Business

America, America

by Gunnar on 21. November 2009 · 14 comments

Ein paar ungeordnete Gedanken über Amerika an sich, mehr so aus Touristensicht.

*** In Europa würde niemand auf die Idee kommen, zu einer beigen Anzughose ein hellbaues Hemd, ein navyfarbenes Sakko und goldene Manschettenknöpfe zu tragen. An der Ostküste scheint es die Businessuniform für über 50jährige Geschäftsleute zu sein. *** Amerikanische Frauen gibt es in drei Geschmacksrichtungen: die, die doppelt so laut reden wie Europäerinnen, die, die ihre Mimik so übertreiben als spielten sie Pantomime und die, die beides tun. *** Absurderweise isst man in Boston, aber auch anderswo Chips zum Sandwich. Mittags. Wirklich. *** Irish Pubs sind auf der ganzen Welt gleich. Die werden offenbar zentral in einer Fabrik in Irland hergestellt. ***

Hm. Ich habe immer so Vorurteile, die sich dann auf Reisen bestätigen. Andererseits bin ich natürlich im Ausland auch so typisch deutsch, dass ich vielleicht sogar selber schuld bin, wenn Leute so typisch amerikanisch in meiner Gegenwart sind. Heisenbergsche Unschärfe und so.

Wer als erstes an die Wand gestellt wird

by Gunnar on 8. September 2008 · 10 comments

Wenn man geschäftlich mit dem Flugzeug reist, dann fällt man aus der Welt. Das richtige Leben verblasst, die normalen Leute werden ersetzt durch blauhemdige Anzugträger mit polierten Schuhen und bunten Krawatten. Plötzlich spricht um einen herum keiner mehr vernünftiges Deutsch, alle bellen nur noch ihr schlechtes Englisch in ihre Blackberrys (Ve hav to do zat today, you understand me, today!) oder fallen gleich in dieses merkwürdiges Business-Denglisch (Wenn ich wieder im Office bin, muss ich einen Call machen), das offenbar mittlerweile der akzeptierte Code ist, an dem sich die B-Liga von Managern untereinander erkennt. Noch surrealer wird das Ganze durch die absurde Gleichförmigkeit von Flughafen-Lobbys und Firmen-Meetingräumen, die offenbar irgendwo, möglicherweise in der Hölle, zentral designt werden. Überall die gleiche gefilterte Luft, überall der gleiche Sound aus Klimaanlagensurren und Fahrstuhlmusik.

Wenn ich geschäftlich verreise, falle ich aus der Welt. Ich stehe dann immer so neben mir, schaue mir zu, wie ich Mails auf dem Blackberry abrufe, einen Latte Macchiato to go kaufe, mir am Ziel im Konferenzraum Wasser einschenke – und kann nicht anders, als mir wie in einer Scharade vorzukommen. Viele meiner aushäusigen Verabredungen ließen sich mit beiderseitigem Willen zum Resultat auch per Telefon und Mail regeln –- und ich vermute stark, dass das den anderen Reisenden ebenso geht. Nichtsdestotrotz verstopfen wir alle morgens und abends die Flughäfen und halten das Taxigewerbe am Leben. Warum das alles? Nun, meine Diagnose ist: Es gibt offenbar Leute, die Meetings für sinnvolle Arbeit halten, die nach acht Stunden selbstgefälligem Egotext-Austausch in Besprechungszimmern mit dem Gefühl nach Hause gehen, ordentlich was geschafft zu haben. Die Meetings nicht als einzudämmendes notwendiges Übel wahrnehmen. Vermutlich sind das dieselben Leute, die es cool finden, im Anzug auf der Flughafenrolltreppe zu stehen und wichtig die Assistentin anzurufen, um nachzuhorchen, ob in der Company alle Projects auch wirklich on time fertig werden. Ach. Zum Schreien, manchmal.

Hätte ich eine eigene Firma, ich würde ein Zeiterfassungssystem einführen und den Meetingraum nur zugänglich machen, wenn man sich vorher ausstempelt. Somit fänden alle Meetings in der Freizeit der Meetenden statt. In kürzester Zeit wären alle wieder bei Mail und Telefon. Zack.

Aber ich habe keine eigene Firma. Vielleicht fehlt mir das Business-Gen.