Menschen

Real life und so

by Gunnar on 20. August 2012 · 0 comments

Habe die Zeit in Köln genutzt, um einen alten “Internet-Freund” endlich mal persönlich auf einen Kaffee zu treffen: Jens Scholz. Bis auf den komischen Akzent war er auch genau so wie erwartet: nett, lustig, ein interessanter Gesprächspartner.

Ach, das Internet.

Neil und Amanda und die Ukulele

by Gunnar on 4. August 2010 · 6 comments

Herr Kaliban ist ein bisschen spät dran, wie so oft.

Erstaunlicherweise ist es mir fast ein halbes Jahr lang entgangen, dass Neil Gaiman (einer meiner Lieblingsautoren*) sich mit Amanda Palmer (eine meiner Lieblingsmusikerinnen*) verlobt hat.

Ist ein bisschen so, als würde, um mal ein Beispiel aus dem deutschen Mainstream zu wählen, Campino plötzlich Anna Gavalda heiraten. Oder Günther Grass die Catarina Valente. Oder so. Oder auch nicht. Ist jedenfalls irgendwie lustig.

Dafür bin ich mit der Nachricht, dass Frau Palmer ein leicht schräges Album herausgebracht hat, auf dem sie Radiohead-Songs mit Ukulele interpretiert, nur knapp zwei Wochen zu spät dran. Uh. Die Vinyl ist zwar schon ausverkauft, aber man kann die sieben Tracks auch einfach auf Frau Palmers Webseite herunterladen, für den bescheidenen Preis von (mindestens) 0.84 Dollar.

Klick auf das Bild bringt euch hin:

Was Gott tun müsste

by Gunnar on 22. März 2010 · 16 comments

Vorhin, auf dem Mittleren Ring, fahre ich auf der Geradeaus-Spur gutgelaunt auf die grüne Ampel zu, da zieht aus der Schlange der für’s Linksabbiegen anstehenden Wagen ein Golf raus, direkt vor mich auf meine Spur. Ich bremse. Er kriecht mit 4 Km/h auf die Ampel zu, die wird gelb und dunkelgelb, da gibt er Vollgas, prescht drüber und biegt mit quietschenden Reifen und ausgesprochen gegen die StVO links ab. Rammt fast den letzten der Linksabbieger, hupt frech und ist verschwunden. Ich stehe bei Rot und schaue staunend hinterher.

Was für Stunts Leute abziehen, nur um ein paar Sekunden Ampelstehzeit zu sparen. Irre. Kann Gott die bitte sofort bestrafen, etwa durch Herbeimaterialisieren einer Polizeistreife? Aber Gott ist einem leider in derlei Situationen keine Hilfe, wie schon Calvin wusste:

Muss eben doch endlich die Frontraketenwerfer einbauen, von denen ich schon so lange träume.

Eisenbahnen, Zoos voller Menschen

by Gunnar on 28. Oktober 2009 · 12 comments

Neulich, bei einer Bahnfahrt, saß ich unweit von einer adretten, intellektuell aussehende Dame in den späten Fünfzigern, die mit ihrem 14jährigen Enkel unterwegs war. Deren Gespräch musste ich mithören, weil ich — zu konservativ erzogen — nicht die Lässigkeit anderer Leute habe, die sich auf Zugreisen erfolgreich ins Koma trinken und so der Welt samt den Mitreisenden entkommen.

Die Dame las Zeitung, der Junge versuchte, ein Spiel, ich glaube, es war einer der Advance Wars-Titel, auf dem Nintendo DS zu spielen. Versuchte, sage ich, weil die Dame nicht in der Lage war, ihre Zeitung einfach normal von vorne nach hinten zu lesen, sondern atemlos von Artikel zu Artikel sprang, immer ein paar Zeilen querlas, abbrach, weitersprang und dabei das Ganze fortwährend kommentierte. Das ergab einen ununterbrochenen Strom von Halbsätzen und Halbgedanken, der mich nach knapp zehn Minuten in eine Art Trance versetzte:

Ja, nun, zehn Tage im Urwald, das würdest du nicht schaffen. [Einwurf des Enkels: Doch, das würde ich schaffen] Summa, summa cum laude, das hat der. Gut, was? Oh, Rohstoffgewinnung in der Antarktis. Hm. Ach, die SPD macht das schon, jaja. Nun, der sieht nett aus, der Ulrich Nussbaum. Ja. Nu. Weißte, wie er noch netter aussehen würde? Wenn man ihm einen Bart malte. Hm. Was fährt der einen Bentley, der ist doch Sozialdemokrat. Du, Schnuckel, ich geh jetzt noch aufs Klo, dann sind wir am Ende unser gemeinsamen Reise. Ach doch nicht, wir sind ja erst in Würzburg.

Surreal. So ging das ununterbrochen. Für wenigstens eine Stunde. Ich wage nicht, mir auszumalen, wie das auf die Seele eines 14jährigen gewirkt haben muss.

Ach, die Grausamkeit der Großmütter.

Klicks gegen den Weltfrieden

by Gunnar on 21. März 2009 · 4 comments

Früher, da war das alles besser — niemand hat Mit Verlaub, Herr Chef, Sie sind ein egozentrischer Schimpanse mit Haarausfall und den Manieren eines Tasmanischen Teufels mit dem Füller auf ein Blatt Papier gekratzt und es dann in einen Umschlag gesteckt, auf den er versehentlich die Adresse seines Chefs geschrieben hatte.

Wie gefährlich die moderne Kommunikation, wie prekär der Frieden unter den Menschen, wenn die ehrliche Antwort auf eine Mail nur ein paar Klicks weit entfernt ist.

Täglich werden Mails an Kunden weitergeleitet, ohne die Zeile Und wenn den Deppen dieser Entwurf nicht gefällt, dann können sie sich ihre paar Kröten den Darm hochschieben zu löschen, werden offene Meinungen über vermeintlich nahestehende Menschen in die verkehrten ICQ-Fenster getippt, werden kompromittierende Anmerkungen in Word-Dokumenten gelöscht, aber nicht entfernt. Und so weiter.

Es ist ein Wunder, dass wir alle überhaupt noch miteinander reden.

Wir müssen zurück zu Tinte, Papier und Feder, ehe Schlimmeres geschieht. Oder, vielleicht, darauf bauen, dass Google den Weltfrieden rettet.

Die Ehrlichkeit der Kamera

by Gunnar on 4. März 2009 · 4 comments

Lieber unbekannter Konferenzbesucher,

wenn man die Neigung hat, sich zuweilen mit beiden Händen kraftvoll in den Zähnen zu pulen, sollte man versuchen, derlei Aktivitäten auf die Abgeschiedenheit des eigenen Badezimmers zu beschränken. Wenn einen auf einer Konferenz der unstillbare Pul-Drang überkommt, sollte immerhin man die Geistesgegenwart besitzen, damit stante pede aufzuhören, wenn der Typ, der neben einem steht, eine Frage an das Podium richtet.

Denn: Mit der Frage kommt die Aufmerksamkeit der Kamera, mit der Kamera die Einblendung auf der großen Leinwand.

Hochachtungsvoll,

Herr Kaliban

P.S. Haben Sie ein Glück, dass ich gerade die Kamera zu tief in der Tasche vergraben hatte.

Dieses metallische Geräusch

by Gunnar on 27. Dezember 2008 · 7 comments

Erstaunlich, dass sich manche Leute im Zug offenbar so zuhause fühlen, dass sie beginnen, sich die Fingernägel zu knipsen. Ich meine, okay, Rülpsen, Furzen, Telefonieren mit Scooter-Lautstärke, Bier aus überschäumenden Dosen saufen und nach jedem Absatz “AHHH” sagen, in irritierenden Dialekten intime Details über Exfreundinnen austauschen — haben wir alles schon gehabt.

Das mit den Nägeln ist irgendwie eine neue Eskalationsstufe.

Und andererseits muss man noch froh sein, dass der Typ vor den Fußnägeln halt gemacht hat.

Rosa und Gold und Weiß

by Gunnar on 25. Februar 2008 · 12 comments

bild (c) erkan und stefan

Jaja, ich weiß, es ist ein trivialer Gedanke, eine bekannte Tatsache. Aber es wundert mich immer wieder, dass gerade die Leute, die unbedingt macho sein wollen, sich so, ahem, schwuchtelig anziehen. Also, neulich, im Supermarkt, stand so ein Typ vor mir in der Schlange. Wunderlich angetan: weißer Trainingsanzug, Turnschuhe in weiß und gold mit etwa sechzig Zentimeter dicken Sohlen, rosa Polohemd mit aufgestelltem Kragen, Goldkettchen, Goldringe, Goldarmband, sorgfältig ins dunkle Haar ondulierte ostblockblonde Strähnen am Nacken. An sich schon absurd genug. Absurd aber vor allem, wenn man eine gepflegte Macho-Kultur hochhalten möchte. Und man ja, ehrlich gesagt, in diesem Outfit kaum männlich aussehen kann. Nun gehöre ich nicht zu den Leuten, die finden, dass schon Männer, die sich mehr als einmal pro Woche waschen, schwul wirken, aber hey — all die Kettchen, die Strähnchen, die Kinkerlitzchen. Würde ich mit derlei Accessoires am Körper und einer solchen Frisur um’s Haupt die Einsteinstraße runterstolzieren — ich wette, die Bushaltenstellenherumlungerjungs am Max-Weber-Platz hielten mich für homosexuell, anstatt mir als dem Inbegriff der Neuen Urbanen Männlichkeittm zu huldigen.

Hm. Hat denen nicht mal jemand gesteckt, dass rosa, gold und weiß keine klassischen Männerfarben sind? Und: Gucken die sich gegenseitig nicht an? Müsste da nicht mal Murat zu Kevin sagen, ey, Kevin, weißt, mit den goldigen Ohrrings zur Halskett’n von dei’ Mutta siehst irgendwie nicht mehr Gangsta aus, eher mehr wie dei’ Mutta selbst.

Olivia K. aus München

by Gunnar on 24. Februar 2008 · 8 comments

oliver kahn. bild (c) ard

Bei uns im Supermarkt um die Ecke, da sitzt eine Frau an der Kasse, die sieht aus wie ein bekannter Münchener Fußballtorwart. Echt. Haare, Statur, Gesicht, alles gleich. Sie ist nur ein bisschen jünger. Und ihre etwas fiepsige Mädchenstimme, die so ü-ber-haupt nicht zu ihren kantigen Konturen passen will, eignet sich vermutlich nicht zum Zusammenbrüllen von brasilianischen Abwehrspielern oder polnischen Stürmern.

Ich stehe irritiert vor ihr, während sie mein Gemüse abrechnet und will sie, aus der schieren Verblüffung heraus, schon fragen, ob sie einen großen Bruder hat oder wenigstens, sagen wir, Handballtorhüterin ist. Im letzten Moment siegt die gute Erziehung, und ich nehme nur mein Wechselgeld und gehe stumm hinaus.

Gottseidank, sonst hätte sie mich vielleicht gebissen.

Gerade gehe ich an ein paar Kollegen vorbei und höre ein Wort, ein mehrsilbiges, unbekanntes, mit E am Anfang. Verstehe es nicht auf Anhieb, die Entschlüsselungsroutinen in meinem Hirn werfen es sich aber noch ein paar Sekunden zu, um dann ohne Gegenstimme Expresswichsen zu vermelden. Huh. Ich schaue mich um, will sehen, wer’s gesagt hat. Alle gucken weg.

Feiglinge.

Hm. Schönes Wort eigentlich. Irgendwie artverwandt mit Sportficken.

Egal. Themenwechsel oder auch nicht — wo wir gerade bei Schlüpfrigkeiten sind, hätte ich noch einen Auszug aus den Google-Referrern von gestern anzubieten:

die leute wollen alle nur sex, sex, sex

Ach. Schlimm. Aber bekanntlich ist ja the internet for porn. Was mich an ein altes, aber hellsichtiges Zitat aus der englischen Spielezeitschrift PC Zone erinnert, das sinngemäß so lautete:

For this game an internet connection is needed. Which some people don’t have and don’t seem to want. Probably because they already have a solid porn collection.

Selbstbräuner und Scarlett Johansson

April 11, 2007

Ich stehe an der Tanke, sehe im Zeitschriftenregal Scarlett Johansson, greife instinktiv hin, um zu schauen, ob im Magazin Nacktfotos sind, sind aber keine. Naja, ist ja auch die Park Avenue, hätte ich mir denken können. Die Park Avenue ist ja kein Männermagazin, sondern eines von diesen Heftchen für Metrosexuelle oder andere urbane Randgruppen, die […]

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Die Frau, ihr Gesicht, die Erinnerung

November 27, 2005

Herr Kaliban fragt sich: “Ist es das Alter, ist es die Komplexität der Welt, ist es Mangel an Konzentration?” Mir verschwimmen Erinnerungen, wenn ich sie nicht sofort durch Aufschreiben stütze oder so lange im Kopf wälze, bis sie sich einigermaßen verfestigt haben. Ich behalte von Treffen nur Fetzen, Gesichter, Wörter, schwache Bilder. Vergesse, dass ich […]

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