EA

Leben in Himmelsrand

by Gunnar on 10. Dezember 2011 · 7 comments

Mythic Entertainment, das ist eine MMO-Firma aus Fairfax (Virginia, USA), die später zu EA Mythic, dann wieder zu Mythic Entertainment und schließlich zu Bioware Mythic wurde. Aber das ist eine lange Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Besagte Firma also besuchte ich mal, Anno 2006, es ging um einen Artikel über Warhammer Online, den ich zu schreiben hatte. Ich verbrachte einen schrecklichen Tag in Fairfax, weil ich schwer erkältet ankam (aber das ist noch eine andere Geschichte). Am Rande des Besuchs traf ich das freundliche Team von Dark Age of Camelot, Mythics bekanntestem Titel (das Online-Rollenspiel von 2001, ihr erinnert euch), und führte ein nettes Gespräch mit einem der Entwickler. Der Herr sagte eine Sache, die mir eigenlich instinktiv klar war, die ich aber bis dahin so nicht hätte benennen können — bei Rollenspielen, besonders aber MMOs, findet ein wesentlicher Teil des Spielens abseits vom PC statt. Oder anders: Rollenspiele sind, trotz Charakteridentifikation und Story und ausgefeilter Welt, Spiele, in die man nicht einsinkt, wie in ein Action-Adventure oder einen Ego-Shooter.

Rollenspiele lebt man.

Ein Vergleich, um es zu verdeutlichen: Wenn ich, sagen wir, Crysis 2 spiele, so ist das eine intensive Erfahrung, wie bei einem Kinofilm — ich bin in jeder Sekunde angespannt und voll dabei, ducke mich instinktiv unter den Kugeln weg und darf nicht gestört werden, sonst geht mein Erlebnis kaputt. Wenn ich aber aufhöre, ist es erstmal vorbei. Wenn ich, was Gott verhüten möge, World of Warcraft spiele, so ist das eigentliche Spielen weniger wichtig, ich kann beim Spielen auf dem zweiten Monitor Mails checken, eine Pizza essen und mich mit der Katze unterhalten. Aber in meinem normalen Tag ist das Spiel ständig präsent: Ich denke über meine nächsten Wege nach, über Skillungen, über Orte, die ich besucht habe. Und ich rede mit Freunden über meine Taktiken, meine Erlebnisse, meinen Charakter. Es gibt ja so vieles, mit dem man sich beschäftigen kann.

Klingt jetzt einigermaßen trivial, aber der Gedankenansatz erklärt zum Teil die dauerhafte Faszination von (Online-)Rollenspielen. Mir fiel das alles gerade wieder ein, weil mich Skyrim jetzt schon einige Zeit so begleitet, wie andere Leute das von WoW kennen. Naja, nicht ganz so, aber es geht in die Richtung. Ich bin sogar so weit gegangen (was ich seit Fallout 3 nicht mehr getan habe), die Hauptquest abzubrechen und systematisch Nebenquests zu suchen. Weil ich nicht will, dass das Spiel endet.

Ach, es ist schon schön in Himmelsrand.

Am Rande: Der Typ von Mythic nannte Rollenspiele “beardy games” (und machte dabei die Geste des sich nachdenklich am Bart Kratzens). Nett. Ich glaube, wir bezeichneten früher, zu Warhammer Tabletop-Zeiten, die überehrgeizigen Regelfetischsten als “beardy”. Keine ganz falsche Analogie.

[Dies ist eine minimal aktualisierte Neufassung eines alten Blogposts.]

Casual Gaming ist das neue Stricken

by Gunnar on 8. Oktober 2008 · 3 comments

Hier sollte eigentlich ein kurzer, böser Beitrag stehen, der grob zu der Überschrift gepasst hätte. Leider ist das Textlein dann irgendwie immer länger und immer staatstragender geworden und am Ende ließ es sich nur noch als Kolumne bei GameStar einsetzen.

Wer die lesen mag, surft dort mal rasch vorbei.

Der Herr der Scheiben

by Gunnar on 26. September 2008 · 6 comments

Neulich besuchte mich einer meiner Freunde, schon ein älterer Herr, aber weise. Ich erzählte ihm, dass ich neulich Spore gekauft hätte und sehr glücklich mit dem Spiel sei. Ich zeigte ihm die DVD. Zu meiner Überraschung riss er sie mir aus der Hand, warf sie in die Mikrowelle und schaltete auf die höchste Stufe. Ich wurde wütend — ich mochte Spore, hatte mich daran gewöhnt.

Doch er sagte nur: “Keine Angst, der DVD geschieht nichts.”

Nach ein paar Minuten nahm er die DVD, reichte sie mir und sagte: “Schau
sie dir an.” Die DVD war gar nicht heiß, lag kühl in meiner Hand und
erschien mir schwerer als zuvor. Ich betrachtete die DVD und erst sah
ich nichts Besonderes, dann aber erkannte ich um das Loch in der Mitte
herum eine Art Inschrift. Die Inschrift leuchtete hell und doch wie von
Ferne, wie aus einer großen Tiefe.

Ich sah Buchstaben:
12413AEB2ED4FA5E6F7D78E78BEDE820945092OF923A40EElOE5IOCC98D444

“Ich verstehe die feurige Inschrift nicht”, sagte ich.

“Aber ich”, versetzte mein Freund, “die Buchstaben sind Hex, ein alter
Code, und die Sprache ist die von EA, die hier nicht ausgesprochen
werden soll. Auf Deutsch heißt es: “Ein DRM, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.

Das aber sind nur zwei Zeilen eines Gedichtes, das wir Experten der Spielekunde schon sehr lange kennen:

Drei DRMs den Marktführern hoch im Licht
Sieben Kopierschutzsysteme den Kundenhassern mit Herzen aus Stein
den Nachreleasepatchern der Online-Registrierungen neun

Ein DRM dem dunklen Herrn auf dunklem Thron
im Lande EA, wo die Profite woh’n

Ein DRM sie zu knechten,
sie alle zu finden,
sie endlos zu gängeln
und dreimal zu binden

im Lande EA, wo die Profite woh’n

Dies ist mein bescheidener und (leicht verspäteter) Beitrag zur Spore-Kontroverse, weitere Infos hier, hier, hier und hier.