Marketing

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Amerika, du brauchst es blutig?

10. März 2010 · 21 comments

Ein kurzer Beitrag über die Unterschiede von amerikanischen und europäischen Computerspielern. Oder das, was Spiele-Marketiers dafür halten.

Der Amerikaner, das weiß man ja, der braucht’s derb. Simple Plots, blatante Werbung, einfache Botschaften, grelle Farbe und immer ordentlich auf die Fresse. Der Europäer, völlig gegensätzlich, kann die Möglichkeit, dass die Welt nicht schwarzweiß sein könnte, besser aushalten, bevorzugt seine Geschichten subtil, mit Nebenbedeutungs-Unterströmungen, in gedämpften Grautönen und irgendwie sophisticated.

Jaja, ich habe auch keine Erklärung dafür, wie die Amis Futurama erfinden konnten, Mass Effect, die Wired und Six Feet Under, während die Europäer die BILD-Zeitung, den Big Brother-Container und, äh, Crysis auf dem Kerbholz haben.

Jedenfalls müssen die im ersten Absatz zitierten Zerrbilder stimmen, sonst käme ein internationales Unternehmen wie Ubisoft sicher nicht auf die Idee, ihr Spiel Siedler 7 in zwei so unterschiedliche Versionen anzubieten.

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Die Treue zum Käse

15. November 2008 · 3 comments

Nur weil in den Marketing-Lehrbüchern in kleinen bunten Infokästen nahegelegt wird, man möge doch als Firma mit dem Kunden zur Stärkung der Marke zuweilen interagieren, heißt das noch lange nicht, dass man uns bei einem Allerweltsprodukt wie abgepacktem Käse unterstellen muss, wir würden LEERDAMMER Festessen veranstalten. Oder dass wir so oft den gleichen stumpfen Fabrikkäse essen, dass es sich lohnt, Treuepunkte zu sammeln.

Absurd. Aber vermutlich finde wieder einmal nur ich das befremdlich, und Tausende Hausfrauen (Heavy User aus den Augen der Käsefabrikanten) werden so wuschig beim Anblick der freigestellten Treueprämiengrafik (1 Weinflaschenverschluss für 1,6 Kg Käseverzehr), dass sie ihren Konsum nochmal um 15 Prozent steigern, möglicherweise auf Kosten der Wurstfabrikanten.

Eine alte Theorie von mir, die ich aus beruflichem Überlebenswillen eigentlich nie in der Öffentlichkeit äußere, ist, dass in den so genannten Kommunikationsberufen viele der Aufgaben eigentlich zu leicht sind — vieles könnte eigentlich auch von Praktikanten oder gut trainierten Schimpansen erledigt werden. Kein Wunder, dass man in vielen Agenturen schon nach einer Woche Mitarbeit eine tragende Rollen ausfüllen kann, was die Agenturen wiederum dazu verführt, ihr Kerngeschäft gänzlich in die Hände von mit zwei Äpfeln und einem Gratis-T-Shirt bezahlten Praktikanten zu legen, was wiederum zu Aufständen, Überschwemmungen in Oberbayern und Schändungen von Jungfrauen führt. Vermutlich. Was man jedenfalls in Kommunikationsberufen können sollte, wenn man schon nicht am offenen Herzen operieren, Dinkelbrot backen oder sonstwas Nützliches kann, ist das Instruieren von spezialisierten Dienstleistern, das so genannte Briefen. Die spezielle Unfähigkeit beginnt auf den untersten Ebenen (Äh, der Kunde will da so eine Broschüre, so wie die hier. Könnt ihr das?) und manifestiert sich in seiner reinsten Form in der Person des Marketingleiters (Das gefällt mir nicht. Macht das anders. Wie anders? Na, anders.).

Ich würde mich ja selbständig machen, als Autor des Standardwerks Briefing für Vollpfosten oder als Inhaber der Agentur Be Brief, die für kommunikationsbehinderte Angestellte mit Leitungsfunktion die eigenen Mitarbeiter oder die Horden der in kreativer Armut dahinsiechenden Freelancer mit konkreten Arbeitsanweisungen versorgt. Aber das funktioniert nicht — die Leute denken ja, sie würden super briefen und die Dienstleister wären schuld.

Ach, die Welt.