Krise

Krisensichere Geschäftsmodelle

by Gunnar on 31. März 2009 · 3 comments

Einerseits ist es ja beruhigend zu sehen, dass es auch Firmen gibt, die, urks, in der Krise prosperieren. Anderseits ist das eine mild unappetitliche Art, Werbung zu machen.

wolhans plakat[Gesehen in München, Leuchtenbergring, März 2009]

Und noch ein offener Brief

by Gunnar on 24. März 2009 · 8 comments

Liebe Politiker,

wir wenden uns nur ungern an Sie, bis zuletzt hatten wir gehofft, die aktuellen Stürme ohne Staatshilfe zu überstehen. Nun aber ist es soweit — der Druck der Krise ist unerträglich geworden.

Die Ego-Shooter-Verkäufe, stets ein sichere Säule unseres Geschäfts, brechen zusammen. Die Raubkopien nehmen zu, weil die Konsumenten in der Finanzkrise keine Vollpreisprodukte mehr kaufen wollen. Die Entwicklung neuer Brands ist risikoreich, die Ausbeutung bestehender Brands funktioniert zunehmend schlechter. Die Konkurrenz durch kostenlose Browserspiele wird stärker, wir stehen unter enormem Innovationsdruck.

In diesen Zeiten werden unsere Bilanzen über Gebühr durch überflüssiges Personal mit schlechter Ausbildung (PR, Marketing) und eingestellte Projekte belastet. Wir fordern daher, einen Bad Publisher zu gründen, der von uns Personal und schwierige Projekte übernimmt.

Blut und Morde,

die Spiele-Publisher

Bankrotte Bankgeheimnisse

by Gunnar on 14. März 2009 · 0 comments

Wie man allenthalben liest, knicken gerade ein paar der Geldversteckerstaaten (Liechtenstein und so) vor dem Druck der EU ein und mildern ihr Bankgeheimnis sowie ihre Haltung zur Unterstützung von Ermittlungen gegen Steuerhinterzieher ein bisschen ab.

Das wird landläufig auf die Drohung zurückgeführt, eine schwarze Liste zu veröffentlichen, die unkooperative Staaten namentlich aufführt. Ha. Das ist natürlich Unsinn. Hartgesottene Hinterzieherländer modifizieren ihre Positionen nicht aufgrund von lächerlichen Listen, nein, sie tun das nur, weil ich, genau: ich, vor einiger Zeit in einem Beitrag ihre Zukunft so düster gezeichnet habe.

Hier war’s: der 5-Billionen-Euro-Krieg.

Managerkrisen und Krisenmanager

by Gunnar on 5. Dezember 2008 · 23 comments

Ich bin ja, ehrlich gesagt, bei all diesen Wirtschaftsthemen, mit denen man heutzutage als Zeitungsleser so konfrontiert wird, nur ein Laie. Das eine Semester VWL Grundkurs, das ich so um 1995 belegt habe, reißt da nicht viel raus. Daher möge man mir meine naiven Fragen verzeihen, aber:

Was genau macht die aktuellen Probleme der Autoindustrie so besonders, dass man gleich nach staatlicher Hilfe rufen darf, ohne als Abzocker angeprangert zu werden?

Ich sehe schon ein, dass das blöd ist, wenn man weniger Autos verkauft, die Preise durch den Boden schlagen und man obendrein in den Bilanzen kleinere strukturelle Ungeeimtheiten entdeckt.

Aber wie unterscheidet sich das, sagen wir, von der Verlagskrise? In den Medienhäusern gehen seit Jahren die Umsätze südwärts, weil das schöne alte Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert und die Kunden sich erdreisten, einfach ihr Kaufverhalten zu ändern. Dazu kommen regelmäßige Paradigmenwechsel auf den Werbemärkten, ein gewaltiger und Ressourcen verschlingender Innovationsdruck durch das Internet und die Tatsache, dass uns China frech das Papier wegkauft. Aber hey, haben die Verlage nach Schutzschirmen, Staatsgarantien und Wagenladungen von Steuergeldern geschrien? Nein, denn den Verlagen ist, das merkt man auf jeder Podiumsdiskussion, irgendwie schon klar, dass diejenigen von ihnen, die ihre Ausrichtung zu langsam ändern, vom Zeitgeist hinweggefegt werden. Print ist ein Rückzugsgefecht, Online ein Minenfeld, Hoffnung blüht zumeist nur in den Nischen. Die Verlage haben das alles noch lange nicht im Griff und vielleicht schaffen sie’s auch nie, aber immerhin arbeiten sie aktiv an ihrem Überleben mit. Naja, jedenfalls einige.

Die Autoindustrie konnte doch durchaus erahnen, dass Benzin tendenziell teurer wird und die Konjunktur generell irgendwie zyklisch funktioniert — dennoch setzt man, auch und gerade in Deutschland, voll auf Spritverbrauch und immer mehr Elektro-Ausstattungsschnickschnack, der die Kisten anfälliger und teuer macht. Und die Tatsache, dass das ganze Ding mit dem Leasing konzeptionell auf Wachstum und steigende Preise ausgelegt ist und in Zeiten zurückgehender Kaufkraft oder steigender Kreditzinsen wie eine Splitterbombe auf die Bilanzen wirken kann, kann den Herren in den Chefetagen doch auch nicht total unbekannt gewesen sein.

Mir ist das alles rätselhaft.

Der 5-Billionen-Euro-Krieg

by Gunnar on 19. Februar 2008 · 11 comments

krieg gegen liechtenstein

1.3.2008 In Absprache mit der US-Regierung und den anderen NATO-Partnern zieht die Bundesregierung beinahe die Hälfte der Bundeswehrtruppen aus Afghanistan zurück. Die Soldaten werden in Südbayern und Baden-Württemberg zu neuen Verbänden zusammengestellt. Der Zweck dieser Aktion ist unbekannt. Allerdings scheint es sich um eine koordinierte NATO-Unternehmung zu handeln, denn Frankreich verlegt Truppen in den Raum Toulouse, Großbritannien hat parallel mit Flottenmanövern im Ärmelkanal begonnen. Die Sprecher von NATO und Bundesregierung wollen keine Stellungnahme abgeben.

10.3.2008 Im Außenministerium kommt es offenbar zu einem diplomatischen Eklat, als die Botschafter der Schweiz und Österreich gemeinsam einbestellt wurden. Das Treffen mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier und der Bundeskanzlerin dauert mehr als sechs Stunden, erst gegen 22:00 verlassen die Botschafter das Gebäude, Augenzeugen zufolge in “hoher Erregung”.

12.3.2008 Ein Kampfverband der 2. US-Flotte nähert sich der Nordküste von Kuba. Die kubanische Regierung legt Protest gegen Manöver in ihrer 100-Meilenzone ein und droht mit Vergeltung. Ein Sprecher des amerikanischen Marineministerium spricht von einem Navigationsfehler und bestreitet feindliche Absichten gegenüber Kuba. Die Schiffe hätten “andere Ziele”.

17.3.2008 Die NATO spricht, morgens um 7:05 MEZ, eine offizielle Kriegserklärung gegen Andorra, Liechtenstein, Guernsey, die Caymann-Inseln und die Isle of Man aus. In dem ungewöhnlich knapp formulierten Dokument ist von “Verbrechen gegen die Steuergerechtigkeit” der NATO-Staaten die Rede. Um 10:30 sind die betroffenen Staaten besetzt, deutsche Fallschirmjäger hissen über Vaduz den Bundesadler. Österreich und die Schweiz senden förmliche Protestnoten nach Berlin. George W. Bush sagt in Washington in einer Ansprache vor dem Pressekorps: “Wenn wir ehrlich sind, haben diese Staaten, die eine Achse des Ominösen und der Verschleierung bilden, der westlichen Wertegemeinschaft mehr geschadet als Nordkorea und Iran. Ich bin froh, dass wir die Kerle endlich dran kriegen.”

27.3.2008 Eine Verhaftungswelle erfasst die “oberen Schichten” von Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA, als die Steuerbehörden die Daten von beschlagnahmten Bankcomputern aus dem so genannten 5-Billionen-Dollar-Krieg auswerten.

29.3.2008 Luxemburg, Malta und Zypern kündigen, ebenso wie die Schweiz und Österreich, eine Reform ihrer Steuergesetze an. Die NATO beendet ihre Manöver in der Bodenseeregion und im östlichen Mittelmeer.