Fußball im TV

Post-EM-Traumata

by Gunnar on 2. Juli 2012 · 6 comments

So, Gottseidank, das Fußballzeug ist vorbei.

Jetzt kann man sich endlich wieder wichtigen Dinge zuwenden, Videospielen etwa. Oder dem Bloggen an sich.

Mit EM-Gewinn wär’s schöner gewesen, aber nun, man soll nicht maßlos sein – die Tatsache, dass wir jetzt schon seit sechs Jahren ein Team haben, das regelmäßig mithalten kann, ist schon nicht übel. Und wenn man ganz ehrlich ist: So zwingend, wie man das der deutschen Mannschaft nachgesagt hat, hat sie nicht gespielt. Also besteht auch kein Grund für allzu lauten Katzenjammer, wir hatten eine Mannschaft am Start, die leistungsmäßig und taktisch zwischen Platz 2 und 4 anzusiedeln ist, hinter Spanien sicher, Portugal möglicherweise, eventuell Italien. Darauf lief das Turnier hin, das Ergebnis hat also gepasst.

In diesem Sinne freue ich mich, ganz ohne Ironie oder Enttäuschung, auf die WM in Brasilien.

Und jetzt wech mit den Nationalteams, ich brauche wieder Bundesliga.

Schland!

by Gunnar on 13. Juni 2012 · 1 comment

Die Vorbereitung ist das wichtigste.

Außen Fan, innen Nerd: Dies ist der Arm meines Ex-Kollegen Fabian Siegismund. Das Bild habe ich geklaut von seiner unterhaltsamen Facebook-Fanpage, wo er täglich zu seinen Fans spricht.

Und dies ist der Rücken meines Freundes Niklas. Der hat sich den Namen des, äh, für Deutschland wichtigsten Spielers auf die Beckenbauer-Jacke flocken lassen. Dabei gibt’s gar kein Elfmeterschießen.

robben für deutschland

Mit Absicht!

by Gunnar on 11. Juni 2012 · 3 comments

Es läuft Fußball im Fernsehen. Herr Kaliban und das Goldkind schauen gespannt zu.

Herr Kaliban: Uh!
Goldkind: Ja, da hat der Blaue den Roten beim Spielen getreten. Das ist nicht nett. Da muss er sich nicht wundern, wenn der Gelbe…
Herr Kaliban: Das ist der Schiedrichter.
Goldkind: … der gelbe Schiedsrichter mit ihm schimpft.
Herr Kaliban: Mmm.
Goldkind: Au, jetzt hat der Blaue nochmal getreten, einen anderen Roten. Ah, jetzt kriegt er die gelbe Karte. Das hat er davon. Ich habe genau gesehen, dass er das mit Absicht gemacht hat!

Fußball ist aus der Sicht einer Vierjährigen auch nicht so viel anders als der Alltag im Kindergarten.

Weil ich mich gerade an ein paar Stellen im Internet darüber gezankt habe, schreibe ich meine unmaßgebliche Meinung zu diesem Thema auch hier noch mal rasch auf.

Fortuna Duesseldorf

Kurz zum Background: In Düsseldorf war ein Fußballspiel. Fans der Gästemannschaft reagierten auf den vorentscheidenden Gegentreffer mit dem Werfen von Knallkörpern und Bengalos in Richtung Eckfahne. Polizei zog auf, et cetera, das Spiel wurde unterbrochen. Spiel ging weiter, Gästemannschaft schoß ein Tor, Nachspielzeit, der Schiedsrichter pfiff irgendwas. Die euphorisierten Fans der Heimmannschaft dachten, es sei der Schlusspfiff und stürmetn den Platz. Mit ein bisschen Überzeugungskraft schickte man sie wieder runter, es wurden noch zwei Minuten gespielt. Abpfiff. Die Gästemannschaft legte Protest gegen die Spielwertung ein (“unsere Spieler hatten Todesangst”; “wir sind nur nochmal aufs Feld gegangen, um ein Blutbad zu verhindern”).

Fortuna Duesseldorf

Jetzt liest und hört man’s wieder überall: “Chaosspiel”, “Mega-Skandal”, “Die Fußballschande von Düsseldorf” und so weiter. Alles ereifert sich über die blöden Fußballfans.

Aber hey, mal realistisch betrachtet: Die “Debatte” besteht mal wieder zu 90 Prozent aus Speichel und heißer Luft. Der Platzsturm war rabaukig und maßlos, aber doch nun nichts wirklich Schlimmes. Sowas kommt in den besten Familien vor. Nur halt eben nicht vor dem Schlusspfiff, aber das war natürlich eher ein Versehen, eine Missinterpretation eines Pfiffs. Was da auf dem Rasen stattfand, war natürlich Sachbeschädigung (irgendwer wollte gar den Elfmeterpunkt klauen), aber am Ende waren es einfach feiernde Menschen, Männer, Frauen und Kinder.

Und, Punkt 2, auch wenn manche, die Fußballspiele nur von Sky HD oder aus der VIP-Loge kennen, das anders sehen mögen: Bengalos an sich sind auch noch kein Grund für den Einsatz von Blauhelmen. Ich persönlich fühle mich, auch wenn die Medien zunehmend von Hooligans und Fangewalt hyperventilieren, im Fanblock sicherer als an Silvester auf der Hauptstraße einer deutschen Kleinstadt.

Das Werfen von bengalischen Fackeln, aufs Spielfeld oder sonstwohin, hingegen ist natürlich etwas, was bestraft gehört. Wenn man also dem Spielabbruch das Wort reden möchte, hätte man in der 60. abbrechen müssen, als die Hertha-Fans erstmals Wettwerfen auf die Eckfahne veranstaltet haben.

P.S.

Als Ergänzung differenziertere Meinung, abseits der Mainstream-Medien: Spielverlagerung.de verurteilt die Vorfälle auch, vermeidet aber stereotypes Gebashe. Geht doch auch.

Der Tagesschau-Redaktion ist es auch aufgefallen: “Eine hochgeschriebene Horrornacht”.

Stadiums like Starships

by Gunnar on 13. Juli 2010 · 11 comments

Herr Kaliban freut sich, dass Südafrika 2010 — trotz all dem Genörgel und Geunke (***) vorab — eine so schöne WM geworden ist.

[Hier war ein schönes Video. Jetzt isses wech. Pech.]

P.S. Okay, über die Schiedsrichter müssen wir vielleicht nochmal reden.

Gomez und das Ende der Hoffnung

by Gunnar on 8. Juli 2010 · 12 comments

Das Ende der WM für mich: ein trauriges Bild und eine kurze Twitter-Konversation zwischen den Herren Kaliban* und Agitpop*.

Herr Kaliban: Ein Bild, das mir lange in Erinnerung bleiben wird: das bitterlich weinende Kind mit Deutschland-Kappe im TV gestern.

Herr Agitpop: Härtet ab, sowas. Wo die Enttäuschung herkommt, da lauert noch mehr. Aber bezeichnend, dass selbst Netzer “oooch” sagte.

Agitpop: Wobei mir wirklich der Ghana-Spieler näher ging, den man wie tot vom Platz tragen musste nach dem Elfmeterschießen. Das tat weh.

Herr Kaliban: Stimmt. Überhaupt war das Ghana-Spiel fast so schlimm wie eine Deutschland-Niederlage.

Agitpop: Schlimmer. Deutschland hat verdient verloren. Ghana hätte in der 121. das 2:1 gemacht, hätte Suarez nicht gefaustet.

Herr Kaliban: Ja. Klar. Aber bei Deutschland geht’s mir näher. So ein Fan-Dings eben. Ich hoffe ja bei Hannover 96 auch gegen alle Vernunft auf das Glückstor.

Agitpop: Das schon, aber das Spiel gestern war so einseitig, dass die Enttäuschung nicht aufkam. Da war fast nie die Hoffnung da.

Herr Kaliban: Hoffnung? Hoffnung ist immer.

Agitpop: Hoffnung war bei Kroos. Die Hoffnung endete, als Gomez eingewechselt wurde.

Agitpop? Herr Agitpop ist so eine Art “Internet-Freund” vom Herr Kaliban. Obwohl er FC Bayern-Fan ist. Er twittert zu viel und hat ein sensationelles Blog, das er leider seit einem Jahr nicht mehr updatet, in dem aber noch viele schöne Texte zu finden sind. Der über Bioshock etwa. Oder den über Moral in Games oder den über Schäuble und die Vorratsdatenspeicherung.

Und… Abflug!

by Gunnar on 7. Juli 2010 · 7 comments

Vorbereitung auf das Abendereignis:

Gefunden in Caschys Twitterstream.

Wir sind Bundestrainer

by Gunnar on 18. Juni 2010 · 17 comments

Herrn Kaliban nerven am deutschen Fußball vor allem die Diskussionen der Fans.

Ein paar willkürlich und eher zufällig ausgewählte Aussagen aus dem SpOn-Forum zum Serbien-Spiel (Zusatzinfo für Fußballabstinenzler: das von eben, das wir 0:1 verloren haben):

Keine Ahnung, welches Spiel diese Leute gesehen haben, aber auf meinem Bildschirm lief ein Match, in dem eine engagierte deutsche Mannschaft durch sehr kleinliches Abpfeifen harmloser Situationen (was in einer Gelbflut und einer roten Karte für Klose gipfelte) schwer aus dem Tritt gebracht wurde. Und auch deshalb ein Gegentor kassierte, weil Badstuber sich, Sekunden nach der roten Karte, wohl keine Grätsche gegen den durchgebrochenen Krasic getraut hat. Wie überhaupt die Deutschen, eigentlich ja ein robustes Team, oft merkwürdig körperlos agierten, was sicher auch etwas mit den 19 Freistößen zu tun hat, die gegen Deutschland gepfiffen wurden. Vielleicht hätte Spanien einen Schiedsrichter, der angeblich in 17 Ligaspielen 11 rote Karten verteilt hat, gar nicht erst zur WM schicken sollen.

Aber wurscht, ob man in der Schiedsrichterleistung oder der Harmlosigkeit der Deutschen oder der Cleverness der Serben den Grund für die Niederlage sehen mag, es ist doch wohl ein bisschen albern, immer gleich in die unterste Kiste zu greifen und das eigene Team mit Häme und Beschimpfungen zu überziehen. Und das nur eine Woche nachdem man dieselbe Mannschaft wegen ein paar Treffern gegen ein B-Team in den Himmel gejubelt hat. Siehe exemplarisch dazu die Bemerkung einer Bekannten auf Facebook soeben:

Grmpf. Das ist wie im Vereinsfußball: Man ist Fan einer Mannschaft oder eben nicht. Ist man’s, dann in guten wie in schlechten Zeiten. Ich als Anhänger von, eh, Hannover 96, darf mit Fug und Recht behaupten, dass das nicht immer leicht ist. Aber so ist es eben. Wem das zu anstrengend ist, der möge Brasilien adoptieren oder Bayern-Fan werden. Ahem.

Soccer Power Index FTW!

by Gunnar on 15. Juni 2010 · 5 comments

Herr Kaliban wüsste gerne mehr. Insbesondere über den deutschen Fußball.

Ich bin, wie viele Fußball-Fans, immer für handfeste Statistiken zu haben. Und fühle mich da grundsätzlich unterversorgt von deutschen Medien. Bei uns erfährt man ja höchstens mal, dass “Lukas Podolski verhältnismäßig wenig nach hinten gearbeitet hat”* und Kloses Leistung gegen Australien nach Meinung der namenlosen Redaktion mit der Schulnote “2,5”* zu bewerten ist. Die Amerikaner sind da ein Stück weiter, nicht nur bei ihren Nationalsportarten, sondern auch beim Fußball. Auf ESPN gibt’s beispielsweise den Soccer Power Index (SPI), der alle Teams nach Leistung einstuft, woraus sich dann auch gleich Siegwahrscheinlichkeiten berechnen lassen. Für die nächsten beiden Spiele von Deutschland sieht es beispielsweise so aus:

Man kann sich mittels des SPI auch gleich die Chancen aller Mannschaften im Turnier auf einmal anzeigen lassen, wo dann herauskommt, dass Brasilien eine knapp 22%ige Chance auf den Cup-Sieg hat, Deutschland hingegen nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 18 Prozent überhaupt das Halbfinale erreicht. Spielerei, jaja, aber suuuper, um das Geplapper in der Halbzeitpause zu überbrücken und trotzdem im Fußball-Thema zu bleiben.

Wem das alles zu viel Spekulation ist, der kann natürlich auch beim Handfesten bleiben und bei ESPN nachschauen, wo beim Australien-Spiel dieser Özil auf dem Spielfeld zu finden war…

… oder von wo die Torschüsse der Deutschen ausgeführt wurden oder wieviele Fouls es pro Mannschaft gab. Oder die Entstehung einzelner Tore:

Und so weiter und so fort.

Warum kriegt man das eigentlich in Deutschland so nicht? Das interessiert doch im Grunde jeden. Oder gibt es irgendwo noch hochfrequentierte deutsche Webseiten mit tiefen Analysen und relevanten Statistiken, die mir bislang entgangen sind?

P.S. Herrn Kalibans Dank für den Tipp mit dem SPI geht an seinen Freund H. aus G.
P.P.S. Wo wir grad’ bei Großtaten ausländischer Medien sind: Marca aus Spanien hat jedes Tor als 3D-Animation und überdies diesen sensationellen WM-Planer.
P.P.P.S. Passt hier nicht ganz, aber wurscht: Die beste iPhone-App zum Thema Fußball ist IMHO übrigens die von Sport1.

Der Ton stört

by Gunnar on 12. Juni 2008 · 31 comments

Es ist ja schon schlimm genug, Deutschland beim Verlieren zuzugucken. Was die Sache aber echt schmerzhaft gemacht hat, war das defätistische Geschwätz von Bela Réthy. Wir haben selber gesehen, dass Jansen ein Totalausfall war und Gomez wirkungslos und Ballack ein Fehlpasser und all das. In anderen Ländern halten die eigenen Reporter doch auch zur eigenen Mannschaft — in Deutschland hält man es für Abgeklärtheit, zu konstatieren, dass jetzt nur ein Glückstreffer helfen kann.

Hoffentlich werden die restlichen Spiele von der ARD übertragen.