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PR und andere Katastrophen

by Gunnar on 11. August 2010 · 20 comments

Herr Kaliban regt sich mal wieder wegen Kleinigkeiten auf.

Berlin, 11. August 2010 – Das Öl-Leck im Golf von Mexiko ist vorerst dicht! Mit ‚Oil Spill – Fight the Pipe!‘, dem neusten Handyspiel aus der Berliner Spieleschmiede kunst-stoff, kann jeder iPhone-Besitzer ab sofort mithelfen, das Öl weiterhin unter Kontrolle zu halten – zumindest auf seinem Bildschirm.
Das einfache und ironische Spielprinzip verleiht ‚Oil Spill – Fight the Pipe!‘  das Potenzial, Kultstatus zu erlangen. Aus einem kaputten Rohr tief unten am Boden des Atlantischen Ozeans entweicht unaufhörlich das bedrohliche Öl. Um die Katastrophe zu beenden, verschließt der Spieler das kaputte Rohr mit seinem Daumen – je nach Lust und Ausdauer unendlich lange. Das Meer erhält seine blaue Farbe zurück und die Punktzahl wächst und wächst: „Bereits in der ersten Woche nach Erscheinen im App Store hat jemand das Rohr ganze zwölf Stunden geflickt“, stellt Patrick Rau, Gründer, Geschäftsführer und Kreativ-Direktor von kunst-stoff, erfreut fest.

Nicht nur, dass sich das wie ein wirklich schlechtes Spiel anhört (offenbar kann man echt nichts weiter tun als den Daumen auf die Grafik zu drücken)– ich finde es auch ausgesprochen zum Kotzen, aus einer Katastrophe ein Spielchen zu basteln. Nur um der Publicity willen, die das bringen oder auch nicht bringen mag. Und den Text hat auch offenbar der Praktikant in der Mittagspause verfasst. Seufz. Die Welt ist schlecht.

Viraler Blödsinn und so

by Gunnar on 24. Februar 2009 · 11 comments

Der Kollege Siegismund hat, drüben bei GameStar, eine kurze Kolumne über die Methoden aktueller Guerilla-PR verfasst. Der erste Kommentar eines Users darauf war folgende Äußerung:

fraencko

Erstmal das schöne Wort »Realitätsmanagement«, dann leicht und locker die parodistische Überleitung. Sehr schön.

Bitter Press

by Gunnar on 7. Oktober 2008 · 6 comments

Was ist Werbung?

by Gunnar on 20. September 2008 · 7 comments

Ein Erklärungsversuch in einfachen Worten.

Du gehst auf eine Party und siehst ein attraktives Mädchen auf der anderen Seite des Raumes. Du gehst zu ihr und sagst: Hallo, ich bin großartig im Bett, wie wär’s mit uns?
Das nennt man Direct Marketing.

Du gehst auf eine Party und siehst ein attraktives Mädchen auf der
anderen Seite des Raumes. Du gibst einer Freundin einen Zehneuroschein. Sie steht auf und sagt: Hallo, mein Freund dort hinten ist großartig im Bett, wie wär’s?
Das ist klassische Werbung.

Du gehst auf eine Party und siehst ein attraktives Mädchen auf der
anderen Seite des Raumes. Du gibst Freundin A einen Zehneuroschein. Sie gibt Freundin B 8,50 Euro. Freundin B steht auf und sagt: Hallo, mein Freund dort hinten ist großartig im Bett, wie wär’s? Dann geht Freundin A nochmal bei Freundin B vorbei, redet über die Transaktion und fordert 0,50 Euro Kickback.
Das ist klassische Werbung in Deutschland.

Du gehst auf eine Party und siehst ein attraktives Mädchen auf der
anderen Seite des Raumes. Du gibst zwei Freundinnen von dir einen Zehneuroschein, damit sie sich in Hörweite des Mädchens stellen und darüber sprechen, wie großartig du im Bett bist.
Das nennt man Public Relations.

Du gehst auf eine Party und siehst ein attraktives Mädchen auf der
anderen Seite des Raumes. Du erkennst sie wieder. Du gehst zu ihr rüber, frischst ihre Erinnerung auf und bringst sie zum Lachen. Und dann wirfst du ein: Hallo, ich bin großartig im Bett, wie wär’s mit uns?
Das ist Customer Relationship Management.

Du gehst auf eine Party und siehst ein attraktives Mädchen auf der
anderen Seite des Raumes. Du gibst einem Freund einen Zehneuroschein, der gibt ihr einen Glückskeks. Sie öffnet ihn, drin ist ein Zettel, auf dem steht Willst Du wissen, wer großartig im Bett ist? Geh zum Buffet. Sie geht zum Buffet. Dort stehst du und grinst sie wissend an, einen Glückskeks in der Hand.
Das ist virales Marketing.

Du gehst auf eine Party und siehst ein attraktives Mädchen auf der anderen Seite des Raumes. Du ziehst deine tollen Klamotten an, läufst herum und spielst Mr. Beschäftigt. Du setzt dein bestes Lächeln auf, läufst herum und spielst Mr. Sympathisch. Du hörst allen Frauen zu und spielst Mr. Höflich. Du unterhältst dich mit sanfter und weicher Stimme, du öffnest die Tür für alle Frauen, du lächelst wie ein Traum, du verbreitest eine Aura um dich herum, du spielst Mr. Gentleman. Dann gehst du zu dem Mädchen und fragst: Hallo, ich bin großartig im Bett, wie wär’s mit uns?
Das ist Hard Selling.

Du gehst auf eine Party und siehst ein attraktives Mädchen auf der anderen Seite des Raumes. Sie kommt herüber: Hallo, ich habe gehört, dass du großartig im Bett bist, wie wär’s mit uns?
Und das, sehr geehrte Damen und Herren, ist die Kraft der Marke.

Keine Ahnung, wer das geschrieben hat. Älteres Internet-Fundstück, leicht überarbeitet und um ein paar Punkte ergänzt von mir. Hinübergerettet von kaliban.org, wo ich’s bislang aufgehoben hatte.

Ergänzung von Fabian:
Du gehst auf eine Party und siehst ein attraktives Mädchen auf der anderen Seite des Raumes. Du gehst zu ihr rüber, erzählst ihr, wie erfolgreich du im Job bist und dass du Sex die ganze Nacht über kannst.
Das ist… …irreführende Werbung, und die ist in Deutschland gesetzlich verboten.