real

Fette, die keinen abkriegen

by Gunnar on 18. November 2012 · 23 comments

Gestern, in der S-Bahn belauschte ich ein kurzes Gespräch:

Schmales, schlecht geschminktes Mädchen: Ist schon blöd, dass “Schwer verliebt” nicht mehr kommt sonntags. War für meine Freundin und mich ein fester Bestandteil unseres Sonntags.
Netter blasser Junge mit Stoffmütze: Keine Ahnung, aber ich habe letztens eine Vorschau gesehen, das kommt bald wieder. Anfang Dezember oder so.
Schmales Mädchen: Echt? Wow! Wow! Wow! Der Sonntag ist gerettet!
Blasser Junge: Was findet ihr überhaupt denn an der Sendung?
Schmales Mädchen: Ist doch geil, lauter Fette, die keinen abkriegen. Am besten sind eigentlich unsere Kommentare währenddessen.

Ah.

Ich hatte bis eben keine Ahnung, was das für ein Format ist, aber der letzte Satz des Mädchens lässt keinen Zweifel: Offenbar eine typische Guck mal, wie scheiße die alle sind-Produktion des glorreichen deutschen Privatfernsehens. Zweifellos moderiert von einer schlanken, hübschen Dame, die den unüberbrückbaren Graben zwischen Zur-schau-Gestelltem und Zur-Schau-Steller zu illustrieren hat, damit die Objekte der Sendung noch unterschichtiger aussehen. Mir liegt es auf der Zunge, ins Gespräch zu rufen, “Ist es nicht besser, eine Fette zu sein, die keinen abkriegt, als eine stumpfe Provinztrulla, die sich am Unglück anderer Leute weidet? Die Fette kann immerhin abnehmen.” aber ich tue es natürlich nicht.

Statt dessen steige ich aus. Und hoffe, dass meine Tochter das Gespräch, wenn sie es gehört haben sollte, noch nicht erfassen konnte. Wenn sie jemals solche Sendungen gucken sollte, muss ich sie enterben.

Nachsatz: Mit einem ähnlichen Phänomen befasste sich vor Jahren der Post “Die Zeitschrift und der Freak” in dessen Kommentarsektion sich sogar der Zur-Schau-Gestellte äußert.