Jahreswechsel

Ach, 2012

by Gunnar on 1. Januar 2012 · 1 comment

Herr Kaliban hat’s in neue Jahr geschafft, vollständig ohne Kater übrigens, was möglicherweise ein gutes Zeichen ist, möglicherweise aber auch nur weiteren Verfall ankündigt.

So, 2012. Da bist du nun. Nachdem die anderen Jahre an mir gescheitert sind (oder ich an den anderen Jahren), versuche ich mal, dich nicht von vornherein zu überfrachten. Dir nicht all den Ballast anzuhängen, in deine 365 Tage nicht mehr gute Zeit, mehr Sport, mehr Richtiges, mehr Harmonie, mehr Glück hineinzuwünschen als in die letzten 365 und die davor.

Ich wär’ schon zufrieden, wenn ich 2012 das mit dem Rauchen und Fleisch essen weiterhin einigermaßen im Griff behalte, ein Buch fertigschreibe, Podcast und Blog fortführe, ein bisschen gelassener werde. Und überhaupt, es wäre ja schon viel gewonnen, wenn ich ein paar Prozentpunkte auf’s Guter-Mensch-Sein drauflegen könnte, das ist ja durchaus ein wichtiger Skill.

Bitte so werden, 2010

by Gunnar on 31. Dezember 2009 · 17 comments

Hm. Mein Jahresendtext von 2008 klingt immer noch erstaunlich aktuell. Ich passe ihn also sanft an und veröffentliche ihn einfach nochmal. Kann ja nichts dafür, dass die Welt mir meine Wünsche nicht erfüllt. Abgesehen davon wünsche ich allen Mitlesenden ein sensationelles Jahr 2010, mit Geld, Schokolade, Sex, milden Drogen, gelungenen Videospielen und allem, was so dazu gehört. Man sieht sich, denke ich.

Ich wünsche mir zuvörderst, dass 2009 2010 in großen Mengen Hirn vom Himmel fällt, unseren Wirtschaftsführern und Bankern und Politikern und Medienmanagern in die hohlen Schädel. Diese Krise von 2008 2009 hat ja eines mal wieder erwiesen — auf ziemlich vielen verantwortlichen Positionen, an Schlüsselstellen mit ausreichend Potenzial Unheil anzurichten, sitzen mittelmäßige Flachpfeifen, welche die verschärfte Form von repräsentativem Eierschaukeln, die sie Tag für Tag betreiben, schon für einen richtigen Job halten. Die ihre virtuellen Welten mit den Eckpfeilern Golf, Gadgets, Vielfliegermeilen, Telefonkonferenzen, Bonuszahlungen und Sekretärinnentitten für die richtige Welt halten. Die ihre kleinen Entscheidungen treffen wie Straßenbahnschaffner Tickets abknipsen, mit den bewährten Methoden von gestern und vorgestern und vorvorgestern. Nur dass die Entscheidungen eben zuweilen enorme Auswirkungen haben. Aber das ist ja nicht zu ahnen, wenn man keine Fantasie hat.

Ach.

Ich wünsche mir, dass Gott mir mehr Gelassenheit schenkt oder besser doch nicht — was soll ich mit Gelassenheit? Gelassenheit ist was für Menschen ohne Herz. Ich wünsche mir also stattdessen, dass Gott mir den soliden Herzmuskel, den stabilen Magen und das drahtseilige Nervenkostüm schenkt, das ich brauche, um mit meiner sensibel-cholerischen Persönlichkeitsstruktur und der Bosheit dieser Welt klarzukommen.

Und ich wünsche mir, dass einige Wörter verschwinden, darunter auch einige, die ich selber zuweilen sage, was natürlich kein gutes Licht auf meinen Willen zum Guten, Schönen und Wahren wirft, also Wörter wie wording, wellness, content, bullish (sagt jetzt eh keiner mehr), Sowieso to go, Reputations-Management und noch viele mehr, die mir gerade nicht einfallen wollen, aber wenn man sie sieht, wird man sie erkennen, da bin ich ganz sicher.

Und wo wir gerade beim Verschwinden sind, ich wäre aus rein ästhetischen Gründen froh, wenn blaue Hemden mit weißen Krägen verschwinden würden und Pop-Under/Pop-Up-Werbespamfenster und diese absurde Reklame auf den Toiletten von Autobahnraststätten und Casting-Shows und das deutsche Fernsehen ganz allgemein und Mario Barth und Bugs in PC-Spielen und Leute, die sich in Zügen die Fußnägel schneiden und Guido Westerwelle und von der Layen und, ogott, jetzt gerate ich beim Wünschen in eine Art Strudel. Aber es sollen auch noch die Zufrühknaller verschwinden, die Am-Ende-der-Rolltreppe-Stehenbleiber, die unnötig-die-Spur-wechsler, die Nichtblinker, die In-der-Stadt-mit-dem Golf-auf-85-Beschleuniger, überhaupt alle Leute, die ein Auto bewegen, ohne den festen Willen zum Miteinander aufzuweisen. Die Unfreundlichen, die Intoleranten, die Egoistischen.

Arrrrgh. Themawechsel.

Ich wünsche mir, dass 2009 2010 die SPD ein bisschen, wenigstens ein kleines bisschen, Würde zurückgewinnt. Es müssen ja keine Wahlen sein, nur ein wenig Würde.

Im Sinne vieler Kollegen wünsche ich mir, dass die Printauflagen deutscher Magazine und Tageszeitungen ein wenig langsamer zusammenbrechen als in den vergangenen Jahren, natürlich mit Ausnahme von Produkten, die eh kein Mensch braucht, wie Focus, PC Games oder Junge Freiheit. Ahem. Vor allem sollen meine Lieblingsmagazine (neben GameStar und GamePro sind das 11Freunde, Brand Eins, GEE und Effilee) das kommende und auch noch viele weitere Jahre gut überstehen.

Ein paar gute Spiele würden mir das Jahr auch erhellen, etwas Besseres aber grundsätzlich ähnliches wie Dragon Age vielleicht? Meinetwegen auch so ein Ich-führ-dich-am-Nasenring-durch-die-Welt-Dingens wie Batman Arkham Asylum, wenn’s denn hübsch gemacht und halbwegs unschmerzhaft erzählt ist. Oder ist das zu viel verlangt? Dann wenigstens weitere brauchbare mobile Spiele wie das sensationelle Scribblenauts oder The Creeps oder Canabalt. Eine gute Grundversorgung an Solo-Rollenspielen wäre mir weiterhin wichtig (sehe ich da nicht Mass Effect 2 am Horizont?), MMORPGs können mir weiterhin gestohlen bleiben.

Und Gesundheit für meine Familie und gerne auch für mich. Und Weltfrieden. Und Sonnenschein. Und sauberes Wasser, vernünftige Mitmenschen und mehr Gutes, als die schlechten Menschen ertragen können.

Und vielleicht steigt ja dann doch endlich Jesus aus seinem Sternenschiff herab, um die Gerechten zu retten. Ich wäre soweit.

Bitte so werden, 2008

by Gunnar on 31. Dezember 2007 · 22 comments

Ich wünsche mir mehr Hirn bei den Medienschaffenden, weniger schiere Idiotie in der Politik. Den Wissenschaftlern, die sich in der “Killerspiele”-Debatte blamiert haben, mögen (Achtung! Symbolik!) die Zeigefinger verdorren. Insbesondere gilt das für Herrn Prof. Dr. Pfeiffer, von dem an anderer Stelle schon häufiger die Rede war. Wo ich gerade bei Herrn Pfeiffer bin: Ich möchte, dass Gott mir 2008 mehr Gelassenheit schenkt. Und dass mir die rapide ergrauenden Haare nicht auch noch ausfallen. Eine milde Aufwärtsbewegung der verkauften Auflage von GameStar würde mir schon aus ästhetischen Gründen gefallen, auch wenn ich gar nicht mehr so richtig zuständig bin. Ich wünsche mir zudem, dass mehr Sciencefiction-Filme in die Kinos kommen, gerne auch mit Dialogen statt Explosionen und dass irgendwer endlich Ender’s Game verfilmt. Dankbar wäre ich auch für eine neue Staffel von Firefly, aber das ist wohl ein bisschen viel verlangt. Hot Water Music sollen eine neue Platte machen und die ganzen alten Herren, die sich im Wesentlichen noch wiederholen, sollen mit dem Plattenmachen aufhören. Namentlich die Eagles.

Ich wünsche mir von den Produzenten von PC- und Videospielen, dass die besten Spiele noch besser werden, weil im Jahr 2007 gerade die besten Spiele ein Stück schlechter als nötig gewesen sind, insbesondere Bioshock, Mass Effect, Stalker und Assassin’s Creed. Die ohnehin beschissenen Spiele mögen ausgleichshalber dafür beschissener werden, das ist mir egal. Auch hätte ich gerne mal wieder ein Adventure, das wirklich, wirklich Freude macht. Aber woher soll das schon kommen? Und wenn Konami 2008 nicht endlich das aktuelle Pro Evo spielbar patcht, kann mir die ganze Serie gestohlen bleiben, was sozusagen eine schmutzige Scheidung nach vielen Jahren glücklicher Ehe wäre und somit irgendwie tragisch.

Desweiteren wünsche ich mir 2008, dass man von Matthias Matussek weniger liest, was vielleicht ein bisschen gemein ist, angesichts der aktuellen Ereignisse. Es ist aber nun einmal so, dass ich keine Zeile mehr von diesen selbstverliebten so genannten Edelfedern ertrage, die andauernd so tun, als würde die ganze Gesellschaft von politisch korrekten Gutmenschen erstickt und Meinungsfreiheit sei praktisch nur eine Farce und man müsse dringend mal wieder ein paar Flaggen hissen und Muslime beschimpfen, um sich überhaupt frei fühlen zu können. Also Fresse, Herr Matussek, Sie sind nicht Heinrich Heine, auch wenn Sie bestimmt glauben, dass Sie Deutschlands wichtigster Heine-Fan sind und Heine ohne Sie sicherlich bereits vergessen wäre, gerade unter Journalisten, die ja mit Heine bestimmt nichts am Hut haben. Grmpf. Und was die ach so schreckliche Political Correctness angeht, ja, deren Auswüchse zerren mir auch an den Nerven, aber ich bin insgesamt doch froh, wenn Leute in meiner Gegenwart nicht ständig den Hitlergruß zeigen oder von Negern reden und dabei Affengeräusche machen, vielen Dank.

Ich wünsche mir, dass alle Leute, die im weitesten Sinne in kundennahen Berufen zugange sind, Elektroden implantiert bekommen, mittels derer der Kunde bei schlechter Behandlung, unzureichender Auskunft und genereller Bärbeißigkeit einfach einen kleinen bis mittleren Elektroschock auslösen kann, damit besagte Leute regelmäßig daran erinnert werden, wer letzten Endes ihr Gehalt zahlt. A pro pos Gehalt: Mir ist durchaus egal, wie viel Euro Manager oder Politiker am Monatsende auf ihrem Konto haben, aber die elende Jammerei über sträfliche Unterbezahlung im Vergleich etwa zu US-Managern oder Verfassungsrichtern muss bitte sofort aufhören. Die Sache mit den Elektroden wäre bei diesen Berufsgruppen im Übrigen vielleicht auch angebracht, auch und gerade um an den Ursprung der zu niedrigen Gehälter zu erinnern.

Ganz andere Sache: Gesundheit hätte ich auch noch gern, eimerweise, für meine Frau, meine Freunde, meine Katzen und mich. Muss man ja in meinem Alter schon mal dran denken. Zudem wünsche ich mir ruhige zehn Wochen, bis zu diesem magischen Datum im März 2008, wo für mein Leben der große Reset-Knopf gedrückt wird. Und bitte: Weltfrieden, die Europameisterschaft, den US-Präsidenten Barak Obama, ein Ende der Umweltverschmutzung und dass endlich die freundlichen Aliens aus der nächsten Spiralgalaxie Kontakt aufnehmen und uns zeigen, wie das alles richtig geht mit der Zivilisation.

Ein spektakuläres 2008 uns allen. Guten Rutsch.