Essen

Hühner

by Gunnar on 14. Oktober 2011 · 6 comments

Herr Kaliban spricht mit dem Goldkindtm.

Das Goldkind isst Hühnersuppe.

Goldkind: Puh, da ist viel Fleisch in meiner Suppe.
Herr Kaliban: Hm.
Goldkind: Aber Papa, keine Angst, es gibt trotzdem noch Hühner.
Herr Kaliban: Obwohl du so viel Fleisch in der Suppe hast?
Goldkind: Ja. Die Hühner kriegen nämlich Babys. Und die werden groß, dann gibt’s wieder Hühner. Das geht immer so weiter.
Herr Kaliban: Ah.
Goldkind: Die können wir gar nicht alle aufessen.

Lebensmittelprobleme

by Gunnar on 21. September 2011 · 6 comments

Kurzer Hinweis auf einen ganz interessanten Artikel drüben bei den FAZ-Blogs:

Ein Missverständnis namens Mindesthaltbarkeitsdatum

Auszug:

“Tagesware wie Salat oder Radieschen wird morgens ins Regal sortiert und abends wieder rausgenommen – egal, in welchem Zustand die Ware ist”, sagt Thurn. Und mit “rausgenommen” meint er: weggeworfen. Trotzdem sind die Regale im Supermarkt immer voll, weil die Kunden auch kurz vor Ladenschluss gerne die volle Auswahl haben. Thurn erklärt: “Es ist für die Handelsketten schlimmer, wenn ein Kunde im Markt umkehrt, weil er sein Lieblingsjoghurt nicht mehr kriegt und zur Konkurrenz geht, als Waren zu vernichten.”

Das Phänomen kennt jede(r): Man hat Hunger auf Vanillejoghurt oder Tomatensalat, geht abends rasch ‘rüber zum Supermarkt und kauft die Zutaten. Hat der Laden nur noch schäbige Tomatenrestbestände, wird man ärgerlich und beschimpft, wenigstens im Geiste, den Supermarktleiter für seine misslungene Warenwirtschaft. Dabei könnte man natürlich auch auf Kürbissuppe oder Schokopudding ausweichen, macht man aber nicht, weil man sich an das gleichbleibende Warenangebot gewöhnt hat.

Bin da auch schuldig im Sinne der Anklage. Gelobe Besserung.

Wochentagsvegetarier

by Gunnar on 25. Mai 2010 · 26 comments

Herr Kaliban isst kein Fleisch. Außer, wenn er will. Es gibt Leute, die schimpfen ihn inkonsequent.

Ich achte auf ausgewogene Ernährung, trinke zwischendurch aber doch immer mal wieder drei Bier auf einer Party oder pfeife mir im Meeting zehn Kekse rein. Ich mache ein bisschen Sport, lasse aber fast jeden zweiten Fitnessstudio-Termin faulheitsbedingt aus und nehme bei einem Hauch von Regenwolke statt des Fahrrads das Auto zur Arbeit. Ich rauche nicht, will aber nicht ausschließen, auf der nächsten Silvesterfeier einen Zigarillo zu paffen. Ich esse kein Fleisch, mag aber bei Fisch nicht neinsagen und würde beim Abendessen mit Freunden einen selbstgeschmorten Rinderbraten durchaus nicht ablehnen. Ich schaue kein Fernsehen und weiß nicht mal, wie die Stimme von Lena Meyer-Landrut klingt, kann aber doch mal einen hirnlosen Abend vor “Schlag den Raab” verbringen.

Ich finde mich dabei grundsätzlich ganz gut: lebe bewusster als sie meisten Leute, ohne ständig als Streber aufzufallen. Ein bisschen frustiert mich allerdings, dass mein Verhalten ständig mit Hohn und Spott überkübelt wird: Raucher, Flimmerkistenfreunde und Schokoladensüchtige nennen mich schwach, weil ich nicht komplett entsage; Sesselsitzer finden mein halbherziges Sporttreiben affig und prophezeien feixend ein baldiges Ende meines Elans; kurzatmige Fleischsemmelfetischisten verstehen nicht, warum ich nicht nur noch Tofu und Bambussprossen zu mir nehme — wenn schon, denn schon, sagen sie.

Aber warum eigentlich? Ist es nicht typisch für diese Zeit, kleine Widersprüche (Bio essen und kalifornischen Rotwein trinken, etwa) easy auszuhalten? Wäre es nicht ganz hilfreich, wenn mehr Leute wenigstens teilzeit auf Fleisch verzichten würden? Warum verlangen eigentlich gerade die Gar-nicht-Entsager, dass alle anderen vollständig konsequent sind? Ist es der gelbnasige Neid auf die, die wenigstens ein bisschen was erreichen und sich nicht komplett gehen lassen? Oder ist es, ahem, vielleicht so, dass gerade die Flexitarier und die Partyraucher und die Quasi-Sportler besonders unerträgliche Zeitgenossen sind? Weil sie, um ein gewagtes Bild zu verwenden, unentwegt Diavorträge veranstalten, obwohl sie auf dem Weg Zu Einem Besseren Lebentm eigentlich doch nur bis zu ersten Raststätte gekommen sind?

Hm.

Äh.

Gut möglich.

Ich muss da mal mein eigenes Kommunikationsverhalten überprüfen. Vielleicht. Vielleicht sind aber auch einfach nur alle anderen Leute doof.

P.S. Zum Thema “Teilzeitvegetarier” gibt’s einen ganz netten Vortrag von Graham Hill:

Krebsesser und Hirnfresser

by Gunnar on 4. Dezember 2009 · 28 comments

Bizarrer Dialog gestern, auf der Weihnachtsfeier:

Ich: Habt ihr die Suppe probiert?
Junge Dame I: Nein, da sind ja Flusskrebse drin.
Ich: Und? Mögt ihr keine Krebse?
Junge Dame I: (schüttelt sich)
Junge Dame II: Krebse, das ist sowas Lebendiges.
Ich: Lebendig? Aber ihr esst doch auch Hühner? Und das Rindercarpacchio ist auch nicht am Wegesrand gewachsen.
Junge Dame II: Hühner sind irgendwie nicht so lebendig wie Flusskrebse. Und so’ne Kuh, die steht doch auch nur auf der Weide und will gefressen werden.

Und wo wir gerade beim Thema Essen mit Kollegen sind:

Kollege R. erzählt gerne und gerne auch beim Essen von seiner Jugend auf dem Bauernhof, wo man Wildschweine mit bloßen Händen verspeist und Hühnern eigenhändig die Hälse umgedreht hat. Nach einigen Schlenkern kam das Gespräch auf Hirn und dessen Verwendung als Nahrungsmittel. Kollege R. pries die geschmacklichen Vorzüge, beschrieb die Konsistenz, lobte anekdotenreich die Regionen Europas, in denen man die Umsicht besitzt, ein so proteinreiches Stück Fleisch selber zu essen, anstatt es schnöde ins Katzenfutter zu schreddern. Um uns herum erstarben die Kaugeräusche, als Menschen ihre Gabeln weglegten und ihre halbvollen Teller beseite schoben. Das Gesicht von Kollege M. gefror zu einer Maske; Kollegin S. starrte auf ihre Kohlroulade und flüsterte einen heiligen Eid vor sich hin, zukünftig nur noch Gemüse zu essen. Die Runde löste sich dann rasch auf, aber wir waren dem Thema damit nicht entkommen, R. legt per Rundmail nach und zitierte aus einem Kochbuch folgende Zeilen: Brain can be poached, fried, baked, or broiled, and is sometimes served as “beurre noir”. This is a sauce that has a clarified butter base that is heated until dark brown. Brain also can be combined with scrambled eggs for a Southern delicacy. One brain usually feeds two people. Brain also may be added to salads or stuffing or served in soups. […] Monkey brain is a controversial food, often attributed to the Chinese, but also found in certain other countries. The practice of eating monkey brains has led to over-hunting, especially due to the unfounded belief that eating the monkeys’ brain can cure impotence.

Uh. Was viele Leute nicht wissen: Hirnesser R. finanziert seinen überbordenden Fleischkonsum mit monatlichen Zahlungen der Deutschen Gesellschaft für Vegane Lebensweise, die ihn als U-Boot durch die Lande schicken, um möglichst vielen Menschen das Fleischessen zu verleiden.

Die Knoblauchgeschichte

by Gunnar on 16. November 2009 · 21 comments

In Los Angeles gibt’s ein Restaurant namens The Stinking Rose, bei dem jedes Gericht mit Knoblauch zubereitet wird. An dem fuhren wir früher immer vorbei, wenn wir während der E3-Messen auf dem Weg vom Hotel zur Saddle Ranch waren, dem Ort, wo wir traditionell mit einem unfassbaren Burger-und-Bier-Gelage die US-Reise beendeten. Die Stinking Rose haben wir nie besucht, aber ich hatte mir immer mal vorgenommen, dort einzukehren.

In Berlin gibt’s ein knoblauchaffines Restaurant, das heißt ganz profan Knofel, was lange nicht so cool klingt wie “The Stinking Rose”, aber als mich Freunde dorthin einluden, ging ich gerne mit. Das Essen dort, Knoblauchbraten, Knoblauchkartoffeln, Knoblauchgemüse, Knoblauchschnaps, Knoblaucheis, war brauchbar, wenn auch nicht spektakulär. Wir langten ordentlich zu. Dann ging’s nach Hause auf ein paar Bier, am folgenden Morgen besuchten wir ein Frühstückslokal. Dort wurden wir ausgesprochen unfreundlich bedient, was uns sehr verwunderte — wir waren eine Vierergruppe mit ausreichend Appetit und überdurchschnittlicher Trinkgeldbereitschaft, dennoch ignorierte man uns über weite Strecken des Vormittags. WIr schoben es auf die übliche Berliner Schofeligkeit.

Ein paar Stunde später ging mein Flug zurück nach München, der verging ohne Zwischenfälle, obwohl ich das latente Gefühl nicht loswurde, dass man mich anstarrte. Doch ich begriff den Ernst der Lage erst, als ich zuhause ankam, meine Frau spontan drei Meter zurückwich und mich entsetzt fragt, was ich denn gegessen hätte — da erst begriff ich die fatalen Folgen des Knoblauchabusus und sah, plötzlich, den ganzen Tag vor meinem inneren Auge ablaufen: die erstaunlich zurückhaltenden Kellner beim Frühstück, der unsympathische Taxifahrer, der blöde Typ im Flugzeug neben mir, alles normale Menschen, die nur aufgrund meiner toxischen Ausdünstungen ihre Nonchalance verloren hatten.

Uh.

Ich brauchte dann noch ein paar Stunden intensiven Schrubbens, Gurgelns und Putzens, ehe meine Frau entschied, dass ich — wenn ich den Rest des Tages Kaugummi kaute und heute nacht ins Wohnzimmer zöge — in der gemeinsamen Wohnung bleiben dürfe.

Schlimm. Habe seither der Knoblauchknolle komplett abgeschworen — wenn demnächst die Vampire die Macht übernehmen, könnt ihr nicht auf mich zählen, sorry.

Essen wie Herr Kaliban

by Gunnar on 23. März 2009 · 10 comments

Ich bin kein besonders guter Koch, meist fehlt es mir an der Lust, etwas in Angriff zu nehmen, was zwischen jetzt und dem Ende des Hungers eine größere Zeitspanne als 15 Minuten ausbreitet. Meist improvisiere ich schnell irgendwas zusammen, je nachdem, was der Kühlschrank und die Speisekammer so hergeben: Aufläufe, Salate, Gemüsepfannen, derlei Dinge. Dabei gelingen mir selten Highlights, meist schmeckt es auch irgendwie improvisiert. Naja, die teuren Biozutaten müssen’s dann retten.

Anlass dieses Postings ist allerdings die Tatsache, dass mir eben ein schnell zusammengebauter Salat ziemlich gut gelungen ist. Dieser hier:

Feldsalat nach Herrn Kaliban

Packung Feldsalat
halbe Mango
drei Erdbeeren
Mini-Dose Mais
halbe Packung Patros-Feta
milde Chilischote

zwei Teelöffel Dijon-Senf
drei Teelöffel Sahnejoghurt
drei Teelöffel Balsamico-Essig
optional: zwei Teelöffel Kirschsaft

Den Feldsalat sorgfältig putzen, auch Stiele entfernen. Mango und Erdbeeren und Feta und Chili sehr, sehr klein schneiden. Beim Chili die Kerne entfernen, damit es nicht zu scharf wird. Das Ganze leicht pfeffern. Alles gut mit dem Mais vermengen.

Das Dressing (Senf, Essig, Joghurt, Saft) separat anrühren und erst kurz vor dem Servieren auf den Salat geben. Alles noch einmal gut vermengen.

Guten Appetit.

Schmeckt nach Fisch

by Gunnar on 31. Januar 2009 · 5 comments

hartkäse aus sardinen?

“Du, Luigi, woraus machen wir den guten Hartkäse, wenn wir keine Milch mehr haben?”
“Ach Mario, dann musst du eben nehmen, was du noch so im Kühllager rumliegen hast.”