Herbst

Herbstblinken

by Gunnar on 17. Oktober 2009 · 17 comments

Herbst

Der Spaziergang, der mit diesem niedlichen Foto begann, endete übrigens in Tränen. Und das wegen einer Sache, auf die man in den Elternratgebern nie vorbereitet wird: Wir passierten gerade den Taxistand am Prinzregententheater, da klingelte die Taxirufsäule, weil ein Taxi bestellt wurde. Die Säule, deren Schicksal es ist, die Aufmerksamkeit von abgestumpfen Taxifahrern erregen zu müssen, begleitete das Klingeln mit einem aufgeregten gelben Lichtsignal. Das Goldkindtm hat nun aber seit jeher eine Schwäche für alles, was Blaulicht ähnelt und blieb bei diesem Anblick sofort wie angewurzelt stehen. Und wartete auf das nächste Lichtsignal. Und wartete. Und wartete. Aber offenbar brauchte niemand in Bogen- oder Haidhausen ein Taxi. Ich wollte gerne nach Hause, und es entfaltete sich ein verzweifelter Dialog:

Goldkind: “Blink! Tüta! Taxi!”
Herr Kaliban: “Hey, das Blinken ist weg. WEG! Und wir gehen nach Hause!”
Goldkind: “Blink weg?”
Herr Kaliban: “Jaja: weg. Morgen kommt wieder ein Blink, versprochen. Los, wir gehen heim.”
Goldkind: (hält sich an einem Zaun fest, zeigt zum Taxistand) “Blink! Tüta! Angucken!”
Herr Kaliban: “Komm, wir gucken das ein andermal an. Kommt Zeit, kommt Blink.”
Goldkind: (zunehmend verzweifelt) “BLINK! BLINK! Angucken!”
Herr Kaliban: “Das Blinken hat aufgehört. Es ist WEG!”
Goldkind: “Blink weg?”
Herr Kaliban: (zieht am Goldkind) “Genau: weg. Komm, willst du eine Brezn?”
Goldkind: (hält mit Armen und Beinen einen Laternenmast umklammert) “BLINK! Angucken! Tüta! Taxi!”

Und so weiter. Noch Stunden später, nach dem Essen und dem Baden und dem Eincremen und dem Verlesen der Zoo-Abenteuer von “Bobo Siebenschläfer” (6x) und dem Kuscheln und dem Füttern der rothaarigen Puppe und dem Streicheln der Tigerkatze und dem Hören von “So ein schöner Tag” (3x) und dem Ringkampf um die Herrschaft über das iPhone und dem Verlesen der Supermarkt-Abenteuer von “Bodo Siebenschläfer” (4x) und all den anderen Sachen kam das Thema “Blink!” immer wieder auf den Tisch. Das Kind ist offenbar in seinem Innersten getroffen.

Nächstes Mal nehmen wir beim Spaziergang einen Umweg.

Haidhausen

by Gunnar on 20. Oktober 2008 · 10 comments

München ist ja so ein Dörfer-Konglomerat, richtig städtisch wirkt es nur an wenigen Stellen. Auch in Haidhausen, meinem Lieblingsviertel, sieht man noch an vielen Stellen das eingemeindete Dorf durchschimmern. Trotzdem (oder deswegen) ist das ehemalige Armenquartier zwischen Au und Bogenhausen eine der charmantesten Ecken, die München zu bieten hat.

Haidhausen ist ein lebendiges Viertel mit vielen jungen Leuten, aber dennoch kein Szene-Kiez, wo sich das Flair aus der Nähe der Kneipen zueinander errechnet und wochenends die Jeunesse Dorée auf Abenteuersuche geht.

Egal, die Bilder sollen für sich selber sprechen — wer mag, kann mich auf meinem Spaziergang begleiten. Die Fotos sind chronologisch, kundige Haidhausener (so welche mitlesen) können also sogar meinen Weg nachvollziehen.