Hauptsache Musik

Sie kümmern sich um den Rock

by Gunnar on 14. April 2012 · 4 comments

Man kann ja über Die Ärzte sagen, was man will, sie halten sich ziemlich gut innerhalb eines stilistisch ja nun mal ziemlich begrenzten Feldes, ohne dabei allzu langweilig zu werden. Und es ist ein ziemlich bolder move (wie man heute in tightem Slang sagt), die komplette neue Scheibe auf Youtube einzustellen.

Außerdem sehen die Herren noch erstaunlich gut aus, für die Tatsache, dass sie stramm auf die 50 zugehen. Clever, diese Punknummer — wer sich schon mit 17 die Haare färbt, hat mit 40 keinen Rechtfertigungszwang.

51st Kaffeekanne

by Gunnar on 11. August 2011 · 4 comments

Und noch einer von diesen leicht surrealen Vätermomenten:

Das Goldkindtm und ich tanzen Pogo im Wohnzimmer. Die Möbel sind zur Seite geschoben und den Teppich mit dem Staubsauger gereinigt. Die Musik ist laut aufgedreht. Es läuft, eine Reminiszenz an meine Jugend, 51st State von New Model Army.

Wir springen und lachen und toben und erst bei der dritten Strophe fällt mir auf, dass meine Tochter mitsingt. Allerdings nicht den Text, den Justin Sullivan und ich singen:

Here In The Land Of Opportunity
Watch Us Revel In Our Liberty
You Can Say What You Like
But It Doesn’t Change Anything
‘Cos The Corridors Of Power
Are An Ocean Away
We’re The 51st State Of America

Nein, das Goldkind singt, unbeeinflusst vom Gitarrengewitter, den Text von Anne Kaffeekanne, ihrem aktuellen Lieblingslied:

Da flog sie, o Pardon, auf dem Besenstiel davon
Geradeaus übers Haus, dreimal rum und hoch hinaus

In einer Art Rap-Version, die von Melodie und Rhythmus weder zu 51st State noch zur Kaffee-Anne passt. Befremdlich. Vermutlich ist sie ein musikalisches Genie, das schon im Alter von drei Jahren spielerisch Versatzstücke von Post-Punk, Hip-Hop und, uh, Kinderliedermacherliedern kombinieren kann.

Oder sie ist einfach das logische Produkt zweier in Sachen Musik komplett talentfreier Familienstämme.

Späte Liebe

by Gunnar on 18. Oktober 2008 · 6 comments

Man sollte sich mit Ende 30 nicht mehr Hals über Kopf verlieben, man sollte Distanz halten, man sollte seine Gefühle im Griff haben. Und doch ist es passiert. Mir.

Anfangs war es ein Rausch, ich liebte sie bedingungslos, beschäftigte mich jede freie Minute mit ihr, trug im Rest der Zeit ihren Sound im Herzen. Dann kam sie mir plötzlich so seicht vor, irgendwie schwatzhaft, beliebig, ohne Tiefgang. Ich wandte mich ab, doch ich konnte nicht von ihr lassen, sie eroberte mich nach ein paar Tagen zurück.

Seither sehen wir uns sehr viel seltener, doch wir sind einigermaßen glücklich, auch wenn ich sie immer noch zuweilen zu leicht finde — vor allem sprachlich.

Aber ach, welche Beziehung ist schon perfekt?

Nur die eine Belastung gibt es noch für mich und Gaslight Anthem und die hier gemeinte Scheibe Sink or Swim — die Nachfolge-CD ’59 Sound. Die ist überall da, wo die Sink or Swim gerade noch geht, deutlich zu simpel. Und dort, wo die Sink or Swim mit ihren Melodien brilliert, ist der Nachfolger völlig überzuckert, Schlager-Hardcore sozusagen. Auf Myspace hat’s ein paar Songbeispiele, falls jemand sich ausreichend angeregt fühlt, um an das Thema ein paar weitere Klicks zu verschwenden.

Schade. Und ich dachte kurz, ich hätte vielleicht eine richtige neue Lieblingsband gefunden.