Geburt

Alles wird anders!

by Gunnar on 11. März 2008 · 78 comments

marleen siri lott

Als die Liebe meines Lebenstm seinerzeit schwanger wurde, hagelte es Glückwünsche von Freunden, Kollegen, Bekannten: Hey! Hu! Willkommen im Club! Schön! Beste Entscheidung Eures Lebens! Jay! — und so weiter. Man denke sich die entsprechenden Gesten dazu. Wir waren natürlich einigermaßen euphorisiert. Bestätigung dämpft Ängste, betäubt Zweifel.

Dann, so im achten Monat, änderte sich die Tonlage. Zunächst unmerklich, dann deutlich: schlimm ist das alles, sechs Monate kein Schlaf, immer die Sorge, das Zahnen und die Tatsache, dass das elfjährige Mädel den Wunsch geäußert hat, mit ihrer großen Liebe Murat in die Türkei zu gehen, was am Ende Probleme mit dem Verschwindenlassen der Leiche des Jungen aufgeworfen hat und derlei Dinge mehr und überhaupt. Das gibt mir zu denken. Das ist doch ein abgefeimter plan der Gebärenden, arglose Yuppies und Dinks in ihre Reihen zu locken, damit auch in Zukunft noch Kindergärten und Schulen gebaut werden. Und die Wahrheit sagt man uns erst wenn’s zu spät ist. Naja. Egal. Zu spät ist es auf jeden Fall:

Wir begrüßen Marleen Siri Lott, geboren am 11.3.2008, 8:08 Uhr in München.

Also heute. Huh.

Naja, was soll man sagen. Abgefahren ist es, ein Kind zu bekommen. Empfindet sicher jeder anders, aber eine emotionale Achterbahnfahrt ist es allemal. Kurz nach der eigentlichen Geburt war die Liebe meines Lebenstm noch im OP, ich hatte das Kind eine Stunde allein für mich. Anfangs schrie’s, dann fing es an, sich auf meine Stimme hin zu beruhigen, dann schlief es auf meinem Arm ein. Unglaublich. Kopfgesteuerter Vernunftmensch, der ich bin, konnte ich meinem Hirn zusehen, wie es alle Arten von Emotionen an der Kleinen ausprobiert: Haben. Festhalten. Beschützen. Planen. Ich habe ihr Dinge aufgesagt, Lieder vorgesummt und dann… …dann kam die Liebe meines Lebenstm aus dem OP. Und mein erster Impuls, nur für Nanosekunden natürlich, war: ihr die Kleine nicht zu geben. MEINS! MEIN SCHATZZZZ. Huh.

Such is the power of love.

marleen siri lott

P.S. Ich hatte mich emotional drauf vorbereitet, dass sie komisch aussieht, wenn man sie mir nach
der Geburt zeigt. Blutig, knautschig, voller Schmiere. Ich dachte, hey, da muss man sie noch nicht niedlich finden. Da ist sie irgendwie noch ein Ding. Mach dir keinen emotionalen Stress, alter Junge, das mit dem Liebhaben kommt dann schon. Und was war? Ich fand sie schon im Kreißsaal soooo niedlich!

Die Natur hat’s drauf. Da gibt’s kein Vertun.