Lieder

Die ganze Affenbande brüllt

by Gunnar on 29. Juni 2010 · 13 comments

Herr Kaliban singt mit dem Goldkindtm.

Herr Kaliban: Los, wir lernen ein neues Lied.
Goldkind: Okee?
Herr Kaliban: Es geht um Affen.
Goldkind: Okee!
Herr Kaliban (singt): Die Affen rasen durch den Wald / der eine macht den andern kalt / die ganze Affenbande brüllt: Wer hat die Kokosnuss, wer hat die Kokosnuss, wer hat die Kokosnuss geklauauht?
Goldkind (schaut aufmerksam)
Herr Kaliban: Jetzt du.
Goldkind (singt): Die Affen rasen durch den Wald / der eine tut dem andern nix / die ganze Affenbande grillt / Wer hat die Kokunuss, Kokunuss geklaut?

Wie bitte?

Offenbar von pazifistischer Grundeinstellung, die Dame. Von mir hat sie das nicht.

Arbeiterkampflieder und so

by Gunnar on 14. November 2009 · 16 comments

And so we learn from history:
Generations have to fight
And those who crave for mastery
Must be faced down on sight
And if that means by words, by fists, by stones or by the gun
Remember those who stood up for
Their daughters and their sons
[They Men They Couldn’t hang – Ghosts of Cable Street]

Gerade, zufällig, ohne Vorwarnung, bin ich beim Querhören durch alte Musik bei “Cable Street” von einer meiner Lieblingsbands der 80er hängen geblieben: The Men They Couldn’t Hang. Das Lied erzählt die Geschichte der Schlacht an der Cable Street, in der 1936 Anarchisten, Sozialisten, Kommunisten, Juden und Iren dem Faschistenführer Mosley und seinen “Schwarzhemden” entgegen traten. Folkrock quasi, mit einer Texttendenz in Richtung Arbeiterkampflied. Ich habe ja einen weichen Fleck in meinem Herzen für sowas — Gott sei Dank habe ich mich in meiner beeinflussbaren Jugend von Organisationen wie den Falken ferngehalten, sonst wäre ich jetzt vielleicht Gewerkschaftsführer oder Schlimmeres.

Allerdings verspürte ich nach dem Song diesen rätselhaften inneren Drang, mit einer Fahne in den Händen auf einer Barrikade zu stehen und gegen Faschismus, Tyrannei und das Schweinesystem generell zu kämpfen. EIn paar Minuten lang habe ich sogar erwogen, Mitglied der SPD zu werden. Oder notfalls der Linkspartei. Gottseidank muss ich mir bloß die aktuellen Spitzengremien von derlei Gruppierungen vor Augen rufen, dann bin ich wieder für eine Weile kuriert und falle in meinen ideologiefernen Normalmodus zurück.

Habe mich dann drauf beschränkt, bei iTunes alle Alben von The Men They Couldn’t Hang nachzukaufen.

www.NeueKinderlieder.de

by Gunnar on 27. August 2009 · 13 comments

Eltern kommen, ob talentiert oder nicht, irgendwann in die Verlegenheit, ihren Kindern vorsingen zu müssen.

Anfangs ist das eine leichte Übung, da trällert man einfach irgendwas, was man mag — ich beispielsweise habe mir immer mit At the End of A Gun beholfen. Oder mit der grandiosen Moritat von Mackie Messer. Wenn dann aber in den Kindern dieses hungrige Monster, die Sprache, erwacht, reicht es nicht mehr, einfach eine halbe Strophe des englischsprachigen Lieblingsliedes zu wiederholen, dann muss es was Richtiges sein.

Vielleicht sogar was Mitsingbares.

Und dann?

Dann gibt’s da den ziemlich lustigen Eisbär oder den Harung und die Affen oder sonst ein paar hübsche Lieder, aber das Gros der bekannten und leicht auffindbare Songs für Kinder ist musikalisch mau und textlich fragwürdig. Vielleicht bin ich zu heikel, aber sowas wie…

“Häschen in der Grube nickt und weint, nickt und weint! Doktor, komm geschwind herbei und verschreib ihm Arzenei! Häschen schluck! Häschen schluck!” (*)

“Seine große, lange Flinte schießt auf dich das Schrot, dass dich färb die rote Tinte und dann bist du tot” (*)

“Der Auerhahn, der Auerhahn, der ist der würd’ge Herr Kaplan. Fidirallala, fidirallala, fidirallalalala” (*)

…erscheint mir doof und irgendwie sehr aus der Zeit gefallen. Wo sind die Lieder über Zauberlehrlinge, über Vampire, über transformierbare Roboter, über das Leben in der Stadt, über Feuerwehrautos, über Monster aus dem All, über Katzen und Hunde und Ratten und Frettchen und andere moderne Haustiere et cetera? Okay, Herr Ferri macht sowas zuweilen, aber viel mehr scheint es nicht zu geben. Oder übersehe ich da eine große, lebendige Szene von fahrenden Musikanten und selbstsingenden Eltern? Falls ja, möge man mir Bescheid geben, falls nicht…

… wollte ich mal anregen, ob es nicht lohnend wäre, eine Art Kinderlieder-Community zu gründen. Ich stelle mir das so vor: Eingeloggte User können Projekte anlegen, die dann Lieder werden — vielleicht beginnt es mit einer Idee, vielleicht mit einem kompletten Text, vielleicht mit einer neuen (oder alten) Melodie. Andere User können dann Ideen, Noten oder Texte beisteuern, am Schluss findet sich vielleicht ein musikalischer Mensch, der das fertige Werk mit der Gitarre einspielt und als Video hochlädt. Sollte doch technisch heutzutage ein Klacks sein, sowas.

Falls jemand die Idee gut findet — bitte einfach umsetzen, ab jetzt ist sie public domain. Ich habe nicht recht Lust, das selber zu machen, wäre aber bereit, ein paar Anregungen und meine hübsche Domain neuekinderlieder.de beizusteuern.

Das Album des Jahres: Fever Ray

by Gunnar on 21. Juli 2009 · 25 comments

Ich versteh’ ja nix von Musik, ich bin in der Eingeschränktheit meiner Vorlieben nicht allzu weit entfernt vom Kuschelrock-Compilationskäufer, nur dass ich eben keine Kuschelrock-Compilations kaufe, sondern immer neue Iterationen von simpler, melodischer Gitarrenmusik mit gesellschaftskritischen Texten. Meine Heroen, von Hot Water Musik über Leatherface, Boy Sets Fire, Rise Against, Thrice, Samiam bis zu Gaslight Anthem und neuerdings die großartigen The Casting Out, klingen alle ähnlich, bei Lichte betrachtet. Konservativer melodiöser Post-Punk-Hochhüpf-Sound. Klar habe ich auch noch ein paar andere Vorlieben, meist für ältere rauhstimmige Herren wie Cave oder Waits oder Cohen, aber Gitarre und (ohne Hirnbluten hörbare sowie) mitsingbare Texte müssen immer dabei sein, sonst erschließen sich mir die Songs nicht.

Soviel zur Ausgangslage. Und dann kommt Fever Ray in mein Leben. Die Soloplatte von, äh, Karin Dreijer Andersson, Stimme von Röyksopps What else is there und weibliche Hälfte des mir total unbekannten Duos The Knife. Vielleicht liegt’s daran, dass ich mit Electronica und so Zeug kaum Erfahrung und daher auch keine Ach-ja-schon-1000mal-gehört-klingt-wie-immer-Antikörper habe. Vielleicht ist das Album aber auch wirklich einzigartig, jedenfalls umfängt es mich, spinnt mich ein, greift mir in die Eingeweide, lässt mich nicht mehr los.

Und ich könnte nicht mal die Musikrichtung benennen. Egal. Hinhören:


[Fever Ray – Triangle Walks]

Wow, oder?

Das sensationelle komplette Album gibt übrigens für faire 6,98 Euro bei Amazon als MP3-Download. Danke übrigens auch an den Kollegen Daniel F., der mir Fever Ray überhaupt erst empfohlen hat. Und an Peggy K., die’s wiederrum Daniel empfohlen hat. Oder so.

Quatsch mit Hasen

by Gunnar on 10. Oktober 2008 · 2 comments

Und das Häschen mit drei Beinen
wohnt am warmen grünen Meer
fängt sich Rochen und auch Haie
jeden Tag zum Frischverzehr

Häschen ist kein Vegetarier
Soviel ist von ihm bekannt
Fisch und Vogel und auch Milchvieh
fürchten seine harte Hand

(zu singen nach der Melodie von Eine Insel mit zwei Bergen)

Ach, ich kann von diesen ganzen Kinderliedern, die ich als Allzweckwaffe beim Baby-ins-Bett-bringen einsetze, immer nur die erste Strophe und muss mir danach irgendwelchen Quatsch ausdenken.

Alle Häschen vor’m TV
Alle Häschen, alle
Langohr, Klopfer, Zahnlück, Drenk
und die ganze Häschen-Gang
schaun noch fern, Mama sagt streng
“Ihr müsst jetzt in die Falle”

(nach der Melodie von Alle Vögel sind schon da)

Notiz an mich selber: Unbedingt mit dem Unsinn aufhören, sobald das Kind verstehen kann, was ich singe.