Literatur

Jean Giraud, 1938 – 2012

by Gunnar on 10. März 2012 · 2 comments

Im Studium verband mich eine kurze Liebelei mit A.M. aus Göttingen, sie war Germanistin und Zeichnerin und brannte für Comics wie sonst niemand, den ich jemals getroffen habe. Einmal boxte sie mich mit voller Kraft in den Bauch, weil ich gewagt hatte, irgendetwas Albernes gegen Comics an sich zu sagen. Sie nahm das sehr ernst. Und sie steckte mich an mit ihrer Begeisterung an, ich habe eine ganze Reihe von Autoren durch sie kennen gelernt. Unter anderem Moebius/Giraud, dessen L’Incal Noir sie mir lieh. Das war 1992, seither begleitet mich Moebius’ Werk durch mein Leben; ich kann nicht mehr sagen, wie oft ich beispielsweise die Geschichten vom Incal schon gelesen habe.

Moebius* ist heute, am 10.3.2012, gestorben, wir wollen eine Sekunde innehalten und an ihn denken.

John Difool, Class R Detective

John Difool, Détective privé de "Classe R" (et a mouette à béton)

Literarischer Schwanzvergleich

by Gunnar on 25. November 2010 · 39 comments

Ein schon seit 2009 im Umlauf befindliches Facebook-Mem hat mich mal wieder erreicht: Die Sache mit den sechs Büchern und der BBC.

Also, das war so: Die BBC veröffentlichte angeblich irgendwann einen Kanon von hundert wichtigen und/oder populären Büchern und erwähnte, dass die meisten Leute davon allenfalls sechs gelesen haben. Und alle Leute sollten eintragen, welche Bücher sie davon gelesen hatten. Doch wie das bei Memes halt so ist: Eigentlich war’s gar nicht die BBC, sondern der Guardian und die Zahl “sechs” stand nirgends. Aber egal. Die intellektuellen Blogger kamen alle auf einen Haufen Nennungen, shoulderclapping all around, das Meme ging um und um und um. Ich hatte übrigens fast 50 ganz oder teilweise gelesene Bücher auf der Liste, aber das würde ich nie erwähnen, weil das ja Angeberei wär. Und hey, “gelesen” heißt nicht “behalten” und schon gar nicht “verstanden”.

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Nick Hornby: Juliet, naked

by Gunnar on 30. September 2009 · 7 comments

Eine hoch subjektive und keinen konventiellen Literaturkritikregeln folgende Kurzbesprechung des Buches Juliet, naked von Nick Hornby. Mit länglicher Einleitung.

Ich habe, glaube ich, nahezu das gesamte Oeuvre von Herrn Hornby gelesen, chronologisch korrekt nach Erscheinen geordnet. Ich fand Fever Pitch, die Liebeserklärung eines Fußballfans an seinen Club, sensationell frisch und echt und schön und groß und überhaupt. Dann kam das fantastische High Fidelity, eine Jungs-Mädchen-Story, die so viel Wahrheit über Männer enthält, dass ich lange gefordert habe, man möge Frauen das Lesen dieses Buches verbieten. Dann About A Boy, ein nett zu lesendes, aber eher lauwarmes Büchlein über einen unreifen Müßiggänger, der sich in eine alleinerziehende Mutter verliebt. Da dachte ich, nun, einen Ausrutscher kann man sich nach zwei guten Büchern schon mal erlauben.

Aber Pustekuchen: Von da an wurden die Bücher von Mal zu Mal schlechter. How To Be Good drehte nach starken Beginn auf der Mitte in den Schwachsinn; A Long Way Down (wo sich vier potenzielle Selbstmörder zufällig auf dem gleichen Dach mit dem gleichen Plan treffen) und Slam (in dem ein 15jähriger Junge Tony Hawk als imaginären Freund hat) hatten eigentlich großartige, aber so mittelmau umgesetzte Grundideen, die dann nicht über mehr als 100 Seiten getragen haben.

juliet_naked_von_nick_hornbyMittlerweile hatte ich Herrn Hornby schon abgeschrieben. Dann kam Juliet, Naked und ich hab’s nicht mehr gekauft, sondern nur mal so aus Neugier im Buchladen reingelesen. Und hey, ehe ich mich versah, war ich bei Seite 50 und gut unterhalten. Dann musste ich’s natürlich kaufen. Die Geschichte geht so: Duncan, Anfang 40, ist einer von diesen halb in der Pubertät hängengebliebenen Männern, die keiner braucht. Er lebt in einer öden Beziehung mit Annie, hat kaum Freunde und auch sonst nicht viel vorzuweisen. Seine Haupterrungenschaft ist eine von allerlei Spinnern frequentierte Webseite über einen Sänger aus den frühen Achtzigern, der nach vier Platten unter vage mysteriösen Umständen untergetaucht ist und seither keine Musik mehr veröffentlicht hat. Dann kommt eine Art Werkedition seines bekanntesten Albums heraus, und Duncan verfasst auf seiner Seite eine euphorische Kritik. Seine Freundin findet die Scheibe öde, was Duncan, nach eigener Auffassung Experte für dieses Thema, quasi als Blasphemie auffasst und einen ordentlichen Streit vom Zaun bricht. Seine Freundin stellt eine Gegenmeinung auf die Seite, der seit 20 Jahren verschollene Musiker liest sie und meldet sich bei ihr — was sie ihrem Freund verschweigt. Von da an geht’s bergab für Duncan und Annie.

Hornby ist in diesem Buch zurück bei seinen Anfängen: Juliet, Naked ist eine Fangeschichte wie Fever Pitch, eine Musikgeschichte wie High Fidelity — und man glaubt direkt zu merken, dass ihm das Schreiben leicht von der Hand gegangen ist. Die Beobachtungen passen, die Figuren sind plausibel, die Dialoge klingen echt. Verbohrte Männerfiguren sind offenbar Hornbys besondere Stärke — Duncan könnte, wenn man die extremen Ausprägungen seines Fan-Seins ein bisschen abschleift, jeder von uns sein. Annie ist ein bisschen idealisierter, aber in ihrer Frustration über ihr kinderloses Leben ebenfalls glaubhaft. Die Handlung plätschert nur so vor sich hin, ohne wilde Wendungen, bleibt aber interessant. Das Finale ist dann leider ein bisschen unbefriedigend, aber das stört den Gesamteindruck nicht.

Dreikommafünf von fünf Punkten, würde ich sagen, wenn ich was sagen müsste.

Hinweis: Die Werke von Herrn Hornby gibt’s (mit Ausnahme des neuesten) als Taschenbuchausgaben bei Amazon für Kleingeldbeträge zwischen 0,98 und 9,95 Euro. Fever Pitch bekommt man auch als günstige (ab 5,49) Hörbuchedition, gelesen von Peter Lohmeyer.

Oliver Uschmann: Fehlermeldung

by Gunnar on 25. Juli 2009 · 5 comments

oliver uschmann fehlermeldung Huch, der Uschmann (über dessen Werk ich mich schon ein paar Mal lobend und weniger lobend geäußert habe), der Uschmann also, hat ein neues Buch geschrieben, das diese Woche erschienen ist. Und als hätte er sich meine Kritik an seinem letzten Werk “Murp!”, er mische zu viel Weltverbesserei in die Roman-Form, zu Herzen genommen, schenkt er sich diesmal die Romanhandlung und geht gleich volle Kanne ins Dozieren. Uschmann nimmt sich fünf prototypische, nur leicht überdrehte Männerfiguren (u.a. Bernd, den planenden Pedanten oder Manuel, von Beruf Sohn und Tauchlehrer), erzählt Szenen aus ihren Leben und zeigt an ihnen typische Probleme von Männern in heutiger Zeit — Bindungsangst, Lebensangst, Angst vor Ärzten, nicht erwachsen werden wollen, Selbstüberschätzung, you name it. Das tut er mit Akribie und einer so Inspektor-Colombo-artigen Beobachtungsgabe, dass jeder sich oder zumindest einen seiner falschen Freunde darin erkennen kann. Doch Uschmann wäre nicht Uschmann, wenn er es bei der Analyse beließe — nach jeder Diagnose schlägt er Lösungen für die festgestellten typischen Männerfehler vor.

Das mit den Lösungen bleibt ein bisschen sehr an der Lebensberatungsbuch-Oberfläche (Nutzen Sie Ihren Verstand! Kriegen Sie Ihre Finanzen in den Griff!), aber unrecht hat er nun auch wieder nicht. Und die Analysen sind so treffend und auf den Punkt, dass man den Teil mit den Ratschlägen auch überblättern kann, ohne das Gefühl haben zu müssen, man bekäme vielleicht zu wenig Buch für sein Geld.

Insgesamt ein gelungenes Werk, das sich easy wegliest und einen nicht dümmer macht. 3.5 von 5 Punkten würde ich sagen, wenn ich’s nicht affig fände, Bücher nach Punkten zu bewerten. Ist übrigens von GTVH, um die 250 Seiten stark und kostet 16 Euro 95.

Spaß mit Literatur

by Gunnar on 20. April 2009 · 9 comments

Kleines Ratespiel: Wer weiß, aus welchem Buch (oder wenigstens: von welchem Autor, aus welchem Genre, aus welchem Jahr) das folgende Zitat stammt? Einige Namen/Wörter sind verändert, damit es nicht allzu offensichtlich ist.

“Es herrschte eine ungeheure Aufregung im Reich der B. Selbst in den Tagen der Revolution war der Aufruhr nicht so groß gewesen. Es war nicht einer der B., der nicht von einem heiligen Zorn der Empörung befallen war und von glühendem Verlangen, den alten Todfeinden mit ganzer Kraft zu begegnen. Und doch traten weder Verwirrung noch Unordnung ein, es war geradezu erstaunlich, wie rasch die Regimenter sich gesammelt hatten und wie gut jeder wußte, was seine Pflicht war und wodurch er sich nützlich machen konnte.
Allerdings war es die höchste Zeit. Als auf den Ruf der Königin die Freiwilligen vortraten, die sich als erste zu der Verteidigung des Eingangs hergaben, kamen die ersten Botschafter zurück, die ausgesandt worden waren und nun meldeten, dass die H. nahten. Es trat eine furchtbare Ruhe der Erwartung ein. Mit gefaßtem Ernst und bleich vor Stolz standen die ersten Soldaten hart am Eingang in drei geschlossenen Reihen. Keiner sprach mehr, es war totenstill umher.”


Hier klicken für die die Antwort
Das Buch heißt: “Die Biene Maja” und ist von Waldemar Bonsels. Wurde veröffentlicht im Jahr 1912. Ist ein Kinderbuch.
Das Zitat stammt aus Kapitel 16: “Die Schlacht der Bienen und Hornissen”
Klingt im Original leicht anders, als in den Zeichentrickfilmchen unserer Jugend, oder?


Internetliteratur

by Gunnar on 15. April 2009 · 9 comments

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Wäre ich Schriftsteller, ich suchte nicht nach Themen, ich läse einfach die Liste der Suchbegriffe, mit denen Google Menschen zu kaliban.de schickt. Dort fände ich Anregungen zu Krimis (Gehört die Flucht zum Test?), Sozialdramen (Psychos im Bus), modernen Beziehungsromanen (PC-Spiel Texteingabe Beziehung retten), Horrorstorys (Video mit plötzlich auftauchenden Gesicht) und, uh, anderen Literaturformen.

Oder so.

OMFG, der liest Bücher (Teil 2)

by Gunnar on 11. April 2009 · 13 comments

Fortsetzung des Beitrags von gestern.

joe abercrombie the blade itselfThe Blade Itself (Joe Abercrombie)
Fantasy-Roman (Teil 1 der “First Law”-Trilogie)
Hm. Also. Drei Helden, drei Handlungsstränge, die nichts miteinander zu tun haben und sich erst später verflechten — der Barbar Logen, der um sein Überleben kämpft, der eitle junge Adelige Jezal, der unbedingt Fechtmeister werden will, der verkrüppelte Inquisitor Glokta, der pragmatisch seinen Weg geht. Alles beginnt im Kleinen, im Persönlichen, doch am Ende geht es um das Überleben des Mittlereren Reiches und den Kampf gegen das Böse schlechthin, aber bis zum Schluss ist eigentlich nie alles so, wie es scheint. Der Autor, der Engländer Abercrombie, schreibt hauptberuflich Drehbücher, was man dem Buch durchaus anmerkt — viele Szenen sind ziemlich bildhaft angelegt, vor allem dann, wenn’s mit Schwert und Fäusten zur Sache geht. Dazu kommen großartig überdrehte Charaktere (die allerdings samt und sonders nicht zur Identifikation taugen) und ein ordentlicher Schuss Humor. Eine Mischung, die in der Mainstream-Fantasy seinesgleichen gar nicht erst zu suchen braucht.
Fazit: Pflichtkauf für Fantasy-Fans, die auf Elfen und Zwerge verzichten können. Auf deutsch heißt das Buch “Kriegsklingen” und ist bei Heyne erschienen.

shaun tan the arrivalThe Arrival (Shaun Tan)
Comic
Die Geschichte handelt von einem Mann, der in ein fremdes Land emigriert (wobei er seine Familie zurücklässt) — und sich dort zurechtfinden muss, ohne die Sprache zu kennen oder die Gebräuche zu verstehen. Die gesamte Erzählung entfaltet sich in den einfarbigen Bildern, Bildunterschriften oder Sprechblasen gibt es keine. Der Autor Tan arbeitet damit die eigene Familiengeschichte auf, sein Vater ist unter ähnlichen Umständen in die USA gekommen.
Fazit: Die Zeichnungen sind grandios, die Figuren liebenswert, die Geschichte ist zeitlos relevant. Tolles Buch.

marvel 1602 neil gaimanMarvel 1602 (Neil Gaiman
Comic (Sammelband)
Absurd — Gaiman siedelt eine Reihe von Marvel-Helden (aus dem Earth-616-Universum) im Elisabethanischen Zeitalter an: Wir treffen auf die X-Men (die hier Witchbreed heißen), Daredevil, “Peter Parquah” (bevor er zu Spiderman wird), Doc Strange, die “Four of the Fantastick” und eine ganze Reihe von anderen Helden. Die haben alle im dieser Epoche eigentlich nichts zu suchen, denn das “Zeitalter der Helden” hätte erst im 20. Jahrhundert beginnen sollen. Da aber die Erde von der Apokalypse bedroht ist (woran unabsichtlich ein Superheld schuld ist), tauchen die Helden schon Anno 1602 auf — und müssen zusammenarbeiten, um die Welt zu retten. Eine spannende Geschichte, die umso besser wird, je mehr von den zahllosen Insider-Jokes man versteht und je intimer man das Marvel-Universum kennt.
Fazit: Das alles ist smart erzählt, hübsch gezeichnet und clever arrangiert. Gaiman eben. Man kann ihn nicht genug loben.

oliver uschmann murp hartmut und ich verzetteln sichMurp! (Oliver Uschmann)
Roman (Band 4 der “Hartmut und ich”-Serie)
Die Geschichte von Hartmut und dem Ich-Erzähler, die lustig begann und mit “Wandelgermanen” einen schwer lesbaren Seitensprung ins Surreale unternahm, setzt sich hier schleppend fort. Uschmann will uns offenbar was sagen, eine Botschaft nahebringen, predigen gegen die Fremdbestimmung des kleinen Mannes durch den Terror der Politisch Korrekten, der Öko-Esser, Antiautoritär-Erzieher und Jutetaschen-Träger. Das ist nicht nur abgeschmackt, das ist seit dem Jahr 2000 auch nicht mehr witzig. Weil der Autor aber so an seine Botschaft glaubt, versteckt die eine Hauptfigur ständig Zettel mit kleinen Essays, die die andere Hauptfigur dann findet und liest — wir haben es hier eigentlich mit einer Kolumnensammlung zu tun, um die mühsam eine Art Roman gestrickt ist. Kann das gutgehen? Nein, und das tut es auch nicht. Auch wenn die Essays teilweise brillant sind, die ganze Attitüde, die ganze Form, der ganze Plot, das ist alles kaum erträglich. Ich musste etwa bei zwei Dritteln aufgeben, obwohl ich gerne noch gewusst hätte, wie Uschmann das alles zu einem sinnvollen Ende führen will.
Fazit: Wäre der Autor, der immerhin fortwährend beweist, dass er schreiben und beobachten kann, bei einer leichteren Form geblieben und nicht ins Lager der selbstverliebten Weltverbesserer gewechselt, wäre ich sicher weiterhin ein Fan seiner Bücher. So leider nicht.

spielmacher winnie forsterComputer- und Video-Spielmacher (Winnie Forster) Sachbuch/Lexikon
Kein richtiges Buch, sondern eine Art Lexikon mit 1.500 Einträgen. Winnie führt in alphabetischer Ordnung und gewohnter Faktensicherheit handelnde Personen und Firmen auf und widmet den wichtigeren ein paar Absätze, den unwichtigeren Kurzeinträge. Toll zum Stöbern und Nachschlagen und als Recherchestartpunkt. Wer das durcharbeitet, ist ein ganzes Stück schlauer.
Fazit: Pflichtkauf für Spielejournalisten. Für interessierte Laien ist das alles vermutlich ein bisschen zu viel.

heinz strunk die zunge europasDie Zunge Europas (Heinz Strunk)
Roman
Sieben Tage im Leben des erfolglosen Gag-Schreibers Markus Erdmann, der in einer hoffnungslosen Beziehung lebt und jeden Sonntag seine senil werdenden Großeltern besucht. Ihn interessiert eigentlich nichts, nicht Sex, nicht Geld, nicht Ruhm, er brütet in seinem bedeutungslosen Dasein vor sich hin, bis er Janne im Zug trifft.
Soweit, so belanglos — Strunk interessiert sich nicht für seine Handlung, nicht für seine Hauptfigur und im Grunde auch nicht für den Leser. Alles, was dieses Buch ausmacht, findet nebenbei statt, in humorigen Einschüben, in denen der Held stellvertretend für den Autor die Welt beobachtet und zynisch kommeniert. Das ist durchaus witzig, trägt aber das Buch nicht — hier wäre es (wie bei Uschmann) besser gewesen, der Autor hätte auf die Romanform verzichtet und einfach ein Bündel Kolumnen vorgelegt.
Fazit: Macht über weite Strecken fast alles falsch, was der Vorgänger “Fleisch ist mein Gemüse” richtig macht. Ich konnte es nicht zuende lesen, weil mich die Figuren so kalt gelassen haben.

kathrin passig sie befinden sich hierSie befinden sich hier (Kathrin Passig)
Hörbuch
Die von mir wegen ihres großartigen Lexikon des Unwissens, ihres Blogs und ihres Twitter-Feeds hochverehrte Frau Passig hat, obwohl eigentlich eher Journalistin und Sachbuchautorin, Anno 2006 den hochrenommierten, aber auch meistens von schwerer Verquasung bedrohten Bachmann-Preis gewonnen. Mit ihrem literarischen Debüt, einer Ich-Erzählung aus der Sicht eines Mannes, der sich im Schnee verirrt hat und dabei ist, zu erfrieren. Dieses Stück gibt es nur als Mitschnitt der Lesung auf CD, als Kurzhörbuch sozusagen, denn die Story ist nach 23 Minuten erzählt.
Fazit: Coole Geschichte. Schlau komponiert, schlau geschrieben. Hörenswert.

Soweit. Erstmal. Ich hätte noch so fünf bis zehn erwähnenswerte Bücher, die reiche ich bei Gelegenheit nach.

OMFG, der liest Bücher! (Teil 1)

by Gunnar on 10. April 2009 · 8 comments

Ich wollte schon lange mal wieder ein paar Kurzrezensionen zu kürzlich gelesenen Büchern aufschreiben, hab’s aber immer vor mir hergeschoben. Jetzt sind’s so viele, dass ich sie auf zwei Postings aufteilen muss. Rest folgt morgen oder Montag. Los geht’s im subjektiven Schnelldurchlauf:

Tannöd (Andrea Maria Schenkel) Krimi
Tatsachen: Dutzendfach preisgekröntes Werk, erzählt einen (bis heute ungelösten) historischen Mord auf einem einsamen Hof in einem bayrischen Dörflein nach. Gruselig: Der Mord wurde ein paar Tage lang nicht bemerkt, weil der Mörder offenbar noch auf dem Hof geblieben ist und das Vieh versorgt hat.
Meinung: Ganz ehrlich, das ist kein Roman, nicht mal eine Kurzgeschichte, nur eine Montage leidlich authentisch wirkender Texte, mal subjektiv, mal pseudo-historisch. Liest man so in 40 Minuten runter, ist durchaus spannend und streckenweise toll geschrieben, macht aber nicht recht satt. Mehr Hype als Substanz.
Insgesamt: Typisches Verschenkbuch, muss man nicht selber haben.

055328789301lzzzzzzzRendezvous with Rama (Arthur C. Clarke) Sci-Fi
Tatsachen: Spielt 2077. Ein, uh, Objekt, dringt ins Sonnensystem ein — ein metallischer Zylinder, 60 km lang, 20 dick. Ist offenbar eine Art Raumschiff, aber nix genaues weiß man nicht. Captain Norton muss hinfliegen und nachgucken.
Meinung: Typisches Hard-SF-Buch — faszinierende Prämisse, logisch ausgearbeitet. Mit starken Augenmerk auf die Technik und das Abenteuer des Fremden. Ein aufregender, halbwegs komplexer Plot oder auch nur ausgefeilte Charaktere findet man in dieser Spielart der Science Fiction meistens eher nicht. Ist auch bei “Rama” so. Macht aber nichts, das Buch liest sich schnell weg, ist jede Minute spannend und öffnet ein Fenster in eine aufregende Welt, in der man gerne noch verweilen möchte.
Insgesamt: Guter Einstieg in das Werk von Clarke. In einer SF-Sammlung Pflicht.

glattauer darumDarum (Daniel Glattauer) Krimi
Tatsachen: Der Journalist Haigerer erschießt willkürlich einen Menschen, nur so. Er stellt sich, aber niemand glaubt ihm, dass er der Täter ist.
Meinung: Gute Idee, ganz gefällig geschrieben, aber zu viel Buch für die Idee. Der Roman schleppt sich so dahin, während man darauf wartet, dass der Autor einem verrät, warum der Mörder die Tat überhaupt begangen hat. Die Auflösung ist dann aber lange nicht so aufregend, wie man gehofft hätte.
Insgesamt: Nicht gerade schlecht, aber auch nichts besonderes. Die späteren Bücher des Autors (etwa Gut gegen Nordwind) sind deutlich, deutlich besser.

Old Mans War John ScalziOld Man’s War (John Scalzi) Sci-Fi
Tatsachen: Die Menschheit führt Krieg im All, im ganz großen Stil — mit Hunderten anderer Rassen kämpft man um kolonisierbare Planeten. Neue Rekruten holen sich die Weltraumtruppen von der Erde, wer 75 wird, hat das Recht, in die Armee einzutreten und dort einen neuen Körper zu bekommen.
Meinung: Erstaunlich, dass es in diesem Jahrtausend ein Autor wagt, zu schreiben, wie Robert A. Heinlein in den 60ern — die Helden sind harte Jungs, haben ausreichend Sex, ein bisschen Selbstzweifel, aber am Ende treten sie den Aliens in den Arsch. Für’s Vaterland. Die Aliens sind zahlreich, haben größtenteils schlechte Laune, verhalten sich aber oftmals einfach wie Menschen. Die Technik ist absurd forgeschritten, aber das gute, alte Kampfmesser ist immer noch im Einsatz. Nett. Bunt. Laut. Es gibt auch eine deutsche Übersetzung, die, dafür hat Heyne Prügel verdient, “Krieg der Klone” heißt.
Insgesamt: Abenteuer-Sci-Fi ohne großen Anspruch. Gut lesbar, aber letzten Endes trotz einiger guter Ideen nur Fastfood.

Donnerstagslinks

by Gunnar on 30. Oktober 2008 · 2 comments

### Weites Feld, aber eine ganz ordentliche Auswahl: die 10 coolesten Eröffnungssätze in der Literatur. ###

### Ganz brauchbare Bildbearbeitung, die man online verwenden kann, ohne Download. ###

### Postsecret ist ein (schon was älteres) Projekt, bei dem Menschen eines ihrer Geheimnisse auf eine Postkarte schreiben und die anonym einschicken. Hübsch. Menschen sind ja immer spannend. ###

### Den Schauspieler sagen, dass du nicht wählen gehen sollst-Spot kennt schon jeder, oder? ###