Irgendwann schreibe ich mal ein Buch darüber, wie Kaufentscheidungen fallen. Ich meine, okay, vermutlich gibt’s da schon Bücher drüber, aber die sind bestimmt von Amerikanern und deswegen für normale Menschen Verschwendung, weil die Amerikaner in ihren Sachbüchern immer auf zwei Seiten ihre coole These erklären und die restlichen 198 Seiten mit launigen Betrachtungen und beidbeinig hinkenden Vergleichen füllen. So. Oder auch so
. Vielleicht sollte ich also statt des Kaufentscheidungsbuchs lieber eine Art Meta-Werk schreiben, sowas wie:
100 populäre amerikanische Sachbücher mit brauchbaren Thesen.
Zusammengefasst auf 200 Seiten.
Herausgegeben vom Verband der Anonymen Ungeduldigen.
Aber ich schweife ab, das mit dem Buch zur Kaufentscheidung fiel mir ein, weil ich gerade diesen Prozess so deutlich an mir selber beobachtet habe. Irgendwie ist die Kaufentscheidung wie eine Hürde — diese liegt je niedrig oder hoch, je nach Preis, Entfernung bis zum Kaufort, Leichtigkeit des Kaufvorgangs et cetera. Das ist die Hindernisseite. Über diese Hürde kommt man mit Treppenstufen, sozusagen die Motivationsseite. Treppenstufen lassen sich aus allem Möglichen bilden — Geld, das einem ein Loch in die Tasche brennt, sensationelle Testwertungen, Image des Herstellers, Zufriedenheit mit dem Vorgängerprodukt und so weiter. Ich persönlich funktioniere ziemlich über Empfehlungen von echten und falschen Freunden. Meine Entscheidung für Staffel 1 von Doctor Who (Who?) fiel zum Beispiel so: Stufe 1 war meine Neigung zu Scifi, Stufe 2 die Empfehlung von Frau S., Stufe 3 der Hinweis von Herrn M., dass Steven Moffat, der Autor der großartigen Serie Coupling
auch bei Doctor Who mitgeschrieben habe, Stufe 4 schließlich war, naja, die Bereitschaft von Frau S., mir die Staffel zu borgen. Beim Buch White Tiger
(grandios!), das nur ein paar Euro kostet, lag die Hürde niedrig — da reichten zwei flache Stufen: 1. die Empfehlung von Kollege Chris, 2. die von Kollege Heiko. Schnell gekauft, nicht bereut.
So. Und jetzt paraphrasiere ich das Bild von den Hürden und Stufen noch ein paar tausend Zeichen lang, dann kommen zahllose schwurbelige Beispiele und historische Referenzen, dann gebe ich mich als Amerikaner aus und fertig ist der Bestseller.
Ich bin praktisch schon reich.

Soweit meine Erinnerung. Jetzt das Experiment — todesmutig kaufte ich neulich im (übrigens großartig sortierten) Schmorl & von Seefeld in Hannover ein hohlbein’sches Hörbuch (siehe Bild) für die gewagte Summe von Sechseurofünfundneuzig. Zusammen mit drei anderen Hörwerken, um vor der Verkäuferin nicht wie ein alternder Bettnässer dazustehen. Und dann habe ich es mir angehört, bis zur Hälfte ungefähr. Obwohl es sogar mit Musik unterlegt ist! Und der Autor selber liest!




