Kampagne

Der deutsche Obama

by Gunnar on 15. April 2009 · 6 comments

joe bama merchandiseDass die deutsche Politik in Obama verliebt ist, weil er eben alles das ist, was man hierzulande als Politiker eigentlich gerne wäre, also schön, stilsicher, schwarz (aber nicht zu sehr), sprachgewandt und so, das ist ja bekannt. Wobei man aber einen halbwegs vollformatigen Kandidaten von Obama’scher Coolness natürlich in der Etappe aufreiben würde, was der Hauptgrund dafür ist, dass im Bundestag letztendlich fast nur Menschen sitzen, die entweder eine Lobbygruppe, eine Parteiströmung oder auch nun ihr enormes eigenes Sitzfleisch repräsentieren. Aber ich schweife ab, wir waren bei Obama. Also, wie Obama wollen alle sein, z.B. der von Prinzipien komplett unbelastete Herr Seehofer (Yes we can — mit Horst) oder der funktionärig-öde Herr Heil (Sprecht mir nach: Yes we can) oder der bei einem PR-Berater verschuldete Vielflieger Herr Özdemir (Yes we Cem).

Naja, geschenkt. Dass die alle mit Obamas Positionen nicht viel am Hut haben und nur würdelose Trittbrettfahrerei betreiben, ist ja auch dem letzten Kreuzchenmacher aus Dummsdorf klar.

Einen neuen Tiefpunkt erreicht allerdings ein deutscher Provinzpolitiker, ach Quatsch: Möchtegernprovinzpolitiker, namens Joachim Seufferle — der tritt auf Platz 26 der CDU-Liste für den Gemeinderat Schorndorf unter dem albernen Kampfnamen Joe Bama an. Und zieht alle Register des Internetwahlkampfes: “professionelle” Webseite, Twitter-Account (8 Follower), Xing-Profil, Merchandise-Shop et cetera.

Sensationell.

Dieser Mensch (seine Vision: “In Schorndorf sollen sich alle wohlfühlen”) bekommt jetzt durch Twitter und die Blogosphäre ein paar Klicks, freut sich über seinen steigenden Bekanntheitsgrad, redet sich die Tatsache, dass ihn alle für peinlich halten, schön (“Naja, Hauptsache Aufmerksamkeit”) und wundert sich hinterher, dass ihm das alles gar keine zusätzlichen Stimmen gebracht hat.

UPDATE: Jetzt hat der Herr seine Seite und alles andere geändert und verzichtet auf “Joe Bama” (so sah’s aus). Hat vielleicht ein bisschen Druck von Parteigenossen bekommen, die der CDU Schorndorf einen Rest von Würde bewahren wollten. Nur sein Logo erinnert noch ein wenig an den US-Wahlkampf. Stimmenfang betreibt er jetzt unter seufferle.de, im Twitterfeed vermeldet er leicht beleidigt: “Schade – Missverständnisse und falsche Interpretierung erforderten ein Re-Design.” Seufz.