Medien

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Ad Blocker

15. Dezember 2011 · 33 comments

Herr R., ein Ex-Kollege von GameStar hat in seinem Blog eine lesenswerte und auch diskussionswürdige Abhandlung über das Thema “Ad Blocker” geschrieben.

Ich zitiere:

Je mehr Besucher eine Homepage hat, desto geringer wird der Anteil des Einzelnen. Solange, bis er gefühlt nichtig wird: Jeder Akteur denkt, der Inhalt werde unabhängig von seinem Besuch und seinem Beitrag bereitgestellt. Diese falsche Erkenntnis begünstigt jetzt Trittbrettfahrertum: Die Auszahlungen sind für das Individuum, den rational kalkulierenden Akteur, höher, wenn es aus dem impliziten Vertrag aussteigt, sprich: einen Adblocker installiert. Auszahlungen sind in diesem Fall gesparte Zeit, weil Seiten schneller laden oder nicht erst 30 Sekunden Werbespots angeschaut werden müssen. Geld wäre auch denkbar, wenn man per Volumentarif surft, erscheint aber in Zeiten der Flatrates nicht mehr von Bedeutung.
Der Einzelne profitiert so zunächst, weil die anderen Mitglieder des Kollektivs weiterhin für die Bereitstellung des Guts aufkommen. Das geht aber nur so lange gut, wie es ausreichend Akteure gibt, die für die Trittbrettfahrer mitbezahlen.

Mehr drüben, beim Weltraumer.

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Gedanken zu Computerspielen I

26. Dezember 2010 · 7 comments

Dies ist ein Gastbeitrag von Fabian Krapp aka Styg.

Die Weihnachtszeit ist eine Zeit des Müßiggangs, zumindest in meinem Fall. Für Gunnar kann ich nicht sprechen, er dürfte gerade seinen Hausrat grimmigen und entschlossenen Blickes mit bloßen Händen durch kataklystische Niederschlagsmengen und unerbittlichen Eisregen in Karlsruhe tragen. Zeigen wir uns also solidarisch und wünschen ihm an dieser Stelle viel Erfolg, ganz ernst gemeint.

Zurück in’s warme Wohnzimmer, zurück zum Müßiggang, den Kataklysmus behalten wir bei: An einem grauen Dezembersonntag gebe ich meine jahrelang kultivierte Totalverweigerung auf, sitze vor meinem Rechner und aktiviere eine Trial-Version des bislang erfolgreichsten Hamsterrads aller Zeiten. Mal ausprobieren, rein der Meinungsbildung zuliebe. Auf die Nachfragen von Bekannten kann ich schließlich nicht ständig lapidar antworten, ich könne mit dem Grafikstil von “World of Warcraft” nichts anfangen …

Einen Tag und wenige Stunden Schlaf später habe ich die WoW-Probepackung ausgequetscht: Mein Elben-Jäger ist Level 20, die Levelgrenze der Trial-Version erreicht. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Blizzard. Denn dieser vielleicht etwas zu geizige Umgang mit effektiv spaßigem Content könnte mir eine Menge Geld und Zeit gespart haben. Wäre die Sache bis, sagen wir, Level 30 offen gewesen, hätte ich wohl für einen ganzen Monat reingeschaut. Oder gleich für zwei Jahre, hat man heute ja so. Dank diesem spielerischen Coitus interruptus werde ich nun vielleicht doch noch Vater, heiraten und Jahrzehnte später ergraut im Schaukelstuhl sitzen, umgeben von einer grandiosen Zahl an Enkelkindern. Und diese “Rockstar werden”-Sache ist ja auch noch angedacht.

MMORPGs sind in Unterhaltungsmedien verpackte Ausprägungen des Traveling-Salesman-Problems: “Wie bekomme ich meine(n) <Charakterklasse> in minimaler Zeit auf <Levelcap> um dann <diverse Überitems> benutzen zu können?” Geboten werden simple und stark repetative Abläufe, Story und Lore sind selten mehr als das Schmiermittel für das Prinzip des konstanten positiven Feedbackflows und der Konkurrenzsituation der Mitspieler untereinander. Ich unterstelle Blizzard ein bischen mehr Polishing im Vergleich zu (den meisten) Konkurrenten. Soweit keine neuen Erkenntnisse, sicher. Beim Anspielen war mir auch schnell wieder bewusst, dass ich mehr der Mechanik und weniger dem eigentlichen Spieleinhalt fröne. Zumindest könnte ich auswendig weder NPC- noch Ortsnamen aufsagen. Spaß gemacht hat es irgendwie trotzdem. Dem in sanften Wellen wiederkehrenden Kaufreflex (damn you, PayPal!) der Vollversion konnte ich trotzdem erfolgreich widerstehen (Stand: 26.12.2010). Bin zuversichtlich, dass ich dieses “vernünftig werden” bis 30 noch in den Griff bekomme.

Tage später widme ich mich dann doch einer Ersatzhandlung, ich suche aus selbstverständlich rein wissenschaftlichen Gründen nach Abonnenten-Zahlen gängiger MMORPGs – und werde fündig. Die Zahlen dürften nicht sonderlich belastbar oder exakt sein, was der Betreiber der Seite auch so kommuniziert. Größenordnungen und Tendenzen sind jedoch ablesbar. WoW dominiert erwartungsgemäß,  hübsch zu sehen ist auch der Effekt des “Antestens” neuer Titel, nur um nach kurzer Zeit doch wieder zu WoW zu gravitieren. Erstaunlich finde ich auch, wie viele Zocker insgesamt sich auf dieses Spielprinzip einlassen – Tendenz eindeutig steigend.

Warum setzen immer mehr Spieler heutzutage auf Produkte, deren Content hinter der Spielmechanik klar zurücksteht? Denn, seien wir ehrlich, wer liest in MMORPGs tatsächlich noch Questtexte durch, entwickelt eine tiefergehende Verbindung zu Charakteren und Orten der Spielwelt oder denkt sich Biografien für seine Charaktere aus? Die eventuell mitlesende Minderheit wird an dieser Stelle höflichst darum gebeten, mir meine rhetorisch-selbstgerechte Frage nicht durch “ICH!ICH!ICH!”-Proteste zu versauen. Hatten wir früher einfach nichts anderes oder ist die zunehmende Reduzierung auf Spielmechaniken (betrifft natürlich nicht nur MMORPGs) an sich vielleicht eine Art “Mode”? Liegt es an uns Spielern selbst, wollen wir das sogar, ist es eine Alterssache?

Dazu demnächst mehr, Montag Dienstag ganz sicher Mittwoch.  Ich hoffe, dass es bis dahin in Karlsruhe nicht mehr schneit …

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Who the Fuck is Fabian Krapp?

Fabian Krapp ist Informatiker, 28, selbstverständlich langhaarig, jedoch noch unbebrillt. Er trinkt Kaffee ausschließlich schwarz, macht beruflich “irgendwas mit Medien” und in seiner Freizeit Heavy-Metal oder Fotos. “Styg” ist ein Überbleibsel aus seligen Quake-Zeiten, als die Sache mit den jugendlichen Reflexen noch funktionierte. Er spielt leidenschaftlich gerne RPGs, ist von Shootern mittlerweile übersättigt und für MMO-Gaming nicht mehr empfänglich. Styg trauert seligen LAN-Zeiten nach, als man noch tageweise in verdunkelten Zimmern saß und die lokalen Pizzadienste subventionierte. Persönliche Nemesis ist der Hang zu Logik, Abstraktion und Bauchgefühl gleichzeitig. Diese Selbstbeschreibung besteht aus exakt 100 Wörtern, wie von Gunnar gewünscht. Pedant.

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“Ausschaffen”, aber pronto?

30. November 2010 · 18 comments

Huh?

Kann es sein, dass die Tatsache, dass die Schweizer Bevölkerung am Wochenende ihre Regierung aufgefordert hat, das Ausländerrecht potenziell ins Absurde zu verschärfen, im Wikileaks-Sturm untergegangen ist?

Das Sturmgeschütz der Demokratie belässt es bei einer Agenturmeldung, die FAZ bei einem kurzen Bericht, Zeit.de hat ihrer ausführlichen Analyse von neulich offenbar nichts mehr hinzuzufügen. Auch in den Blogs ist es ruhig.

Ist aber auch clever von den Schweizern, das Referendum genau zwischen Wikileaks und Stuttgart 21-Schlichtung einzuschieben.

Ich würde gerne auch was sagen zu der Wikileaks-Klamotte, aber eigentlich hat (neben dem Spiegelfechter, natürlich) Don Dahlmann meine grundsätzlichen Gedanken zufällig bereits ganz gut zusammengefasst, in dem er einen Teil der offenen Fragen anspricht:

1. Wer ist eigentlich die wirkliche Quelle (und was ist die Motivation der Quelle)?
2. Warum konzentriert sich Wikileaks so auf die USA?
3. Lassen sich die Medien instrumentalisieren? Wer profitiert hier von wem?

Für des Dons Antwortversuche: Klickst du hier.

Die logische nächste Frage fehlt mir allerdings:

4. Hätt’s das gebraucht? Muss man das Zeug wirklich veröffentlichen?

Dass die Herren von Wikileaks im Sinne der Öffentlichkeit handeln, wenn sie Dokumente veröffentlichen, die Ereignisse aus einem mit massig Desinformation geführten Krieg aus dem Dunkel holen, sehe ich ein. Aber Dossiers mit Einschätzungen von Botschaftern? Das ist meinetwegen interessant für Historiker und oft ziemlich lustig, aber grundsätzlich erst einmal Privatpost und geht niemanden was an, auch nicht den SPIEGEL und seine Leser. Wie geht das weiter? Kommen noch die Liebesbriefe von Bill Clinton, die Kantinenpläne des Außenministeriums und Mitschriften von den Gesprächen auf der Herrentoilette des Weißen Hauses? Hätte sich Wikileaks einen Zacken aus der Krone gebrochen, wenn sie bei “Cablegate” erst mal auf Dokumente aus den letzten 15 Jahren verzichtet hätten? Aber dann wär’s natürlich kein Mediencoup geworden und der SPIEGEL hätte kein Geld für die Exklusivrechte gezahlt. Tja.

Nachtrag I: Interessant übrigens in all der Aufregung: Spreng sagt, die Depeschen bewiesen nur, dass US-Diplomaten Zeitung lesen können.
Nachtrag II: Oh, der Traveller sieht’s ganz ähnlich wie ich.

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PC Zone, quasi ein Nachruf

15. Juli 2010 · 14 comments

Herr Kaliban neigt derzeit ein bisschen zur Nostalgie und möchte eine Zeitschrift würdigen.

Nach 17 Jahren, 225 Ausgaben, wird Future Publishing im September die englische PC-Spielezeitschrift PC Zone einstellen*. Der Entschluss kommt am Ende eines langen Siechtums: die letzten Ausgaben fanden gerade noch um die 10.000 Käufer, inhaltlich ist sie schon seit Jahren nichts Besonderes mehr.

Die grundsätzliche Geschichte des Heftes von der Gründung 1993 bei Dennis Publishing über den Verkauf an Future 2004 bis heute kann man auf Wikipedia nachlesen, das ist so mittelinteressant. Interessant war der Stil: Ich habe die Zone Mitte der 90er gelesen, als sie — offenbar beherrscht von einer Horde total durchgeknallter Vollzeitirrer wie dem oder dem oder dem — eine Art Gaming-FHM war, eine Bastion der englischen “Lad Culture”*, aber eben mit einem sympathischen Nerd-Touch. Die Tests waren oft übertrieben hart oder übertrieben enthusiastisch, der Schreibstil manchmal krude, aber sie hatten immer großartige Witze und absurde Ideen.

Unvergessen ist mir der Satz “Well, you know, there are people who don’t want internet access. Presumably because they have a big porn collection already.”. Oder das beste Nerd-Anagramm ev0r:

Wing Commander IV = Cover dim Wingman

Sensationell. Dieses wunderbare Faktum nutzlosen Wissens hat die PC Zone in einem Vortext nebenbei ihren Lesern hingeworfen, Jahre, bevor es Anagrammgeneratoren im Internet gab, und sich schon damit meine ewigwährende Hochachtung erworben. Wild war auch der Joysticktest mit der Nonne, die Noten für, äh, “phallusicity” abgegeben hat oder die absurde Geschichte, wo ein Redakteur Leute im Spieleladen eingeschätzt hat, ob sie Nerds sind:

Editor: What are you buying?
Some guy: Diablo. It’s been recommended by my friends.
Editor (to himself) Tough case — buy RPGs ist nerdy, having friends is not.

Schön auch die Tatsache, dass sie Simon 3D eine Wertung von 3 % gegeben haben, “one point for each of its three miserable dimensions”.

Oder das Cruelty Zoo Debacle, als die PC Zone wegen einer Fake-Werbeanzeige, gestaltet von Charlie Brooker, vom Kiosk genommen wurde.

Ach, ein schönes Magazin war das. Ein bisschen so, wie die PC Action immer sein wollte, aber nie war.

P.S. Alle Sätze in Anführungszeichen sind aus dem Gedächtnis zitiert, das mag nicht immer wortgetreu sein.

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Kai D., das Roaming-Opfer

24. Juni 2010 · 20 comments

Kai Diekmann, seines Zeichens BILD-Chefredakteur, hat seine Multimedia-Truppe einen gefakten SpiegelTV-Bericht erstellen lassen, in dem er als “Opfer der Roaming-Mafia” auftritt.

Hintergrund: Diekmann hatte aus seinem Urlaub in Marokko über das Mobilnetz Videos für sein Blog hochgeladen und dabei Roaming-Kosten in Höhe von 46.000 Euro produziert. Er hat versucht, direkt beim CEO der Telekom die Rechnung löschen zu lassen, das hat nicht geklappt, jetzt macht Diekmann aus der Sache einen Witz für seine Fans und Feinde in den Medienressorts und verpasst der Telekom noch einen kleinen Tritt vor’s Schienbein.

Das ist einerseits ganz lustig und mit der Telekom trifft’s nicht eben den Falschen, andererseits geht Diekmann ziemlich nonchalant mit einer Summe um, die deutlich über dem durchschnittlichen Jahresgehalt eines deutschen Arbeitnehmers liegt. Denn Diekmann, ohnehin nicht arm, bekommt die Summe natürlich von seinem Arbeitgeber erstattet, das ist ein ganz angenehmes Privileg in Zeiten, wo Leute gefeuert werden, weil sie eine Frikadelle vom Buffet stibitzt haben. Gerade der Chef der BILD-Zeitung, die ja immer der Anwalt des kleinen Mannes sein will, könnte aus so einer Sache auch mehr machen als einen weiteren professionell visualisierten Ego-Trip mit Armenverhöhnung.

Aber naja. Ist eben der Diekmann.

Nachtrag: Man mag sich übrigens schon fragen, was der Diekmann da in den drei Tagen Urlaub so gemacht hat. Im teuersten Roamingtarif der Telekom zahlt man für 50 KByte zwar exorbitante 17 Cent, aber auch damit kosten 10 Gigabyte “nur” 34.000 Euro. Wie man es schaffen kann, über 12 Gig durch das flattrige Datennetz zu jagen, ist mir einigermaßen schleierhaft. Oder mache ich da einen Rechenfehler?

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Altherrenweisheiten

16. Juni 2010 · 11 comments

Herr Kaliban zitiert einen seiner alten Helden: Douglas Adams.

Im Lichte aktueller Ereignisse und Entwicklungen und der ganzen Diskussion über Sinn und Unsinn des Internet möchte ich allen Anwesenden, vor allem aber auch allen Nicht-Anwesenden, einen alten Text von Douglas Adams ans Herz legen. Der wurde 1999 verfasst, handelt vom Internet und — ist immer noch wahr.

Zitat:

1) everything that’s already in the world when you’re born is just normal;
2) anything that gets invented between then and before you turn thirty is incredibly exciting and creative and with any luck you can make a career out of it;
3) anything that gets invented after you’re thirty is against the natural order of things and the beginning of the end of civilisation as we know it until it’s been around for about ten years when it gradually turns out to be alright really.
Apply this list to movies, rock music, word processors and mobile phones to work out how old you are.

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Soccer Power Index FTW!

15. Juni 2010 · 5 comments

Herr Kaliban wüsste gerne mehr. Insbesondere über den deutschen Fußball.

Ich bin, wie viele Fußball-Fans, immer für handfeste Statistiken zu haben. Und fühle mich da grundsätzlich unterversorgt von deutschen Medien. Bei uns erfährt man ja höchstens mal, dass “Lukas Podolski verhältnismäßig wenig nach hinten gearbeitet hat”* und Kloses Leistung gegen Australien nach Meinung der namenlosen Redaktion mit der Schulnote “2,5″* zu bewerten ist. Die Amerikaner sind da ein Stück weiter, nicht nur bei ihren Nationalsportarten, sondern auch beim Fußball. Auf ESPN gibt’s beispielsweise den Soccer Power Index (SPI), der alle Teams nach Leistung einstuft, woraus sich dann auch gleich Siegwahrscheinlichkeiten berechnen lassen. Für die nächsten beiden Spiele von Deutschland sieht es beispielsweise so aus:

Man kann sich mittels des SPI auch gleich die Chancen aller Mannschaften im Turnier auf einmal anzeigen lassen, wo dann herauskommt, dass Brasilien eine knapp 22%ige Chance auf den Cup-Sieg hat, Deutschland hingegen nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 18 Prozent überhaupt das Halbfinale erreicht. Spielerei, jaja, aber suuuper, um das Geplapper in der Halbzeitpause zu überbrücken und trotzdem im Fußball-Thema zu bleiben.

Wem das alles zu viel Spekulation ist, der kann natürlich auch beim Handfesten bleiben und bei ESPN nachschauen, wo beim Australien-Spiel dieser Özil auf dem Spielfeld zu finden war…

… oder von wo die Torschüsse der Deutschen ausgeführt wurden oder wieviele Fouls es pro Mannschaft gab. Oder die Entstehung einzelner Tore:

Und so weiter und so fort.

Warum kriegt man das eigentlich in Deutschland so nicht? Das interessiert doch im Grunde jeden. Oder gibt es irgendwo noch hochfrequentierte deutsche Webseiten mit tiefen Analysen und relevanten Statistiken, die mir bislang entgangen sind?

P.S. Herrn Kalibans Dank für den Tipp mit dem SPI geht an seinen Freund H. aus G.
P.P.S. Wo wir grad’ bei Großtaten ausländischer Medien sind: Marca aus Spanien hat jedes Tor als 3D-Animation und überdies diesen sensationellen WM-Planer.
P.P.P.S. Passt hier nicht ganz, aber wurscht: Die beste iPhone-App zum Thema Fußball ist IMHO übrigens die von Sport1.

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Innerer Reichsparteitag?

14. Juni 2010 · 22 comments

Neues aus der Abteilung “Stürme in Wassergläsern”.

Halten wir fest: In der Pause vom Fußballspiel Deutschland gegen Australien wollte die ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein ein bisschen locker sein und sagte über den Nationalspieler Miroslav Klose, das mit seinem Tor zum 2:0 sei sicher ein “innerer Reichsparteitag” für ihn gewesen.

Reflexhaft setzten die ersten Medien noch am Abend den üblichen Empörungskreisel in Gang: Die diensthabenden Klickstreckenbauer der WELT etwa, ansonsten für Entgleisungen nach rechts außen sonst nicht so sensibel, nennen die Sache “einen schweren Patzer”, erinnern gleich noch an Carmen Thomas (“Schalke 05″) und spielen die wohlfeile Karte des Eva-Hermann-Vergleichs. Das wiederum ruft den diensthabenden Journalismus-Überwacher auf den Plan, Stefan Niggemeier nämlich, der die ganze Aufregung um die “alltägliche Redewendung” nicht verstehen kann und den WELT-Leuten gleich noch en passant eine Copyright-Verletzung nachweist.

Und seither tobt die Schlacht zwischen den “Hey, ich sage das auch dauernd, das ist doch nicht schlimm”-Abwieglern und den “Das, das, das ist doch lupenreiner Nazi-Jargon!!111″-Hyperventilierern und den “Hey, habt ihr gestern das Tor von Klose gesehen? Das muss ja eine innere Maidemo für ihn gewesen sein…”-Veralberern(*).

Seufz.

Dabei ist das alles ganz einfach:

1. “Nazi-Jargon” oder ein Indikator für eine rechte Gesinnung ist die Floskel natürlich nicht, im Gegenteil: “Es war ihm ein innerer Reichsparteitag” sagt man normalerweise eher über ein Arschloch, das Grund zur Schadenfreude hat. Sowas wie “Dass er den Konkurrenten in den Ruin treiben konnte, war ihm natürlich ein innerer Reichsparteitag” oder so. Ist also eher ein Anti-Nazi-Spruch.

2. Unpassend ist die Äußerung aber allemal. Und Witzchen mit Nazi-Anklängen hat man sich in der öffentlichen Rede zu stecken, finde ich.

Update: Jens bringt’s auf den Punkt.

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Das ganze verdammte Mediending

24. März 2010 · 79 comments

Man muss auch einfach mal “Nein” sagen können.

Ich hatte dieses Problem schon immer, schon ziemlich lange jedenfalls. Ich war schon als Schüler und Student Fan vom SPIEGEL, verschlang jeden Artikel und fühlte mich gut informiert. Ich glaubte, was da stand. Nur selten wurde dieser Glaube erschüttert: Immer, wenn das Magazin über Computerspiele berichtete. Dann las ich ungläubig den aus halb Gewusstem, wahllos Zitiertem und falsch Verstandenem zusammengequirlten Quatsch. Und dachte mir, naja, das ist eben nicht ihr Thema.

Es blieb der winzige Zweifel: Was, wenn die ihre Analysen der deutschen Politik, ihre Wirtschaftsgeschichten, ihre Kulturessays so recherchieren wie die Stücke über PC-Spiele?

Besser nicht dran denken.

Zeitsprung. Wir haben das Jahr 2010, die Verlage ächzen unter der Werbekrise, ihre Lobbyisten stehen kurz davor, vom Staat den Abwurf von CARE-Paketen über Hamburg und München zu fordern und der viel zitierte Qualitätsjournalismus ist, vor allem im Web, nur noch ein Lippenbekenntnis (jaja, Ausnahmen bestätigen die Regel). Einstmals seriöse Medien übernehmen die Methodik des Boulevard; die Chefredakteurin der “Bunte” lässt es sich nicht nehmen, einen Politiker von Detektiven beschatten zu lassen; die TV-Karriere von Andreas Türck ist im Arsch; der Chefredakteur des ZDF hat gegen Roland Koch verloren; Verlagswebseiten liefern sich ein Wettrüsten im PI-Tuning; Journalisten geben Spinnern spaltenweise Raum, wenn’s nur gegen Google geht; TV-Redaktionen erleiden Hirnaussetzer beim Thema Killerspiele; die widerwärtige Berichterstattung über Amokläufe schürt die Gefahr von Nachahmungstaten. Undsoweiter.

Und zum aktuellen Fall von Vorverurteilung sagt mir ein ansonsten geschätzer Kollege wortwörtlich:

So eine Story auszulassen, kann sich kein Redakteur mehr heute erlauben. Kaum Arbeit und Recherche Aufwand und trotzdem hohes Leserinteresse – Pressecodex und Qualitätsjournalismus oder gar die Interessen vom Kachelmann interessieren da nicht die Bohne…was Quote bringt, wird gemacht…bei dem aktuellen wirtschaftlichen Druck der Verlage, wird das die nächsten Jahr noch härter…

Ich kann dazu nur sagen, mir hätte nichts gefehlt, wenn ich von diesem Fall zu diesem Zeitpunkt noch nichts erfahren hätte. Sondern erst, wenn die Faktenlage stabil ist. Ebenso wie bei der Dame von den No Angels seinerzeit, wo immerhin die SZ den Anstand hatte, den Namen nicht sofort rauszuposaunen.

Die Qualitätsmedien machen sich mit dem peinlichen Durchhecheln von Nicht-Nachrichten, die zudem jeder hat, auch nicht interessanter. Ich bin vielleicht eine Ausnahme, aber mir verleidet das ganze Geschrei das Zeitunglesen, das SpOn-Lesen, das Lesen von Nachrichtenseiten allgemein. Je häufiger die atemlos eine Sau durchs Dorf treiben, die nächste Woche wieder komplett vergessen ist, desto weniger bin ich bereit, denen mein Geld oder meine Aufmerksamkeit zu widmen. Das ganze Mediending hat schließlich auch was mit Identifikation und Vertrauen zu tun.

Ich habe daher mein Leseverhalten in letzter Zeit dramatisch geändert: Die Nachrichtenseiten können mir komplett gestohlen bleiben — ich beschränke mich auf weitestgehend auf Blogs und (beruflich) Gaming-Sites. Und wenn doch der Chris auf SpOn oder der Thomas bei der WELT mal wieder was Hübsches geschrieben haben, dann werden’s mir Twitter oder Facebook schon zutragen.

Man muss auch mal “Nein” sagen können.