Poesie

The Road Not Taken

by Gunnar on 7. August 2012 · 0 comments

Gefunden bei Zen Pencils, einer Seite für, nun, inspirierende Cartoons. Ich bin schon seit ewig ein großer Fan der kurzen Formen von Robert Frost. Hatte mich bei meinem Allzeitlieblingsgedicht “Dust of Snow” vor Jahren auch schon mal an einer, uh, grafischen Umsetzung versucht, kann aber leider nicht zeichnen oder photoshoppen.

Egal, wer sich mit Poesie als Kunstform anfreunden kann, kann/sollte/darf mal bei Frost reinschauen, das lohnt sich auf jeden Fall.

Tiergedichte und Ich-Blogs

by Gunnar on 14. April 2010 · 6 comments

Neulich war ich in einem Raum voller Menschen, wo vorne einer stand, so einer mit einem Mikro in der Hand und wirren Haaren, und folgendes Gedicht vortrug:

Wenn ich auch den Verstand verlier’
Es hält zu mir mein AkzepTIER
Ich drehe durch und lass mich gehen
Das AkzepTIER kann es verstehen
Welche Gelüste mir auch kamen
Es sprach zwei Worte: Ja und Amen
Wenn ich an meiner Gier krepier’
Hält noch zu mir mein AkzepTIER

Und das ist ja wohl brüllend komisch. Finde ich. Von direkt Ringelnatz’schem Charme. Wäre beinahe erstickt vor Lachen. Leute, die ebenfalls Sinn für sowas haben, klicken im folgenden Video auf Play, da liest der Autor noch weitere Tiergedichte vor. Leute, die für sowas keinen Sinn haben, mögen ihre humorlosen Browser an dieser Stelle bitte wenden und in Richtung der nächsten Nachrichtenjunkiemaschine richten. Oder so.

Der schräg schauende Typ nennt sich Lasse Samström und ist einer der bekannteren deutschen Poetryslammer. War sogar 2002 mal Deutscher Meister. Kenner der “Szene” werden den Verweis hier deswegen auch für alten Tobak halten und haben vermutlich schon zum Start dieses Beitrags gähnend ihre Browser auf die nächste Nachrichtenjunkiemaschine gerichtet, zusammen mit den Leuten, die keinen Sinn für sowas haben, aber hey! dies ist ja nun mal keine Poetryslamfachberichterstattungsseite sondern eines der letzten Ich-Blogs im Internet. Ich-Blogs, seinerzeit mal die vorherrschende Gattung, sterben ja aus oder versinken in der Bedeutungslosigkeit, seit das monothematische Bloggen vor ein paar Jahren so um sich gegriffen hat. Ach, schade ist es um die Ich-Blogs. Außerdem kennt in der ungewaschenen Masse des Mainstreams, die sich täglich an diesem Blog vorbeiwälzt, kein Mensch irgendwelche Poetry Slammer, nicht mal wenn sie Weltmeister oder Mister Universum sind, daher wird mir der Verweis ja wohl mal erlaubt sein.

Aber was fasele ich hier eigentlich? Gedichtkonsum macht mich immer ganz wirr.

Sollte lieber wieder mehr Killerspiele zocken. Oder mein Prozac regelmäßiger nehmen.

Eine Anrufbeantworter-Fantasie

by Gunnar on 20. Februar 2008 · 8 comments

Ich wähle ihre Nummer, ich will ihr sagen, dass ich sie vermisse. Dass der Tag vorüber ist, das Wetter grau, das Hotelzimmer trist und der Alkohol zu teuer. Aber sie nimmt nicht ab, sie lässt sich von ihrem Anrufbeantworter vertreten, und der Anrufbeantworter versteht mich nicht, der ist ein Simulant, der spielt mir ihre Stimme nur vor. Dem Anrufbeantworter kann ich nicht die Wahrheit sagen, dem Anrufbeantworter vertraue ich keine Geheimnisse an. Also spreche ich nach dem Ton, heiser und flüsternd: Unter den Dielen schlägt das Herz des Vampirkönigs, so laut, dass es die Hallen bis in die hintersten Winkel füllt. Ich sitze hier in der Dunkelheit, die Hand um den Pflock gekrampft, und lausche. Ein Luftzug bringt wirbelnden Staub heran. Der Sichelmond schickt machtlose Strahlen durch die bunten Bleiglasscheiben und zeichnet ausgefranste Muster auf den Boden. Komm doch her, ich brauche das Licht deiner Augen bei mir. Oder ruf mich, mit der Magie deiner Stimme.

Und dann ruft sie an. Und ich sage ihr alles. Dass ich sie vermisse, dass das Wetter grau ist, das Hotelzimmer trist und der Alkohol zu teuer.

Und der Tag ist nicht ganz verloren.

anrufbeantworter