Kinderwägen

Blog-Journalismus

by Gunnar on 8. Januar 2009 · 5 comments

Mighty SpOn, Mutter und Vorbild des deutschen Online-Journalismus, klagt in einem Text vom 23.12.2008 (der mir erst heute aufgefallen ist) über die Komplexität von Kinderwagen. Ganz zurecht, weil die meisten Modelle, die ich kenne, in der Tat nervig zusammenzuklappen sind. Dazu zitiert der Autor ausführlich aus einem Test der Stiftung Warentest von 2006 und einem zwei Monate alten Bericht des Schweizer Magazins K-Tipp, ergänzt um die Aussagen von zwei Kollegen aus dem eigenen Verlag. Illustriert wird das alles mit Fotos und Screenshots von den Herstellerwebseiten.

Wenn man genau hinschaut, ist die einzige eigene Rechercheleistung im Text die Aussagen von Kinderwagen-Herstellern dagegen zu stellen, die man offenbar mit dem Test von K-Tipp konfrontiert hat — was die Herren, zugegeben, ganz hübsch zu entlarvt.

Aber hey: keine eigenen Bilder, keine eigenen Tests (nicht mal eine Umfrage), kaum eigene Erfahrungen, die ganze Artikelgrundlage setzt auf der Arbeit anderer Medien auf. Offenbar hat sich der Kollege nicht mal selber in ein Kaufhaus bemüht, um die angenommene Misere in Augenschein zu nehmen. Ist das nicht genau das, was die etablierten Medien immer den Bloggern vorwerfen? Das sie nur kommentieren, montieren und ohne die Recherche der großen Redaktionen gar keine Themen haben? Ist das nicht das Hauptargument gegen die These, Blogs seien der neue Journalismus?

Naja, geschenkt. Artikel wie den kann man mal machen, wenn man wenig Zeit hat. Womit SpOn sich als seriöses Medium disqualifiziert, ist eher sowas.