katze

Katzenprobleme

by Gunnar on 4. Januar 2013 · 10 comments

Herr Kaliban und das Goldkindtm sprechen über eine ernste Sache.

Herr Kaliban: Ich muss heute noch einmal mit der Katze zum Tierarzt.
Goldkind: Hm?
Herr Kaliban: Und, hörst du, es kann sein, dass sie sehr krank ist.
Goldkind: Hm?
Herr Kaliban: Es kann (kurzes Ringen um Fassung), es kann sein, dass das nicht heilbar ist. Und dass sie dann bald… stirbt.
Goldkind: Oh nein!
Herr Kaliban: Ja, es ist schlimm.
Goldkind: Aber du, Papa, es gibt doch so Läden, wo man Tiere kaufen kann.
Herr Kaliban:
Goldkind: Da könnten wir ja dann, wenn die Katze tot ist, einen Wellensittich kaufen. Das ging doch bisher immer nicht. Weil die sich nicht vertragen. Das wär’ doch dann kein Problem mehr.

Uh. Nun, offenbar gehen Kinder mit dem Tod von Haustieren, äh, UNVERKRAMPFTER um, als man gemeinhin denkt. Das, oder diese Frucht meiner Lenden ist einfach überdurchschnittlich materialistisch.

Der Kater und die Nahtoderfahrung

by Gunnar on 12. Juni 2009 · 13 comments

Ach, Katzenbesitzer und Katzen entwickeln über die Jahre seltsame Rituale, die Außenstehenden schrullig vorkommen mögen. Bei Hund und Herrchen bleiben die Verhältnisse, einmal geklärt, ja ewig bestehen — ist der Mensch der Chef, bleibt er’s. Ist der Hund die Nr. 1 und Herrchen bloß Futterbringer, ist das auch nichts, was sich so leicht noch mal ändert, es sei denn, die Tier-Nanny wird gerufen. Bei Katze und Mensch vermischen sich die Hierarchien regelmäßig, je nachdem, wie die Beziehung gerade läuft. Oder so.

Aber ich wollte über Rituale sprechen: Unser Kater hatte die Angewohnheit, in der Küche auf die gut hüfthohe Kommode zu springen und dort auf mich zu warten. War ich nah genug, ließ er sich seitwärts fallen, in dem Gottvertrauen, dass ich ihn im Vorbeigehen fange und langsam an meinen Beinen herabgleiten lasse, wie ein Kind auf der Rutsche. Absurdes Spiel, aber wir wussten beide, was voneinander zu erwarten war. Das ging solange gut, bis…

… eine Freundin zu Besuch kam, zufällig im richtigen Tempo zur richtigen Zeit an der Kommode vorbeiging und so dem Kater unwissentlich ein falsches Signal sendete. Der wartete den normalerweise richtigen Moment ab, kippte von der Kommode und schlug neben der Freundin auf dem Boden auf. Maunzen, Wimmern, vorwurfsvoller Blick. Die Freundin, die das Geschehen nicht deuten konnte, rief “Hey, eure Katze wollte gerade Selbstmord begehen” und war dann untröstlich, als wir ihr die Zusammenhänge erklärten.

Ich kann nicht ausschließen, dass sie uns und unseren Kater seither für einigermaßen bekloppt hält.

Aber so sind die Rituale zwischen Menschen und Katzen.

Kinder, Katzen, Kaliban

by Gunnar on 14. Januar 2009 · 11 comments

Das entzückende Goldkindtm, Licht meines Lebens und all das, kann, sie ist ja auch erst zehn Monate alt, im Wesentlichen nur zwei Spiele, das Weglaufen-Spiel und das Hinter-der-Ecke-Verstecken-Spiel. Die sind dafür aber leicht kombinierbar.

Besonders das mit den Ecken ist ihr ein steter Quell der Freude. Spitzbübisch grinsend guckt sie zwischen Mamas Beinen durch, hinter Ecken vor und von unter dem Tisch aus hoch, nur um nach erfolgtem Augenkontakt strahlend “Da!” zu rufen und kichernd wieder wegzugucken. Wenn sie besonders schlau sein will, geht sie hinter mich und hält sich an meinen Beinen fest. Dann muss ich, um meiner Rolle gerecht zu werden, scheinheilig “Wo ist eigentlich die Marleen?” fragen und ostentativ nach ihr Ausschau halten, während sie ausweicht und gnichelt.

Süß.

Absurd wurde es neulich, als sie versuchte, eine Kombination aus beiden Spielen mit der Katze zu spielen — und so ü-ber-haupt nicht verstehen konnte, warum dieses Familienmitglied jetzt als einziges nicht mitspielen will. Im Gegenteil, das komische Wesen rennt sogar weg, wenn man ihm die Regeln erklären will.

Ich bin sicher, dass unsere hohe Telefonrechnung daher rührt, dass die Katze heimlich nachts bei der Telefonseelsorge anruft.

Die Katze spricht. Die Katze zirpt. Die Katze hat überhaupt ein umfassendes Vokabular für eine Katze. Misstrauen kann sie ausdrücken, Ärger, Wut und 27 Arten von Genervtsein. Jetzt sitzt sie aber gefüttert und zufrieden auf meinen Beinen und schaut zu, wie dieser Text entsteht. Vermutlich hält sie ihn für eine Art Ameisenstraße, das würde ihr Interesse erklären. Zwischendrin zupft sie behaglich Fäden aus meiner Jeans. Ich sitze natürlich in einer furchtbar ungesunden, halbschrägen gebeugten Haltung vor dem Laptop, weil ich ja, wie alle Katzenbesitzer, eine rückgratlose Memme bin, die lieber Unbequemlichkeit erträgt, als dem Biest einen Wunsch nicht von den Schlitzaugen abzulesen. Zumal’s jetzt auch noch schnurrt, was bei Katzenhaltern sofort Endorphinausschüttungen und Absinken des Blutdrucks bewirkt. Halb zog es ihn, halb sank er hin, da sind wir machtlos. Aber hopplahopp, dieser Text sollte sich eigentlich gar nicht um Katzen drehen, über Katzen ist alles gesagt. Niedlich, launisch, Haustyrann, jaja, wissen wir alles. Trotz aller Vermenschlichung, die man so mit Katzen im Speziellen und Tieren im Allgemeinen betreibt, sind die Viecher in der Regel ja eher simpel gestrickt und tun selten mal was Überraschendes. Außer natürlich in Amerika, da rennen die Hunde gegen die Wand und fallen die Katzen vom Fernseher, was die aufmerksamen Amerikaner alles filmen und dann an ihre TV-Sender schicken, die das ausstrahlen, was wird da gelacht, an beiden Enden der Verwertungskette. Und das, was schon zwanzig Mal ausgestrahlt wurde und mittlerweile allen Freunden von Sendungen, in denen Tiere überraschende Dinge tun, bekannt ist, das also verkaufen die amerikanischen TV-Sender dann an RTL 2. RTL 2 ist übrigens, das wollte ich schon immer mal anmerken, voller Menschen. Voll wie ein Käfig oder ein Zoo, nur eben nicht mit Tieren. Mit Ausnahme der aus Amerika importierten Überraschungstiere natürlich. Früher waren die Fernseher aufwändig gestaltete Bühnen, auf denen feine Leute umherflanierten und in geschliffenen Sentenzen parlierten, Barone und Glücksritter und Scharlatane und feine Damen und all das. Heute sehen wir auf dem Schirm Zootiere und Kuriositäten, gruselige Exponate der verblödeten Generationen, dazwischen als Halt ein paar echt wirklich total ganz normale Leute, damit wir glauben, dass es die normalen Leute noch gibt und uns nicht schlecht fühlen. Oder so. Aber ich drifte ab, auch das Fernsehen ist nicht mein Thema. Über das Fernsehen und seine Qualität ist eigentlich alles gesagt. Denkende Menschen gucken eh nicht mehr, sind auf DVD-Serien ausgewichen oder auf Bücher oder Gespräche oder Drogen. Und wenn’s kein schlechtes Wetter gibt, braucht man auch nicht drüber zu reden, sage ich immer. Wo war ich? Ach, beim Wetter. Da wollte ich aber auch nicht hin. Eigentlich wollte ich über ganz andere Dinge reden, über Gefühle möglicherweise, aber das können Männer ja nicht. Wenn ich übrigens an Gefühle denke, dann ist Liebe groß, weich, wolkig und irgendwie offen und halb substanzlos, während Hass klein, hart und dunkel ist, wie Kieselsteine in der Hosentasche. Kieselsteine, wie man sie als Knabe vorsichtshalber immer in der Tasche hatte, um damit notfalls Mädchen bewerfen zu können. Meist gab’s dann aber keine Mädchen zum Bewerfen, und man hat die ganzen hass-artigen Kiesel umsonst mit sich herumgetragen. Und nicht nur umsonst, man hatte obendrauf noch Schimpfe von der Mutter zu fürchten, wenn die spitzbekam, warum die Hosentaschen immer so dreckig und so zerrissen waren. Wenn ich mich recht erinnere. Ärgerlich ist übrigens, dass sich für Texte, die keinen rechten Anfang haben, keine Mitte und kein Ziel, dann auch nicht mal eben so leicht ein Ende aus dem Ärmel schütteln lässt. Gottseidank sitzt die sprechende Katze noch bei mir, damit habe ich wenigstens die von Redakteuren so geliebte elliptische Form eingehalten. Halbwegs.