Fantasy

Warbreaker

by Gunnar on 1. Oktober 2011 · 8 comments

Herr Kaliban hat schon wieder so Fantasy-Zeug gelesen.

Neulich empfahl ich mit ein paar dürren Worten die Mistborn Trilogy-Trilogie von Brandon Sanderson und nannte sie sehr schlau gebaut, mit einem sehr eigenen Magiekonzept und einer clever ausgedachten Welt. Nicht immer wahnsinnig inspiriert geschrieben, aber sensationell gutes Handwerk.

War auch so, das sind sehr schön konstruierte Bücher, ordentlich geschrieben. Nicht so berauschende Blut-und-Sperma-Epen wie die A Song of Ice and Fire-Sachen von G. R. R. Martin, aber schon auch angenehm ab vom Standard, weil zum Beispiel der böse Herrscher…


SPOILER
bereits in Band 1 von 3 besiegt wird, unter großen Opfern der Helden, wonach ihnen aber klar wird, das der eigentlich gar nicht das Problem war. Oder weil das Magiesystem in der ersten Erklärung bereits völlig logisch klingt, man die ganze Bandbreite davon aber (wie die Helden selber) erst nach und nach erfährt: Es gibt gar nicht nur acht Metalle! Die Magie funktioniert ganz anders!

Ich bin dann ein bisschen auf dem Autor hängen geblieben und habe noch Elantris gelesen, sein erstes veröffentlichtes Buch. Das war auch ganz okay konstruiert, gefiel mir aber vom Stil und dem Setting her nicht. Da wollte ich den Herrn Sanderson schon wieder aufgeben, habe dann aber noch Warbreaker angefangen. Und das ist ja mal ein wirklich tolles Buch!

Warbreaker ist zwar ein blöder Name (der auch nahezu nichts mit dem Inhalt zu tun hat), aber das Buch hat alles, was ein Fantasy-Roman braucht: eine lebendige Welt (mit genügend fiktiver Historie eingestreut), ungewöhnliche Helden, ein abgefahrenes Magiesystem, Liebe und Hass und Einsicht und Verzweiflung und sogar den einen oder anderen Plot-Twist. Kann man lesen, als Fantasy-Fan sowieso, aber auch, wenn man dem Genre nur so mittelnah steht, immerhin kommen keine Elfen vor und auch keine axtschwingenden Zottelmonster.

Das Grundszenario ist dafür politisch interessant: Sanderson konstruiert ein politisches Dreieck aus einem großes Land, einer Mega-Militärmacht, einem kleinen Nachbarland, das von der ehemaligen Königsfamilie des großen Landes regiert wird und von Menschen mit ähnlicher Sprache bewohnt wird, und einem anderen kleinen Land, das offiziell nur eine Provinz des großen Landes ist, aber eine eigene Kultur und Sprache bewahrt hat. Ein bisschen so wie die Konstellation von China, Taiwan und Tibet.

Aber mehr will ich gar nicht erzählen, sonst muss ich noch so ein Spoiler-Ding einfügen. Kurz gesagt, das Buch ist lesbar. Was mich aber besonders fasziniert hat, ist wie konsequent der Autor mit diesem Werk umgeht: Auf einer eigenen Webseite gibt es Kapitelkommentare zum Nachlesen, gestrichene Szenen, alle Fassungen von “erster Wurf” bis “fertig für den Lektor”. Und die fertige Version als kostenloses E-Buch. Ich habe mich quer durch alle Fassungen gelesen und fand’s außerordentlich spannend, zu sehen, wie der Autor auf seinem Weg zum fertigen Buch den Text ändert, kürzt, hinzufügt, korrigiert. So ausführlich dokumentiert habe ich das noch nirgendwo gesehen. Sehr cool.

Ich lese übrigens gerade Buch 1 der Stormlight Archives von Sanderson, eine Serie, die angeblich auf zehn (!) Bände angelegt ist und find’s bislang auch gut. Dann habe ich aber alles Wesentliche von Sanderson durch und muss einen neuen Autor entdecken…

OMFG, der liest Bücher (Teil 2)

by Gunnar on 11. April 2009 · 13 comments

Fortsetzung des Beitrags von gestern.

joe abercrombie the blade itselfThe Blade Itself (Joe Abercrombie)
Fantasy-Roman (Teil 1 der “First Law”-Trilogie)
Hm. Also. Drei Helden, drei Handlungsstränge, die nichts miteinander zu tun haben und sich erst später verflechten — der Barbar Logen, der um sein Überleben kämpft, der eitle junge Adelige Jezal, der unbedingt Fechtmeister werden will, der verkrüppelte Inquisitor Glokta, der pragmatisch seinen Weg geht. Alles beginnt im Kleinen, im Persönlichen, doch am Ende geht es um das Überleben des Mittlereren Reiches und den Kampf gegen das Böse schlechthin, aber bis zum Schluss ist eigentlich nie alles so, wie es scheint. Der Autor, der Engländer Abercrombie, schreibt hauptberuflich Drehbücher, was man dem Buch durchaus anmerkt — viele Szenen sind ziemlich bildhaft angelegt, vor allem dann, wenn’s mit Schwert und Fäusten zur Sache geht. Dazu kommen großartig überdrehte Charaktere (die allerdings samt und sonders nicht zur Identifikation taugen) und ein ordentlicher Schuss Humor. Eine Mischung, die in der Mainstream-Fantasy seinesgleichen gar nicht erst zu suchen braucht.
Fazit: Pflichtkauf für Fantasy-Fans, die auf Elfen und Zwerge verzichten können. Auf deutsch heißt das Buch “Kriegsklingen” und ist bei Heyne erschienen.

shaun tan the arrivalThe Arrival (Shaun Tan)
Comic
Die Geschichte handelt von einem Mann, der in ein fremdes Land emigriert (wobei er seine Familie zurücklässt) — und sich dort zurechtfinden muss, ohne die Sprache zu kennen oder die Gebräuche zu verstehen. Die gesamte Erzählung entfaltet sich in den einfarbigen Bildern, Bildunterschriften oder Sprechblasen gibt es keine. Der Autor Tan arbeitet damit die eigene Familiengeschichte auf, sein Vater ist unter ähnlichen Umständen in die USA gekommen.
Fazit: Die Zeichnungen sind grandios, die Figuren liebenswert, die Geschichte ist zeitlos relevant. Tolles Buch.

marvel 1602 neil gaimanMarvel 1602 (Neil Gaiman
Comic (Sammelband)
Absurd — Gaiman siedelt eine Reihe von Marvel-Helden (aus dem Earth-616-Universum) im Elisabethanischen Zeitalter an: Wir treffen auf die X-Men (die hier Witchbreed heißen), Daredevil, “Peter Parquah” (bevor er zu Spiderman wird), Doc Strange, die “Four of the Fantastick” und eine ganze Reihe von anderen Helden. Die haben alle im dieser Epoche eigentlich nichts zu suchen, denn das “Zeitalter der Helden” hätte erst im 20. Jahrhundert beginnen sollen. Da aber die Erde von der Apokalypse bedroht ist (woran unabsichtlich ein Superheld schuld ist), tauchen die Helden schon Anno 1602 auf — und müssen zusammenarbeiten, um die Welt zu retten. Eine spannende Geschichte, die umso besser wird, je mehr von den zahllosen Insider-Jokes man versteht und je intimer man das Marvel-Universum kennt.
Fazit: Das alles ist smart erzählt, hübsch gezeichnet und clever arrangiert. Gaiman eben. Man kann ihn nicht genug loben.

oliver uschmann murp hartmut und ich verzetteln sichMurp! (Oliver Uschmann)
Roman (Band 4 der “Hartmut und ich”-Serie)
Die Geschichte von Hartmut und dem Ich-Erzähler, die lustig begann und mit “Wandelgermanen” einen schwer lesbaren Seitensprung ins Surreale unternahm, setzt sich hier schleppend fort. Uschmann will uns offenbar was sagen, eine Botschaft nahebringen, predigen gegen die Fremdbestimmung des kleinen Mannes durch den Terror der Politisch Korrekten, der Öko-Esser, Antiautoritär-Erzieher und Jutetaschen-Träger. Das ist nicht nur abgeschmackt, das ist seit dem Jahr 2000 auch nicht mehr witzig. Weil der Autor aber so an seine Botschaft glaubt, versteckt die eine Hauptfigur ständig Zettel mit kleinen Essays, die die andere Hauptfigur dann findet und liest — wir haben es hier eigentlich mit einer Kolumnensammlung zu tun, um die mühsam eine Art Roman gestrickt ist. Kann das gutgehen? Nein, und das tut es auch nicht. Auch wenn die Essays teilweise brillant sind, die ganze Attitüde, die ganze Form, der ganze Plot, das ist alles kaum erträglich. Ich musste etwa bei zwei Dritteln aufgeben, obwohl ich gerne noch gewusst hätte, wie Uschmann das alles zu einem sinnvollen Ende führen will.
Fazit: Wäre der Autor, der immerhin fortwährend beweist, dass er schreiben und beobachten kann, bei einer leichteren Form geblieben und nicht ins Lager der selbstverliebten Weltverbesserer gewechselt, wäre ich sicher weiterhin ein Fan seiner Bücher. So leider nicht.

spielmacher winnie forsterComputer- und Video-Spielmacher (Winnie Forster) Sachbuch/Lexikon
Kein richtiges Buch, sondern eine Art Lexikon mit 1.500 Einträgen. Winnie führt in alphabetischer Ordnung und gewohnter Faktensicherheit handelnde Personen und Firmen auf und widmet den wichtigeren ein paar Absätze, den unwichtigeren Kurzeinträge. Toll zum Stöbern und Nachschlagen und als Recherchestartpunkt. Wer das durcharbeitet, ist ein ganzes Stück schlauer.
Fazit: Pflichtkauf für Spielejournalisten. Für interessierte Laien ist das alles vermutlich ein bisschen zu viel.

heinz strunk die zunge europasDie Zunge Europas (Heinz Strunk)
Roman
Sieben Tage im Leben des erfolglosen Gag-Schreibers Markus Erdmann, der in einer hoffnungslosen Beziehung lebt und jeden Sonntag seine senil werdenden Großeltern besucht. Ihn interessiert eigentlich nichts, nicht Sex, nicht Geld, nicht Ruhm, er brütet in seinem bedeutungslosen Dasein vor sich hin, bis er Janne im Zug trifft.
Soweit, so belanglos — Strunk interessiert sich nicht für seine Handlung, nicht für seine Hauptfigur und im Grunde auch nicht für den Leser. Alles, was dieses Buch ausmacht, findet nebenbei statt, in humorigen Einschüben, in denen der Held stellvertretend für den Autor die Welt beobachtet und zynisch kommeniert. Das ist durchaus witzig, trägt aber das Buch nicht — hier wäre es (wie bei Uschmann) besser gewesen, der Autor hätte auf die Romanform verzichtet und einfach ein Bündel Kolumnen vorgelegt.
Fazit: Macht über weite Strecken fast alles falsch, was der Vorgänger “Fleisch ist mein Gemüse” richtig macht. Ich konnte es nicht zuende lesen, weil mich die Figuren so kalt gelassen haben.

kathrin passig sie befinden sich hierSie befinden sich hier (Kathrin Passig)
Hörbuch
Die von mir wegen ihres großartigen Lexikon des Unwissens, ihres Blogs und ihres Twitter-Feeds hochverehrte Frau Passig hat, obwohl eigentlich eher Journalistin und Sachbuchautorin, Anno 2006 den hochrenommierten, aber auch meistens von schwerer Verquasung bedrohten Bachmann-Preis gewonnen. Mit ihrem literarischen Debüt, einer Ich-Erzählung aus der Sicht eines Mannes, der sich im Schnee verirrt hat und dabei ist, zu erfrieren. Dieses Stück gibt es nur als Mitschnitt der Lesung auf CD, als Kurzhörbuch sozusagen, denn die Story ist nach 23 Minuten erzählt.
Fazit: Coole Geschichte. Schlau komponiert, schlau geschrieben. Hörenswert.

Soweit. Erstmal. Ich hätte noch so fünf bis zehn erwähnenswerte Bücher, die reiche ich bei Gelegenheit nach.

Auf der Spur des Schwätzers

by Gunnar on 3. Februar 2009 · 54 comments

Eigentlich hätte ich es besser wissen müssen, aber ohne Risiko für die eigene Unversehrtheit machen Experimente nun mal keinen Spaß.

Aber immer langsam. Also. Ich war früher mal großer Fan der Werke von Wolfgang E. Hohlbein, auch die deutsche Fantasy-Allzweckwaffe genannt. “Früher” meint so um 1988 herum — das war eine Zeit, in der alle Welt um mich herum mit Geschmacksverwirrungen zu kämpfen hatte, was mein Vergehen ein wenig relativieren mag. Obwohl mein Freund Niklas versuchte, mich zu kurieren, hörte ich erst nach gut 25 Hohlbein-Büchern im Regal auf. Und das auch nur, weil mir der Autor auf einer Podiumsdiskussion (war das in Hamburg? Auf einem Rollenspiel-Con?) ausgesprochen unsympathisch war. Im Nachhinein fielen mir dann doch noch ein paar stilistische Unzulänglichkeiten, eine gewisse Leblosigkeit der Charaktere und eine Neigung zur Wiederholung von ganzen Textpassagen auf.

hexerSoweit meine Erinnerung. Jetzt das Experiment — todesmutig kaufte ich neulich im (übrigens großartig sortierten) Schmorl & von Seefeld in Hannover ein hohlbein’sches Hörbuch (siehe Bild) für die gewagte Summe von Sechseurofünfundneuzig. Zusammen mit drei anderen Hörwerken, um vor der Verkäuferin nicht wie ein alternder Bettnässer dazustehen. Und dann habe ich es mir angehört, bis zur Hälfte ungefähr. Obwohl es sogar mit Musik unterlegt ist! Und der Autor selber liest!

Und das Fazit? Naja, wie erwartet: Nach schwach zehn Minuten begann ich leicht aus den Ohren zu bluten, nach einer Viertelstunde fielen mir die Augenbrauen aus, nach einer halben Stunde hatte ich Schwierigkeiten, mich an die Namen meiner Brüder zu erinnern. Mir heute unerklärlich, wie ich dieses umständliche, geschwätzige, sich ewig wiederholende Zeug gut finden konnte. Karl May ist Hochliteratur dagegen. Bei Hohlbein stand und steht das Adjektiv, im Journalismus Prügelknabe und Armendroge, in hoher Achtung — Treppenstufen knarren nicht, sie “knarren hörbar”, Tränen sind immer “heiße Tränen”, die Dunkelheit hat stets Augen, die “unsichtbar”, aber auch “gierig” sind. Et cetera.

Und jetzt sitze ich da mit meinem hochwertigen Halbgehörtbuch. Hm. Ich wage kaum zu fragen, aber — will es vielleicht jemand haben? Jemand von Ihnen, geschätzte Mitlesende?

Ich würde es verschenken, frei und franko. An denjenigen, der mir innert zweier Wochen in die Kommentare dieses Beitrags die überzeugendste Begründung schreibt, warum er dieses Hörbuch haben muss. “Der Hohlbein schreibt super, und Sie sind ein arroganter Fatzke, Herr Kaliban” zählt genauso wie “Meine Schwester hat mir Übles angetan, ich will dies Hörbuch nachts leise vor ihrem Zimmer abspielen, um ihre Träume zu vergiften.”

Und ich lege auch noch was Nettes in das Päcklein, versprochen.

R.S. statt G.R.R.

by Gunnar on 6. Januar 2009 · 11 comments

Ein freundlicher Mitlesender namens “tektonick” empfahl mir vor ein paar Tagen in den Kommentaren die Fantasy-Serie Prince of Nothing (auf Deutsch: Krieg der Propheten) von R. Scott Bakker. Als Ersatzdroge quasi für die von mir heiß geliebten Bücher von G.R.R. Martin, dessen bisheriges Werk ich einigermaßen ausgelesen habe. Und der gefühlt EWIG für die nächste Fortsetzung der grandiosen Song of Fire and Ice-Serie braucht.

Dafür wollte ich mich an dieser Stelle unbekannterweise mal kurz bedanken — ich lese gerade Band 1 und bin durchaus begeistert. Ich finde die meiste Fantasy-Literatur eigentlich zu flach, habe aber einen Hang zu Autoren, die die Sache wirklich konsequent angehen, ihre Welt logisch und detailreich entwickeln und auch große Themen nicht scheuen. Eben wie Martin oder auch Gene Wolfe. Bakker scheint da voll auf meiner Linie zu liegen — bereits nach knapp über hundert Seiten ist ein heiliger Krieg ausgebrochen, und es schweben zahllose bedeutsame Fragen im Raum. Stehen die geheimnisvollen “Consult” wirklich hinter dem fanatischen Priester? Wie funktioniert die eigenartige Magie der Fanim? Wer sind überhaupt die Non-Men?

Ach, schön. Die englische Fassung ist allerdings nicht leicht zu lesen, da der Autor zu großen Wörtern, mild überdrehten Metaphern und generell ein bisschen zur Geschwätzigkeit neigt. Keine Ahnung, ob sich das in die (möglicherweise nicht allzu gute) deutsche Übersetzung übertragen hat, sowas lese ich schon lange nicht mehr. Die Übersetzer von Trivialliteratur sind derart unterbezahlt, dass ich ihnen die schlechte Arbeit nicht mal übelnehmen kann.

Am Rande bemerkt: Fantasy-Autoren brauchen offenbar massenhaft Vornamen. Das liegt bestimmt am großen Vorbild John Ronald Reuel. Falls ich doch noch mal, nach meiner Berentung vielleicht, einen schreibe, muss ich mich Gunnar G. R. Lott nennen.

Ich wollte früher immer Fantasy-Romane schreiben, weil ich erkannt hatte, dass man für Fantasy nicht recherchieren muss. Keine Ahnung, wie eine Phaserkanone funktioniert? Macht nichts. Polizeiarbeit — ein Buch mit siebzehn Siegeln? Egal. Ein paar absurde Länder, deren Kulturen irgendwie so Mixturen aus dem keltischen Irland, Sparta und dem Hof des Kalifen von Bagdad sind, die kann sich jeder ausdenken. Und ein obskures Magiesystem ebenso — in Harry Potter etwa verhalten sich die Zauberstäbe unlogischerweise wie Schusswaffen: Wer aus der Deckung ballert, gewinnt, allen Expelliarmus!-Rufen zum Trotz. Und — hat’s die Gelddruckmaschine etwa verlangsamt? Also. Fantasy, das isses.

Irgendwann habe ich sogar mal ein Anfangskapitel geschrieben, das in meiner Erinnerung großartig ist — es behandelte den Aufbruch des rothaarigen Helden (Anti-Klischee!) im strömenden Regen (Atmosphäre!) zu einem Treffen mit dem König (Erwartungshaltung aufbauen!) –, aber das ist auch schon seit mehr als zwanzig Jahren verschollen. Vermutlich besser so. Abgesehen von diesem Kapitel habe ich immer nur Karten gemalt und mir Schlachten und Kriegszüge überlegt. Meine große Geschichte von dem Freibeuter Ryan etwa kam nie weiter als bis zu dem Angriff der Orks der Nordmarschen auf das Land Dawn (quasi meine Version von Rohan), der nur von den Entsatztruppen der Herren von Cargh gestoppt werden konnte, die in der Stunde der Not erstmals die Tore zu ihrer von Bergen umschlossenen Hochebene öffneten.

Oder so.

Das Kartenzeichnen und Schlachtenausdenken fand ich dann so anregend, dass ich nie dazu gekommen bin, mir irgendwelche Figuren und Handlungsstränge zu überlegen. Was mich zu der Frage bringt, ob da draußen noch mehr Leute wie ich sind, die Fantasy hauptsächlich wegen der Beschreibungen der Waffengänge konsumieren. Die wie ich die Kapitel mit dem Krieg um Minas Tirith 15 Mal intensiv durch- und die Wanderung Frodos durch Mordor nur anderthalb Mal quergelesen haben. Ich hatte schon immer eine Schwäche für die Fantasy-Spielart, die so Geschichtsbuch-mäßig daherkommt und mit einer leicht präteziösen Ernsthaftigkeit ihre Historie abhandelt.

Vielleicht ist das meine Marktlücke: Ich pfeife auf Handlung sowie Dialog und schreibe einfach ein Fantasybuch namens Die Geschichte des großen Krieges. Reihe Gefecht an Gefecht, jeweils mit ausführlichem Kartenmaterial. Klar habe ich dann schon auf Seite 4 alle weiblichen Leser vergrault, aber es müste doch mit dem Teufel zugehen, wenn das 16jährigen Jungs nicht gefallen würde. Ha!