Restaurant

Die Knoblauchgeschichte

by Gunnar on 16. November 2009 · 21 comments

In Los Angeles gibt’s ein Restaurant namens The Stinking Rose, bei dem jedes Gericht mit Knoblauch zubereitet wird. An dem fuhren wir früher immer vorbei, wenn wir während der E3-Messen auf dem Weg vom Hotel zur Saddle Ranch waren, dem Ort, wo wir traditionell mit einem unfassbaren Burger-und-Bier-Gelage die US-Reise beendeten. Die Stinking Rose haben wir nie besucht, aber ich hatte mir immer mal vorgenommen, dort einzukehren.

In Berlin gibt’s ein knoblauchaffines Restaurant, das heißt ganz profan Knofel, was lange nicht so cool klingt wie “The Stinking Rose”, aber als mich Freunde dorthin einluden, ging ich gerne mit. Das Essen dort, Knoblauchbraten, Knoblauchkartoffeln, Knoblauchgemüse, Knoblauchschnaps, Knoblaucheis, war brauchbar, wenn auch nicht spektakulär. Wir langten ordentlich zu. Dann ging’s nach Hause auf ein paar Bier, am folgenden Morgen besuchten wir ein Frühstückslokal. Dort wurden wir ausgesprochen unfreundlich bedient, was uns sehr verwunderte — wir waren eine Vierergruppe mit ausreichend Appetit und überdurchschnittlicher Trinkgeldbereitschaft, dennoch ignorierte man uns über weite Strecken des Vormittags. WIr schoben es auf die übliche Berliner Schofeligkeit.

Ein paar Stunde später ging mein Flug zurück nach München, der verging ohne Zwischenfälle, obwohl ich das latente Gefühl nicht loswurde, dass man mich anstarrte. Doch ich begriff den Ernst der Lage erst, als ich zuhause ankam, meine Frau spontan drei Meter zurückwich und mich entsetzt fragt, was ich denn gegessen hätte — da erst begriff ich die fatalen Folgen des Knoblauchabusus und sah, plötzlich, den ganzen Tag vor meinem inneren Auge ablaufen: die erstaunlich zurückhaltenden Kellner beim Frühstück, der unsympathische Taxifahrer, der blöde Typ im Flugzeug neben mir, alles normale Menschen, die nur aufgrund meiner toxischen Ausdünstungen ihre Nonchalance verloren hatten.

Uh.

Ich brauchte dann noch ein paar Stunden intensiven Schrubbens, Gurgelns und Putzens, ehe meine Frau entschied, dass ich — wenn ich den Rest des Tages Kaugummi kaute und heute nacht ins Wohnzimmer zöge — in der gemeinsamen Wohnung bleiben dürfe.

Schlimm. Habe seither der Knoblauchknolle komplett abgeschworen — wenn demnächst die Vampire die Macht übernehmen, könnt ihr nicht auf mich zählen, sorry.

Warum Männer lieber Pizza bestellen

by Gunnar on 23. Mai 2009 · 29 comments

Dieser Text klingt nach Männer/Frauen-Klischee, beschreibt aber das wahre Leben. Das Leben von Herrn Kaliban.

Wenn man mit einem Mann essen geht, ist das ziemlich easy: Es gucken beide kurz in die Speisekarte, wählen das, was sie immer nehmen, verständigen sich mit zwei Sätzen über die Biersorte und bestellen dann. Nach dem Essen wirft jeder einen Zwanzigeuroschein auf den Tisch, dann ist man draußen.

Wenn man mit einer Frau essen geht, passieren merkwürdige Dinge. Es fängt damit an, dass die Frau wissen will, was der Mann wählt. Er zögert kurz, sagt dann: Nun, den Burger vielleicht. Sie: Immer isst du Fleisch. Er: Grkmpf. Sie: Nimm doch den Fisch. Er: Grkmpf. Sie: Ach nein, nimm doch den Salat, ich bestelle den Fisch und wir können ja dann nach der Hälfte tauschen. Dann kann jeder zwei Gerichte probieren. Er: Grkmpf.

Kein Mensch weiß, warum Frauen nicht einfach was für sich bestellen und damit gut. Aber es geht ja weiter:

Der Kellner kommt. Er: Ich nehme den Caesar’s Salad, ohne Chicken. (seufzt leise und bitter) Sie: Ich hätte gerne den Zander, aber kann ich den auch mit Reis statt der Kartoffeln haben? Der Kellner: Sehr gerne. Sie: Und statt dem Beilagensalat einfach Gemüse der Saison? Der Kellner: Sehr gerne. Sie: Und achten Sie drauf, dass der Fisch nicht zu weich gekocht ist. Ach, und mein Freund nimmt noch ein bisschen Brot zu seinem Salat. Der Kellner: Grkmpf. Er: Grkmpf.

Es mag sein, dass Männer auch mal was an dem Gericht von der Karte ändern, klar. Aber hey, Weihnachten ist öfter.

Dann kommen die Teller. Der Mann beginnt zu essen. Die Frau kommentiert ausführlich Textur und Farbe des Fisches, probiert von der Portion des Mannes und widmet sich dann ihrem Gericht. Möglicherweise ist der Fisch mittlerweile ein bisschen kalt. Natürlich schmeckt es ihr nicht — der Reis pappt, das Gemüse ist fad und der Fisch kühl. Sie nimmt sich von seinem Salat, mit einem bezaubernden Augenaufschlag. Er seufzt, tauscht mit ihr den Teller und isst ihren Fisch auf.

Das Drama nimmt noch eine Weile seinen Lauf, mit Dessert (“Eigentlich sollte ich das nicht essen”) und Espresso (“Haben Sie den auch ohne Koffein?”). Dann fährt er sie heim.

Nachdem er sie abgesetzt hat, holt er sich noch einen Döner beim Türken an der Ecke.

Unser Restaurant, Teil 2

by Gunnar on 8. November 2008 · 12 comments

Oh. Ich erzählte doch neulich von dieser Vox-Sendung, Mein Restaurant. Ihr wisst schon, die wo so Pärchen um die Wette Restaurants eröffnen und am Ende gewinnt ein Paar und hat einen Sinn im Leben und die anderen müssen schließen und wieder in den Salzminen arbeiten. Eines der Lokale ist bei uns um die Ecke, wir waren dort essen, sind nervig gefilmt worden, kamen aber in der Sendung nicht vor. Dachten wir. Jetzt gab es noch eine Folge, und wir waren drin. For good or worse.

Das ist natürlich nicht von nationalem Interesse, aber ich dokumentiere es hier trotzdem. Ist ja mein Blog. Kann mir ja keiner langweilige Beiträge verbieten.

Nach 40 Minuten kommt das Essen. Die Liebe meines Lebens bleibt gelassen.

Nach 40 Minuten kommt das Essen. Frau L. bleibt gelassen.

Alter Bedienungstrick: Baby betütteln. Stehen Väter drauf. Auch Herr L.

Alter Bedienungstrick: Baby bewundern. Stehen Väter drauf.

TEH BABY: so klein und schon im Fernsehen.

15 seconds of fame: so klein und schon im Fernsehen.

Unser Restaurant

by Gunnar on 4. November 2008 · 13 comments

Keine Ahnung, wer die Sendung Mein Restaurant von Vox kennt oder sieht, aber jedenfalls kommt die neueste Folge heute abend um 20:15. Darin geht’s um fünf Paare, die alle ein Restaurant eröffnen, mit Kohle von Vox, und dann über den Verlauf der Folgen je nach Gutdünken der Jury (mit dem ubiquitären Tim Mälzer, natürlich) noch mehr Kohle kriegen oder auch nicht, damit sie das Personal oder Speisekartenupgrades bezahlen können oder was auch immer. Jedenfalls gewinnt am Ende nur eines der Restaurants, und der Rest muss dicht machen.

Warum erwähne ich das? Bin ich eine Programmzeitschrift?

Nein, aber einer der Läden, die Grinsekatze, liegt in München, fußläufig zu unserer Wohnung. Und wir waren dort am Sonntag mittagessen, aus Fernsehguckerneugier und weil es bei uns aus unerfindlichen Gründen an brauch- und bezahlbaren Restaurants fehlt.

Das war eine mild surreale Erfahrung, dem Personal stand die Nervösität in die Gesichter geschrieben und ein geieriges TV-Team* wuselte um die Tische, immer auf der Suche nach möglichst spektakulären O-Tönen und Bildern — wobei “spektakulär” wohl in erster Linie negativ gemeint war: Als eine Bedienung mal kurz über das Kassensystem maulte, kam der Redakteur angesprungen und meinte: “Okay, und jetzt sag noch mal in die Kamera wie scheiße du das findest und warum das total arbeitsverhindernd ist”. Die Bedienung wiegelte ab “Ich weiß ja, was das Problem ist, ist nicht so schlimm”, und erntete dafür einen vernichtenden Blick. Ähnliches passierte, als ein Kellner ein Glas zerbrach. Und dann nochmal, als wir unser Essen mit Verspätung bekamen — die Bedienung entschuldigte sich nett, der Redakteur unterbrach: “Stop! Jetzt komm noch mal rein und sag deutlich, wofür du dich entschuldigst.” Und dann, an uns gewandt: “So, wie lange haben sie jetzt warten müssen?”

Da war uns der Herr aber schon so unsympathisch, dass wir instinktiv und trotz fast 40 Minuten Wartezeit mit immer nörgeliger werdender Tochter freundlich lächelnd “ach, nur 20 Minuten, alles okay” sagten.

Ist schon irgendwie fies für die Restaurantbetreiber, das alles, aber hey, so ist das wohl — wer sich in die Fänge des Fernsehens begibt, muss deren Regeln mitspielen.

Und jetzt mal gucken, ob wir in der Folge vorkommen oder ob die uns rausgeschnitten haben, weil wir nicht böse genug waren.

* Am Rande: Unglaublich, wie klischeehaft das TV-Team zusammengesetzt war: Magerer Redakteur, Mitte 40, zerfurchtes Gesicht, Typ “vom Leben gezeichnet” plus kräftiger Kameramann mit Bart und Ich-war-schon-in-Indien-und-habe-alles-gesehen-Ausdruck plus jungspundiger, hübscher Ton-Assi mit arschritzezeigender Hiphopperhose und modisch verwuscheltem Haar. Die werden offenbar auch gecastet.