Roman

Ghost Hunter Jason Dark

by Gunnar on 6. Januar 2010 · 10 comments

Ich bekam neulich eine Mail von Guido Henkel, der Herr ist altgedienter Spieleindustrieveteran und in meinem Herzen für immer unsterblich durch seine Mitwirkung an meinem Allzeitlieblingsspiel Planescape Torment*.

Guido bat darin alle seine näheren und ferneren Bekannten, mal ihre Bekannten (und Blogleser und Twitter-Follower) darauf hinzuweisen, dass er soeben eine Gothic-Horror-Romanreihe namens Jason Dark: Ghost Hunter gestartet hat. Kurze Geschichten im Geiste früherer Groschenromane, Folge für Folge frei lesbar im Internet unter www.jasondarkseries.com.

Dies ist ein Indie-Projekt, Guido versucht es ohne Sponsor oder Verlag, nur bewaffnet mit seinem grenzenlosen Enthusiasmus und seiner Liebe zum Sujet. Wer auf Gothic Horror steht und des Englischen ausreichend mächtig ist, kann ja mal ‘rübersurfen und die erste Geschichte lesen. Der Name Jason Dark ist übrigens eine Verbeugung, so Guido, vor dem Autor der Heftromanreihe John Sinclair, Helmut Rellergerd, der diesen Namen als Pseudonym verwendet.

Schon wieder falsch gelesen, sozusagen

by Gunnar on 11. Mai 2009 · 7 comments

Ach, ich habe es schon wieder getan. Soll ich doch nicht. Ist ja auch eine Schande, bereits gelesene Bücher nochmal zu lesen, wenn ungelesene stapelweise herumliegen. Aber es ist so passiert — zum einen habe ich dieses miserable Gedächtnis (nach durchschnittlich acht Jahren habe ich von einem Buch alles vergessen, es bleibt nur das vage Gefühl, es zu kennen), zum anderen ist da manchmal diese unerklärliche Unlust, sich auf Neues einzulassen. Letzteres ist sicher eine Alterseinscheinung, die im Laufe der Jahre bestimmt progressiv schlimmer wird und am Ende dazu führt, dass meine Tochter irgendwann für mich das programmieren muss, was in 15 Jahren statt eines Videorecorders in unserem Wohnzimmer steht.

gap cycle stephan r donaldsonAber ich fasele. Ich wollte doch von einem Buch erzählen. Also. Das Buch, das ich mittlerweile schon zum dritten Mal gelesen habe, ist This Day all Gods die aus der Gap-Serie von Donaldson. Ist der letzte Band einer Space Opera, Science Fiction also, aus fünf Bänden. Die Reihe hat zwei Handlungsstränge, einmal geht es (eher im Kleinen) um die Polizistin Morn Hyland, die von einem irren Piraten gefangengehalten und gequält wird, dazu kommt ein eher episch angelegte Part, wo die Geschichte von Warden Dios erzählt wird, der ist sozusagen Befehlshaber der (privaten) Erdstreitkräfte, hält seinen Chef, den Tycoon Holt Fasner, begründet für schlimmer als Hitler und versucht, dessen Karriere mit einer kniffligen Intrige zu beenden. Und dann sind da noch die Amnion, absurde Außerirdische, die Menschen durch Injektion einer Flüssigkeit zu einem der ihren mutieren lassen können, was an gewisse Urängste rührt und sie weitgehend unbeliebt macht.

Naja, das ist alles ganz gefällig erzählt, ein bisschen langatmig vielleicht, aber durchaus spannend — doch was die Serie in meinen Augen wirklich bemerkenswert macht, ist die Art wie Donaldson den Plot konstruiert und mit dem Thema Kommunikation umgeht. Denn: Anders als in manch anderen Scifi-Epen, wo der Captain mal eben von der Brücke aus eine Echtzeit-VoiP-Verbindung in den Andromeda-Nebel herstellt, weiß man hier nicht, was am anderen Ende der Galaxis passiert. Nachrichten reisen per Drohne oder Raumschiff. Das führt zu allerliebsten Verwicklungen, wenn die Leute auf der Erde Bruchstücke von den Ereignissen im Sektor der Amnion mitbekommen, die Geschehnisse (die der Leser genau kennt) falsch interpretieren und ungünstige Aktionen in Gang setzen, die wiederum von den Leuten im Sektor der Amnion falsch aufgefasst werden und so weiter. Das macht die ganze Sache komplex, aber Donaldson hält die Bälle ganz gut in der Luft.

Langer Rede kurzer Sinn: Das kann man lesen. Wenn man Scifi mag, natürlich. Gibt’s sogar auf Deutsch, jedenfalls Restbestände.

Ich wollte früher immer Fantasy-Romane schreiben, weil ich erkannt hatte, dass man für Fantasy nicht recherchieren muss. Keine Ahnung, wie eine Phaserkanone funktioniert? Macht nichts. Polizeiarbeit — ein Buch mit siebzehn Siegeln? Egal. Ein paar absurde Länder, deren Kulturen irgendwie so Mixturen aus dem keltischen Irland, Sparta und dem Hof des Kalifen von Bagdad sind, die kann sich jeder ausdenken. Und ein obskures Magiesystem ebenso — in Harry Potter etwa verhalten sich die Zauberstäbe unlogischerweise wie Schusswaffen: Wer aus der Deckung ballert, gewinnt, allen Expelliarmus!-Rufen zum Trotz. Und — hat’s die Gelddruckmaschine etwa verlangsamt? Also. Fantasy, das isses.

Irgendwann habe ich sogar mal ein Anfangskapitel geschrieben, das in meiner Erinnerung großartig ist — es behandelte den Aufbruch des rothaarigen Helden (Anti-Klischee!) im strömenden Regen (Atmosphäre!) zu einem Treffen mit dem König (Erwartungshaltung aufbauen!) –, aber das ist auch schon seit mehr als zwanzig Jahren verschollen. Vermutlich besser so. Abgesehen von diesem Kapitel habe ich immer nur Karten gemalt und mir Schlachten und Kriegszüge überlegt. Meine große Geschichte von dem Freibeuter Ryan etwa kam nie weiter als bis zu dem Angriff der Orks der Nordmarschen auf das Land Dawn (quasi meine Version von Rohan), der nur von den Entsatztruppen der Herren von Cargh gestoppt werden konnte, die in der Stunde der Not erstmals die Tore zu ihrer von Bergen umschlossenen Hochebene öffneten.

Oder so.

Das Kartenzeichnen und Schlachtenausdenken fand ich dann so anregend, dass ich nie dazu gekommen bin, mir irgendwelche Figuren und Handlungsstränge zu überlegen. Was mich zu der Frage bringt, ob da draußen noch mehr Leute wie ich sind, die Fantasy hauptsächlich wegen der Beschreibungen der Waffengänge konsumieren. Die wie ich die Kapitel mit dem Krieg um Minas Tirith 15 Mal intensiv durch- und die Wanderung Frodos durch Mordor nur anderthalb Mal quergelesen haben. Ich hatte schon immer eine Schwäche für die Fantasy-Spielart, die so Geschichtsbuch-mäßig daherkommt und mit einer leicht präteziösen Ernsthaftigkeit ihre Historie abhandelt.

Vielleicht ist das meine Marktlücke: Ich pfeife auf Handlung sowie Dialog und schreibe einfach ein Fantasybuch namens Die Geschichte des großen Krieges. Reihe Gefecht an Gefecht, jeweils mit ausführlichem Kartenmaterial. Klar habe ich dann schon auf Seite 4 alle weiblichen Leser vergrault, aber es müste doch mit dem Teufel zugehen, wenn das 16jährigen Jungs nicht gefallen würde. Ha!