebesspiel bei Kerzenschein und Seidenlaken.
Von den Abendlanduntergangsbeschwörern wird offenbar die Kulturleistung des Geschichtenerzählens mit dem Trägermedium Buch verwechselt, mit voller Absicht oder auch ohne. Denn in der Tat: Eine Welt ohne Geschichten kann ich mir auch nicht vorstellen, Geschichten werden immer erzählt werden, egal ob auf Papier, Papyrus, flackernden Bildschirmen oder mündlich vorgetragen. Der Faszination einer guten Geschichte kann sich kaum jemand entziehen, auch die immer wieder beschworenen hirnfragmentierten Online-Junkies nicht, falls es die überhaupt in nennenswerter Anzahl gibt.
Und das ist möglicherweise schade, andererseits aber auch der Wandel der Welt, die Verbreitung der Schellackschallplatte ist ja auch ein bisschen zurück gegangen in den letzten Jahren. Wobei es natürlich jedermann frei steht, sich zu Dekozwecken oder aus Nostalgie, die Wohnung mit historischen Medienerzeugnissen einzurichten.
* Was, übrigens, ein durchaus nicht gerade umweltfreundlicher Prozess ist, der enorm Wasser verbraucht.
Da ich schon ewig nicht mehr Bücher vorgestellt, in der Zwischenzeit aber weiter gelesen habe, haben sich stapelweise empfehlenswerte Bücher bei mir angesammelt. Ich arbeite jetzt mal schnell ein paar ab, okay?
The Windup Girl — smarter Scifi-Roman ohne Raumschiffe und Aliens, dafür aber einer glaubhaften Projektion der Zukunft auf der Erde. Interessant und detailreich geschrieben, leider von der Handlung und den Personen her nicht so der Bringer. Trotzdem lesenswert.
Kollaps — bisschen zu dickes Sachbuch, das sich mit der Frage beschäftigt, warum Gesellschaften untergehen. Mit Beispielen von den Maya und dem modernen Montana. Gut argumentiert, interessant geschildert. Kann man lesen, wenn man viel Zeit hat.
The Name of the Wind — brillant geschriebene Fantasy-Trilogie, von der es leider erst zwei Teile gibt. Interessante Magie, interessante Welt, interessante Personen, vielleicht alles ein bisschen unglaubhaft von der Motivation der Charaktere her, aber ansonsten ein Highlight im Genre.
American Vampire — böser Vampir-Comic, bei dem Stephen King Co-Autor ist. Ziemlich fiese Geschichte über einen neuen Vampir, eben den amerikanischen, der noch viel härter und gemeiner als die verweichlichten europäischen Vampire ist. Alles ganz clever erzählt und okay gezeichnet, aber nicht recht mein Fall.
Mistborn Trilogy — sehr schlau gebaute Fantasy-Trilogie, mit einem sehr eigenen Magiekonzept und einer clever ausgedachten Welt. Nicht immer wahnsinnig inspiriert geschrieben, aber sensationell gutes Handwerk. “Genrefans greifen zu”, würden Spieleredakteure jetzt schreiben.
Outliers — fantastisches Sachbuch, das sehr nachvollziehbar erklärt, warum bestimmte Menschen erfolgreich sind, nämlich meist aufgrund besonderer Umstände. Unter anderem mit dem berühmten Beispiel, dass früher in der kanadischen Eishockey-Mannschaft hauptsächlich Leute spielten, die in den ersten drei Monaten des Jahres geboren sind. Warum ist das so? Weil sich die Scouts Jahrgänge anschauen — und vom Jahrgang 1992 sind eben die Januarkinder fast ein Jahr älter als die Dezemberkinder, was sich im körperlichen Reifungsprozess bemerkbar macht.
Mogworld — der erste Roman vom Zero Punctuation-Macher Yahtzee Croshaw ist zwar ganz kurzweilig, aber leider eine stellenweise superere, aber meistens ziemliche alberne “Fantasyfiguren entdecken, dass sie in einem Computerspiel leben”-Geschichte.
Also, das war so: Die BBC veröffentlichte angeblich irgendwann einen Kanon von hundert wichtigen und/oder populären Büchern und erwähnte, dass die meisten Leute davon allenfalls sechs gelesen haben. Und alle Leute sollten eintragen, welche Bücher sie davon gelesen hatten. Doch wie das bei Memes halt so ist: Eigentlich war’s gar nicht die BBC, sondern der Guardian und die Zahl “sechs” stand nirgends. Aber egal. Die intellektuellen Blogger kamen alle auf einen Haufen Nennungen, shoulderclapping all around, das Meme ging um und um und um. Ich hatte übrigens fast 50 ganz oder teilweise gelesene Bücher auf der Liste, aber das würde ich nie erwähnen, weil das ja Angeberei wär. Und hey, “gelesen” heißt nicht “behalten” und schon gar nicht “verstanden”.
Meine Frau und ich haben irgendwann die Erkenntnis gewonnen, dass wir eigentlich von allem genug besitzen. Und dass unsere Wohnung zu klein ist, um immer noch mehr Bücher, DVD-Boxen, Videospiele, iGeräte oder anderen Schnickschnack hineinzuschleppen. Da man aber im Interesse des eigenen Seelenheils natürlich nicht völlig auf das Kaufen neuer Medienprodukte verzichten kann, versuchen wir halbwegs konsequent, Gebrauchtes wieder abzustoßen.
Nun, aber wie das eben so mit derlei Plänen im Zeitalter des Konsums ist, kommt man oft nicht recht hinterher. Daher unternehme ich jetzt einen Befreiungsschlag und verschenke auf einen Rutsch zehn Bücher. An euch, wenn ihr wollt. Sind alle englisch, alle ungefähr im Scifi-Segment angesiedelt. Ich habe die meisten davon gelesen und fand sie auch gut. Hier, diese:
Wer sie haben will — und wir sprechen hier vom ganzen Paket, frei Haus, Lesestoff für Monate — muss nichts weiter tun, als einen Trackback auf diesen Beitrag zu setzen. So, dass er im Feld über den Kommentaren auftaucht. Das geht mit simplen Links aus WordPress-Blogs, Trackbacks aus anderen Blogs und dem Posten des Links zu diesem Beitrag auf Twitter. Aus den eingehenden Links ziehe ich dann einen Gewinner.
Okay? Dann los. Wenn kein Link eingeht, bin ich beleidigt und lese alle Bücher aus Protest nochmal. Das könnt ihr nicht wollen.
Update I: Äh, sacht mal Leute, ihr würdet nicht so weit gehen, extra für ein kleines Gebrauchtbuchgewinnspiel Twitter-Accounts zu gründen, oder?
Update II: So. Schluss. Danke für die zahlreichen Verlinkungen. Der Gewinner ist… Herr “Gigatoreador”, ausgewählt als Referrer Nr. 9 laut der unbestechlichen Entscheidung von Random.org. Ich wünsche viel Spaß mit den Büchern!
Herr Kaliban erzählt was über das Ding auf seinem Nachttisch.
Meine Untergang schreitet rapide voran, schon bald bin ich möglicherweise für die reale Welt verloren. Auf der Arbeit sitze ich an einem Windows-PC, wenn ich nicht gerade in Meetings auf das flackernde Bild eines Beamers schaue. Im Auto wechsele ich zwischen Straße und Navi-Touchscreen, außer an Ampeln, da checke ich rasch Mails mit dem iPhone. Zuhause klappe ich das Macbook auf, um mich meinen diversen Web-Projektchen zu widmen, wobei schwer zu entscheiden ist, ob ich meine Aufmerksamkeit nun meinen Facebook-Aktivitäten***, meinem Twitter-Account*, meinen Blogs**, den Geheimnis-Seiten** oder dem Geheimprojekt widmen soll. Wenn ich davon genug habe, entspanne ich mich am Fernseher mit einem Xbox-Spiel. Oder daddele ein bisschen DS auf der Couch.
Uh. Meine Welt besteht aus Bildschirmen.
Ich habe nur eine Sache zu meiner Verteidigung zu sagen: Immerhin ist es mir bislang gelungen, den Kauf eines Kindle zu vermeiden. Irgendwie. Also lese ich noch echte Bücher. Und das, welches gerade auf meine Nachtisch liegt, wollte ich hier mal rasch empfehlen:
Es heißt A Deepness in the Sky, wurde verfasst von Vernor Vinge* und ist generell großartig. Vinge schreibt Science Fiction der alten Schule — da geht es um den Weltraum, um klug ausgedachte Alien-Rassen und weitreichende Entwürfe möglicher Zukünfte. Vinge ist nicht der ganz große Erzähler, aber er entwirft ein hochspannendes Universum. Ich beschreibe mal kurz die groben Zusammenhänge, okay? Also, die Sonne des Planeten Arachnia heißt On/Off, aus dem bizarren Grund, dass sie immer 35 Jahre lang Hitze und Licht abstrahlt und dann 215 Jahre lang ausfällt. Die Bewohner von Arachnia, freundliche Spinnenwesen, deren Kultur der Europas zu Anfang des 20. Jahrhunderts ähnelt, gehen also alle naselang für längere Zeit in eine Art Winterschlaf. Als sie diesmal aufwachen, sind zwei menschliche Flotten in ihrem Orbit: die gewieften Händler der Queng Ho, die Beziehungen eröffnen wollen und die faschistoiden Emergents, denen es eher um Eroberung geht. Noch bevor sich die Leute den Arachniden vorstellen können, geraten sie aneinander und löschen sich in einer Weltraumschlacht nahezu gegenseitig aus. Die Emergents gewinnen, müssen aber mit den überlebenden Queng Ho kooperieren, denn die Technologie der Arachniden (die von der ganzen Lichtshow im All nichts bemerkt haben) ist noch lange nicht so weit, den Menschen und ihren schwer beschädigten Schiffen helfen zu können. Die sitzen also im Sonnensystem, beuten Asteroiden aus und warten, dass die Spinnen endlich den Computer, die Atomkraft und den Raketenantrieb entwickeln. Die Handlung erzählt in zwei Strängen die Geschehnisse bei den Menschen und bei den Arachniden.
Der fabulierfreudige Herr Vinge jongliert eine Vielzahl von Charakteren souverän, beschreibt die Technik glaubhaft und macht aus der ganzen absurden Sache generell eine spannende Geschichte, die auch große ethische Fragen nicht schamhaft umgeht. Toll. Nicht ganz so orginell wie der danach spielende Vorgängerroman A Fire Upon The Deep*, aber meiner bescheidenen Meinung nach besser erzählt. Empfehlenswert für jeden, der bei der Erwähnung von Scifi nicht sofort die Straßenseite wechselt.
Huch, der Uschmann (über dessen Werk ich mich schon ein paar Mal lobend und weniger lobend geäußert habe), der Uschmann also, hat ein neues Buch geschrieben, das diese Woche erschienen ist. Und als hätte er sich meine Kritik an seinem letzten Werk “Murp!”, er mische zu viel Weltverbesserei in die Roman-Form, zu Herzen genommen, schenkt er sich diesmal die Romanhandlung und geht gleich volle Kanne ins Dozieren. Uschmann nimmt sich fünf prototypische, nur leicht überdrehte Männerfiguren (u.a. Bernd, den planenden Pedanten oder Manuel, von Beruf Sohn und Tauchlehrer), erzählt Szenen aus ihren Leben und zeigt an ihnen typische Probleme von Männern in heutiger Zeit — Bindungsangst, Lebensangst, Angst vor Ärzten, nicht erwachsen werden wollen, Selbstüberschätzung, you name it. Das tut er mit Akribie und einer so Inspektor-Colombo-artigen Beobachtungsgabe, dass jeder sich oder zumindest einen seiner falschen Freunde darin erkennen kann. Doch Uschmann wäre nicht Uschmann, wenn er es bei der Analyse beließe — nach jeder Diagnose schlägt er Lösungen für die festgestellten typischen Männerfehler vor.
Das mit den Lösungen bleibt ein bisschen sehr an der Lebensberatungsbuch-Oberfläche (Nutzen Sie Ihren Verstand! Kriegen Sie Ihre Finanzen in den Griff!), aber unrecht hat er nun auch wieder nicht. Und die Analysen sind so treffend und auf den Punkt, dass man den Teil mit den Ratschlägen auch überblättern kann, ohne das Gefühl haben zu müssen, man bekäme vielleicht zu wenig Buch für sein Geld.
Insgesamt ein gelungenes Werk, das sich easy wegliest und einen nicht dümmer macht. 3.5 von 5 Punkten würde ich sagen, wenn ich’s nicht affig fände, Bücher nach Punkten zu bewerten. Ist übrigens von GTVH, um die 250 Seiten stark und kostet 16 Euro 95.
Irgendwann, vor gut 15 bis 18 Jahren muss das gewesen sein, kaufte ich mir in Göttingen auf den Grabbeltischen der Gebrauchtbuchanbieter einen Roman mit dem albernen Namen “Lilith — eine Schlange im Gras”.
Dies hier ist ein so genanntes Weblog ("Blog"). Es wird seit Anfang 2002 von einer Einzelperson betrieben, die wir hier mal Herrn Kaliban nennen wollen.
Herr Kaliban erwacht morgens mit einem erigierten Mittelfinger und fängt dann erstmal an, sich über die Unzulänglichkeit der Welt zu ärgern. Wenn man das alles nicht ändern kann, muss man sich halt wenigstens beschweren.
Der eine oder andere Text in diesem Blog ist möglicherweise von dieser Grundhaltung beeinflusst.
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Man könnte auch den bezahlten Party Poker-Link beachten. Oder auch nicht.
Herr K. macht, mit seinem Ex-Kollegen Chris Schmidt, einen Retrogames-Podcast, der Stay Forever heißt. Ein Klick auf's Bildchen bringt euch hin:
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