Kurzarbeit

Herr Kaliban auf 140 (Teil 2)

by Gunnar on 28. August 2009 · 7 comments

Nun, wie sag’ ich’s? Möglicherweise gibt es Leute, die nicht jedes Wort memorieren und in ihr Tagebuch übertragen, das ich auf all diesen “Kanälen” (so nennt man das in der Medienbranche) in die achtlose, kaltherzige Welt hinausjage. Das kränkt mich natürlich und führt zu kleinkinderhaften Trotzreaktionen. Wie dieser hier.

Also, weil mehr Leute mein Blog als meinen Twitterfeed lesen, folgt hier eine kleine Sammlung der originelleren unter den kalibanischen Twitter-Einträgen.

Erkenntnisse über die Welt:

Twitter ist oft wie eine dieser Partys, wo man auf’m Balkon steht und raucht, weil alle über Bands reden, die man nicht mag.

Millionen Männer haben es schon immer gewusst: Pinkeln unter der Dusche ist aktiver Umweltschutz! >> http://arm.in/5E7

Was ist Cellulite anderes als Gottes Antwort auf die Erfindung des sündhaften Minirocks?

Tägliches Leben:

Zu spät zur Arbeit, weil der Wecker verschlafen hat. Lag vielleicht daran, dass der Wecker diese Nacht drei Schreianfälle hatte.

Argh. Meine Frau hat irgendwie das Gamepad kaputt gemacht. Krieg! Gehe jetzt ihre 12-Euro-Lotion in die Badewanne kippen.

Uh. Meine Tochter benutzt für Kaffee, Katze und Kacke dasselbe Wort –> “Kaa-eé”. Riskant.

Wahl der Qual: Entweder ich schwitze mir den salzigen Umriss von Brandenburg ins Hemd oder ich hole mir eine Klimaanlagen-Lungenentzündung.

Leute, die mit unterdrückter Nummer anrufen, gehören erschossen. Gewinngratulierer der Lottogesellschaften vielleicht ausgenommen.

Realität und Irrsinn:

Jetzt habe ich meine Medikamente in der falschen Reihenfolge eingenommen und mir ist auf der Stirn eine zweite Nase gewachsen.

Irgendwie ist es komisch, wenn Kollegen meinen Twitter/Facebook-Feed lesen und mich drauf ansprechen. Dadurch wird das so… …so real.

Fortwährend stimmt die Realität nicht mit meinen Plänen überein.

Mein Vorrat an Realität ist aufgebraucht. Aber für den Rest dieses absurden Monats mache ich gar nicht erst ‘ne neue Packung auf.

Hinweis: Das dies hier Teil 2 ist, gab’s natürlich auch Teil 1.

Der Leasingvertrag für meinen aktuellen Firmenwagen läuft aus und stellt mich vor die Aufgabe, die Anschaffung eines neuen Fahrzeugs planen zu müssen. Ich interessiere mich nicht recht für Autos und fahre auch nicht allzu gerne, also entscheide ich mich abseits aller ästhetischen Argumente für einen Passat. Ist noch einigermaßen günstig, und im Kofferraum kann man einen Fiat 500 parken. Ich handele mit dem hühnersuppenwarmen Gefühl, unserer Wirtschaft in der Krise etwas Gutes zu tun.

Das war Anfang Februar.

Ende März bescheidet man mir, dass der Wagen nicht, wie vereinbart, Mitte Mai lieferbar sein wird, sondern erst Mitte Juli. Ich mache mir ein paar Gedanken entlang der “Äh, sollten die nicht derzeit besonders froh sein über jedes verkaufte Auto?”-Linie, vergesse die Sache dann aber wieder.

Jetzt findet sich beim Spiegelfechter eine Erklärung: VW hat einfach mal, ohne Not bei vollen Auftragsbüchern, das staatliche Kurzarbeitergeld mitgenommen, was nach Abbau der Lagerbestände zu verlängerten Lieferfristen geführt hat. Nochmal: Die haben ihre Leute nicht in Kurzarbeit geschickt, weil keine Arbeit da war, sondern einzig, um die Sozialkassen zu plündern. Wow. Die Dreistigkeit muss man als teilstaatliches Unternehmen erstmal haben.

Ausführlich nachzulesen hier: Griff in die Sozialkassen